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MÜNCHEN 22.10.1996 (oby/t-off). Die gute Idee einer Deutschen Netz AG könnte doch noch Wirklichkeit werden, allerdings ohne die Beteiligung der Deutschen Telekom. Am Rande der Computer- Messe Systems wurde jetzt bekannt, daß sich die Telekom- Konkurrenten Vebacom und Viag für ein Zusammenschalten aller privaten Telekommunikationsnetze unter dem Dach einer eigenen Gesellschaft einsetzen. Nur so könne man der Telekom Paroli bieten, hieß es dazu in München.
HAMBURG 21.10.1996 (t-off). Nach den US- Telefongesellschaften AT&T und Bell South wird sich nun auch die amerikanische Global Link im deutschen Telefon- Geschäft engagieren. Bereits bis 1998 will Global Link in Deutschland rund 60 neue Vermittlungsstellen aufgebaut haben. Die Leitungen sollen gemietet werden. Quelle: SPIEGEL 43/1996. [mehr]
BERLIN 18.10.1996 (t-off). Neuigkeiten und Presse- Mitteilungen der Deutschen Telekom AG findet man im Internet unter dem Pfad http://www.dtag.de/dtag/neues/. Auf dieser Web- Seite informiert die Telekom über alles, was ihr wichtig erscheint. Nun gab es am Montag in Cottbus die größte Telefon- Störung, die in Deutschland je passierte, weil in Cottbus- Madlow Telekom- Computer fehlerhaft gearbeitet haben. Und das verwundert schon, denn immerhin gibt es heute fehlertolerante Computer- Systeme nach Maß, die vor allem in sensiblen Bereichen verwendet werden. Will man sich deshalb über die genaueren Hintergründe dieses aus dem Rahmen fallenden Black-outs aus erster Hand informieren, findet man heute am Freitag um 21.30 Uhr auf dem Telekom- Server noch immer nichts. Das Telekom- Desaster kommt da schlicht nicht vor. Die letzte Presse- Mitteilung ist vom 8. Oktober und lobt die 2,5 Millionen an der T-Aktie Interessierten.
BONN 17.10.1996 (wop/t-off). Die Bundesregierung startet jetzt eine "Initiative Telearbeit". Bis zum Jahr 2000 solle sich die Zahl der Telearbeitsplätze in Deutschland auf 800.000 mehr als verfünffachen, so Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) am Mittwoch in Bonn. Deutschland belegt bisher weltweit bei der Heimarbeit am Computer einen hinteren Platz.
Ein wesentlicher Grund: die hohen Telefontarife der Deutschen Telekom. Es war aber die Regierung selbst, die zum Jahresanfang die Telefon-Ortstarife saftig von am Tage 2,30 DM auf 4,80 DM pro Stunde erhöhte (+108,7%). Damit verursacht ein Online- Arbeitsplatz alleine schon 38,40 DM an laufenden Telekommunikations- Kosten pro 8-Stundentag, also rund 800 DM im Monat. Von einer Korrektur dieser wirtschaftsfeindlichen Tarifpolitik wußte die Bundesregierung aber (noch) nichts zu berichten. [siehe auch Kommentar vom 16.7.1996] [mehr]
COTTBUS 15.10.1996 (t-off). Cottbus, die zweitgrößte Stadt Brandenburgs, war gestern 17 Stunden lang telefonisch völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Von 3 bis 20 Uhr waren sämtliche Fernleitungen und die meisten Ortsverbindungen lahmgelegt. Die Telekom gab als Grund einen Software- Fehler in den Siemens- Computern an. [mehr] [noch mehr]
15.10.1996 (khd). Dieses Versagen digitaler Telekom- Technik ist rekordverdächtig. Schlimm ist, daß ganz offensichtlich die Telekom nicht auf einen solchen Ernstfall vorbereitet war. Denn die Notdienste wurden erst nach vielen Stunden informiert. Und man fragt sich, kann sich ein solcher Crash wiederholen? Deshalb haben die Kunden sowie die künftigen Aktionäre ein Recht, diesmal die volle Wahrheit von der Telekom zu erfahren, was da genau und warum das in Cottbus passiert ist. Wir erinnern uns noch gut an die Neujahrspanne, von der wir bis heute nicht die genauen Ursachen kennen. Die Telekom sollte sich bei ihrer Informationspolitik die ESA als Vorbild (Ariane V) nehmen. Aber die Telekom wäre nicht die Telekom, und diese hatte ja bereits vorgebeugt. Denn in ihrer neuesten Kampagne für das "T-Net" heißt es doch vielsagend: "Unser Telefonnetz wird digital. Jetzt wird alles möglich." Auch ein 17-stündiger Totalausfall?
HAMBURG 13.10.1996 (t-off). Die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen zur Zeit (auch), ob nicht ein Teil des Telekom- Börsengangs genehmigungspflichtig wäre. Der SPIEGEL schreibt in seiner morgigen Ausgabe (42/1996 Seite 114 ff): "Da der gesamte Erlös der beiden ersten Aktienpakete allein der Telekom zugute kommt [Ed: der Bund verzichtet auf diese Einnahmen], könnte es sich um eine verdeckte Subventionierung der Noch-Staatsfirma handeln." Sieht die EU- Kommission dieses nun als eine staatliche Beihilfe an und verweigert deren Genehmigung, dann kann die Telekom nicht mit den Einnahmen aus dem Aktien- Verkauf ihre hohen Schulden abbauen.
BRÜSSEL 11.10.1996 (cref/t-off). Die Telekom- Konkurrenten Vebacom, Mannesmann CNI, RWE Telliance, Thyssen Plusnet, Viag Interkom und WorldCom gehen jetzt gemeinsam gegen die Telekom vor. Die EU-Kommission soll die Großkundenrabatte endgültig stoppen, da die Telekom die von der EU im Sommer festgelegten Bedingungen nicht erfülle. Brüssel hatte die Telekom- Rabatte schon einmal im Mai wegen der drohenden Behinderung des Wettbewerbs gestoppt. [mehr] [noch mehr Ärger]
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Im wirklichen Leben ist's natürlich komplizierter. So hat der Eigentümer der Telekom, der Bund, nie präzise gesagt, wieviel Aktien er überhaupt insgesamt durch die Telekom auszugeben wünscht. Angenommen wird meist, daß es N = 2,53 Mrd. Aktien sein werden (Die Welt 5.10.1996). Davon sollen im November in einer ersten Tranche 500 Mill. Stück auf den Markt gebracht werden. Bis zum Jahr 2000 hat der Bund eine Gesamtausgabe von 1 Mrd. Aktien erlaubt.
Die objektive Bewertung einer neuen AG von außen noch dazu bei der Privatisierung eines Staatsmonopolisten mit seinen Altlasten ist schwierig. Viele Analysten haben sich in den letzten Wochen daran versucht und sind zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Denn viele der klassischen Bewertungskochrezepte versagen bei der Telekom AG!
Die seriöse Financial Times vermutet deshalb den Telekom-Wert im Bereich W = 7 bis 61 Mrd. DM. Nun schätzen wir doch mal die Obergrenze: K = W / N = 61 Mrd. DM/2,53 Mrd. Aktien, was einen Ausgabepreis von 24,11 DM pro T-Aktie ergibt. Mit W = 27 Mrd. DM (Zentralwert) ergeben sich nur 10,67 DM/Aktie. Die BZW-Analysten waren Anfang September auf eine Preisspanne von 10,40 bis 21,60 DM/Aktie gekommen. Auch diese Preise sind aus den Zahlen der Financial Times ableitbar. Jedenfalls sind die von der Telekom gewünschten 30 DM/Aktie viel zu teuer. Das haben jetzt auch New Yorker Banken festgestellt. Deshalb raten diese ihren Kunden, den Kauf zu verschieben, bis der Kurs auf ein realistisches Niveau gesunken ist. Auch die Aktien des japanischen Telekom- Konzerns NTT liegen heute etwa 40 % unter dem Ausgabekurs von 1986.
11.10.1996 (t-off). Der Börsendienst "Platow Brief"
bewertet die T-Aktie mit "nur etwa 20
DM". Besonders kritisch bewerten die Platow- Finanzexperten die
"Lockvogelangebote" vieler Banken, die Privatanleger mit Sonder-
Konditionen zum Kauf der T-Aktie motivieren wollen. So betreibe die
Commerzbank mit ihrem Angebot Safe-T "Bauernfängerei".
Für den Risikoschutz müsse der Kleinanleger weit mehr bezahlen,
als am Finanzmarkt nötig und sinnvoll sei. Das sind klare und
deutliche Worte.
21.10.1996 (t-off). Die Deutsche Telekom gab heute die offizielle
Preisspanne für die T-Aktie mit 25 bis 30 DM/Aktie an. Im
Bookbuilding- Verfahren wird nun bis zum 17. November aufgrund der bei den
Banken eingehenden Kaufaufträge der engültige Ausgabepreis
innerhalb dieser Spanne ermittelt. Ab dem 18. November wird die T-Aktie
an den Börsen von Frankfurt/Main, New York und Tokio frei gehandelt.
Die Telekom gibt ihren derzeitigen Wert mit W = 75 Mrd. DM an, was einen
Ausgabekurs von K = W/N = 29,64 DM/Aktie bedeuten würde.
17.11.1996 (t-off). Der Ausgabekurs wurde heute mit 28,50 DM/ T-Aktie
festgesetzt [Ed: also lassen wir mal schön die Finger von dieser
völlig überteuerten (Volks-)Aktie soll sie doch dieser
Krug selbst
kaufen...].
BERLIN 9.10.1996 (t-off). Die Berliner Zeitung "BZ" ergänzt heute ihren Bericht vom Montag: »Wertpapier- und Telefonmuffel Manfred Krug darf weiter Reklame für die Telekom- Aktien machen. Das stellte gestern Telekom- Sprecher Uwe Lissek klar. Warum? Die Spots des Berliner Schauspielers ("Liebling Kreuzberg") seien immens erfolgreich. Fazit: Krug trommelt weiter für Aktien statt zu telefonieren.« Und im "N 3" wußte man gestern sogar, daß Krug privat keine T-Aktien kaufen wolle. [mehr]
MÜNCHEN/DÜSSELDORF 8.10.1996 (oby/t-off). Am 28. Juli war Kirchs DF1 auf Sendung gegangen und ist nur via ASTRA-Satellit mit speziellen Empfängern zu empfangen. Denn eine Einspeisung des digitalen Bezahl- Fernsehens ins Kabelnetz hatte bisher vor allem die Deutsche Telekom blockiert. Nachdem die Telekom im September aus der Multmedia- Betriebsgesellschaft (MMBG) ausgestiegen war [Ed: nun wissen wir auch warum], verhandelt sie jetzt direkt mit der Kirch- Gruppe auch wegen der Einspeisung von DF1 in ihr TV-Kabelnetz. DF1 hat es bisher nur auf 10.000 Abonnenten gebracht. Im Sommer war man noch von 700.000 zahlenden Nutzern bis zum Jahresende ausgegangen. Inzwischen wurde diese Zahl nach unten auf 200.000 korrigiert [Ed-31.8.1997: Die Zahl der Abonnenten soll nun rund 50.000 betragen].
Nach Bertelsmann, RTL und Pro Sieben hat jetzt auch die Vebacom ihre Aktivitäten beim Digital-TV zunächst eingestellt. Dafür ausschlaggebend sind die [Ed: merkwürdigen und bedrohlichen Allianz-] Entwicklungen der letzten Wochen. Vebacom gehörte zu den Initiatoren der MMBG und sollte in Berlin das Pilotprojekt zusammen mit der EMG realisieren. Die Telekom wußte das zu verhindern. Und sie macht nun selbst Medienpolitik. Die Telekom könne sogar das Fernsehen der Zukunft "dominieren", schreibt der SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe (41/1996 Seite 128).
12.10.1996 (cref). Bei der EU-Kommission überlegt man nun, die Telekom zum Verkauf ihres TV-Kabelnetzes zu zwingen.
HAMBURG 5.10.1996 (bas). Die Städte Dortmund und Gera werden jetzt Beschwerde gegen das erst am 1. August in Kraft getretene Telekommunikationsgesetz (TKG) beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einlegen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner kommenden Ausgabe (41/1996 Seite 17). Das TKG räumt allen Telekommunikations- Unternehmen, so auch der Deutschen Telekom AG, die völlig unentgeltliche Nutzung öffentlicher Flächen (z. B. der Straßen) für ihre Leitungen ein [Ed: die Stromversorger müssen für eine solche Nutzung bezahlen]. In einem Gutachten für den Deutschen Städtetag ist der Tübinger Rechts- Professor Günter Püttner zu dem Ergebnis gekommen, daß der Bonner Gesetzgeber mit der neuen TKG-Regelung das im Artikel 28 des Grundgesetzes garantierte Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden verletzt. [siehe auch Kommentar vom 30.6.1996]
DÜSSELDORF 4.10.1996 (t-off). Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) ist über Ron Sommer verärgert. Denn der Telekom- Chef kann im Vorstand der Deutschen Telekom AG seine Vereinbarungen mit Bötsch nicht (mehr?) durchsetzen. Das berichtet heute das Handelsblatt. Der Postminister soll der Telekom den Weg zum Global-Player ebnen. Wenn der Minister aber die Türen zu politischen Entscheidungsträgern im Ausland öffnet, haben die Telekom-Vorstände plötzlich "keine Zeit". [mehr]
BERLIN 3.10.1996 (t-off). Die Deutsche Telekom hat ein Problem mit dem Datenschutz. Deshalb hat sie klammheimlich den Start der für sie so lukrativen "Komfortauskunft" vom 1. Oktober auf den 1. November verschoben. Nach dem Informationsflop vom August informiert die Telekom nochmals mit einer Mini-Beilage zur Telefonrechnung für Oktober [Ed: der Prospekt der T-Aktie hat 160 Seiten!] über den Datenschutz und die Widerspruchsrechte bei ihren neuen Auskunftsdiensten. Die Kunden dürfen nun "jederzeit" Widerspruch einlegen. Von einer schriftlichen Bestätigung des Widerspruchs wird aber nichts gesagt. Und ab wann sich ein Widerspruch auswirkt, das bleibt auch offen. Die Telekom trickst erneut. [mehr]
PARIS 2.10.1996 (fen). HighTech kostet Geld, meist sehr viel Geld. Und weil man das nicht hat, werden heute im allgemeinen Wohlstandsrausch schnell hohe Schulden gemacht. Es finden da wahre Schuldenorgien im Vorgriff auf eine bessere Zukunft statt. Aber dann können sie plötzlich nicht mehr bezahlt werden, weil die erhofften hohen Einnahmen ausbleiben. Ein aktuelles Beispiel: Der hochverschuldete französisch- britische Kanaltunnel- Betreiber Eurotunnel S. A.
Unklar ist noch, was nun die gebeutelten 750.000 Kleinaktionäre zu bezahlen haben. Die Aktionäre mußten bereits einen Kursverfall von 35 Francs (Emissionskurs) auf zuletzt 9,05 Francs hinnehmen (Höchstkurs 120 Francs). Und dabei steht die Eurotunnel 'nur' mit umgerechnet 20,6 Milliarden DM bei den Banken in der Kreide. Gemessen am Schuldenberg, den da die Deutsche Telekom AG inzwischen aufgetürmt hat, ist das eher bescheiden. Der Staatsmonopolist Deutsche Telekom hatte Ende 1995 mit 122 Milliarden DM das Sechsfache an Schulden. Und am 4. Oktober stellt die Telekom für die neue T-Aktie den 180-seitigen Verkaufsprospekt vor. Dann will sie sogar eine Dividendenzusage für 1997 und 1998 machen. [siehe auch "Schuldner Nr. 2"]
3.10.1996 (khd). Und weitere solch bedrohliche HighTech- Projekte
kündigen sich an. Beispielsweise: Digitales Bezahl- Fernsehen (Pay-TV),
Transrapid, Elektronische Geldbörse
(Geld-Karte).
4.10.1996 (t-off). In der Tat, der Telekom- Finanzchef Kröske
versprach heute im InfoRadio Berlin den Telekom- Aktionären für
1997 und 1998 eine Dividende von 1,20 DM je T-Aktie (Nennwert ist 5
DM). Eine solche feste Dividendenzusage hat es in der deutschen
Wirtschaftsgeschichte noch nie gegeben. Also muß wohl das Image des
Telefonriesen schon sehr kaputt sein, daß man mit solchem Speck die
Mäuse fangen möchte. Wie schrieb doch
DIE ZEIT letzte Woche zur T-Aktie:
"Trommeln, tarnen, Telekom".
MÜNCHEN 2.10.1996 (t-off). Da ist es wieder, das Gerücht, daß der für den 18. November terminierte Börsengang der Deutschen Telekom AG noch platzen könnte. Bereits im Mai hatte Telekom- Vorstand Gerd Tenzer den Schritt an die Börse wegen des massiven Gewinn- Einbruchs in Frage gestellt (CAPITAL 8/1996). Nun berichtete gestern die "Süddeutsche Zeitung", daß die Wertermittlungen der Konsortialbanken und die Hausberechnungen bei der Telekom erheblich "auseinanderklaffen". Während deutsche Analysten von einem Verkaufspreis der T-Aktie von 2930 DM ausgingen und sogar im ersten Jahr einen Kursanstieg auf bis zu 40 DM für möglich halten, bewerten angelsächsische Finanzexperten die T-Aktie realistischer mit höchsten "um die 20 DM".
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BONN 30.9.1996 (t-off). Noch bis zum 31. Oktober 1996 nimmt das Postministerium (BMPT) Anregungen und Bedenken zur Neugestaltung der Telekommunikations- Kundenschutzverordnung (TKV) entgegen. Mit der Öffnung der Märkte entstehen neue wirtschaftliche Betätigungsfelder und damit neuartige Schutzbedürfnisse für die Kunden, insbesondere für die Endverbraucher [Ed: Stichworte Gebührenanzeige, Umkehr der Beweislast, 0190-Abzockdienste usw.]. Der Postminister möchte solche "kundenrelevanten Sachverhalte" möglichst umfassend ermitteln, um sie in der neuen TKV berücksichtigen zu können. Das BMPT ist dazu auch per E-Mail erreichbar unter leffler.norbert@hsbonn.bmpt.bund400.de. Die Postanschrift ist: Bundesministerium für Post und Telekommunikation, Referat 221, Postfach 8001, D-53105 Bonn. Fax: 0228 14 6221. [mehr]
BONN 27.9.1996 (wop/t-off). Der Bundesrat hat heute den Regierungsentwurf der Verordnung über die Telekom- Netzzugänge mit einigen Änderungen gebilligt. Auf Antrag Bayerns wurde nun doch noch der entbündelte Zugang in diese Rechtsverordnung zum TKG aufgenommen. Danach muß die Deutsche Telekom AG ihren Konkurrenten Leitungen und Dienstleistungen auf Wunsch auch einzeln und auf allen Ebenen ihrer Netze verkaufen. In der Verordnung werden die Bedingungen geregelt, zu denen die privaten Anbieter ab 1998 Zugang zum Telekom- Netz bekommen. Der Telekom wird es danach nicht möglich sein, die künftige Konkurrenz zu zwingen, bei ihr Dienstleistungen einzukaufen, die diese selbst (günstiger) erbringen können.
28.9.1996 (khd). Mit dieser Verordnung hat jetzt der Gesetzgeber einen
Geburtsfehler der Postreform abgemildert. Bekanntlich konnte er sich nicht
dazu durchringen, das Telekom-Netz in eine gesonderte Gesellschaft
auszugliedern.
Es bleibt abzuwarten, wie sich das Regelwerk in der Praxis bewähren
wird. Die Telekom wird nun allerdings versuchen, bei den Preisen zu tricksen
und den für die Konkurrenz so wichtigen Ortsnetz- Zugang überteuert
verkaufen wollen. Die Wettberber befürchten bereits, daß sie mehr
als 50 Prozent ihres gesamten Umsatzes bei der Telekom abliefern müssen.
Aus der VTM-Studie vom Mai
wissen wir, daß die Telekom noch nicht einmal die entbündelten
Kosten des Ortsnetzes selbst kennt. Denn sie verwendet eine völlig
antiquierte Methode der Kostenermittlung. Die Telekom muß sich nun
schleunigst ein zeitgemäßes, detailliertes und bereichsbezogenes
Kostenrechnungswesen zulegen, das vor allem endlich die ökonomische
und technischen Beziehungen berücksichtigt. Die VTM-Studie hat dazu
den Weg gewiesen. Denn mit der Quersubventionslüge wird die Telekom
sich nicht länger durchmogeln können [Ed-31.8.1997: Und im noch
nicht rechtskräftigen Urteil des
OLG München vom 22.7.1997 bescheinigt das Gericht der Telekom die
Rolle eines "Mischkalkulators"]. Und versäumt die Telekom das oder
schauen etwa die staatlichen Regulierer erneut weg, ist massiver Ärger
an der Preisfront vorprogrammiert.
BERLIN 26.9.1996 (zet). Im Berliner Hotel Esplanade wurde heute erstmals der "Deutsche Kommunikationspreis" verliehen. And the winner is der erste Preisträger ist: Die Deutsche Telekom AG! Begründet wurde die Preisverleihung vor dem Börsengang damit, daß die Telekom stets "einen offenen Dialog nach innen und nach außen" führe. Die meisten Kunden des Telefonkonzerns dürften von einem solchen offenen Dialog bisher noch nichts mitbekommen haben.
28.9.1996 (t-off). Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" von heute würdigte mit dieser Auszeichnung der "Deutsche Kommunikationsverband" (auch) die Leistungen der Telekom bei der Umwandlung zu einem Privatunternehmen.
BONN 25.9.1996 (wop). Erst nach dem "Gebühren-GAU" vom Jahresanfang hat die Deutsche Telekom auf Druck des Postministers damit begonnen, das Kommunikationsverhalten ihrer Kunden zu analysieren. In Zusammenarbeit mit den Firmen Infratest Burke und Roland Berger Institut für Markt- und Systemforschung hat dafür die Telekom ab Februar 1996 das Stichproben- Verfahren "Telekommunikationspanel Telefonnetz/ ISDN" entwickelt. Und erst zum Jahresende 1996 werden aufgrund der Datenerhebungen verläßliche Ergebnisse über das deutsche Konsumverhalten beim Telefonieren erwartet. Die Stichprobe wird dann 5000 Privatkunden (Haushalte) und 6250 Geschäftskunden an 1250 repräsentativ über ganz Deutschland ausgewählten Vermittlungsstellen umfassen. Bei den Kunden werden auch demographische Daten erhoben [Ed-7.9.1997: Noch immer sind keine Ergebnisse bekannt. Warum?].
BONN 23.9.1996 (t-off). Das Kryptierverbot von elektronischen Nachrichten (z. B. von E-Mail) für Privatpersonen gehört im Nachbarland Frankreich schon zum Alltag. Und in Deutschland gibt es nun starke Bestrebungen, daß wenigstens alle privaten Schlüssel (keys) bei staatlichen Stellen hinterlegt werden sollen (Key-Escrowing), um so jederzeit die abgehörten privaten Nachrichten bei "Notwendigkeit" lesen zu können. Der Informations- und Kommunikationsexperte der SPD- Bundestagsfraktion Jörg Tauss wies jetzt nochmals daraufhin, daß dadurch nicht Kriminalität verhindert, sondern vielmehr wirtschaftsfeindlich der beweissichere und rechtsverbindliche Datenverkehr in den weltweiten Computernetzen.
Tauss fordert deshalb von Informatikern eine wesentlich stärkere Einmischung in die politische Debatte: "Überlassen Sie die Krypto- Frage nicht allein der Politik. Die Gefahr ist groß, daß ohne eine sachkundige Einmischung die 'Problemlösung' den Stammtischstrategen aller Parteien in die Hände fällt."
HAMBURG 21.9.1996 (t-off). Im Hamburger Musterprozeß um die Telekom- Tarife geht es in eine nächste Runde. Denn das Hamburger Amtsgericht hat im August noch kein Urteil verkündet. Für Ende Oktober wurde vom Gericht eine weitere mündliche Verhandlung im Streit mit der Telekom angesetzt.
LONDON 20.9.1996 (irk). Die Deutsche Telekom AG ist das zweithöchst verschuldete Unternehmen der Welt. Höher verschuldet ist nur noch die japanische Tokyo Power. In der Weltliste aller Schuldner belegt die Telekom mit 67 Milliarden Dollar Schulden den Platz 24. Sie liegt damit zwischen Argentinien (77 Mrd. $) und der Türkei (66 Mrd. $). Allerdings gelingt es der Telekom hervorragend, Kasse zu machen. Mit dem hereinströmenden Geld können die Schulden zügig abgetragen werden. Das teilte die seriöse Financial Times bereits Anfang September mit.
21.9.1996 (khd). Angesichts der staatlich sanktionierten nicht
marktgerechten Mondpreise fürs Telefonieren (Stichwort
Ortstarife)
ist es für die Telekom (noch) leicht, einen guten Cash-flow zu erzielen.
Für die Zeit nach dem Wegfall des Monopols hat der Bund die Telekom
sehr gut abgesichert, in dem er u. a. der Telekom die Ortsnetze beließ.
Und den Zugang zu diesen Netzen läßt
sich die Telekom von der Konkurrenz teuer bezahlen.
Da etwa die Hälfte des Telekom-Schuldenbergs (33,7 Mrd. $) aus
den unvermeidlichen Investitionen in Ost-Deutschland resultiert, wird jetzt
auch klar: Es sind jetzt vor allem die Langzeit- Telefonierer im Ortsbereich
wie beispielsweise die Online-Nutzer, die mit ihren
Telefonrechnungen einen Teil der Kosten "Deutsche-Einheit"
bezahlen müssen. Viele werden das gerne tun. Aber wollte unsere
Regierung auch diese Kosten nicht aus der Portokasse bezahlen? Nur (steuer)gerecht
ist das Ganze nicht! Und außerdem hätte die Regierung doch die
Wahrheit sagen können. Sie zog es aber vor, sich hinter dem nicht
zutreffenden (siehe VTM-Studie)
Quersubventionierungsargument zu verstecken. Wer subventioniert hier
eigentlich nun wen (ver)quer?
SAARBRÜCKEN 19.9.1996 (ard/rtr). Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hat jetzt Anleger nochmals davor gewarnt, die neue Telekom- Aktie zum Emissionstermin [Ed: Mitte November 1996] zu kaufen. "Der Ausgabekurs werde wahrscheinlich viel zu hoch sein", sagte SdK-Vorstandsmitglied Anneliese Hieke im Saarländischen Rundfunk. Zudem werde es die Telekom schwer haben, den Kurs zu halten. [siehe auch "Wucherpreis für T-Aktie?" und "Schamlos bedient"]
21.9.1996 (pep). Wie schon so oft, auch bei der T-Aktie betreibt die
Telekom erneut eine Politik der gezielten Desinformation. Wie die Berliner
Tagespresse jetzt berichtete, verpaßte die Telekom den Banken [Ed:
und das im Zeitalter der Informationsgesellschaft!] sogar einen Maulkorb.
Auch müssen die beteiligten Banken ihre selbst produzierten
Kundeninformationen (das Research- Material) zunächst der Telekom zur
Genehmigung vorlegen. Natürlich alles ganz freiwillig!
28.9.1996 (t-off). Nicht sehr optimistisch sieht der amerikanische
Branchenexperte Don Tapscott die mittelfristige Entwicklung bei der
Deutschen Telekom. In Hamburg sagte Tapscott jetzt, daß wegen der
harten Konkurrenz selbst Ferngespräche völlig gebührenfrei
sein werden.
BERLIN 18.9.1996 (t-off). Die Deutsche Telekom war schon Anfang der Woche aus der Multimedia- Betriebsgesellschaft (MMBG
20.9.1996 (t-off). Die Entscheidung über die Zukunft der MMBG wurde am Donnerstag vertagt.
LONDON 17.9.1996 (t-off). Der Konzern British Sky Broadcasting (BSkyB
BRÜSSEL 15.9.1996 (t-off). Die EU-Kommission entwirft jetzt Richtlinien für die Netze der Telekommunikation in Europa. Danach müssen Anbieter beispielsweise Telefon- Bücher, eine Auskunft sowie ein Netz öffentlicher Telefone bereitstellen. Die jeweiligen Regierungen müssen zudem garantieren, daß jedes Unternehmen den Kunden überprüfbare Abrechnungen ausstellt. Und Telefon- Apparate seien so auszurüsten, daß der Nutzer Zugang zu neuen elektronischen Diensten wie dem Home- Banking bekommen. Dafür ist ein Tastentelefon erforderlich. Auch muß es möglich sein, nach jedem Telefonat am Gerät die angefallenen Gebühren abzulesen.
HAMBURG 14.9.1996 (ard). Vor dem Börsenstart der T-Aktie hat jetzt die Deutsche Telekom AG die letzten Bilanz- Prognosen vorgelegt. Nach Angabe des SPIEGELs (38/1996 Seite 96) erwartet die Telekom für 1996 Einnahmen von 62 Mrd. DM (1995: 66,1 Mrd. DM). Das "operative Ergebnis" soll jedoch besser als 1995 ausfallen. [mehr] [noch mehr] [und ein Kommentar]
18.9.1996 (t-off). Der Verband der Postbenutzer übte erneut scharfe Kritik an der Preisgestaltung der Telekom: "Vom Börsengang und von positiven Zahlen hat der Telekom- Kunde zunächst gar nichts."
MÜNCHEN 13.9.1996 (t-off). Noch im Mai wollte der Online-Dienst CompuServe die Telekom wegen technischer Schwierigkeiten bei der Einwahl auf Schadenersatz verklagen. Dieser Streit ist nun beendet. Heute schloß die CompuServe GmbH mit der Deutschen Telekom AG einen Kooperationsvertrag. Dieser erlaubt ab Ende Oktober die Einwahl in das CompuServe- Netz inklusive Internet von allen deutschen Orten zum Ortstarif über die bundeseinheitliche Rufnummer 01910. Dafür darf CompuServe das IP-Netz der Telekom nutzen. Der Kunde muß die Nutzung des Fremdnetzes (Datex-J) mit einem Dollar pro Stunde bezahlen. Der US- Online- Dienst erhofft sich von diesem strategischen Schritt, daß bis April 1997 die Zahl der deutschen Kunden um 180 000 auf 450 000 steigt. Weltweit versorgt CompuServe 5 Millionen Kunden mit Online- Diensten. Immer wieder auftauchende Gerüchte einer Übernahme durch Microsoft wurden von CompuServe dementiert.
NEW YORK 13.9.1996 (cyf). Ein sehr merkwürdiges Poster wurde am letzten Mittwoch um 2.05 Uhr Weltzeit (GMT) [Ed: das entspricht 10.9.1996 um 22.05 Uhr ostamerikanischer Sommerzeit] von einem anonymen Account bei America Online in die deutschsprachige News- Gruppe de.org.ccc des Internets eingespeist. War es nur ein Spaßvogel, oder steckt doch mehr dahinter? Jedenfalls sucht da jemand unter dem Pseudonym "HKohl53000" Hilfe bei der Entschlüsselung von "Telekom- Abkürzungen". Und diese sollen auf einem internen Telekom- Papier im Zusammenhang mit anderen Informationen stehen, bei denen es um die "zentralen Datenbanken der Telekom" gehen soll, behauptet der Anonymus in seinem Poster. Nun rätseln UseNet- Leser, was wohl solche T-Kürzel wie "KOKOST", "EZ PR", "KONTES", "SCZ West", "TD 34", "GrKM-MBS" bedeuten könnten, und was und wer dahinter steckt.
BERLIN 10.9.1996 (t-off). Postminister Wolfgang Bötsch (CSU) ist überzeugt, daß die Deutsche Telekom AG auch in den nächsten Jahren der Marktführer bleiben wird. "Sie hat die Netze", sagte er heute dem InfoRadio Berlin [Ed: Warum das ein marktwirtschaftliches Problem ist, kann man in der berühmten VTM-Studie nachlesen]. Und auch nach dem Börsengang im November wird der Bund mit einem Dreiviertel- Anteil Eigentümer bleiben. Von der Telekom erhält er dafür Dividende. Für 1996 sind beim Bund daher bereits Einnahmen von rund 800 Millionen Mark fest eingeplant.
Das beim Börsengang eingenommene Geld behält "voll und ganz" die Telekom. Es dient der Erhöhung ihres Eigenkapitals. Erst später wenn bei der Telekom ein Eigenkapitalanteil von etwa 40 Prozent erreicht ist wird ab einer 3. Aktien- Tranche auch der Bund "kassieren". "Und wegen der Kunden machen wir das alles. Damit diese auch in Zukunft von der Deutschen Telekom zu günstigen Preisen mit Telekommunikations- Leistungen versorgt werden." Da ist sich der letzte Postminister ganz sicher.
BERLIN 9.9.1996 (t-off). Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie veröffentlicht im Internet ständig die aktuellen Meßwerte des Berliner Luftgütemeßnetzes BLUME. Dieser Tage mußten nun die staatlichen Umweltschützer passen, denn die Telekom hatte eingegriffen und die Leitungen einfach gekappt. [mehr]
HAMBURG 7.9.1996 (bas). Die Deutsche Telekom AG hält sich wenig an Recht und Verordnung. Viele Kunden kennen das bereits, wenn sie es wagen, begründet Telefonrechnungen zu reklamieren. Im SPIEGEL (37/1996 Seite 18) wird jetzt sogar über einen eklatanten Verfassungsverstoß berichtet. In Frankfurt am Main verletzte die Telekom angeordnet durch eine Dienstanweisung das im Artikel 10 des Grundgesetzes garantierte Fernmeldegeheimnis. Die Telekom ließ im Frankfurter Fernamt alle R-Gespräche aus dem Ausland mithören, um die Dauer und Qualität der Verbindungen zu kontrollieren. Erst als der Bundes- Datenschutzbeauftragte dahinterkam wurde diese illegale Praxis eingestellt. Von einer Anklage- Erhebung wegen verfassungsfeindlichen Verhaltens der Telekom ist bisher nichts bekannt.
BONN 6.9.1996 (ris). Auch die Analysten des renommierten Finanzhauses Barclays de Zoete Wedd (BZW) wiesen jetzt daraufhin, daß die künftige Telekom- Aktie deutlich weniger als 30 Mark wert sein würde. In einer heute publizierten Markt- Studie kommen die Profi-Anlagenberater nur auf einen Preis zwischen 10,40 und 21,60 DM pro T-Aktie. Die Deutschen Telekom AG wünscht sich hingegen einen Ausgabepreis von 30 DM, um so 15 Milliarden Mark zur dringend notwendigen Eigenkapitalerhöhung hereinholen zu können.
Im UseNet des Internets wurde bereits vor Wochen konstatiert, daß die T-Aktie "höchstens 12,50 DM" wert sei. Auf das Ergebnis von amerikanischen Analysten darf nun gespannt gewartet werden. Die erste Tranche mit 500 Millionen T-Aktien (Nennwert 5 DM) soll im November weltweit verkauft werden. [Ed: Siehe auch Links auf Seite 2 in der Rubrik "Infos zur T-Aktie"].
BONN 6.9.1996 (t-off). Eine gute Übersicht der technischen Perspektiven für Deutschlands Multimedia-Zukunft ist jetzt im Internet vom BMPT (Bundesministerium für Post und Telekommunikation) veröffentlicht worden. Das Papier unterscheidet sich sehr wohltuend von den vielen mit Halbwahrheiten gespickten Infos und Verlautbarungen der Deutschen Telekom. Es wird ein fast vollständiger Gesamtüberblick gegeben. Vom Fahrplan zur Aufhebung der noch verbleibenden Monopole der Telekommunikation bis zur Entwicklung im Gerätebereich werden eine Fülle an Informationen und Zahlen geliefert.
Diese Fakten werden in den anstehenden politischen Diskussionen über die Medien- Gesetzgebung hilfreich sein. Ausführlich wird auch auf die neuen Entwicklungen bei den verschiedenen Netzwerken auch Satelliten- Netzwerke, die für Multimedia- Anwendungen interessant sind, eingegangen. Und sogar auf die wegweisende ADSL-Technik (ANSI-Norm von 1995) wird zumindest hingewiesen. Denn: "ADSL is here. It's real!" Nur die Telekom weiß es (noch) nicht [Ed: Vielleicht will diese ja auch erst einmal ihr langsames ISDN verkaufen]. Leider haben die amtlichen Autoren es vergessen, in den Text reichlich HyperLinks einzubauen, um so dem Leser den bequemen Weg zu weiterführenden Informationen im Internet zu weisen. Das 25- seitige Dokument kann auch per Mausklick im layoutgetreuen PDF-Format bezogen werden (120 kByte).
BERLIN 6.9.1996 (t-off/bs). Gerade wurden der Telekom die Codes ihres D1-Netzes geklaut. Was aber macht die Telekom, wenn es um das Urheberrecht geht? Verblüfft rieben sich jetzt Internet-Nutzer die Augen. Denn was sie da auf einer Web-Seite der Telekom lasen, ist der öffentliche Aufruf, geistiges Eigentum anderer zu klauen. Peanuts? [mehr]
KÖLN 31.8.1996 (t-off). Der Deutsche Richterbund bezeichnete heute die deutsche Gesetzgebung als "Flickschusterei". Insbesondere trüge sie nicht zu einer Entlastung der Gerichte bei, das Gegenteil sei der Fall. Rainer Voss, der Vorsitzende der Richter- Organisation sagte, die Gesetze krankten meist daran, daß sich die Politiker über die Parteigrenzen hinweg "nur noch auf den kleinsten gemeinsamen Nenner" einigen könnten.
1.9.1996 (zen). Das sind sehr deutliche Worte in Richtung Bonn. Nur werden sie wenig bewirken. Denn sie müßten erst einmal verstanden werden. Dazu gehört aber, daß die Politiker die eigentlichen Probleme überhaupt erkennen. Und zu viele der Handelnden sind dazu nicht in der Lage, was trefflich am Beispiel der Entstehung des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG) studiert werden kann. Ein anderes Beispiel: Die schlechte Steuergesetzgebung mit ihren vielen Schlupflöchern hat dazu geführt, daß dem Staat Jahr für Jahr Milliarden an Einnahmen entgehen. Und nun fehlen sie. Auch bei der jetzt anstehenden Mediengesetzgebung, ist kaum Qualität zu erwarten. So werden wieder die Richter das Schlimmste korrigieren müssen. Wann besinnt sich endlich das Parlament darauf, daß auch bei den Gesetzen nur Top-Qualität zählt?
HANNOVER 30.8.1996 (tan/t-off). Bei der Werbung für "T-Online" gibt sich der Telekom- Vertriebspartner "1 & 1" im Internet- Park der CeBIT Home nur marktschreierisch: "ISDN superschnell und supergünstig durch die Netze surfen." Das grenze fast an Volksverdummung, meint heute noch freundlich der Berliner "Tagesspiegel". Und Internet- Experten der ersten Stunde wissen natürlich, daß diese ISDN- Werbung Volksverdummung ist. "Internet und ISDN vertragen sich bisher alles andere als gut", weiß dann auch die Stiftung Warentest in ihrem neuesten Test-Heft zu berichten (ISDN- Marktübersicht in test 9/1996, Seite 2932). Zwar kann das Euro-ISDN theoretisch 64 Kilobit pro Sekunde und Kanal übertragen, nur kann diese Übertragungsrate bei einer digitalen Verbindung mit dem Internet niemals erreicht werden. Höchstens um die 38 Kilobit/s sind drin, wenn es denn mal sehr sehr gut läuft. Und das kann auch mit der bisherigen Analogtechnik geleistet werden (V.34-Modems). Meistens wird aber auch das nicht erreicht, denn man steht 1996 immer wieder im Datenstau auf den "Infobahnen" der Deutschen Telekom.
30.8.1996 (khd). Und was einem mit dem ISDN- Service der Telekom passieren kann, schildert Dieter Geiger in seinem ganz aktuellen Erfahrungsbericht. Ach, da war doch noch was. Ja, ISDN ist eigentlich die Technik von Ende der 70er- und Anfang der 80er- Jahre. In den USA ist man da schon weiter. Dort bereitet man die schnelle 6 Megabit/s-Technik über einfache Telefondrähte vor, z. B. das ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line). Und nur eine solche Technik ist für die interaktiven Multimedia- Dienste wirklich brauchbar.
BONN 27.8.1996 (wop/t-off). Die Nutzer des Online- Dienstes "T-Online" der Deutschen Telekom können jetzt auch eigene Seiten (Homepages) im World Wide Web des Internets veröffentlichen. Dieser neue noch als "Betriebsversuch" deklarierte Service startet am 1. September und ist für die Online- Kunden kostenlos. Jedem Kunden wird ein Speicher- Bereich von [nur] einem Megabyte zur Verfügung gestellt. In "Rechtlichen Bedingungen" regelt die Telekom die Gestaltung und den erlaubten Inhalt der Homepages ihrer Kunden. Danach sind auch Informationsangebote, die das "Ansehen der Deutschen Telekom schädigen können oder auf Angebote mit solchem Inhalt hinweisen", nicht erlaubt. Noch Anfang August wollte die Telekom von einer Zensur unliebsamer Inhalte nichts wissen.
29.8.1996 (khd). Vielleicht liegt das ja daran, daß jetzt T-Online eine Tochter- Firma der Telekom mit dem Namen "Online Pro Dienste GmbH & Co KG" mit Sitz in Darmstadt ist.
HAMBURG 26.8.1996 (aki). Bereits auf der am Mittwoch in Hannover beginnenden Heimcomputermesse CeBIT Home wird der Medienkonzern Bertelsmann zusammen mit dem Online- Dienst AOL Multimedia- Angebote aus dem Internet auf den TV- Bildschirm bringen. Verwendet wird dazu der Decoder (Set-top Box) der MMBG (Bertelsmann u. a.), die MediaBox mit eingebautem Modem, da der NC noch nicht zur Verfügung steht [Ed: Man beachte, es wird nicht der Decoder von Leo Kirchs DF1 verwendet!]. Die Bild- Daten werden per Satelliten- oder Kabelfernsehen übertragen. Als Rückkanal zum Anbieter dient via Modem das Telefonnetz der Telekom. Mit diesem Versuchsprojekt will Bertelsmann die neuen Möglichkeiten von "TV via Internet" im Rahmen des Digital-TVs testen und demonstrieren.
28.8.1996 (t-off). Auf der Web-Seite von Goetz Kluge "Digital TV in Germany" findet man eine Fülle an Infos und Links.
SAN FRANCISCO 25.8.1996 (cyf/t-off). In Deutschland gelten künftig die Multimedia-Dienste wie das interaktive Fernsehen (Satelliten- oder Kabel-TV mit Rückkanal via Telefon), Pay-TV, Video-on-demand und Teleshopping rechtlich als Rundfunk. Und daher müssen diese Angebote von den deutschen Bundesländern per Staatsvertrag reguliert werden. Die Online-Kommunikation hingegen auch via Internet wird nun Bundesangelegenheit. Sie wird durch das Informations- und Kommunikationsdienste- Gesetz (IuKDG) geregelt, das jetzt in Bonn vorbereitet wird (Begründung zum IuKDG).
Diese Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern geht aber von der irrigen Fiktion aus, daß es immer eine (technische) Trennung zwischen Fernsehen und Online-Diensten geben wird. Das wird sich bereits 1997/98 nachhaltig ändern, wenn ... [mehr]
LUXEMBURG 20.8.1996 (ixa). Die Deutsche Telekom AG wird nicht bei dem Anfang August in Konkurs gegangenen Online-Dienst Europe Online (EOL) einsteigen. Gründe dafür nannte die Telekom heute nicht. Sie wollte ursprünglich mit der wegweisenden EOL-Technik ihren eigenen Online- Dienst "T-Online" europaweit ausbauen. Der Webserver http://www.europeonline.com/ (194.177.56.138 = janus.eo.lu) war bereits heute nicht mehr erreichbar. Er wurde nach dem Scheitern der Verhandlungen abgeschaltet. Das mehrsprachige EOL hatte zuletzt 25.000 Abonnenten in Deutschland, Großbritannien und Luxemburg.
20.8.1996 (rolf2) [Ed: Leicht
gekürzter Kommentar].
Europe Online, schon Dein Name verhieß großen
europäischen Weitblick, zumindest mehr Nähe als manch
transatlantischer Online- Dienst.
Europe Online, Deine flächendeckenden Einwahlknoten mit der
bundeseinheitlichen Datex-P Nummer werden mir fehlen. Deine moderaten
Gebühren und Deine detaillierten Aufstellungen auch.
Europe Online, Deine Bandbreite hat mein Modem immer gut
gefüttert und das Surfen hat so richtig Spaß gemacht. Weder
national noch international sind Datenstaus aufgefallen.
Europe Online, Du warst schon dort, wo andere erst hinwollen
Du warst Teil des Internets, voll integriert, ohne wenn und aber. Der offene
Winsock-Standard als Kommunikations- Plattform war einfach professionell.
Europe Online, wo andere Dienste proprietäre Mega-Mailboxen
und langsame Browser dem Internet vorschalten, um Bandbreiten zu sparen
und Zeit zu schinden, hast Du mich nicht vom echten Internet und seinen
Einwohnern abgehalten.
Europe Online, Deine Menüs in HTML- Frametechnik haben
mich durch
alle Deine Servicebereiche und Angebote glänzend geführt. Deine
Member-City war Dir vorbildlich gelungen. Nicht nur, daß Du alles
für das HTML-Designing zur Verfügung stelltest, nein Du hast auch
Deine Mitglieder gut nach außen präsentiert.
Europe Online, es war eine Freude, mit Dir auf der anderen Seite
zu arbeiten. Auch wenn bei Dir noch nicht alles fertig war, so war doch
zu erkennen, daß Du auch da hättest neue Standards setzen
können.
Europe OFFLINE, geh' bald wieder mit Deinen kreativen
Mitarbeitern, besseren Marketing-Leuten und weitsichtigeren
Finanzpartnern ONLINE! Die europäische Provider-Landschaft
wäre sonst wirklich ärmer.
Ein EO.User
BERLIN 20.8.1996 (khd). Bis zum Jahresende 1996 will die Deutsche Telekom in Berlin alle Vermittlungsstellen die früheren Endämter auf die Digitaltechnik umgestellt haben. Obwohl bis dahin nur noch vier Monate verbleiben, ist es dem HighTech- Unternehmen "aus technischen Gründen" (noch) nicht möglich, für einzelne Anschlußbereiche konkrete Umstellungstermine zu nennen.
Erst auf Anfrage teilte die Telekom heute schriftlich mit, daß sobald ein "definitiver Umschaltetermin" feststehe, rechtzeitig "vorher schriftlich informiert" werde. In Berlin ist es bisher nach bereits erfolgten Umstellungen häufig zu Störungen und Fehlverbindungen gekommen. Die digitale Vermittlungstechnik ist u. a. Voraussetzung für die übersichtlicheren Telefonrechnungen, den Telefon- Kassenbon (Einzelgesprächsnachweis) sowie den künftigen Zukauf der Options- Ortstarife "City-Plus" und "City-Weekend".
BERLIN 19.8.1996 (dr/t-off). In Deutschland brechen demnächst goldene Zeiten für die ausländischen Geheimdienste, Wirtschaftsspione und Hacker an. Denn der Bonner Gesetzgeber erzwingt für bestimmte Computersysteme ein Sicherheitsloch. Nach dem erst am 1. August in Kraft getretenen Telekommunikationsgesetz (§ 90 TKG) muß künftig jedes Computersystem, das in öffentlichen Netzwerken Informationen anbietet, mit einem speziellen Zugang für den unbemerkbaren Abruf von Kundendaten durch Geheimdienste und Behörden der Strafverfolgung ausgestattet werden. Abgewickelt wird das durch eine neue Bundesbehörde. Betroffen sind davon der einfache Mailbox- Betreiber, der Online-Anbieter bis hin zum Internet- Provider.
Dieser "Abhörkanal" stellt eine erhebliche technische Sicherheitslücke dar, da sich darüber auch Dritte unbemerkt mit sensiblem Datenmaterial versorgen können. Darauf wies jetzt der Chaos Computer Club (CCC) hin. Sollten die unsinnigen Regelungen des TKGs tatsächlich verwirklicht werden, könnte das schon bald ein Todesstoß für den gerade erst aufblühenden deutschen Markt der Online-Dienste sein, befürchten nun Wirtschaftsexperten. Deutschland hätte sich nach der Telefongebührenerhöhung einen weiteren Standortnachteil im Telekommunikationsmarkt selbst produziert. Denn die Arbeitsplätze bei Online-Diensten würden dann sehr schnell ins Ausland abwandern.
20.8.1996 (t-off). Siehe hierzu das Interview von SPIEGEL online mit Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club.
23.8.1996 (khd). Also es bleibt einem fast die Spucke weg. Da arbeiten nun seit vielen vielen Jahren alle Computer- Experten fleißig an immer sicheren Computersystemen. Es gibt sogar eine internationale Task-force zur Abwehr aktueller Sicherheitsattacken (CERT in Pittsburgh). Im weltweiten Forum comp.risks werden laufend alle Risiken mit Computern diskutiert. Und da gehen dann deutsche Politiker hin und werfen alle diese ernsten Bemühungen mit einem einzigen Gesetzes- Federstrich zumindest für Deutschland über den Haufen: Sie haben mit dem TKG die perfekte Soll(ein)bruchstelle erfunden. Unglaublich! Und die Hacker lachen sich ins Fäustchen. In wessen Interesse haben die Bonner Politprofis das eigentlich getan? Und wer genau hat sie bei ihrem Tun beraten? Nicht nur im Interesse der deutschen Wirtschaft ist eine schnelle Korrektur dieses Unsinns nun angesagt. Eine Novellierung des TKGs ist dringend geboten.
BERLIN 18.8.1996 (aki/t-off). "Der Verbraucher hätte die Zeche zu zahlen", sagte in einem Interview Kartellamtspräsident Dieter Wolf heute dem Berliner "Tagesspiegel" zur aktuellen Entwicklung beim deutschen Digital- Fernsehen. Was bei den überhöhten Telefontarifen der Telekom nicht ging, ist dem Kartellamt hier erlaubt: Die Kontrolle verbraucherfeindlicher Marktfakten. Das Bundeskartellamt in Berlin beobachtet derzeit sehr genau, wie nun die Kirch/Murdoch- Gruppe und der Bertelsmann- Konzern ihre angekündigte Zusammenarbeit beim digitalen Pay-TV verwirklichen. Noch ist unklar, ob die Großunternehmen ein unzulässiges Kartell oder eine Fusion anstreben. Die vom Amt in der letzten Woche angeforderten Verträge sollen nun Klarheit bringen.
O-Ton Wolf: "Insgesamt geht es im wesentlichen um die Standardisierung der Decoder [Ed: Entspricht denn das dafür vorgesehene Simulcrypt-Verfahren überhaupt dem Stand der Technik?]. Dagegen dieses Signal hat das Bundeskartellamt schon gesetzt würden wir durchaus nichts haben. Wogegen wir was haben müßten, wäre zum Beispiel, daß das auf der Basis dieser Vertriebsaktion gewonnene Adressenmaterial eingesetzt würde, um gemeinsam Abonnenten zu werben. Das wäre ein Vertriebskartell. Es würde dazu führen, daß die Preise für Pay-TV nicht mehr vom Wettbewerb kontrolliert würden. Die Preiswirkung wäre dann programmiert."
DÜSSELDORF 16.8.1996 (t-off). Das Landgericht Düsseldorf sieht in der gängigen Praxis, den Preis von Handys über die Gesprächspreise zu subventionieren, keinen Verstoß gegen die Zugabeverordnung. Auch sei diese Mischkalkulation kein Wettbewerbsverstoß, urteilte das Gericht heute. Geklagt hatte die RWE- Tochter Talkline gegen den Handelskonzern Metro, der beim Abschluß eines DebiTel D1- Vertrags ein Handy für nur 5,73 DM angeboten hatte. Das Gericht hat die Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen.
18.8.1996 (khd). Ja, und warum bloß meinte die Bundesregierung bzw. der Postminister und die Telekom im Januar, daß bei den Telefontarifen eine Mischkalkulation nicht (mehr) erlaubt sei?
AM BODENSEE 15.8.1996 (tin/t-off). Bei der Telekom steht der Mensch wieder im Mittelpunkt. Das erfuhr jetzt ein Kunde am Bodensee, als er sich telefonisch im nur 4 km entfernten Lindauer T-Punkt über die Liefermöglichkeit eines bestimmten Apparats erkundigen wollte. Im Telefonbuch fand er sogar die Nummer des Telekom-Ladens in der Schmidgasse 2. Also wählte er 01114 auf seinem ISDN- Telefon: "Telekom Kempten, Guten Tag?", meldete sich eine 60 km entfernte weibliche Stimme aus dem Allgäu. "Oh, äh eigentlich wollte ich ja den Lindauer T-Punkt." "Das geht nicht! Moment bitte ...". Nach langen 5 Minuten mit viel "Düdeldüdeldüdel Bitte warten Dadeldadeldadel Please, hold the line Düdeldüdeldüdel ..." dann doch noch ein Klick: "Tut mir leid, aber in Lindau geht niemand ran." Und somit war das erste (?) handvermittelte ISDN- Ferngespräch nicht zustande gekommen.
"Ach, geben Sie mir doch einfach die direkte Nummer. Ich probier's halt später", bat der Kunde die freundliche Stimme. "Sie können dort nicht anrufen!" "Weil das ein Laden ist, der für die Beratung und Betreuung der Kunden da ist. Und wenn da Kunden im Laden sind, dann gehen die nicht an's Telefon." Nun muß also der Kunde erst mit dem Auto zum T-Punkt fahren [Ed: Telekoms Beitrag zur Ökologie!], um doch noch zu erfahren, ob das gewünschte Telefon überhaupt vorrätig ist. Das ist erstaunlich bei einem Unternehmen, das doch mit den Dienstleistungen der Telekommunikation handelt und auf dem Wege sein möchte, das "kundenfreundlichste Dienstleistungsunternehmen Deutschlands" zu werden.
BERLIN 14.8.1996 (t-off). Nach einem Bericht der Zeitung "B.Z." kann der Berliner Senat bei den Telefongebühren ab November etwa 2,8 Millionen Mark pro Jahr sparen. "Für den Senat sind Ermäßigungen bis zu 24 % möglich", so Telekom-Sprecher Stephan Althoff. Behörden- Mengenrabatte haben jetzt auch die Berliner Bezirksbürgermeister bei Strom, Wasser und Gas gefordert. So könnten weitere Millionen Steuergelder gespart werden.
15.8.1996 (khd). Bravo! Die Berliner Bezirksbürgermeister wollen sich nun nicht mehr von den Monopolisten abzocken lassen. Und sie verfügen auch über Druckmittel, um das durchsetzen zu können. Nur, was macht das arbeitslose "Lieschen Müller", die nicht zur priviligierten Kaste der Großkunden gehört? Sie muß brav weiter die überhöhten, nicht marktgerechten Telefon- und Stromgebühren bezahlen. Nur Politiker mit sozialer Intelligenz könnten das ändern. BTW, Berlin hat noch immer die höchsten Strompreise der Republik.
FRANKFURT/MAIN 13.8.1996 (art). Nur in Paketen von 100 Stück will die Deutsche Telekom ihre neuen 5-Mark T-Aktien im November verkaufen. Dafür müßte ein Anleger um die 3000 Mark aufbringen. Denn die Telekom hofft auf einen Ausgabekurs von überhöhten 30 Mark pro T-Aktie [Ed: In Diskussionsforen des Internets meint man, daß 12,50 DM angemessen wären]. "Lassen sie nur die Finger davon", raten bereits verantwortungsbewußte Anlageberater den bei Banken nachfragenden Kleinanlegern, die eigentlich ihre Sparbücher plündern wollten. Zudem soll es verwirrende 160 Bestellvarianten geben. "Die Telekom will das so", heißt es. Als besonderes Bonbon sollen nun Telekom- Aktionäre Vergünstigungen in der Form von Freieinheiten oder geringere Telefongebühren erhalten.
6.9.1996 (t-off). In einer Studie hält das Finanzhaus BZW einen Preis der T-Aktie von 10,4021,60 DM für angemessen.
PARIS 5.8.1996 (cyf/t-off). Es könnte schon bald Schluß sein mit der freien (Tele-) Kommunikation im Internet, das bisher keine Landesgrenzen kennt. Denn zur Terror- Bekämpfung haben sich am 30. Juli in Paris die sieben größten Industrieländer (G7) und Rußland auf einen 25-Punkte- Maßnahmenkatalog geeinigt. Die Achter- Allianz will damit u. a. verhindern, daß Terroristen die modernen Kommunikations- Techniken (z. B. die Computer- Netzwerke) für ihre Ziele nutzen. Zur Durchsetzung dieses Anspruchs sind aber sehr umfangreiche Überwachungen und Beschränkungen (z. B. ein Kryptierverbot) des gesamten elektronischen Austausches von Informationen aller Bürger notwendig. Deshalb fordert die G7-Allianz alle Staaten auf, dieses durch entsprechende Änderungen von Gesetzen "sicherzustellen".
Sehr energisch widersprochen hat diesem Ansinnen jetzt eine Koalition "Global Internet Liberty", die sich aus Online- Bürgerinitiativen (BI) in Australien, Frankreich, Irland, Italien, Kanada, Norwegen, Spanien und den USA in Montreal gebildet hat. In einer ersten Presse- Erklärung weist die Welt-BI daraufhin, daß die geplante Überwachung "ohne Nutzen" sei, da Terroristen dann auf andere Kommunikationswege ausweichen würden. Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung würden somit lediglich die natürlichen "Freiheitsrechte von Bürgern gefährdet". Die "Net-Coalition" will sich in den nächsten Tagen mit einem Warnaufruf (alert) an die Weltöffentlichkeit wenden.
7.8.1996 (t-off). Dieser "Alert" ist heute im Internet veröffentlicht worden. Der vollständige Text ist auf diesem Server in der Text- Datei "NetCoal_ALERT.txt" dokumentiert. Dort findet man auch Hinweise auf weitere Informations- Quellen. Hinweis: Mit dem erst am 1. August 1996 in Kraft getretenen TKG hatte Deutschland bereits eine erste gesetzliche Basis für das "Abhören online" gelegt. Und weitere Mediengesetze sollen demnächst folgen. Wann wacht nun endlich die deutsche Online-Szene auf?
BREMEN 4.8.1996 (t-off/merl). Die Deutsche Telekom AG immer strenge Hüterin über ihr »T« kann jetzt selbst massiv Ärger bekommen. Denn sie hat doch im neuesten Merkblatt zu ihren künftigen Informationsdiensten (Auskunftsdienste) ein fremdes Markensymbol verwendet. Dort zeigt sie ein Logo, das dem des Message- Pads "Newton" zum Verwechseln ähnlich sieht. Diese stilisierte Glühlampe gehört aber der innovativen Weltfirma Apple Computer Incorporated in Cupertino (USA).
BERLIN 3.8.1996 (khd). Nicht nur Politiker kokettieren gerne damit, wenn sie öffentlich erklären, wichtige Dinge aus Naturwissenschaft und Technik nicht (mehr) zu verstehen. So auch bei den elektronischen Medien in unserer Informationsgesellschaft. Diese wegweisenden Medien werden aber längst benutzerfreundlich per Mausklick gelesen immerhin wurde das bereits 1984 erfunden (!). Auch können sie im Internet ganz gezielt und zeitsparend nach interessierenden Informationen abgesucht werden. Das ist wirklich kinderleicht. Jede(r) kann das! Und wie Computer das machen, das muß man dazu nicht (unbedingt) wissen. Oder wissen Sie etwa so genau beim Wärmen Ihres Essens in der Mikrowelle, wie das mit dem stromerzeugenden Kraftwerk und dem Wärmen tatsächlich funktioniert?
Aber in dieser Woche sagte der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland Klaus Kinkel (FDP) nach dem Pariser G7-Treffen dem InfoRadio Berlin, daß er "nicht in der Lage" sei, "mit Computern umzugehen". So sei es ihm auch nicht möglich in Informationen im Internet "Einblick zu nehmen", was "für Fachleute nicht schwierig zu sein" scheine.
BONN 1.8.1996 (t-off/ml). Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten »T-Kreisen« zu erfahren ist, will sich jetzt die Deutsche Telekom doch von ihrem Kabelfernsehnetz trennen. Der Druck der europäischen Wettbewerbswächter wird zu groß. Zudem würde bei einem Verkauf zusätzliches Geld noch rechtzeitig vor der endgültigen Privatisierung in die Kassen des viel zu eigenkapitalschwachen (1995: 24,7 Mrd. DM) und hochverschuldeten (1995: 122 Mrd. DM) Konzerns kommen.
Was der Bonner Regierung bisher nicht gelang, könnte nun dem kompetenten und energischen EU-Kommissar Karel van Miert gelingen: Die Einführung von echtem Wettbewerb im deutschen Breitbandnetz. Diesen wußte die Telekom (mit Bonner Unterstützung) immer zu verhindern, da sie das Kabelnetz auch für eigene interaktive Multimedia- Dienste wie Tele- Banking und Tele- Learning nutzen wollte, denn auf den Kabeln lassen sich nicht nur Fernsehprogramme transportieren. Für um die 35 Mrd. Mark würde die Telekom das Netz nun verkaufen, wenn sich denn ein Käufer findet. Nach dem Fall des Netzmonopols am heutigen Tag (das TKG tritt in Kraft) könnte das wohl auch klappen.
Das deutsche Breitbandnetz ist das größte der Welt. Bereits 24 Millionen Häuser haben einen Anschluß. Und genutzt wird es von rund 16 Millionen TV-Kunden. Allerdings ist das Netz noch vorwiegend in der veralteten Kupferkoaxialkabel- Einbahntechnik aufgebaut, die nur die Übertragung einer sehr begrenzten Anzahl von Kanälen erlaubt. Erst in den letzten Jahren hatte die Telekom damit begonnen die wesentlich breitbandigere und zukunftssichere Glasfaserkabel-Technik (Lichtleiter) einzusetzen [Ed: übrigens, schon beim Start des Kabelfernsehens waren Glasfaserkabel Stand der Technik! Aber Minister Schwarz-Schilling mochte sie (damals) nicht].
2.8.1996 (t-off). Auf (zu) vielen
Hochzeiten tanzt die Telekom AG. Da muß sie ja ihre Kunden
vergessen. Nun will sie sich sogar noch am englischen Kabelnetz
beteiligen. Das meldet heute die Londoner Times. Vielleicht ist das aber
auch nur ein Ablenkungsmanöver, um das deutsche Kabelnetz der
Kirch/Murdoch-Gruppe zuschanzen zu können. Das würde immerhin
schnelles Geld in der Kasse versprechen. Und was macht's da schon, wenn
die Interessen der Verbraucher auf der Strecke bleiben.
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