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HAMBURG 29.7.1996 (t-off). In der Werbung ist den Telefongesellschaften heute fast jedes Mittel recht. Wir alle kennen das ja von der Telekom. Im neuesten SPIEGEL (31/1996 Seite 133) treibt es nun aber DebiTel auf die unerträgliche Spitze: "Sie brauchen keine Zeitbombe." Und damit's auch jede(r) versteht sind gleich sieben Rohrbomben mit einem Zeitzünder abgebildet. Und das nach dem explodierten TWA- 800 und nur zwei Tage nach dem Bombenattentat von Atlanta. Eingefallen ist dieser makabre Kundenfang in einer Zeit voll von schlimmstem Terror der Werbeagentur Kremer-Förster-Hintze. Wie heißt es doch am Schluß des Inserats: "Na, hat's geklingelt?"
BONN 26.7.1996 (wop/t-off). Im ersten Halbjahr 1996 hat die
Deutsche Telekom AG vor Steuern nur noch um die 0,9 Mrd. Mark verdient.
Das pfeifen jetzt die T-Spatzen
von den Bonner Dächern.
Offiziell wird dieser massive Gewinneinbruch 1995 war das
Ergebnis
noch 10,3 Mrd. DM vor Steuern (1994: 11,2 Mrd.) von der Telekom
dementiert. Genaue Zahlen nennt die Telekom aber nicht. Nach einem
aktuellen Bericht von "CAPITAL"
(8/1996) hat der Telekom- Vorstand
inzwischen die Gewinnprognose für 1996 von 7,6 Mrd. DM auf die
Hälfte (4 Mrd.) reduziert. Ursachen sind die
hohe Abgabenlast sowie bisher
"vergessene" Bilanz- Korrekturen, z. B. bei den Personal- Kosten.
Bereits im Mai berichtete "DIE WOCHE", daß alleine im
Telefongeschäft im 1. Quartal 1996 ein Umsatzeinbruch von
"fast
einer halben Milliarde DM" zu verzeichnen war. Als Hauptursache
wurde die große Zurückhaltung beim Telefonieren
ausgemacht. Inzwischen sind diese Mindereinnahmen
auf deutliche 1,2 Mrd. Mark
angewachsen. Die Kunden reagieren seit Januar auf
die Ortsgesprächs- Mondpreise
eben marktwirtschaftlich.
Viele Online-Nutzer haben bereits auf ihren Internet-Anschluß verzichten
müssen. Und die Internet- Provider beklagen zudem, daß das
Neugeschäft praktisch "tot" sei und nun völlig
überflüssige Pleiten drohen.
Bei der Telekom wird inzwischen fieberhaft überlegt, wie dem Verfall
durch eine genehmigungsfähige Tarifänderung Einhalt geboten
werden kann. Auch denkt man nun doch an eine weitere Verschiebung des
Börsengangs auf Mai 1997, ein Jahr später als ursprünglich
vorgesehen.
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Mehr zu diesem Thema:
PARIS 23.7.1996 (cyf/t-off). Nur sieben Wochen nach dem
Explosions-Desaster beim Jungfernflug der europäischen Rakete Ariane-5
legte die
ESA heute eine umfassende, genaue und
nichts beschönigende
Fehleranalyse der Ursachen vor. Die Software zur Steuerung der Rakete wurde
überhaupt nicht richtig getestet, was bei einem solchen HighTech-Projekt
angesichts von "design errors" höchst peinlich und nun sehr
imageschädigend ist.
Bekanntlich war die Deutsche Telekom
am 1. Januar 1996 auch von einem massiven
Software- Fehler betroffen. Und bis heute
also nach nun fast sieben
Monaten war die Telekom noch immer nicht in der Lage, der
Öffentlichkeit die genauen Ursachen sowie die interessierenden
Einzelheiten mitzuteilen. Kenner der Telekom vermuten, daß diese zur
Aufklärung ihres Debakels mindestens ein Jahr benötigen wird
[Ed: Ja, nur "auf dem Rad, da sind
die schnell!"].
HAMBURG 22.7.1996 (t-off). Die Stromkonzerne haben bereits
viele Milliarden in die Telekommunikation investiert, um der Telekom Konkurrenz
machen zu können. Dieses Geld stammt aber vor allem aus den gesetzlich
vorgeschriebenen Rückstellungen für die Wiederaufarbeitung und
Endlagerung von Brennelementen für Atomkraftwerke. Das berichtet heute
DER SPIEGEL (30/1996 Seite 18). Diese Rückstellungen sind bisher
nicht versteuert. Bis 1994 war der Topf auf 44 Milliarden Mark
angewachsen. Weil mit der teuren Aufarbeitung nicht mehr zu rechnen
ist, will jetzt Finanzminister Theo Waigel (CSU) einen Teil abschöpfen.
BONN 20.7.1996 (t-off). Im ersten Halbjahr 1996 konnte
T-Online der eher betuliche Online-Dienst der Deutschen Telekom
160 000 neuen Kunden gewinnen. Damit nehmen jetzt an dem früheren
Btx- Dienst (bzw. Datex-J) insgesamt 1,13 Millionen teil. Seit
August 1995 wird den Teilnehmern bei Zahlung von Extragebühren
von nunmehr 5 Pfennig pro Minute auch ein Zugang zum weltweiten
Internet mit World-Wide-Web (WWW) und E-Mail geboten.
21.7.1996 (khd). Kenner der Online-Szene sind darüber verwundert,
denn bei echten Internet- Providern ist der Zugang zum Internet deutlich
billiger. Auch erlauben diese Anbieter inzwischen vielfach das beliebte
Home- Banking. Und sie verwenden zur Präsentation von gestalteten
Seiten im WWW ausschließlich
internationale, für jede(n) leicht zu handhabende und von
Computerplattformen unabhängige Protokolle und Normen, das HTML
(HyperText Markup Language). Bei T-Online müssen hingegen die
Präsentations- Seiten noch immer sehr aufwendig und kostenträchtig
im
antiquierten KIT-Format oder sogar im noch älteren CEPT-Format
angefertigt werden. Das können nur Spezialisten mit teurer Software.
Das Anfertigen von Web-Seiten kann aber mit Gratissoftware aus dem Internet
erfolgen. Und inzwischen können das sogar die meisten kommerziellen
Textverarbeitungs- Programme.
Erst langfristig will sich die Telekom von ihrer "Hausnorm"
lösen und sich dem internationalen Stand der Technik (Darstellung
in HTML und
PDF) anpassen. D. h. dem Stand, wie
er nun in über 25 Jahren in den wirklichen Computer- Zentren dieser Welt
zum Vorteil aller Anwender entwickelt wurde. Merke deshalb:
4.8.1996 (khd). Die Telekom will jetzt trotzdem ihren KIT-Standard auch
im Internet etablieren. Das ist
chancenlos.
BERLIN 19.7.1996 (t-off). Allgemeine Geschäftsbedingungen
(AGB) sind bekanntlich eine der Grundlagen für die vertraglichen
Beziehungen zwischen Kunden und Firmen. Auch bei der Deutschen Telekom AG
ist das heute so. Möchte aber ein Kunde die Telefon- AGBs einmal genauer
studieren, dann hat er zumindest bei der Berliner Telekom Pech. Sie schickt
sie ihm nicht, wie der folgender Fall zeigt.
[mehr]
BRÜSSEL 18.7.1996 (cref/t-off). Grünes Licht gab jetzt
die Europäische Kommission für das gemeinsame Unternehmen
"Atlas" von Deutscher Telekom
und France Télécom.
Auch die Kooperation dieser europäischen Unternehmen mit der
drittgrößten US-Telefongesellschaft
Sprint
kann nun unter dem Namen
"Global One" starten.
MÜNCHEN 14.7.1996 (cref/t-off). In Deutschland wird die
Wirtschaft im Vergleich mit anderen Industrieländern viel zu stark
reguliert. Und dieses sei der eigentliche Standortnachteil. Zu diesem
Ergebnis kommt jetzt das Münchner
ifo-Institut
in einer Studie zur
Standortdiskussion. Danach sind die Klagen der Wirtschaft über zu hohe
Arbeitskosten übertrieben und "zu einem großen Teil rein
interessenpolitisch motiviert". Der zügige Abbau der Regulierungen
sei wichtiger als die Senkung von Steuern oder Lohnnebenkosten, kritisieren
die Wirtschaftsforscher.
16.7.1996 (khd). Lassen wir mal dahingestellt, ob die Lohnzusatzkosten (in
einigen Branchen) nicht doch zu hoch sind. Die ifo-Kritik ist dennoch eine
schallende Ohrfeige für die aktuelle Bonner Politik, die sich nur allzu
ungern und höchst halbherzig von ihrem Spielzeug der wettbewerbsbehindernden
Regulationen trennt. Beispiele dafür sind: Der immer wieder
angekündigte große Subventionsabbau, Beseitigung restriktiver
Marktzugangsregeln, natürlich auch der Ladenschluß. Ihr
jüngstes Gesellenstück an verpaßter
Deregulation haben CDU + CSU + FDP + SPD erst Anfang dieses Monats mit dem
"rückständigen
Telekommunikations- Gesetz"
abgeliefert. Nichts wirklich Wegweisendes, und dann wird da als Nachfolger des
Postministeriums
gleich ein Monstrum von neuer Regulierungsbehörde eingerichtet.
Das Publikum kann bloß noch staunen. Da hat doch gerade die Telekom
konstatiert, daß die im Januar eingeführten hohen Ortstarife
"staatlich diktiert" seien.
Und sie könnte recht haben, denn der Staat braucht Geld, sehr viel
Geld. Wenn er die Steuern nicht erhöhen will, holt er sich das eben
gerne durch weniger auffällige (höhere) "Abgaben", so
auch von der Telekom. Alles nach dem
Motto: Abgaben kann ja
schließlich jede(r) durch Nichtnutzung vermeiden. Also durch Nicht-
Telefonieren, durch Nicht- Nutzung von Online- Diensten. Mißlich ist
das schon, wo die Regierung doch eigentlich "die Zukunftschancen neuer
Technologien offensiv nutzen" wollte. So steht es jedenfalls in der
Koalitionsvereinbarung
vom 11. November 1994.
Wo bleibt denn nun die Offensive? Für Deutschland sind die
großen Chancen im Bereich der Telekommunikation wohl erst einmal
vertan! Also z. B. wenig Chancen für die neue Technik des NC, dem
innovativen und billigen Internet- Netzwerkcomputer. Denn die Telefon-
Ortstarife sind seit Januar wegen der hohen Abgaben, allerdings
fadenscheinig mit hohen
nie bewiesenen Kosten begründet,
viel zu hoch. Und die Art und Weise der Telekom- Deregulation (z. B. keine
getrennte Netz- Gesellschaft)
läßt befürchten, daß
es ab 1998 eben nicht echten Wettbewerb
geben wird. Die absehbaren Marktchancen der Internet- Online Dienste
sind mächtig gesunken. Viele neue Arbeitsplätze können nun
gar nicht erst entstehen. Deutschlands gedankenloser Weg in die
Informationsgesellschaft!
HAMBURG 13.7.1996 (t-off). Die Telekom- Strategie, die
Prozesse um die "Tarifreform 1996" endlos hinzuziehen, ging am
Donnerstag vor dem Hamburger Amtsgericht nicht auf. Die Telekom beantragte
zudem, die Zivilklage als unzulässig abzulehnen, weil die
Telefon-Tarife "staatlich diktiert" und "nicht von
der Telekom gemacht" seien. Das Gericht wies alle
Telekom-Anträge ab und will noch im August das Urteil sprechen.
[mehr]
15.2.1998 (t-off). Und die Telekom hat wohl recht. Denn die
Erklärung des Regulierers vom
9.2.1998 läßt daran eigentlich keinen Zweifel mehr
aufkommen.
BERLIN 11.7.1996 (t-off). Also vorsichtig war Peer H. schon,
als er im letzten Dezember den Antrag für einen ISDN-
Standardanschluß
gleich doppelt stellte. Immerhin hatte er vorher die Warnungen in der
Newsgruppe
des Internets gelesen. Und einer kam auch prompt bei der Telekom nicht
an, sagt die Berliner Telekom. So erhielt er schon im März den
Anschluß mit den "phantastischen Möglichkeiten",
so verspricht's jedenfalls die pinkrote Telekom- Werbung. Aber damit fing
für Herrn H. der große ISDN-Ärger erst an. Die Telekom hatte
das Gebührensignal vergessen, dafür aber einen teureren, nicht
bestellten Komfortanschluß geliefert.
[mehr]
BONN 10.7.1996 (wop/t-off). Das Bundeskabinett beschloß heute
eine neue Datenschutzverordnung für die Telekommunikation. Nach Ansicht
des Postministers stärkt diese die Belange der Verbraucher. Danach
ist künftig die Speicherung von Telefonverbindungsdaten für die
Kontrolle der Telefonrechnungen erlaubt.
GAP 10.7.1996 (t-off). Was das ganze Top-Management der
Telekom nun seit vielen vielen Monaten nicht schaffte, gelang jetzt dem
Telekom-Radrennstall, den
"Pink Panthern", durch
exzellente
Teamarbeit. Das "Team Telekom" überraschte durch besondere
Schnelligkeit, Einfallsreichtum und Spritzigkeit bei der 83. Tour de France.
Und die Erfolge von Bjarne Riis, Erik Zabel und Jan Ullrich unter ihrem
Teamchef Walter Godefroot produzierten
erstmals wieder positive Telekom-Schlagzeilen.
11.7.1996 (cris). Also das ist schon urkomisch. Im
Telekom-gesponserten Sport gibt's Positives zu vermelden, weil doch
tatsächliche alle an einem Strang ziehen. Aber im grauen Alltag, an
der Kundenfront bei Technik,
Termin &
T-Rechnung ist noch immer Negatives
angesagt. Die Deutsche Telekom sollte ihren fähigen Sportchef
Godefroot ins Management holen. Der Belgier kann motivieren, Muff
beseitigen und extrem störende
Hierarchien abbauen helfen. Das braucht die Telekom. Dringend. Und was
ist, wenn die Telekom sogar die Tour de France gewinnt? Lag's dann wohl
am ISDN?
21.7.1996 (t-off). Mit dem Dänen Bjarne Riis hat heute das "Team
Telekom" die 83. Tour de France mit fast 2 Minuten Vorsprung auf den
Pariser Champs Elysees gewonnen. Der Deutsche Jan Ullrich wurde
sensationell Zweiter.
Congratulations!
HAMBURG 6.7.1996 (seh/t-off). Vor dem Hamburger Amtsgericht wird
am Donnerstag, den 11. Juli um 13 Uhr eine nächste Runde im Kampf gegen
die unsoziale Tarif- erhöhung der Telekom eingeläutet. Nach
Einführung der "Tarifreform 96" hatte im Januar auch die
Klagegemeinschaft Michael Hesemann
einen Musterprozeß gegen die Deutsche Telekom AG gestartet. Die
öffentliche Verhandlung findet im Raum 107 am Hamburger Sievekingplatz
statt. Mit einer Entscheidung wird noch nicht gerechnet.
[mehr]
BONN 5.7.1996 (t-off). Das Telekommunikationsgesetz (TKG)
ist heute im Bundesrat endgültig beschlossen worden. Zu einer Abmilderung
der neuen Abhörvorschriften [Ed: beispielsweise Abhören nur bei einer
richterlichen Anordnung im Einzelfall] ist es nicht gekommen. Das TKG
ermöglicht künftig u. a. den Geheimdiensten,
jederzeit und unbemerkt in allen Netzwerken auf
Kundendateien zuzugreifen. Nach Prüfung und
Unterschrift des Bundespräsidenten tritt das TKG nach amtlicher
Veröffentlichung voraussichtlich Mitte Juli in Kraft. Die
Abhörvorschriften des TKGs können dann nur noch vom
Bundesverfassungsgericht gestoppt werden. Es wird erwartet, daß nun
Anbieter von Netzwerkdiensten Klage erheben werden, auch um sich damit als
kundenfreundlich profilieren zu können.
Siehe auch "Netz für die
Fahndung" im Berliner Tagesspiegel von heute. Erst nach dem
Inkrafttreten des TKGs am 1. August 1996 haben Provider mit dem
Protest begonnen.
BONN 4.7.1996 (wop/t-off). Massive Kritik an der Deregulierung
des Telekommunikationsmarktes hat heute auch die Monopolkommission
geübt.
Dieses unabhängige Gremium berät Parlament und Regierung.
Kritisiert wurde von den hochkarätigen Wirtschaftsexperten im
vorgestellten Gutachten u. a., daß insbesondere der geballte
Einstieg der
Elektrizitätsmonopolisten zu
keinem freien Wettbewerb führen wird. Das bisherige Telekom-Monopol
würde mit den beschlossenen [TKG-] Regelungen nur durch ein
"enges Oligopol von Netzbetreibern mit im wesentlichen
gleichgerichteten Interessen" ersetzt werden. [Ed. in Klartext: Die
werden sich nicht die Augen auskratzen, wenn sie erst einmal ein
Tortenstück des Marktes ergattert haben]. Die Kommission unter
Professor Carl Christian von Weizsäcker empfiehlt daher den Verkauf
des Telekom-Netzes sowie eine Verschärfung des Marktzuganges.
7.7.1996 (khd). Voilà! Da kommt sie also die Bonn-made
Planwirtschaft à la TKG ohne echten Wettbewerb. Gemacht von vielen
dieser "famosen" Bonner Politiker, die auf gute und wegweisende
Ratschläge nicht hören wollten. Die negativen wirtschaftlichen
Folgen werden wir schon bald alle zu spüren bekommen.
NEW YORK 2.7.1996 (cyf/t-off). In den USA wurde jetzt vom
US-Geheimdienst CIA das bisher größte Betrugsmanöver
mit Mobilfunk-Daten aufgedeckt. Mit modernsten Hochleistungs- Scannern
haben in New York zwei russische Emigranten die Nummern und
Sicherheitscodes von Mobiltelefonen
in vorbeifahrenden Autos "abgehört". Die Betrüger
gelangten so an die geheimen Daten von über 80.000 Handys. Das Ausmaß
des Schadens ist noch nicht abzusehen. Experten vermuten, daß solche
Betrügereien auch in Deutschland
nicht auszuschließen sind.
3.7.1996 (t-off). Die "New York Times" von heute weiß sogar
die Namen der bewaffneten Betrüger. Diese haben die Handy-Daten mit
einem "digital data interceptor" vom 14. Stock eines Hochhauses am Belt
Parkway in Brooklyn abgehört.
BERLIN 1.7.1996 (t-off). Die Deutsche Telekom AG hat heute
ihr Netzmonopol verloren. Die private Konkurrenz darf nun ihre eigenen
Netze aufbauen und betreiben, sobald sie eine Lizenz vom Postminister
erhalten hat. Nutzen dürfen diese Netze aber nur geschlossene
Benutzergruppen (Corporate Networks), also vor allem größere
Firmen. Diese können sich über das Telekom-Ortsnetz in eines
der Firmennetze einwählen und dann mit ihren Filialen in ganz
Deutschland zum Ortstarif telefonieren.
BONN 28.6.1996 (wop/t-off). Die Deutsche Telekom hat jetzt eine
Erhöhung aller Telefongebühren um 10 % angedroht, falls die
Kommunen vor Gericht die Erhebung von Wegekosten durchsetzen. Die
Kommunen
konnten in Bonn nicht erreichen, daß im TKG die Nutzung
öffentlicher Flächen als kostenpflichtig ähnlich
wie bei den Leitungen der Energieversorger festgeschrieben wurde.
Sie sind nicht bereit, die Telekom und andere private Telekommunikations-
Unternehmen zu subventionieren, und sie werden deshalb gegen das TKG
Klage erheben [Ed: mit sehr guten Chancen auf Erfolg].
[Dazu der Kommentar]
BONN 26.6.1996 (pas/t-off). Der Bonner
Vermittlungsausschuß
zwischen Bund und Ländern hat heute das Telekommunikationsgesetz (TKG)
gebilligt. Im TKG ist nun festgeschrieben, daß eine flächendeckende
Grundversorgung mit Telekommunikations- Dienstleistungen "zu erschwinglichen
Preisen" sichergestellt werden muß [Ed: und was bedeutet "erschwinglich"
in der Praxis?]. Eine Rücknahme der massiven Einschränkungen von
Persönlichkeitsrechten und des Fernmeldegeheimnisses erfolgte nicht.
Damit werden durch die Hintertür des TKGs klammheimlich in Deutschland auch
"Informelle Mitarbeiter" (IM)
für die Geheimdienste salonfähig.
Postminister
Bötsch (CSU) rechnet damit, daß das TKG noch Mitte Juli in Kraft
treten kann.
28.6.1996 (t-off). Und warum eigentlich ist auf dem
Web-Server
der Bundesregierung noch immer nicht das (aktuelle) TKG zu finden?
Informationsgesellschaft Bonn 1996!
29.6.1996 (t-off). Das TKG soll am 5. Juli im Bundesrat endgültig
verabschiedet werden.
MADRID 26.6.1996 (elo/t-off). Die neue spanische
Mitte-Rechts-Regierung unter José María Aznar will die
völlige Freigabe des Telekommunikations- Marktes bis zum Jahr 2003
hinausschieben. Die bis Mai regierenden Sozialisten wollten hingegen
auf diese Schonfrist verzichten und das Monopol der staatlichen
Telefónica sofort kippen und echten Wettbewerb einführen.
Geplant ist nun ein Duopol mit der ebenfalls staatlichen Retevisión,
an deren Privatisierung sich auch die Deutsche Telekom über die
"Global One" beteiligen möchte.
11.7.1996 (elo). Nach einem Bericht des spanischen Finanzministeriums
soll der Siemens-Konzern die spanischen Sozialisten (PSOE) mit rund 12
Mill. DM geschmiert haben. Siemens dementierte die Bestechung.
BONN 24.6.1996 (t-off). Die Deutsche Telekom AG darf ab
1. November 1996 ihren Großkunden (Monatsrechnung höher als
5000 Mark) Mengenrabatte von bis zu 35 % einräumen. Darauf einigten
sich heute der Bundespostminister und der Regulierungsrat auf seiner letzten
Sitzung vor der Sommerpause. Bescheidenere Rabatte
für Privatkunden wird es hingegen erst ab dem 1. Januar 1997 geben.
Ob die EU-Kommission mit diesen Preisnachlässen, die von ihr kürzlich
geforderte Gleichbehandlung aller Kunden als
gewährleistet ansieht, war heute nicht mehr zu erfahren.
BERLIN 22.6.1996 (dart/t-off). Gerade hatte
Bundespräsident
Roman Herzog allen deutschen Chefs kräftig die Leviten gelesen. Da erreicht
uns heute schon die nächste Hiobsbotschaft aus der feinen Gesellschaft
der nimmersatten Manager-Kaste. Diesmal (be)trifft es die
Deutsche Telekom AG.
Die Berliner Zeitung weiß
heute zu berichten, daß der überraschende
Rückzug Rolf-Dieter Leisters (55) vom Chefsessel des Telekom-
Aufsichtsrats
einen sehr triftigen Grund hat. Vermutlich hat er in erheblichem Umfang
Amtsmißbrauch begangen. Schon im Februar sind anonym beim
Postminister
Bötsch (CSU) gegen Leister
schwere Vorwürfe erhoben worden,
auf Telekom-Papier!
Zwar entlastet ein von der Telekom bei den Wirtschaftsprüfern KPMG
in Auftrag gegebenes Gutachten den Aufsichtsratschef (und ansonsten
Unternehmensberater) nur bedingt, da den Prüfern entscheidende
Unterlagen fehlten. Aber nach den Recherchen der
Berliner Zeitung verdichten
sich deutlich die Hinweise, daß Leister Insider- Informationen zur
Telekom- Zukunftsplanung über seine Beratungsfirmen an die Konkurrenz
und Lieferanten weitergegeben haben
soll. Denn der Siemens- Konzern, mit dem Leister als Unternehmensberater
in geschäftlichen Beziehungen stehen soll, ist bereits auf Tauchstation
gegangen, und mochte dazu der Berliner Zeitung keine Auskünfte geben.
Siemens und SEL-Alcatel
23.6.1996 (khd). Inzwischen hat der Telekom- Aufsichtsratsvorsitzende
Leister gegenüber dem SPIEGEL
(26/1996, Seite 89) alle erhobenen
Vorwürfe bestritten. So habe er keinen Einfluß auf die
Auftragsvergabe der Telekom genommen. Auch habe er sein Wissen "nie an
Zulieferer oder Konkurrenten der Telekom" weitergegeben.
Also muß wohl der anonyme Briefschreiber (aus dem "inner
circle" der Telekom?) einer Fata Morgana aufgesessen sein. Oder war
das doch noch alles ganz anders? Und warum hat dann Postminister
Bötsch einen anonymen Brief so ernst genommen? Im
Informationszeitalter werden wir (bald) die Wahrheit erfahren. In einer
Welt mit einem globusumspannenden Informations- Netzwerk dem
Internet wird ein Tricksen zum Vabanque-Spiel. Und die "Alten
Herren" in den vielen Vorstandsetagen haben noch nicht begriffen:
Absolute Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit sind heute die
allererste Unternehmenspflicht. Sie sind unverzichtbar für eine
zeitgemäße Geschäftsethik und entscheiden letztendlich
über den Erfolg.
28.6.1996 (t-off). Inzwischen hat am 26. Juni 1996 das ZDF in "Kennzeichen D" über das
"Big-brother-is-watching-you"- Gesetz kritisch berichtet. Und
ausgelöst wurde das durch diesen kleinen Artikel im
Internet!
BONN 14.6.1996 (t-off). Der Bundesrat hat heute
überraschend das Telekommunikationsgesetz (TKG) abgelehnt und zur
Überarbeitung in den
Vermittlungsausschuß
geschickt. Das TKG
sieht u. a. die endgültige Abschaffung des Telekom- Monopols
für den Telefondienst ab 1998 vor [Ed: nur de-jure!]. Die Länder
wollen insbesondere Nachbesserungen beim Universaldienst
die Versorgungssicherheit für den ländlichen Raum
erreichen und verlangen mehr Mitwirkung bei der künftigen Regulierung
des Telekommunikationsmarktes. Das TKG hatte erst am Donnerstag abend den
Bundestag in 2. und 3. Lesung passiert. Dabei stimmten die Koalition und
nur Teile der SPD zu. Kenner der Bonner Szene waren darüber verwundert,
denn das TKG war schon im Vorfeld von
CDU/CSU und SPD "ausgehandelt" worden.
Auf der SPD-Seite waren daran vor allem die selbsternannten
"Postexperten" Arne Börsen
und Hans Martin Bury ("B&B")
beteiligt. Diese sind aber bei Kritikern der Bonner T-Politik
insbesondere im Internet bisher mehr durch völlige Inkompetenz
und Ignoranz aufgefallen. Beispielsweise haben diese B&Bs nicht
rechtzeitig die verlogene Begründung für die "Tarifreform
96" der Telekom ("Ortsgespräche sind defizitär")
erkannt und dem rechtzeitig Paroli geboten [Ed: siehe auch
BAPT-Studie und die hochbrisante VTM-Studie]. Und auch bei der
marktwirtschaftlichen Deregulierung der Telekom haben die SPD-
Unterhändler schwerwiegende Fehler der Koalition
"übersehen", werfen ihnen die Kritiker vor. Es muß
nun abgewartet werden, inwieweit es den SPD-regierten Ländern doch
noch gelingt, die schlimmsten Mängel des TKG im
Vermittlungsausschuß zu korrigieren. Die BündnisGrünen
übten gestern außerdem massive
Kritik an den datenschutzrechtlichen Regelungen im TKG.
15.6.1996 (khd/t-off). Das T-Gesetz macht also doch tatsächlich
erstmals private Unternehmen in Deutschland zu Hilfsbeamten der
Geheimdienste (neue IMs?) und der Staatsanwaltschaft. Und die Regelungen
der §§ 8587 ebenen den unheilvollen Weg in den Orwellschen
Überwachungsstaat. Der "Große Lauschangriff" war also
nur ein Anfang. Wo bleiben da die freiheitlichen BürgerInnen- Rechte,
auf deren Verteidigung einmal eine FDP so stolz war? Nein, Herr Bury, das
ist kein
"Firlefanz".
Und warum nur haben die Politiker der Koalition
und der SPD ein derartiges Mißtrauen gegenüber
dem Volk?
Neben den, die Grundrechte und die Freiheit fatal und den volks- und
marktwirtschaftlichen Wettbewerb unsinnig einschränkenden sowie
verfassungsrechtlich bedenklichen
Regelungen, ist auch der Verbraucherschutz in Bonn schlichtweg auf
der Strecke geblieben. Noch nicht einmal Mindestanforderungen wurden im TKG
festgeschrieben, was vollkommen unverständlich ist. Denn der
Petitionsausschuß hatte doch, aufgrund von Bergen von Bürger-
Anträgen, von der Regierung eindeutig eine Verbesserung des Schutzes
der Verbraucher bei der künftigen Telekommunikation eingefordert
(Stichwort u. a. Beweislastumkehr). Nein, die Bonner Politiker müssen
jetzt zu Recht nachsitzen, um das über viele Monate Versäumte
schleunigst nachzuholen. Bonn 1996!
NEW YORK 13.6.1996 (cyf/t-off). Nicht nur bei der Telekom gibt
es Pleiten, Pech und Pannen. Die New Yorker Telefongesellschaft Nynex
verschickte jetzt 15 000 Mahnungen mit der Androhung, die Anschlüsse
zu sperren. Der eingeforderte Betrag: 0,00 Dollar. Und woran lag's?
An einem fehlerhaften Computerprogramm.
HANNOVER 9.6.1996 (sut/t-off). Erneut hat sich die Telekom eine
gerichtliche Abfuhr eingehandelt. Bekanntlich wirbt die Telekom für ihren
unseriösen 0190-Service (z. B. die Sex-Talklines) unter der
Bezeichnung "Tele-Info Service". Dabei schmückt sie sich auch hier mit
fremden Federn [Ed: Übrigens, auch beim Internet, wo sie in ihrer
Werbung suggeriert, daß sie der innovative Erfinder des Weltnetzes
sei].
Denn der Markenname "Tele-Info" gehört dem seriösen
Tele-Info Verlag in
Garbsen, Hersteller von nützlichen Verzeichnissen im WWW und auf CD-ROM.
Der kleine Verlag verklagte deshalb die Telekom. Schon im Eilverfahren hat
jetzt das Landgericht Hannover der Telekom die weitere Verwendung von
"Tele-Info" untersagt (Az: 21 O 75/96).
KÖLN 6.6.1996 (dag/t-off). Was doch etwas Kreativität
vermag, zeigte jetzt der kleine Kölner Abgang-Verlag. Dieser
produzierte ein T-Shirt mit dem Aufdruck "-T---error". Vor einigen
Wochen ließ der Telefon-Gigant Telekom dieses T-Shirt vom
Düsseldorfer Landgericht verbieten, weil das pinkrote T ihr ganz
alleine gehöre. Auch wolle man sich nicht das Image kaputtmachen
lassen. Der innovative Abgang- Verlag entwickelte daraufhin das erste
interaktive T-Shirt der Welt. Auf diesem steht jetzt "- ---error"
gedruckt. Dazu kann ein Buchstabenset bestellt werden. KäuferInnen
können so selbst kreativ werden und einen Buchstaben eigener Wahl
aufbügeln. Der komplette Set kostet
29,90 Mark.
9.6.1996 (gig). Das erinnert an das Märchen vom Hasen &
Igel. Die wenig "open- minded" Telekom tickt nicht richtig. Und
sie hat in ihrem verbissenen
Kampf gegen die Satire einen
vollen Pyrrhussieg errungen. Soll denn jetzt womöglich die Polizei
hinter TrägerInnnen des "-T---error"-Shirts herjagen? Oder will die
Telekom nun sogar jede(n) einzeln gerichtlich verfolgen? Die Telekom sollte
endlich das "Übel" bei der Wurzel packen, und zu all ihren
vielen Fehlern (error) stehen und
diese einfach ausmerzen.
HAMBURG 3.6.1996 (cref/t-off). Noch in diesem Jahr soll Deutschland
das "liberalste Telekommunikationsgesetz der Welt" erhalten, wird
Postminister Bötsch (CSU) nicht müde zu erzählen. Aber mit
vielen Tricks versucht die Deutsche Telekom AG das zu unterlaufen.
Beispielsweise ist die künftige Konkurrenz noch Jahre auf die Netze
der Telekom angewiesen, um ihre Gespräche über die vorhandenen
Ortsnetze in alle Haushalte zu transportieren. Und geplante Funknetze
werden daran auch nur wenig ändern.
Dennoch will die Telekom bundesweit nur 40 Einspeisepunkte der privaten
Konkurrenz zur Verfügung stellen. Im heutigen SPIEGEL kritisiert
Vebacom-Chef Bohla deshalb diesen neuesten wettbewerbsbehindernden
Telekom-Trick:
Je weniger Zugänge zu den Ortsnetzen, desto länger die Strecken
und desto höher die Gebühren, die man an die Telekom entrichten
müsse. Bleibt es dabei, dann wird die Telekom- Konkurrenz keine
preiswerten Gespräche anbieten können.
6.6.1996 (khd). Also nun ist aber schleunigst der Gesetzgeber
gefordert, um doch noch die Telekom zu echtem Wettbewerb zu zwingen. Und
im Telekommunikationsgesetz (TKG) muß klar und eindeutig die
Einführung der Entbündelung von Telekom- Netzbestandteilen sowie
der Großhandel mit Diensten zu angemessenen und wirklich
marktwirtschaftlichen Bedingungen geregelt werden. Einfacher wäre es
da schon, wenn man in Bonn die bisher versäumte Teilung der Telekom
nachholen würde. Noch ist es nicht zu spät. Aber, in Bonn
herrscht schon Ferienstimmung. Da will man nicht mehr viel nachdenken.
Deshalb soll das TKG bereits in der
nächsten Woche unter Dach und Fach gebracht werden, hoffentlich
nicht nur "liberal" sondern auch marktwirtschaftlich.
BONN 29.5.1996 (wop/t-off). Die Telekom hat es selbst verraten,
und das schon vor genau drei Monaten bei "Schreinemakers", als
es um den ganz großen "Ärger mit der Telekom" ging. Jetzt
endlich konnte etwas Licht in eine dunkle Telekom- Geschichte gebracht werden.
Die Telekom dreist, wie sie nun einmal ist hatte im Februar
beim Postminister einfach eine neue Vergleichsstudie "bestellt".
Denn die Ergebnisse der eindeutigen BAPT-Studie
"Nationale Telefontarife im internationalen
Vergleich" des dem Postminister unterstehenden Bundesamts für
Post und Telekommunikation (BAPT) vom
Juni 1995, von der sie erst am 29.
Januar 1996 im
Bonner Regulierungsrat erfahren hatte, paßte ihr so gar nicht.
Telekom-Chef Ron Sommer (46) nannte die Zahlen dieser Studie "abenteuerlich".
Denn danach mußten die Privatkunden schon 1995 fast dreimal so viel für
Ortsgespräche bezahlen wie international bei Telefongesellschaften in
Ländern mit Wettbewerb üblich. Zudem enthielt diese Studie noch den ganz
schlimmen Hinweis, daß bei der Telekom alle Preise ab 1996
"kräftig" reduziert werden müssen. Und was machte da der
mächtige Noch-Monopolist?
[mehr]
PARIS 29.5.1996 (ard). Die französische Regierung hat
jetzt die Teilprivatisierung von France Télécom gebilligt.
Der Verkauf von 39 Prozent der Anteile soll Anfang 1997 beginnen.
MÜNCHEN 25.5.1996 (piht/t-off). Der Münchner Rechtsanwalt
Volker Thieler hat am Mittwoch [Ed: 22. Mai 1996] erneut Strafanzeige bei
der Bonner Staatsanwaltschaft gegen die Telekom gestellt. Im Münchner
Musterprozeß mußte die Telekom jetzt eingestehen, daß
sie in den alten Bundesländern Ortsgespräche, die mehr als 84
Sekunden dauern, systematisch fehlerhaft berechnet. Die Telekom entschuldigt
diese "skandalöse Abrechnungsweise" damit, so RA Thieler,
daß dieses "seit 1978 in den entsprechenden Verordnungen"
so vorgesehen sei. [mehr]
BRÜSSEL 17.5.1996 (cref/t-off). Die von der Telekom geplanten
und in Bonn bereits im März genehmigten Großkundenrabatte sind
jetzt von der EU-Kommission endgültig gestoppt worden. Diese Rabatte
(bis zu 3545 % bei Rechnungen von über 5.000 Mark pro Monat)
können nicht mehr rückwirkend zum 1. Januar 1996 eingeführt
werden, da sie gegen das geltende EU-Recht verstoßen.
Frühestens zum 1. Januar 1997 kann es nun überhaupt (neue)
Rabatte geben. Die Entscheidung der EU darüber hängt aber von
den (betriebswirtschaftlichen) Daten der Telekom ab, auf die man in
Brüssel noch immer wartet. Bei der EU-Kommission hatten sich sieben
Konkurrenten sowie viele Privatkunden wegen der verlogenen und
wettbewerbsverzerrenden Tarifpolitik der Deutschen Telekom AG beschwert.
Die Brüsseler Wettbewerbswächter verlangen nun, daß die
Telekom künftige Rabatte auf alle Kunden ausdehnt. Außerdem
muß die Telekom ihre (Orts-)Netze auch allen anderen Anbietern
zugänglich machen.
16.5.1996 (t-off). Nachhilfe in Sachen sozialer Marktwirtschaft erteilte
jetzt also die Brüsseler EU-Kommission. Die geplanten
Telekom- Rabatte
sind nicht genehmigungsfähig. Denn sie verhindern den Wettbewerb.
Das ist nun eine weitere schallende Ohrfeige für das Bonner Dr.
Sommer-Team der Telekom, aber auch eine für den amtierenden
Postminister
und den Regulierungsrat.
Eigentlich sollten doch alle diese hochbezahlten Leute über die
Möglichkeit verfügen, darüber vorher nachdenken zu können,
daß der Planwirtschaft nicht die Zukunft gehört.
17.5.1996 (khd). Und die Bonner Politiker von CDU+SPD+CSU+FDP
stehen auch hier vor einem riesigen Scherbenhaufen, an dem
sie aber selbst, und insbesondere ihre tollen "Post- Experten",
seit vielen Jahren in Kungelrunden kräftig gebastelt haben
(solide Arbeit kann man das ja nun wohl nicht mehr nennen). Auch in Bonn
besteht nun sehr dringender "Handlungsbedarf". Die Bundesregierung
muß die Genehmigung der unsozialen und marktwirtschaftsfeindlichen
"Tarifreform 96" widerrufen, da sie ganz offensichtlich unter
falschen Voraussetzungen erschlichen wurde. Erst massive Preissenkungen
werden die Telekom auf den richtigen marktwirtschaftlichen Weg bringen.
Es rächt sich nun bitter, daß von vornherein die Privatisierung
nicht markt- und volkswirtschaftlich sinnvoll durch Bilden von zwei
getrennten Telekom- Unternehmen (eines für das Netz, das andere
für den Informationstransport) erfolgte. Im anstehenden
Telekommunikationsgesetz ließe sich aber auch das noch korrigieren.
Und will man in Deutschland Innovation und neue Arbeitsplätze, dann
muß man im zukunftsträchtigen Markt der Telekommunikation voll
mitmischen, und dann sollte diese Korrektur einer Fehlentwicklung noch
schnellstens nachgeholt werden (Hallo SPD und FDP, aufwachen!).
HAMBURG 5.5.1996 (zif/t-off). "Die Einnahmen der Telekom
im Ortsbereich übersteigen die Kosten erheblich, um mehrere
hundert Prozent", weiß der
SPIEGEL in seiner morgigen Ausgabe
zu berichten. Das ist das Ergebnis eines
Gutachtens, das die
Telekom-Konkurrenz in den nächsten Tagen dem Postminister vorlegen
wird. Darin wird auch nachgewiesen, daß
die Telekom bisher mit einem völlig falschen ökonomischen Ansatz
gearbeitet hat, um so die Bonner Politik mit falschen Zahlen täuschen
zu können. Die Telekom hatte immer behauptet, daß sie bis 1995
im Ortsbereich nicht kostendeckend arbeitete.
12.5.1996 (t-off). Noch im Januar 1996 widersprach die Telekom schnell und
energisch:
"Wir
haben unsere Tarifstruktur den Kosten angepaßt, um das
Mißverhältnis von hoher Kostenbelastung im Ortsnetz und Spielraum
im Fernbereich auszugleichen." (DIE WELT 6.1.1996).
Nachdem das jetzt als ein Märchen enttarnt ist, ist die Telekom
erst einmal auf Tauchstation gegangen, und sie hüllt sich nun schon
eine Woche lang in Schweigen.
Es ist ja auch zu peinlich, daß es gerade die Analysten waren, die
das Doppelspiel des Noch- Monopolisten rechtzeitig vor dem Börsengang
durchschauten. Und da half dann im Februar auch kein amtliches, Telekom-
genehmes Schönrechnen der eindeutigen
und korrekten BAPT-Studie vom Juni 1995 mehr.
Für die Telekom AG hängen ab sofort die Börsentrauben sehr
sehr hoch. Und die 40 Millionen Kunden dürfen endlich hoffen, daß
die planwirtschaftliche "Tarifreform 96" schon bald im Papierkorb
landet und die Telekom doch noch aus ihrem (Verw)irrgarten den ehrlichen
Weg zur echten Marktwirtschaft findet.
GENF 1.5.1996 (ard). Die Öffnung der internationalen
Märkte für Telefon-, Fax- und Mobilfunk-Dienste wird es in diesem
Jahr nicht mehr geben. Um ein völliges Scheitern der Verhandlungen
zu verhindern, beschlossen die 53 Mitglieder der Welthandelsorganisation
eine Vertagung um neun Monate.
POTSDAM 20.4.1996 (sv/t-off). Die Deutsche Telekom AG
verschickt jetzt viele unberechtigte Mahnungen und droht auch damit,
das Telefon zu sperren. In den meisten Fällen ohne Grund, denn
die Rechnungen sind rechtzeitig bezahlt worden. Das liegt vor allem
daran, daß die veraltete Telekom- Buchungsorganisation nicht
mehr zeitnah funktioniert, beispielsweise bei der inzwischen so
beliebten Bezahlung der
Telefonrechnungen mit Verrechnungsschecks.
Seit Januar 1996 benötigt die Telekom für die Verbuchung von
Schecks im Mittel 25 Tage, vom durch Rückschein nachgewiesenen
Eingang des Schecks bis zur Abbuchung vom (Bank-)Konto des Kunden.
Vor einem Jahr waren es 'nur' 14 Tage. Das geht aus einer ersten
Untersuchung einer nicht repräsentativen Stichprobe von
Schecklaufzeiten hervor. Im Mittel ist das eine Verzögerung von
11 Tagen. Die Telekom hat dennoch an ihren frühen Mahnterminen
festgehalten, obwohl eine Rechnung mit dem Eingang eines Schecks als
bezahlt gilt.
1.5.1996 (khd). Der Service der Telekom wird immer besser: Ein
Kunde konnte im März/April bereits sogar eine Scheckbearbeitungszeit
von sage und schreibe 37 Tagen (vom durch Rückschein belegten Eingang
des Schecks bei der Telekom bis zur Abbuchung von seinem Bankkonto)
beobachten.
OSLO 14.4.1996 (t-off). Die norwegische Telefongesellschaft
Telenor beabsichtigt zum 1. Januar 1998 die Einführung von kostenlosen
Ortgesprächen (bis 20 km). Dafür soll die monatliche
Grundgebühr
maßvoll erhöht werden. Das meldete gestern die Osloer Tageszeitung
"Aftenposten".
Das ist genau der Weg in die richtige marktwirtschaftliche Richtung. Und
die Deutsche Telekom kann davon nur lernen. Bis zum 1.1.1998 müssen in
der EU alle staatlichen Telefongesellschaften dereguliert werden. Dann
herrscht überall Wettbewerb. Hoffentlich! Die Telenor wäre
allerdings gut beraten, ihre kundenfreundlichen Tarifpläne sofort in
die Tat umzusetzen, denn die schwedische Konkurrenz Telia steht in den
Startlöchern, noch günstigere Tarife anzubieten.
ERLANGEN 12.4.1996 (maik/toff). Den Herren vom Dr. Sommer Team
der Telekom (Frauen sind da ja wohl kaum zu vermuten) ist vermutlich noch
immer nicht bewußt, welche sozialen Folgen ihre wenig
durchdachte Tarifstruktur neben den rein finanziellen hat. Viele Menschen
mußten seit Jahresanfang ihren ganzen Lebens- rhythmus den neuen
Telefon-Tarifzeiten anpassen. In vielen Familien mit Kindern ist nun
ständig Streß angesagt, wenn's Ärger wegen des
Telefonieren- Dürfens gibt. Online-Nutzer vor allem
StudentInnen können sich erst nach 21 Uhr ins Internet wagen,
sonst würden sie von der Telekom finanziell völlig abgemurkst.
Und wer zum Einloggen eine Fernverbindung benötigt, weil sie/er z. B.
auf dem Lande wohnt, der ist inzwischen zur absoluten NachtschwärmerIn
geworden, denn erst nach 2 Uhr kann sie/er sich das gelegentliche
Recherchieren von ungefilterten Informationen leisten. Das
ist sie nun also, die schöne neue Freiheit in der
Telekommunikationswelt der Deutschen Telekom. Sie hat den ganzen
Tagesablauf "von Mensch zu Mensch" umgekrempelt. Und das alles
nur, weil das Dr. Sommer Team nicht richtig nachgedacht hat.
MÜNCHEN 6.4.1996 (t-off). Mit dem deutschen Post- und
Telefonservice sind 35 % aller Kunden am unzufriedensten. Das geht aus
einer aktuellen Infas-Umfrage hervor, die der FOCUS heute
veröffentlichte (15/1996, Seite 172). In der Negativ-Hitliste folgen
die Warenhäuser und Supermärkte mit 27 %, die Banken und
Versicherungen (9 %), die Bahn (7 %) und erfreulich die
Fachgeschäfte mit nur 3 %. Von allen Befragten machten 19 % keine
Angaben bzw. nannten andere Branchen.
Und das bei den riesigen Image-Werbekampagnen, beispielsweise der
Deutschen Telekom. Wenn nun aber daraus Hitlistenanführer Telekom und
Post schließen sollten, daß fast 2/3 aller Kunden mit ihnen
zufrieden sind, dann wäre das für ihre Art zu denken zwar
typisch, aber fatal. Denn die veröffentlichten Zahlen machen keine
Aussage über die tatsächliche Anzahl unzufriedener Kunden.
Anstatt immense Werbemillionen sinnlos weiter zum Fenster hinauszuwerfen,
sollten nun Telekom und Post dieses Geld marktwirtschaftlich wesentlich
nutzbringender einsetzen, zur dringend notwendigen Verbesserung ihrer
Dienste am Kunden.
Das schrieb jetzt der inzwischen fast schon berühmte Peter Schmitt von der berüchtigten
Berliner Telekom-Niederlassung 3 am 25. März 1996 in einer Antwort
auf einen Kundenantrag vom Januar 1996, doch bitte endlich auch
mitzuteilen, was alles, wann und um "wieviel Prozent teurer" geworden
sei, da ja aus den vielen Telekom- Inseraten und der "volksverdummenden,
nervtötenden" Fernsehwerbung sowie den Telekom-Druckschriften [Ed: die
irreführende Werbung wurde der Telekom ja bereits im Januar 1996 vom
Kölner Landgericht verboten]
diese "essentiellen Informationen" nicht zu entnehmen
seien.
8.4.1996 (khd). Ach, sagte nicht Telekom-Chef Ron Sommer im Juli
1995 dem SPIEGEL, daß die Telekom "eine Vorreiterrolle" beim Umgang mit ihren
Kunden spielen wolle. Und im neuesten SPIEGEL 15/1996
weiß Ron Sommer, "the
Handyman", nun sogar: "Beim Controlling haben wir bereits
modernste Meßverfahren, nachdem wir den Ballast der Behörden-
Struktur abgeworfen haben." Irgendwie muß das alles in
Berlin und anderswo nicht angekommen sein.
BERLIN 28.3.1996 (pep/t-off). Nachdem die Große Koalition
das Berliner Wahlvolk fünf Jahre über den katastrophalen
Finanzstatus der Stadt vorsätzlich getäuscht hat ("Berlin
ist nun pleite"), ist der Berliner Senat nun auch noch einer
bösen Selbsttäuschung erlegen. Die Politiker von CDU + SPD sind
nämlich auf die Telekom- Propaganda hereingefallen, wonach das
Telefonieren seit dem 1. Januar nicht teurer werden sollte (O-Ton:
"Plus Minus
Null"). Auch hoffte man als Großkunde auf die großzügigen Rabatte der
Telekom, die es vermutlich so nie geben wird. Wie die Berliner
"BZ" heute zu berichten weiß, sind auch im neuen
Sparhaushalt der Stadt, der heute vom Parlament verabschiedet werden soll,
noch immer nicht die erheblich höheren Telefon-Gebühren aller
öffentlichen Einrichtungen berücksichtigt. Es fehlen erneut
einige Millionen Mark im Säckel der Möchtegern- Metropole [Ed:
halt nur Peanuts!].
BONN 24.3.1996 (wop/t-off). Stromfirmen müssen ganz
selbstverständlich für Wegerechte, d. h. für die
Nutzung von Grundstücken für Leitungen, bei den Gemeinden
bezahlen.
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat das unlängst noch einmal
bestätigt. Und bei der Telekom: Diese wünscht sich zusammen
mit der Regierung, daß im neuen Telekommunikationsgesetz die
kostenlose Nutzung von öffentlichen Flächen festgeschrieben
wird. In den in argen Finanznöten steckenden Gemeinden fragt man
sich deshalb, wieso nun gerade die Städte die Deutsche Telekom
AG subventionieren sollen.
BRÜSSEL 23.3.1996 (t-off). Die Europäische Kommission
muß jetzt über die Beschwerden gegen das Telekom-Rabattsystem
entscheiden. Postminister Bötsch (CSU) wird bis
zur EU-Entscheidung über die
wettbewerbsrechtliche Zulässigkeit der Rabatte kein Genehmigungs-
schreiben an die Telekom schicken.
20.4.1996 (khd). Was ist denn da bei der EU passiert? Die EU-Kommission
wollte doch schon bis Ostern eine Entscheidung treffen.
Diese Interview-Frage stellte jetzt der Berliner "Tagesspiegel"
dem Telekom-Vorstandsmitglied Frerich Görts (18.3.1996, Seite 18):
Und auf die Tagesspiegel-Frage "Müssen sie am geplanten Erlös
für den [Ed: im November 1996 vorgesehenen] Börsengang
Abschläge vornehmen?":
GÖRTS: "Die Tarifreform war wichtig und richtig für das
Unternehmen. Das wurde uns von allen Analysten aus dem In- und Ausland
bestätigt. Im Übergang zum Wettbewerb mußten wir die bisher
politisch festgelegten Preise den tatsächlichen Kosten zuordnen.
Damit ist diese Reform ein entscheidender Beitrag zur Wertsteigerung des
Unternehmens. Mit den alten Preisstrukturen könnte die Deutsche
Telekom weder an die Börse gehen, noch die Herausforderungen des
Wettbewerbs bestehen, die Gebührenreform ist also ein Gewinn
für das Unternehmen. Von Erlösschmälerungen kann deshalb
auch keine Rede sein."
BONN 2.3.1996 (khd/t-off). Nach Ansicht des Postministers
Bötsch (CSU) nützt die Deutsche Telekom AG nicht ihre
marktbeherrschende Position aus, wenn sie jetzt ihren Großkunden
hohe Rabatte einräumen möchte. Dieses hat der Minister auch
der EU-Kommission in Brüssel
mitgeteilt. [mehr]
BERLIN 25.2.1996 (khd/t-off). Die Medien klatschten an diesem
Wochenende bereits sehr viel Beifall zum neuesten Einfall der Telekom, dem
Rabatt-Tarif »City-Plus«. Aber
haben sie auch nachgerechnet? Und wann lohnt sich der Zusatztarif
»City-Weekend«? Ja, es wird nun sehr
kompliziert und unkontrollierbar für die Kunden. Klicken Sie auf die
"Links", und Sie erhalten erste Antworten.
[mehr]
HAMURG 22.2.1996 (t-off). Ja, die Tarife in Deutschland sind
so kompliziert geworden, daß sich nun die Deutsche Telekom zusammen
mit der BILD-Zeitung am 22. Februar 1996 genötigt sahen, endlich eine
spezielle Telefonscheibe "T-Timer" kostenlos zu verteilen:
"Nur ein kleiner Dreh, und Sie wissen vor dem Gespräch genau, wie
teuer es ist", schrieb dazu BILD auf Seite
1.
22.2.1996 (khd). Ach BILD, im Sommer 1964 also vor 32
Jahren, als Axel Springer noch lebte standest "Du" noch voll an der
Seite der protestierenden Bürger und Bürgerinnen, als es "Dir"
damals sogar gelang, den Deutschen Bundestag aus den Ferien zu einer
Sondersitzung wegen der Erhöhung der Gebühreneinheit von 16 auf
20 Pfennige zurückzuholen und dieser dann die
Telefontariferhöhung korrigieren mußte. Damals, das waren doch
wirklich nur "Peanuts", nur eine Preissteigerung von 25 %, aber heute...
BERLIN 17.2.1996 (khd/t-off). Das will uns nun das Statistische
Bundesamt weismachen. Eine weitere
Ungereimtheit? Vielleicht hatten ja die amtlichen Statistiker in Wiesbaden
auch nur eine Computer-Panne. Oder liegt es vielleicht daran,
daß sie beim Vergleich mit dem Jahr 1991 die immense Steigerung in
Berlin um beispielsweise 1987 % (in Worten:
eintausendneunhundertsiebenundachtzig Prozent !!!) vergessen haben. Ein
einstündiges Ortsgespräch kostete in Berlin 1991 noch 0,23 DM und
heute 4,80 DM.
BERLIN 7.2.1996 (khd/t-off). In Berliner Postfilialen findet
man in diesen Tagen folgenden Hinweis: "Bitte
lassen Sie Ihren Ärger und Frust über die Dt. Telekom nicht in
unserer Postfiliale und an unseren Mitarbeitern aus. Wir sind nicht
die Dt. Telekom. Nächster Ansprechpartner ..."
[Es folgen
Anschriften der Telekom,
auch der Telekom- Generaldirektion
Bonn].
BONN 5.2.1996 (t-off). Ein Blick ins Lexikon schafft hier
Klarheit:
nicht auf die Beziehungen zwischen Menschen bezogen also eben
nicht "von Mensch zu
Mensch",
nicht gesellschaftlich gerecht bzw. richtig,
nicht an gesellschaftliche Verhältnisse angepaßt.
Und da inseriert doch die Telekom am 2.2.1996: "Wer unsere
Tarife als unsozial bezeichnet, kennt diese Fakten nicht: ..." Es folgen drei
zwar lobenswerte Fakten, aber reichen diese aus, um die Tarife sozial
zu machen? Nein!
Unsere Antwort daher: Doch, kennen wir! Wir haben aber Lexika und wissen so,
was "sozial" wirklich bedeutet.
Nur die "Telekom weiß es
nicht".
BONN 3.2.1996 (t-off). Schon vor der Einführung der
unsozialen Telefontarife mußten Privatkunden der Deutschen Telekom
für Ihre Ortsgespräche fast dreimal so viel wie international
üblich bezahlen (im Vergleich zu den USA sind es sogar 7-mal so viel).
Und seit dem 1. Januar wurden daraus nun sogar etwa 6-mal bzw. 14-mal
(USA) so viel!
Das hatte das Bundesamt für Post und Telekommunikation
(BAPT) bereits im Juni 1995 aufgrund eines
Vergleichs der Warenkörbe für Telefondienstleistungen der OECD
ermittelt (Studie " Nationale Telefontarife im
internationalen Vergleich") und deshalb der Telekom "kräftige
Tarifsenkungen" auch für die Ortsgespräche
empfohlen. Bisher ohne Erfolg. [mehr]
BERLIN 20.1.1996 (khd/t-off). Bekannte und ich selbst haben seit 1994
sehr viel Ärger mit dem extrem kundenunfreundlichen Geschäftsgebaren
der Telekom wegen überhöhter Telefonrechnungen. Hier nun der 29.
Brief: die vorerst letzte
Beschwerde. Bis zum Juli 1995 hatte
ich deshalb auch 55 Fragen an die Telekom zu vielen
Telekom- Ungereimtheiten und dem erheblichen Pannen-Potential gestellt. Diese
mochte diese Fragen nicht schriftlich beantworten, da sie
"Unternehmensinterna" betreffen würden.
Lesen Sie auch die Dokumentationen und urteilen
Sie selbst, ob das wohl stimmt.
BERLIN 12.1.1996 (t-off). Also was würden Sie
eigentlich sagen, wenn ab morgen der Liter Benzin 3,15 Mark kostet, und
nicht mehr 1,50 Mark? Ja, das wäre eine Preiserhöhung
um 110 %! Und um soviel teurer sind nun seit dem 1. Januar 1996
längere Ortsgespräche am Tage geworden.
Sammeln Sie Unterschriften!
Das neue Tarifsystem beim Ortsgespräch muß weg, Regional- und
Ferngespräche müssen deutlich billiger werden, und zwar ganz ganz
schnell!
»Wenn Greenpeace Shell besiegen konnte,Keine Chance für Kirchs d-Box
BERLIN 25.7.1996 (khd). Schon bis Weihnachten wollen die Kirch-Leute vom
Kanal »DF 1« das erste Prozent
mit rund 700.000 Abonnenten eingefangen haben. Träume! Deutschland
ist eben nun mal kein Land fürs Pay-TV im großen Stil. Es wird
es auch nicht werden. Auch wenn bei unseren Nachbarn in Frankreich (4
Mill. Abonnenten beim Canal Plus) und Großbritannien (5 Mill. bei
Murdochs BSkyB) das Pay-TV blüht. Die Musik spielt
sowieso woanders, im wirklich weltumspannenden Internet, das zudem keine
Einbahnstraße ist. Und es ist nur noch eine Frage der (kurzen) Zeit bis
auch im Weltnetz digitales Fernsehen möglich sein wird. Irgendwie haben die
Murdochs, Kirchs & Bertelsmänner das verschlafen. Die deutsche
Set-top-Box taugt nicht zum "Empfang" des unverschlüsselten Internets,
wohl aber der amerikanische
NC.
Und dieser beherrscht offene internationale Normen, wie u. a. TCP,
FTP, NFS, SMTP, POP3, HTTP, HTML (auch Java), JPEG, GIF, MPEG, ISO 7816
(Smart Cards). Ominöse Hausnormen von Möchtegern- Monopolisten
kommen da nicht vor. Abzocken Nein Danke!
BERLIN 28.7.1996 (khd). Das Pay-TV in der Digitalform wird nun ein Fall für
das Berliner Kartellamt und die Brüsseler EU- Wettbewerbshüter.
Denn die Kirch/Murdoch- Gruppe und Bertelsmann haben sich am Freitag
plötzlich geeinigt, das Digitalfernsehen gemeinsam in Deutschland
ohne lästige Konkurrenz zu betreiben. Ja, dieses neue
Kartell ist ein weiterer "Erfolg" der Bund/Länder- Politik, den
Medien- und Telekommunikationsbereich zu deregulieren. Ganz klar zum
Nachteil aller Kunden, die nun bezahlen sollen, was die Monopolisten
diktieren. Eine schöne Marktwirtschaft ist das. Nicht (versprochene)
Vielfalt ist nun angesagt, sondern nur das, was ein zu (finanz-)
mächtiger Leo Kirch erlaubt. Abzocken Nein Danke!Der Anfang von Kirchs Ende?
BERLIN 7.8.1996 (khd). Die Allianz beim Digital-TV zwischen der Kirch/Murdoch-
Gruppe und Bertelsmann wird möglicherweise vom Bundeskartellamt in
Berlin gekippt. Präsident Dieter Wolf sagte heute dem
InfoRadio Berlin, wenn nicht nur
der Decoder kompatibel gemacht, sondern auch die Programme gemeinsam
vermarktet würden, handele es sich um ein "unzulässiges
Vertriebskartell". Das Kartellamt will nun die Verträge sehen.
[1999: Kirch herrscht allein]
[17.08.1997:
OpenTV contra closed d-Box] (t-off)
[27.05.1998:
BerTelKirch zerplatzt] (t-off)
[14.04.1999:
Kirch herrscht allein] (t-off)
Im globalen
Markt werden keine proprietären Normen oder Systeme Bestand haben.
Nur wirklich offene möglichst der Allgemeinheit gehörende
Normen und Systeme werden letztendlich überleben.
29.6.1996 (t-off). Na das ist ja ein schöner Wettbewerb, den
die Konservativen da in Spanien installieren wollen. Das wird zu Recht
Ärger mit der EU geben. In Deutschland waren die Sozialisten +
Konservative cleverer. Sie versteckten die Schonfrist für die Telekom
einfach hinter komplizierten gesetzlichen Regelungen, die sie gemeinsam auskungelten. Praktisch
läuft das aber auf das gleiche hinaus. Und die vielen auf den
Wettbewerb so hoffenden Telekom-Kunden werden das erst ab 1998 merken.
FRANKFURT/M 16.6.1996 (t-off). Nach dem Vorbild der
amerikanischen
"Blue Ribbon
Campaign" ist jetzt in Deutschland eine Aktion
"TKG-Wanze"
von Nicolas Reichelt gestartet worden.
Mit dieser Kampagne soll im Internet auf die umfassenden
"Abhör"- Möglichkeiten aufgrund des künftigen
Telekommunikationsgesetzes (TKG) aufmerksam gemacht werden.
Das TKG, das noch vor der Sommerpause endgültig verabschiedet werden
soll, erlaubt den Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden jederzeit
bei Internet- Providern und Mailbox- Betreibern auf alle Daten zuzugreifen,
und zwar so, daß keiner es merken darf. Die Medien haben diese
politisch gewollte starke Einschränkung von Persönlichkeitsrechten,
Pressefreiheit, Fernmeldegeheimnis und Datenschutz bisher kaum wahrgenommen.
[Dazu ein erster Kommentar]
[mehr TKG]
[Zu viel Planwirtschaft]
[Zur Geschichte des TKG]
Kundenfreundlichkeit Noch immer nichts dazu
gelernt
BERLIN 31.3.1996 (t-off). »Bezüglich des
Tarifkonzepts 96 sind Ihnen die essentiellen Informationen zugegangen
[Ed: es waren die "Preisinformation Teil 1 und (der inzwischen teilweise
verbotene) Teil 2"]. Es ist nicht zuviel verlangt, wenn Sie sich als
intensiver Nutzer der Ihnen angebotenen Leistungs- vielfalt das notwendige
Wissen über Tarife selbst heraussuchen. Sie werden dann auch am
besten selbst feststellen können, was alles wann und um wieviel
Prozent b i l l i g e r geworden ist.«
GÖRTS: "Die neuen Privatkundenrabatte sind ein Angebot
insbesondere
an Vieltelefonierer, ihre Telefonkosten zu senken. Wenn dieses Produkt nicht
zu mehr Telefonieren führt, werden wir Geld verlieren. Wir wollen
es den Kunden aber auf diese Weise schmackhaft machen, daß sie auch
mehr telefonieren."

BONN 11.3.1996 (khd/t-off). Geschäftskunden der Telekom
dürfen nun kräftig aufatmen. Sie erhalten rückwirkend zum
1. Januar 1996 Rabatte bis zu 40 Prozent. Für Privatkunden lehnte
hingegen die Telekom einen echten Mengenrabatt auf die Telefonrechnung ab.
Stattdessen wird die Telekom erst zum 1. Dezember 1996 den Sondertarif "City- Weekend" für Ortsgespräche am
Wochenende und zum 5. Januar 1997 den Tarif "City-
Plus" einführen. Diese Zusatztarife bieten nur sehr bescheidene
Rabatte für ausgesprochene Vieltelefonierer, die zudem an digitalen
Vermittlungsstellen angeschlossen sein müssen. Das hat heute auf
Antrag der Bundesregierung der aus Bund und Ländern besetzte
Regulierungsrat in Bonn genehmigt. CDU, CSU, FDP und SPD stimmten der
Neuregelung zu. Die Grünen lehnten die Privatkunden- Rabatte hingegen
als "völlig ungenügend" ab.
Die Verbraucherzentrale Berlin hatte die Zusatztarife bereits in der
letzten Woche schlicht als
"unbrauchbar" bezeichnet. Und die
großzügigen Geschäftskunden-Rabatte könnten noch von der
EU-Kommission in Brüssel gestoppt
werden. Zu den Privatkunden- Rabatten deutete Postminister Bötsch (CSU)
gegenüber dem Nachrichtensender "n-tv" an, daß diese "noch
nachgebessert" werden können. Von den verschiedenen
Bürgerinitiativen war zu erfahren, daß diese nun den Protest gegen
die "unsoziale und kommunikationsfeindliche" Tarifstruktur der Deutschen Telekom
"verstärken" wollen.
Diese Fragen stehen nun auch als universell lesbare
PDF-Dokumente zur Verfügung
(zum Lesen den kostenlosen
Acrobat Reader von Adobe verwenden):
Teil 1 (121),
Teil 2 (2236),
Teil 3 (3755).
Und im Merkblatt Warnsignale gibt es
Ratschläge aus der Praxis, was bei überhöhten
Telefonrechnungen zu tun ist.
Mit meiner Frage 54
hatte ich damals genau ins Schwarze getroffen und
den Neujahrsflop wohl vorausgeahnt. Auch die unbeantworteten Fragen
1,
9,
27,
35,
36,
40 und
5055
haben einen Bezug zur aktuellen Tariferhöhung. Für den Protest
gegen das "Tarifkonzept 96" habe ich neue
Fragen entworfen. Über Anregungen und Kommentare würde ich
mich freuen. Aber vergessen Sie nicht, viele viele Unterschriften in Ihrem Bekannten- und
Freundeskreis zu sammeln.
Vielerorts haben sich bereits
Bürgerinitiativen gebildet, um mit
phantasievollen Aktionen, Sammeln von Unterschriften, Demonstrationen und
Klagen die Telekom zur Rücknahme der
unsozialen Tarife zu zwingen. Im Internet gibt es spezielle Homepages zum
Informieren sowie einen sehr guten
Reader von Michael Hesemann.
Aber das reicht noch nicht aus, deshalb:
Listen zum Drucken (und dann zum Verteilen) finden Sie auf
diesem Server.
Siehe Rubrik "Unterschrifts-Aktionen".
[Ed: Die Aktion wurde am 30.10.1996 mit über
1 Million Unterschriften
abgeschlossen].
Mit den Möglichkeiten des Internets (UseNet, WWW, FTP) ist es inzwischen
hervorragend gelungen, die notwendige Gegenöffentlichkeit herzustellen. Die
Medien sind offensichtlich durch die Flut von Telekom-Werbeaufträgen so
massiv beeindruckt, daß sie darüber zu oft ihre
Berichterstattungspflicht auch zum Protest vergessen. Neben dem
Problemfall "Telekom" haben wir auch ein Problem "Deutsche Medien".
Werden auch Sie aktiv! Beteiligen auch Sie sich am Protest gegen die
unsozialen und kommunikationsfeindlichen Telekom-Tarife. Unterschreiben und
helfen Sie bei allen
Unterschrifts-Aktionen. Denn über den
Erfolg wird auch eine hohe Zahl von Unterschriften entscheiden. Der
Protest geht jetzt erst richtig los!
Und lassen Sie sich nicht täuschen. Auch mit den von Politikern
eingeforderten und von der Telekom nunmehr geplanten
Rabatten für Privatkunden werden
längere Ortsgespräche noch immer viel zu teuer sein, und der
Tarif-Dschungel wird noch sehr viel
undurchsichtiger werden, und vor allem für Sie unkontrollierbar sein.
Und außerdem: Würden Sie wirklich einer (eher) wenig seriösen
Firma die Telefonnummern Ihrer besten FreundInnen mitteilen? Wer weiß, was
die damit sonst noch machen?
Unterstützen auch Sie deshalb die Forderung der bundesweiten
Aktion billiges Telefon:
![]()
können wir alle gemeinsam auch
die Telekom besiegen!«
Berliner Demo
20.1.1996
| Weitere Services im Rahmen des Archivs "t-off" von khd | ||
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| Hier gibt es keine gekauften Links! | ||