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LEIPZIG 26.2.1997 (ard/t-off). Die Berlin- Brandenburgische Medienanstalt (MABB) hat am Dienstag massive Schritte gegen die Deutsche Telekom angekündigt. Inzwischen haben in einem offenen Brief an Telekom- Chef Ron Sommer auch die ARD und die Landesmedienanstalten ein Beenden der Blockadepolitik der Telekom durch eine kurzfristige Beseitigung der Engpässe im TV- Kabelnetz gefordert. Der ARD- Vorsitzende Udo Reiter und der Vorsitzende der Direktoren- konferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Reiner Hochstein, nennen die durch die Deutsche Telekom verursachte Situation als "völlig unerträglich". Nur 31 von mehr als 50 TV- Angeboten würden im Kabel verbreitet, heißt es in dem Brief. Die Telekom stelle die vorhandene Kapazität einfach nicht zur Verfügung. [mehr] [zur Vorgeschichte]
1.3.1997 (t-off). Inzwischen setzen auch die privaten Kabelnetzanbieter den Kabelgiganten Telekom über ihren Verband ANGA unter Druck, um so die Freigabe der blockierten Fernsehkanäle zu erreichen. Die ANGA droht jetzt, einen Großteil der von ihnen versorgten Wohnungen vom Telekom- Netz abzuschalten und diese dann direkt via Satelliten-Einspeisung mit Fernsehprogrammen zu versorgen.
BONN 21.2.1997 (pos/t-off). Am Donnerstag haben sich Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) und Bundes- wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) weitgehend über die Ausgestaltung der künftigen Regulierungsbehörde für das Telekommunikationswesen dem deutschen Pendant zum amerikanischen FCC verständigt. Danach soll nun eine einheitliche Bundesbehörde unter dem Dach des Wirtschaftsministeriums angestrebt werden. Die bisherige Sonderstellung des Mainzer Bundesamts für Post und Telekommunikation (BAPT) soll aufgegeben werden. [Ed: siehe auch "Zweifel am freien Telekom-Markt"]
OFFENBACH 20.2.1997 (mir/t-off). In Deutschland sind maßlos überhöhte Telefon- und Handy- Tarife ein Ärgernis für viele. Aber erst spürbare Umsatzverluste werde die Telekom und die anderen Telefon- Gesellschaften dazu zwingen, die Preise für das Telefonieren zu senken, meint der im Herbst gegründete gemeinnützige Verein "Initiative Billiges Telefon" (IBT) aus Offenbach.
Mit dem kostenlosen Verbrauchermagazin "BilligFon" will nun der Verein die Verbraucher aufklären, wie sie schon heute manche Mark beim Telefonieren sparen können. So sollten z. B. Handy- Nutzer einen Vertrag mit niedrigem monatlichen Grundpreis (Telly Eco bei D-1, Fun 24 bei D-2 oder Partner Plus bei E-plus) abschließen. Zwar habe man dabei tagsüber sehr hohe Minutenpreise (bis 1,89 DM), aber abends und am Wochenende niedrige Minutenpreise (0,39 DM). Die hohen Tagespreise lassen sich durch die zusätzliche Nutzung eines amerikanischen Callback- Services auf etwa 89 Pfennig pro Minute halbieren, teilte der IBT jetzt mit. Und der Umweg über die USA oder Großbritannien lohne sich so tagsüber sogar für Ortsgespräche aus den Mobilfunknetzen.
Aufklären über die vielen, noch wenig bekannten Möglichkeiten bei den verschiedenen Callback- Anbietern will jetzt auch die !CallbackWorld. Und eine breitere Aufklärung tut not. Denn unter den ausländischen Anbietern von Callback-Services gibt es auch manches schwarze Schaf.
BONN 13.2.1997 (t-off). Die derzeitigen Tarife der Telekom für Ortsgespräche liegen im Rahmen der in den USA und Großbritannien üblichen Preise. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Tarifstudie, die die Deutsche Telekom AG beim amerikanischen Beratungsunternehmen Bell Communications in Auftrag gegeben hatte. Danach wird die im Mai 1996 vom Verband VTM der Telekom- Konkurrenz vorgelegte Studie "Kosten des Ortsnetzes" als (methodisch) falsch zurück- gewiesen. Die VTM-Studie war 1996 zum Ergebnis gekommen, daß die Telekom bei der Ortsnetznutzung "ganz erhebliche Deckungs- beträge (in der Größenordnung von mehreren hundert Prozent) erwirtschaftet". [mehr]
BONN 8.2.1997 (wop/t-off). Über die Recht- mäßigkeit der "Tarifstrukturreform 96" bei der Deutschen Telekom haben die Gerichte noch nicht endgültig entschieden. Mit der Tarifumstellung von Anfang 1996 verteuerten sich lange Ortsgespräche um bis zu 150,4 % gegenüber 1995. Und dagegen wurde in 20 Fällen geklagt. Wie die Telekom jetzt in Bonn mitteilte, sind von den 20 Gerichtsverfahren sieben in erster Instanz zugunsten der Telekom entschieden worden. Ein Gericht hat festgestellt, daß die Veröffentlichung fehlerhaft erfolgt ist. Bei den anderen Prozessen, darunter die Musterprozesse von Hamburg und München, werden die Entscheidungen erst noch erwartet. Es ist daher eher unwahrscheinlich, daß es noch vor 1998 zu einem höchstrichterlichen (endgültigen) Urteil zur Tarifumstellung von 1996 kommt. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Januar 1996 auf den Zivilklageweg durch die Instanzen verwiesen.
MÜNCHEN/BONN 6.2.1997 (ro/t-off). Die Deutsche Telekom AG hat 1996, dem ersten Jahr nach der "Tarifstrukturreform 96", weit über 6 Mrd. DM verdient. Und das ist ein Rekord. 1995 betrug der Gewinn nach Steuern noch 5,3 Mrd. DM. Der Umsatz konnte 1996 um 6 % auf 63 Mrd. DM gesteigert werden. Auch für 1997 erwartet Telekom- Chef Ron Sommer einen weiteren "starken Gewinnzuwachs".
Die vor einem Jahr eingeführte neue Tarifstruktur [Ed: mit der starken Verteuerung der längeren Ortsgespräche] habe sich bestens bewährt, sagte jetzt der für den Privatkundenbereich zuständige Telekom- Vorstand Detlev Buchal der DPA in Bonn. "Es hat sich herausgestellt, daß der Tarif fair ist und die Preise tatsächlich um 5 % gesunken sind, wie wir angekündigt haben." Im Rückblick auf den Tarifprotest vor einem Jahr sagte Buchal: "Das war viel Lärm um nichts." [mehr]
9.2.1997 (khd). Na klar, für die Telekom hat sich die Tarifstruktur mit teuren Ortsgesprächen bestens bewährt. Aber nicht so für die vielen Börsen kleiner Leute, die auf Bonner Geheiß noch bis 1998 dieses Notopfer leisten müssen, um so der Telekom in die marktwirtschaftlichen Puschen zu helfen. Und mucken die Kleinen dagegen auf und sammeln über eine Million Protest- Unterschriften, dann ist das in den Augen der Deutschen Telekom nur "viel Lärm um nichts". Solche Arroganz muß belohnt werden. Es wird höchste Zeit, daß endlich ein freier Wettbewerb für frischen Wind sorgt.
BONN 1.2.1997 (pos/t-off). In Aachen, Hagen, Würzburg und Wuppertal sind jetzt die Telefon- Netze auf Digitaltechnik umgestellt worden. Damit hat die Telekom die 50 größten Ortsnetze Deutschlands an ihr digitales "T-Net" angeschlossen, so daß nun bereits über 35 Millionen Kunden die "neuen Möglichkeiten" des T-Nets nutzen können.
Und dazu gehört auch der Beleg, auf dem die geführten Telefonate einzeln verzeichnet sind (Einzelverbindungsübersicht). Es müssen dafür aber noch immer einmalig 19 Mark bezahlt werden. Dennoch ist das eine Ausgabe, die sich durchaus lohnen kann. Denn damit lassen sich oft überhaupt erst manche Ungereimtheiten der Telekom- Abrechnungen erkennen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. Bis zum Jahresende will die Deutsche Telekom die Digitalisierung ihres gesamten Netzes abgeschlossen haben.
BERLIN 25.1.1997 (bz/t-off). Ab Juli gelten für die sozialen Telefon- Dienste wie die Telefon- seelsorge (bisher 11101 und 11102) und das Kinder-/Jugendtelefon (bisher 11103) neue bundeseinheitliche Rufnummern. Für die Anrufe werden dann keine Gebühren mehr erhoben. Die Deutsche Telekom übernimmt zunächst für fünf Jahre alle anfallenden Kosten.
Die Umstellung war notwendig geworden, um den Datenschutzauflagen der Telekommunikations- dienstunternehmen- Datenschutzverordnung vom 10. Juli 1996 nachzukommen. Danach kann auch der Telekom-Kunde den Ausdruck der vollen Nummern in den monatlichen Einzelverbindungs- übersichten (früher Einzelverbindungsnachweise) verlangen. Bisher hat die Telekom die letzten drei Ziffern der Rufnummern durch "XXX" ersetzt, was eine genaue Kontrolle der Telefonrechnungen unmöglich macht. Begründet wurde das vor allem mit der Schutzbedürftigkeit von Anrufern bei den genannten sozialen Diensten. Mit der Umstellung auf kostenlose Rufnummern entfällt ab Juli 1997 diese Notwendigkeit. Denn kostenlose Telefonate werden in den Gesprächsnachweisen nicht ausgewiesen.
ESSEN 17.1.1997 (waz/t-off). Nach dem vollständigen Wegfall des Monopols der Deutschen Telekom wird ab 1998 das Telefonieren in Deutschland "erheblich billiger" werden. "Um bis zu 40 % könnten die Tarife sinken", sagte jetzt der RWE- Vorstandsvorsitzende Dieter Kuhnt der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. RWE hat sich mit der Veba und Cable&Wireless verbündet, um der Telekom ab 1998 Konkurrenz zu machen. Die Mitbewerber Viag/British Telecom hatten bereits im Dezember eine agressive Preispolitik angekündigt.
Konkrete Preise wurden aber bisher von der Telekom-Konkurrenz nicht genannt. Experten erwarten eine solche Ankündigung frühestens im Herbst 1997. Denn um die künftigen Kunden zu erreichen, benötigen alle Unternehmen auch den Zugang zum Telekom-Netz (Orts-Netze). Dafür soll ihnen die Telekom entbündelte Vorzugstarife einräumen. Darum wird jetzt hinter den Kulissen mit allen Mitteln gekämpft. Und dabei kann die Deutsche Telekom noch kräftig bei der künftigen Preisgestaltung der Konkurrenz- Unternehmen mitmischen.
Siehe auch: "Neuer Telekom-Versuch, den Wettbewerb zu verhindern" (3.6.1996), "Vom Monopol zum Oligopol" (4.7.1996), "Zweifel am freien Telekom-Markt" (1.11.1996).
18.1.1997 (khd). Und in Berlin wollen die Groß- konzerne Veba und Viag
mit ihren Energietöchtern Preußen- Elektra und Bayernwerk gemeinsame
Sache beim Kauf der Bewag machen. Das Land Berlin will seinen Stromerzeuger
Bewag bis Ende Februar verkaufen, um so noch Haushaltslöcher aus dem
Vorjahr zu stopfen. Zwar wird für diesen Fall mit einem Einspruch
des Bundeskartellamts wegen der künftigen marktbeherrschenden Stellung
gerechnet, da bereits beide Konzerne im Berliner Umland engagiert sind.
Aber dieses gemeinsame Agieren im Stromgeschäft wirft auch die Frage auf,
ob sich Viag und Veba im Telefon- geschäft überhaupt ernsthaft
Konkurrenz machen wollen.
Die deutsche Monopolkommission hatte schon im Juli
1996 bemängelt, daß durch den geballten Einstieg der
Elektrizitätsmonopolisten in das Telefongeschäft nur ein
"Oligopol von Netzbetreibern mit im wesentlich gleichgerichteten
Interessen" entstehen wird. So ist völlig klar, auch im lukrativen
Telefongeschäft werden sich diese Wettbewerber sowie die Telekom
nicht gegenseitig die Augen auskratzen. Und für den Verbraucher bedeutet
das dann: Er kann ab 1998 nur mit eher bescheidenen Preissenkungen beim
Telefonieren rechnen.
BERLIN 14.1.1997 (irb/t-off). In Berlin- Charlottenburg fielen heute am frühen Vormittag Tausende von Telefon- Anschlüssen sowie die Telefonzellen aus. Die Ursache: In der digitalen Vermittlungsstelle 321 habe die Telekom Schwierigkeiten mit fehlerhafter Software, sagte Telekom- Sprecher Krüger dem InfoRadio- Berlin. [mehr]
FRANKFURT/MAIN 11.1.1997 (lem/t-off). Der Deutsche Aktienindex DAX erreichte am Freitag mit 2933,39 ein neues Rekordhoch. Nicht aber so die Telekom-Aktie. Diese fiel gegen den allgemeinen Aufwärtstrend weiter ab und erzielte gestern einen neuen Tiefstkurs von 30,10 DM (Kassakurs 30,45 DM). Der Grund: Privatanleger verkaufen jetzt die T-Aktie in größerem Umfang. Erwartet wird ein weiterer Kursrückgang der von vornherein überbewerteten Aktie. Zudem ist die massive Kurspflege der Banken nur bis zum Jahreswechsel erfolgt (Ausgabekurs 28,50 DM, Jahresschlußkurs 32,10 DM). Der bisherige Höchstkurs der T-Aktie wurde mit 34,10 DM gleich am ersten Handelstag (18.11.1996) erreicht.
Siehe auch: "Leave Telekom alone" (28.10.1996), Tendenz fallend (22.11.1996), Mit der T-Aktie ins Glück? (20.12.1996).
ULM 10.1.1997 (tuz/t-off). Die Deutsche Telekom kommt mit ihrem Dienst T-Online einfach nicht klar. Erst im Herbst hatte T-Online bei einem vergleichenden Test der »c't« als rote Laterne unter den deutschen Internet-Anbietern abgeschnitten. Und noch immer klagen die Nutzer über die miserabel langsamen und damit extrem teuren Internet- Verbindungen. Inzwischen sind dabei sogar Übertragungsraten von nur noch 110 Byte pro Sekunde keine Seltenheit mehr. Und das über die "hochgelobten" ISDN-Zugänge, die sich die Nutzer extra zugelegt haben. Einen generellen Preisnachlaß wegen der schlechten Leistung hat die Telekom ihren Online- Kunden bisher nicht angeboten. [mehr] [noch mehr]
BONN 7.1.1997 (t-off). Zur ersten Haupt- versammlung lädt die Deutsche Telekom AG ihre T-Aktionäre nach Frankfurt am Main ein. Der Termin: Donnerstag, den 26. Juni 1997. Bereits am 13. Mai wird die Telekom ihre Jahresbilanz 1996 vorlegen. Die Dividenden für 1996 und 1997 stehen bereits mit 0,60 DM bzw. 1,20 DM pro T-Aktie seit Anfang Oktober 1996 fest. Und das sei unseriös, sagen Wirtschaftsexperten. In der deutschen Wirtschafts- geschichte hatte es eine solche Vorab- Dividendenzusage noch niemals gegeben.
HAMBURG 6.1.1997 (t-off). Die Vebacom GmbH hat zum 1. Januar das Hamburger TV-Kabelnetz der Urbana Systemtechnik AG übernommen. Der Kaufpreis soll 500 Mill. DM betragen haben. Damit verfügt nun die Vebacom zusammen mit ihrem britischen Partner Cable & Wireless in Deutschland über 1,6 Mill. Kabel- Kunden und rund 1,9 Mill. angeschlossene Haushalte. Die Deutsche Telekom besitzt rund 5,5 Mill. TV-Kabel- anschlüsse. Die Vebacom will künftig das Breitbandnetz auch für attraktive Online- Dienste nutzen.
BERLIN 4.1.1997 (pep/t-off). Seit Dezember hat die Deutsche Telekom den Zusatztarif »City- Weekend« für Ortsgespräche an Wochenenden im Angebot. Abonnenten kritisieren bereits jetzt die völlig unzulängliche Kontrollmöglichkeit. Denn die in Telefon- Apparaten eingebauten Zähl- einrichtungen funktionieren bei diesem Tarif nicht korrekt. [mehr]
MÜNCHEN 2.1.1997 (hs). Telekom-Chef Ron Sommer (47, Handyman) wurde heute von der Illustrierten BUNTE des Burda- Verlags zum "Mann des Jahres" 1996/97 gekürt. "Er möbelte den angeschlagenen Staatskonzern zum modernen HighTech- Unternehmen auf. Seine Telekom- Aktie war der größte Coup der deutschen Börsengeschichte", heißt es in der Begründung. Auf den folgenden Plätzen landeten Helmut Kohl (66, Rekordkanzler), Roman Herzog (62, mutiger und kompetenter Bundespräsident) und Helmut Thoma (57, RTL-Manager). Im Vorjahr lag Ron Sommer noch weit abgeschlagen auf Platz 155.
PARIS 1.1.1997 (pic). Seit heute ist nun auch das französische Unternehmen France Télécom eine Aktiengesellschaft. Die Umwandlung des Staatsunternehmens erfolgte durch eine Regierungsverordnung. Bis zum 1. Januar 1998 müssen in der Europäischen Union alle staatlichen Telekommunikationsunternehmen privatisiert werden. Im April wird die France Télécom mit etwa 20 % des Kapitals an die Börse gehen. Es wird mit einem Ausgabepreis von um die 25 Franc pro Aktie gerechnet. Wie in Deutschland bei der Deutschen Telekom AG wird aber auch der französische Staat vorerst die Aktien- Mehrheit behalten, um so Einfluß auf die Unternehmens- Politik im Wettbewerb nehmen zu können.
NEW YORK 28.12.1996 (cyf). Die Deutsche Telekom präsentiert bekanntlich jede bescheidene Preissenkung bei internationalen Telefonaten als Großtat ihrer kunden- freundlichen Unternehmens- politik. Dennoch ist beispielsweise ein Gespräch von Deutschland in die USA mit einem Minutenpreis von 1,44 DM noch immer viel zu teuer. Umgekehrt werden nur etwa 0,45 DM pro Minute verlangt. Und selbst dieser Preis ist nach Ansicht der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC zu hoch. Denn in den USA kosten Inlands- Ferngespräche rund die Hälfte, weil dabei keine hohen Ausgleichzahlungen an ausländische Telefon- Gesellschaften anfallen. Der Einsatz moderner, effizienter Technik würde heute solche Preisdifferenzen nicht mehr rechtfertigen, heißt es dazu beim FCC.
In Form unnötig aufgeblähter Preise werden die Kosten auf die Kunden abgewälzt. Das große Preisgefälle zwischen den USA und den Ländern mit Fernmeldemonopolen bewirkt, daß auch der amerikanische Verbraucher von ausländischen Telefon- Gesellschaften über die dann fälligen Ausgleichszahlungen (settlement rates) zur Kasse gebeten werden. Dagegen will jetzt die US- Regierung vorgehen. "Wir können das nicht mehr zulassen", sagt der FCC- Vorsitzende Reed Hundt. Fahren die Noch- Monopolländer auch Deutschland ihre Preise nicht freiwillig herunter, sollen sie künftig nur noch die vom FCC festgesetzten Ausgleichszahlungen erhalten.
BONN 24.12.1996 (t-off). Von heute bis zum 1. Januar bietet die Deutsche Telekom ihren Privatkunden unter dem Slogan "Feste anrufen!" Preisnachlässe für Fern- und Regionalgespräche. Keinen Nachlaß gibt es allerdings bei den Ortsgesprächen, auf die etwa 80 % aller privaten Gespräche entfallen. Auslandsgespräche in die europäischen Nachbarländer im Tarif-Bereich "Euro 1" sowie nach USA und Kanada ("Welt 1") sind etwas günstiger. Bei den Inlandsgesprächen gilt über die Feiertage als Faustregel: "Drei Minuten telefonieren für maximal 60 Pfennig."
27.12.1996 (pep). Die Preisnachlässe sind so verwirrend unübersichtlich, daß erst Zeitungen mit selbst produzierten Übersichten wenigstens etwas Klarheit schaffen mußten. Ja, merkt denn keiner mehr bei der Telekom, daß man ein solches Angebot auch verbraucherfreundlicher gestalten kann. Beispielsweise könnte man doch sagen: Alle Telefonate egal wohin kosten vom 24. Dezember bis zum 1. Januar nur die Hälfte wie sonst. Das wäre klar und eindeutig. Aber dann könnte ja jede(r) die Kosten überblicken.
HAMBURG/BONN 21.12.1996 (t-off). Die Bundesregierung ist nunmehr offensichtlich fest entschlossen, jede nicht von ihr genehmigte elektronische Verschlüsselung von Informationen zu verbieten und die Nutzung aller ungenehmigten Verschlüsselungstechniken für den Transport von Informationen über Computer- Netzwerke unter Strafe zu stellen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe (52/1996). Diese Pläne bedeuten, daß z. B. die Benutzung des im Internet beliebten und sehr sicheren Verschlüsselungs- Programms "Pretty Good Privacy" (PGP) in Deutschland künftig verboten wird. Deutschland würde damit dem Beispiel von China und Frankreich folgen. Um das Krypto-Verbot vorzubereiten, haben sich in Bonn gestern Referenten der Innenministerien aus Bund und Ländern vertraulich getroffen. [mehr] Siehe auch: [Aktuelles zur Kryptokontroverse]
BONN 18.12.1996 (wop). Für den Telefon- Dienst ab 1998 sind beim Postministerium bisher 11 Lizenz- Anträge von künftigen Telekom- Konkurrenten eingegangen. Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) wird die ersten Lizenzen noch in diesem Jahr erteilen. Die Zahl der Lizenzen für den freien Telefon- Markt wird nicht begrenzt. Es wird erwartet, daß die drei großen Allianzen Mannesmann + DBKom + AT&T und Veba + RWE + Cable & Wireless sowie Viag + British Telecom die Lizenz bereits in den nächsten Tagen erhalten.
19.12.1996 (t-off). Die Vebacom erhielt heute die erste bundesweite Lizenz für den Betrieb von alternativen Telefon- Diensten. Damit kann die Vebacom zusammen mit der RWE und Cable & Wireless ab 1998 in ganz Deutschland alle Telefon- Dienstleistungen in Konkurrenz zur Deutschen Telekom anbieten. Regionale Lizenzen erhielten die NetCologne für Köln und die Colt Telecom für Berlin, Potsdam, Hamburg, München und Frankfurt am Main. Weitere Lizenzen werden demnächst vergeben.
MÜNCHEN 13.12.1996 (t-off). Bis zum Jahr 2006 wollen die Viag und ihr Partner British Telecom (BT) der Deutschen Telekom rund 15 Prozent der [unzufriedenen] Kunden abjagen. Und um ab 1998 diese sechs Millionen Telefon- Kunden zu gewinnen, soll von vornherein neueste Technik in einem integrierten Mobil- und Festnetz eingesetzt sowie eine sehr agressive Preispolitik betrieben werden. Zum 1. April 1997 wird dazu ein gemeinsames Unternehmen gegründet werden, unter dessen Dach dann die Viag Interkom, die Münchener Bayernwerk Netcom und das künftige E2- Mobilfunkgeschäft gebündelt werden. Das Telefonieren per Handy soll schon 1998 nur noch halb so teuer sein wie heute.
4.2.1997 (t-off). Das Konsortium aus Viag und British Telecom hat heute die vierte Mobilfunk- Lizenz (E2) für Deutschland erhalten. Ein Konkurrent war nicht angetreten.
NEW YORK 12.12.1996 (cyf). Von Firmen aus der Computer- und Telekommunikations- Branche wurde jetzt in Arlington (Virginia, USA) der Interessenverband "Global Internet Project
BONN 11.12.1996 (pos/t-off). Während sich in den USA die Zahl privater Nutzer von Internet- Diensten (World-Wide-Web und E-Mail) in den letzten zwölf Monaten auf rund 14 Millionen Haushalte mehr als verdoppelt hat, sind in Deutschland die Zuwächse im Privatbereich eher bescheiden. Ein Grund dafür sind die extrem hohen Telefontarife im Ortsbereich, die die Bundesregierung der Deutschen Telekom zum Jahresanfang "diktiert" hat. Auch die neuen Spezialtarife »City-Plus« und »City-Weekend« werden daran wenig ändern.
Ein weiterer Grund ist die rechtliche Unsicherheit aufgrund der bisher wenig überzeugenden staatlichen Regulierungsbestrebungen für die neuen Medien. Erst heute hat das Bundeskabinett das Multimedia- Gesetz (IuKDG) auf den parlamentarischen Weg gebracht. Dieses Gesetz regelt die Rahmenbedingungen für Computer- Dienste aller Art, wie sie vor allem via Internet angeboten werden. Es soll am 1. August 1997 in Kraft treten. Bei all diesen Diensten wird es ab 1997 in Deutschland Beschränkungen bei den Angeboten, die gegen das Strafrecht oder das Urheberrecht verstoßen, sowie eine Verschärfung beim Datenschutz geben. Der Gesetzentwurf berücksichtigt aber (noch) nicht das rasant voranschreitende Verschmelzen zwischen Telekommunikation, Medien und Computer- Technik und wird daher den vielfältigen Internet- Diensten (z. B. TV via Internet) wenig gerecht.
Der Kommunikationsexperte der SPD-Fraktion im Bundestag Jörg Tauss befürchtet: "Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft ist beendet, bevor er überhaupt begonnen hat, falls die Pläne der Bundesregierung für ein neues Informations- und Kommunikationsdienste- Gesetz (IuKDG) und der Medienstaatsvertrag der Länder in den vorliegenden Fassungen Wirklichkeit werden." Eine derartige Regulierungswut, die gegenwärtige technische Entwicklungen (z. B. im Internet) völlig ignoriert, sei "unfaßbar". Und dies sei eine Blockade der Informationsgesellschaft durch Ignoranz, stellte Tauss dazu fest.
DÜSSELDORF 8.12.1996 (am/t-off). Bis die Gerichte ein endgültiges Urteil über die "Tarif- reform 96" der Deutschen Telekom gesprochen haben, können noch sehr viele Monate vergehen. Die zu lösenden Rechtsfragen sind durchaus kompliziert, und der Ausgang ist ungewiß. Sollte aber die umstrittene Reform von Januar 1996 doch noch als rechtswidrig insbesondere wegen der Verteuerungen im Ortsbereich höchstrichterlich beurteilt werden, dann können die meisten Telekom- Kunden nicht mit einer Erstattung von zuviel gezahlten Gebühren rechnen.
Die Telekom hat bereits im Prozeß gegen den Verband der Postbenutzer klar zu erkennen gegeben, daß sie nicht gewillt ist, "im Falle einer 'Reform der Tarifreform' auch denjenigen Kunden etwaige Überzahlungen zu erstatten, die sich nicht rechtzeitig gegen ihre Fernmelde- Rechnung gewandt haben", so das Düsseldorfer Oberlandesgericht in seiner Urteilsbegründung vom 19.11.1996 [U (Kart) 14/96]. Nach der vom Postminister erst im Dezember 1995 erlassenen Telekommunikations- Kundenschutzverordnung (TKV) erlangen alle Telefon- Rechnungen bereits sechs Wochen nach Zugang auf Dauer Bestand (§ 17 Abs. 1 TKV), es sei denn der Kunde hat vorher Einwendungen und Vorbehalte bei der Telekom angemeldet. Wieviel Kunden sich Anfang 1996 mit solchen Einwendungen nun rechtzeitig gegen die "Tarifreform 96" gewandt haben, das hütet die Telekom noch immer als ihr Betriebsgeheimnis.
BERLIN 6.12.1996 (tuz/t-off). Ab 5. Januar 1997 gilt bei der Telekom der neue Zusatztarif »City-Plus«. Beim Abonnement muß der Kunde der Telekom vorher fünf Rufnummern im Ortsbereich mitteilen, mit denen er in einem Abrechnungsmonat an Wochentagen (521 Uhr) günstiger telefonieren möchte. Dafür muß er im voraus 400 Einheiten à 90 Sekunden für 24 Mark minus 1 Pfennig kaufen. Die Einrichtung kostet einmalig 9 Mark, und den Einzelverbindungs- Nachweis gibt es dazu gratis. Eine Änderung der Rufnummern kostet jeweils 5 Mark.
Erst jetzt wurde bekannt, daß die Telekom Hürden zur Nutzung des »City-Plus« aufgestellt hat. Und Schuld daran soll wieder einmal der Datenschutz sein. Der Abonnent muß zunächst von allen fünf Anschluß- inhabern, die er regelmäßig anrufen (!) möchte, das (schriftliche?) Einverständnis zur "Speicherung der Verbindungsdaten" einholen. Denn erst dann kann er guten Gewissens den Auftrag unterschreiben, in dem es heißt: "Ich/Wir bestätige(n), die Anschlußinhaber der Zielruf- nummern über die unverkürzte Darstellung der Rufnummern sowie der Speicherung der Verbindungsdaten informiert zu haben und das Einverständnis dieser Personen eingeholt zu haben." Von der Deutschen Telekom (01307755) war heute dazu zu erfahren, daß ihr das reine Unterschreiben "reicht". Schriftliche Erklärungen der Gesprächspartner würde sie nicht kontrollieren. [Analyse des »City-Plus«]
POTSDAM 5.12.1996 (t-off). Also doch! In Newsgruppen des Internets wurde schon lange gemutmaßt, daß auch wenn gar kein Gespräch zustande kommt also gleich das Besetztzeichen ertönt, die Telekom manchmal eine Einheit zu 12 Pfennig berechnet. Die Berliner "BZ" berichtet heute unter obiger Überschrift über einen solchen Fall aus Potsdam. Im "Forum der BZ" können der Zeitung eigene Erfahrungsberichte mitgeteilt werden. [mehr]
BERLIN 27.11.1996 (pep/t-off). Großkunden der Deutschen Telekom AG können bereits seit dem 1. November Mengenrabatte bis zu 35 % auf ihre Telefon- Rechnungen erhalten. Und für Privatkunden sollte es mit kleineren Nachlässen am 1. Dezember mit dem Zusatztarif »City- Weekend« losgehen. Dieses gehörte auch zu den Voraussetzungen für die Genehmigung der Großkundenrabatte durch die Brüsseler EU- Kommission. Nur von der Telekom hörte man bisher nichts. Noch nicht einmal Bestellscheine legte sie den November- Rechnungen bei.
Privatkunden, die bereits am digitalen "T-Net" angeschlossen sind, können durch zusätzliches Abonnieren des »City-Weekend« für monatlich 5 Mark von Freitag 21 Uhr bis Montag 5 Uhr durchgehend im Ortsbereich im Vierminutentakt (1,80 DM/Stunde) telefonieren. Der Wochenend- Tarif gilt auch an allen bundeseinheitlichen Feiertagen. Für die Einrichtung sind einmalig 9 Mark zu zahlen.
Gewartet auf diese bescheidene Ermäßigung haben besonders Nutzer von Online- Diensten, um an Wochenenden auch am Tage im Internet bezahlbarer surfen zu können. Wollten Kunden nun in diesen Tagen in Telekom- Läden den »City-Weekend« bestellen, erlebten sie eine Überraschung. Die Telekom gab sich dort noch ahnungslos. [mehr] [Die Rabatt-Story]
29.11.1996 (khd). Erst heute zwei Tage vor dem Start läßt die Telekom die Zeitungen mitteilen, daß ab Sonntag das »City-Weekend«- Angebot gilt. Hoffentlich wissen es nun auch die "T- Läden". Und ab 5. Januar 1997 gibt es dann den umstrittenen Spezialtarif »City-Plus«. Da hat also die Telekom allein in Deutschland locker 96 Millionen Mark in die Werbung zur Einführung der Telekom- Aktie gesteckt. Sie war aber nicht vorbereitet, ihre Privatkunden so rechtzeitig und umfassend über die neuen Spezialtarife im Ortsbereich zu informieren, daß diese noch zum Dezember bestellen konnten. Ein toller Service am Kunden ist das. Und es sieht nach Absicht aus. Wen wundert es da noch, daß der Telefonriese zu den "Verlierern des Jahres" gehört. So das vernichtende Urteil der Deutschen über die Telekom im Emnid- Kundenbarometer 1996.
4.12.1996 (khd). Und erst heute vier Tage nach dem Start schaltet die Telekom in Zeitungen Werbeanzeigen "Neu ab 1.12.96!" für ihren Spezialtarif »City- Weekend«. Immerhin ist die Einzelverbindungs- Übersicht, die sonst extra 19 Mark kostet, bereits in der einmaligen Gebühr von 9 Mark enthalten. Ob nun Kunden, die schon früher für diesen Nachweis 19 Mark bezahlt haben, diese beim Abonnement vom »City- Weekend« von der Telekom zurückerstattet erhalten, bleibt unklar. Jedenfalls wäre das ein Gebot der Fairneß. Denn es ist noch immer einmalig, daß die Kunden für eine ausführliche Rechnung quasi für den Kassenbon überhaupt etwas bezahlen müssen. Übrigens, auch der Telefon- Rechnung für Dezember legte die Telekom keinen Bestellschein oder eine Information über ihre neuen Ortssondertarife bei.
BERLIN 26.11.1996 (t-off). Der Berliner Verbraucherzentrale fehlte das Geld, um Verbraucher bei Rechts-, Versicherungs-, Mieter- Patienten-, Spar- und Anlagefragen zu beraten. Denn die Zuschüsse aus öffentlichen Geldern wurden auch hier drastisch gekürzt. Deshalb wurden jetzt kostenpflichtige Beratungstelefone eingerichtet, die unter 0190- Nummern zu erreichen sind. Eine Beratungsminute kostet nun 3,60 DM, wovon die Verbraucherzentrale 2,86 DM von der Telekom per Inkasso erhält. Das Entgelt wird mit der Telefonrechnung eingezogen.
LUND 25.11.1996 (ven). Telefonkunden in Schweden können ab nächstem Jahr landesweit unentgeltlich telefonieren, wenn sie ihre Gespräche über die private Stockholmer "Gratistelefon AB" abwickeln. Finanziert wird das mit Werbespots, die vor Beginn, nach der ersten Minute und dann alle drei Minuten für zehn Sekunden in das Gespräch eingespielt werden. Versuche in Lund und Norrköping sind bisher erfolgreich verlaufen. Zunächst ist keine zeitliche Begrenzung der zerhackten Telefonate vorgesehen.
BERLIN 23.11.1996 (pep/t-off). Bis Ende 1997 will die Deutsche Telekom ihr gesamtes Telefonnetz mit 5000 Ortsnetzen und 35 Millionen Kunden auf die weniger anfällige Digitaltechnik umgerüstet haben. Damit endet dann auch in Deutschland das Zeitalter der elektromechanischen Vermittlungstechnik mit klappernden Relais und ratternden Drehwählern. Die Telekom investiert insgesamt 12 Mrd. DM in die kosten-, platz- und energiesparende Computer- Technik.
In Berlin wird diese Umstellung auf das "T-Net" bereits bis zum Ende diesen Jahres abgeschlossen sein. Nur noch 350.000 der 2,1 Millionen Berliner Anschlüsse müssen im Dezember umgeschaltet werden. Dabei sei auch mit Pannen zu rechnen, teilte gestern die Telekom mit. Denn in Ost-Berlin müsse gleichzeitig das alte DDR-Netz ersetzt werden. So sind in Berlin- Hohenschönhausen seit Montag rund 1000 Telefone lahmgelegt. Die Telekom hat inzwischen ein Krisenmanagement eingerichtet, das helfen soll, Störungen innerhalb von 24 Stunden zu beseitigen.
Das digitale "T-Net" ist Voraussetzung für eine Reihe neuer Leistungen wie Sondertarife, die "Komfortleistungen" (Anklopfen, Makeln, Dreierkonferenz), detaillierte Telefonrechnungen und Mitnahme von Rufnummern beim Umzug. Zwar will die Telekom auch ihre Kunden von den "Kosteneinsparungen profitieren" lassen, aber wann und wie das geschehen soll, vermochte sie noch nicht zu sagen. Insbesondere äußerte sie sich nicht zu der überfälligen Senkung der seit dem 1. Januar 1996 extrem überteuerten Ortstarife. Im Oktober hatte die "Aktion billiges Telefon" erneut "überschaubare und bezahlbare Tarife für Ortsgespräche" gefordert.
FRANKFURT/MAIN 22.11.1996 (lem). Die erste Börsenwoche mit der T-Aktie ist gelaufen. Zum Empfang der Telekom hatten die Börsianer am Montag den (pink)roten Teppich ausgerollt. Und bereits in der Vorwoche produzierten sie allerorten Kursrekorde. Der DAX erreichte sogar am letzten Freitag mit 2795,80 fast die Rekordhöhe von 2800. Und so kam es, wie es kommen mußte. Nur am Einführungstag erzielte die neue Telekom- Aktie mit 34,10 DM einen Höchstkurs (Kassakurs 33,20 DM). Danach ereilte T-Aktie und DAX die Gewinnmitnahmen- Schwindsucht. Nach fünf Handelstagen lag heute in Frankfurt am Main der Kassakurs bei nur noch 31,90 DM. Der tiefste Kurs der Woche lag mit 31,52 DM um rund 10 % über dem Ausgabepreis von 28,50 DM. Viele (Klein-) Anleger hatten sich eine höhere Gewinnmitnahme versprochen.
DÜSSELDORF 20.11.1996 (t-off). Der Verband der Postbenutzer darf auch künftig die Telekom- Kunden öffentlich dazu aufrufen, Telefonrechnungen nur unter Vorbehalt der Rückforderung zu bezahlen. Mit dieser Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf unterlag jetzt die Deutsche Telekom AG erneut im Rechtsstreit um die Telefontarife. Der Aufruf stelle weder eine Nötigung noch einen rechtswidrigen Eingriff in das Gewerbe der Telekom dar. Bereits im März hatte das Hamburger Landgericht gegen die klagende Telekom entschieden. Entscheidende Urteile zu den seit Januar geltenden Telefontarifen selbst, sind erst 1997 zu erwarten. [mehr]
BERLIN 19.11.1996 (t-off). Gegenüber dem ZDF- Morgenmagazin bezeichnete gestern Heinz Gerlach, Vorsitzender des Bundesverbandes privater Kapitalanleger, die Informationspolitik der Deutschen Telekom als "katastrophal", weil die aufwendige Werbung für die T-Aktie den Eindruck einer absolut risikofreien Anlage erweckt habe. Die Fernseh- Werbung mit Manfred Krug sei gar eine "Verscheißerung des Volkes" gewesen. [mehr]
FRANKFURT/MAIN 17.11.1996 (lem). Wer hätte das gedacht. Obwohl bekannt war, daß die T-Aktie mit bis zu 30 DM (zu) teuer sein würde, sind 3,6 Mrd. Aktien bestellt worden. Dennoch können Anleger für 80.000 Millionen Mark keine Telekom- Aktien erhalten. Denn es gibt davon zu wenig. Die Deutsche Telekom hätte mit dem vielen Geld jetzt auf einen Schlag privatisiert werden können. Diese Marktchance wurde von den Finanzprofis nicht erkannt. Oder schreckten sie schlicht vor den Risiken einer solchen Super- Emission zurück? Das Geld im Überfluß hätte sogar ausgereicht, um die hochverschuldete Telekom schon bei der Erstausgabe der T-Aktie vollständig zu sanieren. Oder der Bund hätte einen Teil des Geldes sehr gut zum Stopfen von Haushalts- löchern gebrauchen können.
Der Ausgabepreis der T-Aktie wurde heute mit 28,50 DM bzw. 18,89 US-$ festgelegt. Bei 713 Millionen Aktien (690 Mill. plus 23 Mill. Belegschaftsaktien) kommen somit nur rund 20 Mrd. DM in die Telekom- Kasse. Hätten aber alle Kaufaufträge in voller Höhe ausgeführt werden können, dann wären es um die 100 Mrd. DM gewesen. Aber weder der Bund noch die Telekom waren bei ihren Planungen von einem derartigen Erfolg beim Börsenstart überzeugt. Und die 80 Mrd. DM an potentiellem T-Aktienkapital werden sich nun andere Anlagemöglichkeiten suchen. Immerhin dürfte der Aktienmangel dafür sorgen, daß es kurzfristig zu einem deutlichen Kursanstieg kommen wird. Für viele der 1,9 Millionen Kleinanleger wird das die Chance sein, einen schönen Gewinn beim Verkauf ihrer rationierten T-Aktien zu machen.
BERLIN 16.11.1996 (t-off). Heute läuft um 22 Uhr bereits zum 150. Mal die TV- Sendung »Wie Bitte?!«. Das ist die bei Firmen und Behörden gefürchtete RTL- "Show, die sich einmischt" und damit meist Wirkung erzielt. »Wie Bitte?!« nimmt sich des Ärgers der kleinen Leute an, die diese mit den Großen haben. Unfreiwilliger Hauptlieferant für die so erfolgreiche Unterhaltungssendung war immer wieder die Deutsche Telekom AG, was angesichts der vielen T-Pannen nicht verwundert.
Der Moderator Geert Müller- Gerbes, gelernter Journalist, sagte dazu jetzt dem Berliner Tagesspiegel: "In Deutschland gilt der Einzelne gegenüber großen Organisationen nichts. Die Reste des Obrigkeitsstaates sind noch fest verankert. (...) Wenn wir die Telekom nur dazu bewegt haben, am Telefon freundlicher zu sein und daß jeder Mitarbeiter seinen Namen nennt, dann haben wir schon etwas erreicht. Wir haben sie so vorgeführt, wie noch nie ein Unternehmen in Deutschland vorgeführt worden ist. Wir haben sie lächerlich gemacht. Natürlich gibt es auch andere: Versicherungen, der Versandhandel und alle großen Organisationen."
HAMBURG 15.11.1996 (t-off). Nun wissen wir es aber ganz genau: "Die Deutsche Telekom ist das wertvollste Unternehmen Deutschlands." Das sagte Telekom- Chef Ron Sommer dem ARD- Nachtmagazin (15.11.1996 0.30 Uhr) als nun feststand, daß rund 3,6 Mrd. T-Aktien im Nennwert von 5 DM bestellt sind und sich somit die riesige Werbekampagne ausgezahlt hat. Bei Europas größtem Börsengang stehen am Montag maximal 690 Mill. Aktien zum Verkauf. Bei einem Ausgabepreis von 30 DM wird die Telekom 20,7 Mrd. DM einnehmen, die zum Abbau der hohen Schulden verwendet werden sollen. Der Bund hatte auf sein Bezugsrecht verzichtet.
BONN 14.11.1996 (pos). Forschungsminister Jürgen Rüttgers hat am letzten Montag in Bonn die Referenten- Entwürfe für das neue Informations- und Kommunikationsdienste- Gesetz (IuKDG) sowie die Signatur- Verordnung (SigV) vorgestellt. Das Gesetzeswerk soll bis Mitte 1997 in Kraft treten. Danach sollen alle Online- Dienste völlig zulassungs- und anmeldefrei sein. Die Anbieter sind nur nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich, nicht aber für fremde Inhalte. Bei illegalen Angeboten kann ein Sperren nur verlangt werden, wenn dieses "technisch möglich und zumutbar" ist. Was nun "zumutbar" bedeutet, das müssen dann in der Zukunft Gerichte im Einzelfall klären. Und zum Datenschutz: Der Entwurf erlaubt den Sicherheitsbehörden den Zugriff auf alle Bestandsdaten bei den Dienste- Anbietern.
15.11.1996 (t-off). Nach einem Bericht des Berliner TAGESSPIEGELs vom Mittwoch stößt bei kommerziellen Online- Anbietern das Gesetz auf Desinteresse. AOL habe "dafür keine Zeit". Bei CompuServe sah man sich nicht in der Lage, Stellung zu nehmen. Für T-Online geht der Rüttgers- Entwurf "in die richtige Richtung". Hauptsache sei, es würde endlich geregelt.
19.11.1996 (t-off). Wegen der aktuellen Entwicklung bei der deutschen Multimedia- Gesetzgebung erwägt CompuServe einen Umzug ins benachbarte Ausland. "Es kann nicht sein, daß ein Provider massive Investitionen in die Kontrolle eines internationalen Netzwerks machen muß, wenn er in Luxemburg mit bedeutend weniger Aufwand etwas anbieten kann", sagte Geschäftsführer Felix Somm.
BONN 11.11.1996 (wop/t-off). Die Deutsche Telekom hält sich nicht an die Abmachungen. Sie wird am kommenden Montag statt 500 nun 600 Millionen Aktien an die Börse bringen. Außerdem wird das Sonderkontingent der Banken, der Green-shoe, von 75 auf 90 Millionen Stück erhöht. Das sind insgesamt 115 Millionen T-Aktien mehr als ursprünglich geplant. Die Steigerung der Emission wird mit der großen Nachfrage nach der T-Aktie begründet. Die Telekom nutze wohl die Gunst der Stunde, um damit zur Entschuldung rund 3,5 Mrd. DM zusätzlich in die Kasse zu kriegen, meinen hingegen Finanzexperten. Die Blitz- Aufstockung um 20 % entspricht genau der nach US- Recht zulässigen Höchstgrenze und könne von vornherein eingeplant gewesen sein. Heftige Kritik kommt auch vom Börsendienst Platow-Brief: Die T-Aktie sei nun zur "Mogelpackung" geworden. Das Vorgehen der Telekom erinnere an einen "Taschenspielertrick". Die T-Aktie werde mit der Aufstockung "verwässert". Noch bis zum Donnerstag können bereits erteilte Kaufaufträge bei den Banken reduziert oder auch storniert werden.
13.11.1996 (t-off). Und sogar die WELT von heute berichtet, daß nun die "Euphorie bei der T-Aktie gedämpft" sei. Der Bonner Post- Experte Hans Martin Bury, SPD- Protagonist der Rabatt- Tarife für Privatkunden, forderte heute wegen der Aufstockung 'Rabatt' für die T-Aktie. Er verlangt von der Telekom einen Ausgabepreis von "eher um 25 Mark". Die Telekom wäre aber wohl schön dumm, darauf einzugehen. Denn es gibt ganz offensichtlich genügend Käufer, die 30 Mark pro Aktie aus ihrem Ersparten bezahlen wollen.
BONN 8.11.1996 (pos). Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) hat jetzt die in Bonn geplanten Gebühren für die neuen Telefonnetz- Lizenzen ("Telefon- Steuer") als "undurchschaubar" kritisiert. Wie in anderen Ländern solle sich die Höhe der Lizenz- gebühren an den tatsächlich entstehenden Verwaltungskosten orientieren. Bonn will hingegen 40 Millionen DM für jede Netzlizenz kassieren und so 1997 mindestens 1,5 Mrd. DM zusätzlich einnehmen.
MÜNCHEN 6.11.1996 (t-off). Vor deutschen Gerichten wird noch immer über die Rechtmäßigkeit der Tariferhöhungen der Telekom zum 1. Januar 1996 verhandelt. In (fast) allen Fällen ist es der Deutschen Telekom AG gelungen, die Prozesse zu verzögern. Um vor dem Gang an die Börse kein negatives Urteil präsentiert zu bekommen, vermuten die klagenden Telefon- Kunden. Entscheidende Urteile sind daher erst im nächsten Jahr zu erwarten. Die Telekom- Prozesse zeigen, so Professor Volker Thieler aus München, daß auch die deutsche Justiz erhebliche Probleme hat, sich mit den Rechtsproblemen um die Telekom auseinanderzusetzen.
10.11.1996 (khd). Und im nächsten Jahr könnten für die Telekom negative Urteile sogar noch sehr nützlich werden. Denn damit ließe sich 1997 gut ein Kursabsturz der T-Aktie erklären. Die Verpflichtung des Banken- Konsortiums zur Stützung des Kurses der T-Aktie, die sogenannte Kurspflege, soll ja bereits am 31. Dezember 1996 enden. Und danach erwarten Börsenexperten, daß sich der Kurs der Telekom- Aktie im freien Spiel der Kräfte deutlich unter 30 Mark einpendeln wird.
LONDON 5.11.1996 (irk). Bei der Festsetzung der Preisspanne für die Telekom- Aktie hat es hinter den Kulissen am 30. September mächtigen Krach zwischen der Deutschen Telekom AG und den koordinierenden Banken gegeben. Insbesondere das Bankhaus Goldman Sachs wollte eine Preisspanne von 20 bis 30 DM. Denn es sah den Wert der T-Aktie eher bei 20 DM als bei 30 DM, dem Telekom- Wunsch. Das berichtete gestern ausführlich die Financial Times ("Deutsche Telekom calls its investment bankers to heel"). Und erst am 19. Oktober akzeptierten die Banken die von der Telekom vorgegebene Spanne von 25 bis 30 DM. Inzwischen hat die Telekom Goldman Sachs abgestraft und von der globalen Koordination der Privatisierung der Matav, der ungarischen Telekom- Tochter, ausgeschlossen ("Deutsche Telekom: Goldman Sachs dropped after IPO row"). Die Telekom dementierte heute die Berichte. [Ed: IPO = initial public offerings].
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DARMSTADT 4.11.1996 (mil/t-off). Seit Freitag ging nichts mehr bei T-Online, dem Online- Dienst der Telekom. Der Service mit der E-Mail war vollkommen zusammen- gebrochen. Massenhaft eingelieferte Sex- Reklame hatte die elektronischen Post- Computer überlastet. Die Telekom hatte übersehen, daß ein solcher Mißbrauch durch einen Anbieter von Sex- Diensten in der Praxis nur durch intelligente Steuersoftware, nicht aber durch die Geschäftsbedingungen zu verhindern ist. Erst am Dienstag soll der Betrieb wieder völlig normal laufen. [mehr]
BERLIN 3.11.1996 (t-off). Die bundesweite Bürgerinitiative "Aktion billiges Telefon" hat zusammen mit anderen Protestinitiativen weit über 1 Million Unterschriften gegen das Tarifsystem der Telekom im Ortsbereich gesammelt. Bei der im Januar 1996 von der Berliner Pfarrerin Helga Frisch gestarteten Bürgerinitiative (BI) sind alleine 12.000 Briefe mit Unterschriftenlisten und 2.000 Briefe mit Äußerungen betroffener Bürger und Bürgerinnen eingegangen. Eine eindrucksvolle Dokumentation der Bürgerempörung über die Folgen der unsozialen und kommunikations- feindlichen Ortstarife hat die BI jetzt der Deutschen Telekom sowie Politikern überreicht.
Im Interesse von Millionen von empörten und enttäuschten Telefon- Kunden bittet die "Aktion billiges Telefon" noch einmal, endlich wieder "überschaubare und bezahlbare Tarife für Ortsgespräche" zu schaffen. Dazu gehöre vor allem ein "einheitlicher Zeittakt ab 18 Uhr von mindestens 8 Minuten" im Ortsbereich. Und da die Deutsche Telekom "Soziale Verantwortung" zu ihren Unternehmensgrundsätzen zähle und mit dem Slogan "Von Mensch zu Mensch" werbe, solle sich diese Menschlichkeit auch wieder im Tarifsystem abbilden. [mehr]
BRÜSSEL 2.11.1996 (cref/t-off). Am Donnerstagabend genehmigte die EU-Kommission [t-off berichtete] doch noch die Mengenrabatt- Tarife der Deutschen Telekom AG für die Großkunden, allerdings mit erheblichen Auflagen. So muß die Telekom bereits bis Ende Dezember der Konkurrenz umfassend und fair Zugang zu den Telekom- Netzen gewähren. Die EU- Entscheidung verpflichtet außerdem das Bonner Postministerium, den Zugang der Mitbewerber zu den Telekom- Netzen zu garantieren. Falls Bonn und die Telekom die Auflagen nicht erfüllen, will die Brüsseler EU- Kommission ein Verfahren gegen die Telekom wegen Behinderung des Wettbewerbs einleiten. Die großzügigen Preisnachlässe für Geschäftskunden gelten ab 1. November. Mengenrabatte für Privatkunden sind nicht geplant. Für Kleinkunden werden demnächst von der Telekom die Optionstarife »City-Plus« und »City-Weekend« eingeführt, die unter bestimmten Umständen das Telefonieren im Ortsbereich etwas verbilligen können. [mehr]
BERLIN 1.11.1996 (t-off). Schon in der VTM- Studie »Kosten des Ortsnetzes« hatte Professor Ingo Vogelsang im Mai auf die große Bedeutung der künftigen Regulierungsbehörde für den freien Telekommunikationsmarkt hingewiesen. Deutschlands renommiertester Kartellrechtler, Ulrich Immenga, übt jetzt Kritik an der wenig transparenten Vorgehensweise des Bundes bei der Einrichtung dieser neuen Behörde, die ab 1998 den freien Marktzugang schaffen und überwachen soll. Nach einem Bericht des Berliner TAGESSPIEGELs von heute fordert er "die sofortige Einrichtung einer unabhängigen Ad hoc- Kommission, die den Aufbau der Regulierungsbehörde unterstützt." [mehr]
NEW YORK 1.11.1996 (cyf). Nach einem Bericht von ABC-News von heute will die British Telecom (BT) mit dem US-amerikanischen Telekommunikations- Konzern MCI fusionieren. Damit würde der weltweit drittgrößte Telefon- konzern mit rund 40 Milliarden Dollar Jahres- umsatz entstehen. In Deutschland macht BT der Telekom zusammen mit Viag Konkurrenz.
3.11.1996 (t-off). BTs Überraschungscoup ist perfekt. Nun müssen nur noch die Kartell- Behörden zustimmen. Mit der Fusion entsteht das neue Unternehmen "Concert" mit 43 Millionen Kunden in 70 Ländern. Und die Deutsche Telekom hat ihren Platz 3 verloren.
BERLIN 1.11.1996 (zet/t-off). Erneut wurde die Telekom mit gefälschten Telefon- Karten betrogen. Ein 27jähriger Informatik- Student hatte im Eigenbau Telefon- Karten mit einer Kapazität von 50 Mark hergestellt, die sich bis zu 300mal selbst wieder aufluden. Damit konnte für 15.000 Mark telefoniert werden. [mehr]
HANNOVER 31.10.1996 (nor/t-off). Die Deutsche Telekom ist bei einem Leistungsvergleich wieder einmal ganz hinten gelandet. Denn ist das Image erst ruiniert, dann lebt's sich völlig ungeniert, und man braucht sich um berechtigte Kundenwünsche nicht zu kümmern. In der Novemberausgabe 11/1996 veröffentlicht das Computer- Magazin »c't« einen vergleichenden Test der wichtigsten Internet- Anbieter mit (gemessenen) Zahlen und Fakten. Der Internet- Service "T-Online" der Telekom (früher Btx) schnitt dabei besonders schlecht ab. [mehr]
FRANKFURT/MAIN 29.10.1996 (t-off). Die Hersteller und Vertreiber von Telefon- CDs dürfen diese weiter verkaufen. Das entschied heute das Frankfurter Oberlandesgericht. Selbst im Abscannen der Telekom- Telefonbücher sahen die Richter keine Verletzung des Urheberrechts. Denn es sei vorgegebenes Material, das keinen Raum für die Entfaltung schöpferischer Eigenart lasse. Mögliche Datenschutz-Verstöße könnten nur die betroffenen Telefon-Kunden geltend machen, nicht die Telekom. [mehr]
LONDON 28.10.1996 (irk). Am Wochenende hat die Financial Times noch einmal das Für und Wider the good and the bad der Telekom- Aktie beleuchtet. Und Tony Jackson kommt zum Ergebnis, daß (britische) Investoren mit einem Kauf warten sollten, bis sich der ganze überzogene Wirbel [Ed: und der Kurs] gelegt hat. Bis dahin solle gelten, insbesondere für den privaten Anleger: "Leave Telekom alone." [mehr]
29.10.1996 (t-off). Die Financial Times berichtet auch, daß die T-Aktie schon jetzt alleine von den deutschen institutionellen Anlegern um das Zweieinhalbfache überzeichnet worden sein soll.
BERLIN 27.10.1996 (t-off). Wer noch nach neutralem Rat für den Kauf von T-Aktien sucht, konnte solchen heute im Wallstreet- Bericht des Berliner TAGESSPIEGELs entdecken: »Wer Deutsche Telekom- Aktien kaufen will oder schon bestellt hat, der sollte sich die Entwicklungen in der amerikanischen Telekommunikationsbranche anschauen. Der Marktführer AT&T, der im internationalen Vergleich den Konkurrenten um einiges voraus ist, hat an der Börse kein Glück. Das wissen AT&Ts 3,3 Mill. Anteilseigner nur zu gut. Letztes Jahr kletterte der Kurs der AT&T- Aktie auf 48. Doch seit Beginn dieses Jahres geht es bergab. Am Freitag schloß der Titel bei knapp über 36. Dort stand er schon Mitte 1992. Eine Sparbuchanlage bei der Bank hätte mehr eingebracht. Nach Einschätzung von Analysten mangelt es dem Koloß an Flexibilität in einer Zeit, in der sich die Entwicklungen in der Branche überschlagen. AT&Ts Marktanteil im Konsumentenbereich ist seit 1995 von 76 Prozent auf 68 Prozent gefallen.«
BONN 26.10.1996 (t-off). Nach einem Bericht der WELT von Anfang Oktober soll die Deutsche Telekom am Telefon- Sex jährlich 400 Millionen Mark verdient haben. Besonders blühte das Sex- Geschäft mit Anbietern auf den Niederländischen Antillen in der Karibik. Nachdem die Telekom ab November 1995 die Gespräche dorthin nur noch per Hand vermittelt, sanken die Einnahmen jedoch deutlich. Auch für die Telefongesellschaft Antelecom in Curacao. Diese klagt nun vor dem Bonner Landgericht gegen die Telekom und will acht Millionen Mark Schadenersatz und die Wiedereinführung des Selbstwähldienstes. Denn die Antetelecom glaubt nicht, daß "kriminell organisierte Gruppen", so die Telekom, die Gespräche in die Karibik zu Lasten Dritter manipulieren. Das Gericht muß das nun klären. [mehr]
BRÜSSEL/RANGUN 25.10.1996 (rom). Die EU will den Druck auf die brutale Militärjunta Burmas wegen der schweren Verletzungen von Menschenrechten verstärken. Bereits am Montag wollen die EU-Außenminister in Luxemburg über Sanktionen entscheiden. Die USA setzen sich für eine scharfe UNO- Resolution gegen Burma ein. Und Präsident Clinton hat gerade ein Gesetz unterzeichnet, das mit Boykott droht. Aber die Deutsche Telekom AG verweigerte jetzt der Demokratiebewegung und Opposition von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi die Ausstrahlung ihres Rundfunk- programms "Voice of Burma" in das asiatische Land per Kurzwelle. Nach einem Bericht der Deutschen Welle soll das Bonner Auswärtige Amt "Bedenken" gehabt haben. Das arme Burma gilt als großer Zukunftsmarkt, auch für deutsche Unternehmen. [mehr]
8.11.1996 (t-off). Das Auswärtige Amt wird nun der Deutschen Telekom zum Vertrag mit dem Oppositionssender raten.
BONN 24.10.1996 (pos/t-off). Um die großen Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen, fordern jetzt Haushaltsexperten der Unionsfraktion Lizenzgebühren für die Genehmigung von Telefonnetzen. Damit könnten 1997 mindestens 1,5 Mrd. DM in die Bundeskasse fließen. Postminister Bötsch (CSU) und Wirtschaftsminister Rexrodt (FDP) lehnten hingegen solche Pläne ab. Denn eine solche Telefon- Steuer würde nach Meinung der Minister die gerade eingeleitete Liberalisierung der Telekommunikation konterkarieren.
BERLIN 23.10.1996 (zet/t-off). Schon wieder verursachten Software- Fehler in Siemens- Computern Chaos im öffentlichen Leben. In Berlin kam es am Montag und Dienstag zu erheblichen Störungen des S-Bahnverkehrs. Gestern von 6.30 bis 11 Uhr standen in der City erneut die Schnellbahnzüge still, fielen aus oder fuhren verspätet. Die Ursache: der Zentralcomputer im neuen elektronischen Stellwerk in Berlin- Halensee. Siemens- Spezialisten orteten inzwischen den Fehler in ihren Computer- Programmen. Siemens laut Berliner "B.Z.": "Eventuell fehlten einige Daten auf einer Festplatte." Denn alles was vom Computer nicht erfaßt sei, stelle die Signale auf Rot. Und dann geht nichts mehr. Denn die alten, noch per Hand zu steuernden Signaleinrichtungen sind längst abgebaut.
Computer und Software von Siemens waren schon öfter Ursache für Pannen mit erheblichem Ausmaß. Erst letzte Woche legte ein falsch arbeitender Siemens- Computer die zentrale Telekom- Vermittlungsstelle in Cottbus für 17 Stunden lahm. Und im März 1995 brachte ein banaler Design- Fehler eines Programms (ein nicht behandelter "stack overflow") in der Siemens- Steuerung des zentralen Stellwerks in Hamburg- Altona den Bahnverkehr in ganz Deutschland durcheinander. Siemens und auch die Telekom müssen bei kritischen Echtzeit- Projekten wesentlich mehr Geld und Zeit in das solide Testen ihrer Software stecken, raten deshalb Computer- Experten. Bei Anwendungen vom Typ "mission critical" übersteigen die Kosten für die aufwendigen Tests die eigentlichen Herstellungskosten um das Vielfache. Und deshalb würde eben beim Testen gerne gespart. [mehr]
25.10.1996 (khd). Auf dem Archiv- Server des Forums "comp.risks" in Kalifornien findet man im Volume 16 Issue 93 Hintergrund- Informationen zum "Altona railway software glitch". Weitere interessante Infos dazu befinden sich auch im Volume 16 Issue 94 und Volume 17 Issue 02. Übrigens, auch am Donnerstag standen wieder Berliner S-Bahn- Signale auf Rot. Den Fahrgästen erklärte man per Lautsprecher: "Computer- Fehler. Bitte aussteigen, der Zug endet hier."
30.10.1996 (t-off). Die heutige Ausgabe von comp.risks (Volume 18 Issue 55) berichtet, daß auch bei der Berliner S-Bahn ein "stack overflow" (Überlauf eines Datenpuffers) zu dem mehrfachen Versagen des Steuerprogramms geführt haben soll. Siemens hat also ganz offensichtlich in den letzten 19 Monaten nichts dazu gelernt.
7.6.1998 (t-off). Hinweise: Im SPIEGEL 5/1997 (Seite 9091) wird umfassend über die am Image kratzende Pannenserie des Software- Herstellers Siemens berichtet. Das RISKS-Forum (comp.risks) steht inzwischen unter http://catless.ncl.ac.uk/Risks/ auch direkt im WWW zu Verfügung.
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