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PADERBORN 20.6.1997 (t-off). Die Sprüche-Sammlung "Telekom kurz & knapp" wurde jetzt mit dem Award "Die besten Internet- Sprüche" des Monats Juni ausgezeichnet. Vergeben wird dieser Preis monatlich von Achim Schmidtmann an der Uni Paderborn für die besten im Internet publizierten Webseiten mit Sprüchen, Aphorismen, Lebensweisheiten oder Zitaten. Die Sammlung von Telekom- Zitaten wird seit Dezember 1995 im Rahmen des Projekts "t-off" publiziert. Sie umfaßt derzeit 114 Zitate (52. Edition), die sich kritisch mit der Telekom auseinandersetzen. Neue Telekom- Sprüche werden gerne mit genauer Quellenangabe per E-Mail angenommen.
BONN 14.6.1997 (tsp/t-off). Bereits zum 4. Juni sollte eigentlich die Deutsche Telekom AG ein verhandlungsfähiges Angebot für den Netzzugang der künftigen Telefon- Konkurrenten vorlegen. Da das nicht geschehen ist, hat Postminister Bötsch der Telekom noch einmal bis zum 16. Juni Zeit gegeben, sich im Preisstreit um den Ortsnetz- Zugang zu äußern. Die EU hatte Ende Mai nochmals Tempo angemahnt. [mehr]
BONN 13.6.1997 (pin/t-off). Der Bundestag hat heute mit den Stimmen der Koalition das Multimedia- Gesetz (IuKDG) für die neuen Informations- und Kommunikationsdienste beschlossen. Nach dem Willen der Regierung sollen damit wichtige Weichen auf dem Weg in die Informationsgesellschaft gestellt werden. Die Regelungen gelten auch für von Deutschland aus angebotene Internet-Dienste. Die Grünen stimmten gegen das Gesetz, die SPD enthielt sich. Die ursprünglich vorgesehene Auskunftspflicht der Anbieter von Diensten, ihre Kundendaten auf Anforderung an die Sicherheitsbehörden zu übermitteln, ist gestrichen worden.
Die Reglementierung der Verschlüsselungs- möglichkeiten ist wegen des Widerstands der FDP nicht realisiert worden. Bundesinnenminister Kanther (CDU) konnte sich mit seiner Forderung nach einem Kryptoverbot nicht durchsetzen. Am 4. Juli wird sich der Bundesrat mit dem Gesetz befassen, das am 1. August zusammen mit dem neu ausgehandelten Rundfunk- Staatsvertrag der Bundesländer in Kraft treten soll. Kritiker befürchten, daß durch diese Doppelregulierung erhebliche Rechtsunsicherheiten (mit Verwaltungsstreitigkeiten) sowie Investitionshemmnisse entstehen werden, zumal die globale Dimension des Internets und das Zusammenwachsen von Rundfunk und Kommunikation ignoriert wurden. [siehe auch: Industrie gegen Multimedia-Gesetz]
HAMBURG 8.6.1997 (t-off). Nach einem Bericht des SPIEGEL (24/1997) verlangt jetzt die Deutsche Telekom für die Einspeisung eines digitalen Programms in ihr Kabelnetz 90 Millionen Mark pro Kanal. Das sei mehr als das 30fache der heute üblichen Gebühren und auch etwa 10mal so hoch wie vergleichbaren Satelliten-Tarife.
BERLIN 3.6.1997 (t-off). Das Berliner Bundeskartellamt hat jetzt gegen die Deutsche Telekom AG ein Verfahren wegen des Verdachts auf Wettbewerbsverstöße beim Kabel-TV eingeleitet. Hintergrund ist die Absicht der Telekom, selbst als Programmhändler in ihrem Kabelnetz zu agieren und auch Abonnementskanäle zu verkaufen. Außerdem plane die Telekom, privaten Anbietern nur dann Zugang zum Kabelnetz zu gewähren, wenn diese zusätzliche Leistungen des Unternehmens nachfragen. Die Absichten der Telekom wurden im Mai auf dem Bonner Kabel-Gipfel bekannt.
BONN 1.6.1997 (tsp/t-off). Das Bonner Dimap-Institut hat jetzt die Ergebnisse einer Umfrage zur Höhe von Telefon- Rechnungen veröffentlicht. Danach zahlt inzwischen jeder zweite deutsche Haushalt mehr als 100 Mark im Monat für das Telefonieren. Und nur 14 % aller Haushalte zahlen monatlich weniger als 50 Mark. [mehr]
HAMBURG 1.6.1997 (n-tv/t-off). Nach Global Link will nun auch die schweizerische Metro Holding AG, Mehrheitsbesitzer der Kölner Metro, der Telekom harte Konkurrenz machen. Das Unternehmen wolle demnächst einen billigen Telefon- und Faxdienst über das Internet anbieten, meldet heute die "Welt am Sonntag". Partner ist die OzMail, die bereits in Australien und den USA derartige Dienste betreibt. Das bedeutet: erprobte Technik, fertige Software und eine gewaltige Kapitalstärke. Die Nutzung der Telefondienste soll ohne PC möglich sein.
HAMBURG 31.5.1997 (ard-141/t-off). Nach einem Bericht des SPIEGELs (23/1997) verlangt die Deutsche Telekom AG von ihren Konkurrenten für die Zusammenschaltung der Telefonnetze "potentiell wettbewerbsbehindernde" Preise. Die Tarife der Telekom für den Ortsnetzzugang der Privaten lägen nach einem vertraulichen KPMG- Gutachten, das im Auftrag des EU-Kommissars für Wettbewerb Karel van Miert angefertigt wurde, bis zu 13mal höher als in anderen europäischen Ländern. Die Gutachter der KPMG fordern daher eine Reduzierung der Telekom-Preise von bis zu 80 %. Es wird nun ein weiteres Machtwort des Postministers erwartet. Denn bleibt es bei den Phantasiepreisen, dann wird die Telekom- Konkurrenz ab 1998 keine preiswerteren Gespräche anbieten können und es zu keinem Wettbewerb kommen.
BRÜSSEL 30.5.1997 (cref/t-off). In acht Länder der EU darunter Deutschland gibt es noch Probleme bei der Umsetzung der Richtlinien für den liberalisierten Telekommunikationsmarkt ab 1998. Die EU-Kommissare Karel van Miert und Martin Bangemann haben jetzt darauf gedrungen, daß in den noch verbleibenden sieben Monaten bis zur völligen Freigabe des Wettbewerbs alle Vorbereitungen auch die technischen erheblich beschleunigt werden müssen. So stehen in Deutschland u. a. noch aus: Die Regelung des entbündelten Zugangs der Privaten zu den Ortsnetzen der Telekom, die Einrichtung der Regulierungsbehörde sowie der Erlaß verschiedener Rechtsverordnungen zum TKG, von der Lizensierung bis zur Preisaufsicht. Musterschüler sind Großbritannien, Finnland, Schweden und Dänemark.
BONN 28.5.1997 (pos/t-off). Die Deutsche Telekom bietet den Konkurrenten nun doch den entbündelten Zugang zu ihren Ortsnetzen und damit zu allen Endkunden an. Pink-T kam mit diesem grundsätzlichen Angebot an Arcor, Otelo und NetCologne einer Weisung von Postminister Bötsch zuvor. Dieser hat heute einen Mißbrauch der marktbeherrschenden Stellung durch die Telekom festgestellt. Und er wies deshalb die Telekom unter Androhung eines Zwangsgeldes an, bis zum 4. Juni ein neues, verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Dabei geht es nun vor allem um die Preise, die die Privaten für die Nutzung der Ortsnetze an die Telekom zu zahlen haben. Postminister Bötsch ist jetzt bereit, hierfür faire Preise durchzusetzen, so daß die privaten Telefongesellschaften endlich mit konkreten Telefon-Tarifen um Kunden werben können. Am 1. Januar 1998 beginnt der Wettbewerb.
29.5.1997 (khd). Endlich hat der Regulierer Bötsch das Machtwort (Rheinischer Merkur) gesprochen. Der Berliner "Tagesspiegel" spricht heute sogar von einem "Meilenstein". Nun gilt es noch, der Telekom wirklich faire Preise für den Ortsnetz- Zugang vorzuschreiben. Und das sehr schnell. Denn der Endverbraucher will nun langsam wissen, was das Telefonieren bei den Privaten ab 1998 tatsächlich kosten wird.
BERLIN 27.5.1997 (t-off). Postminister Wolfgang Bötsch (CSU) deutete heute erstmals in einem Interview an, daß er kurzfristig den Konkurrenten den Zugang zu den Ortsnetzen der Telekom zu "akzeptablen Preisen" ab 1998 ermöglichen werde. Er fühle sich im Streit um die Interconnection-Tarife dem Wettbewerb verpfllichtet, sagte er im Nachrichtensender "n-tv". Die neuen Telefongesellschaften wie Arcor oder Otelo benötigen diesen Zugang, um so ihre künftigen Telefon-Kunden zu erreichen. Die derzeitigen Preisvorstellungen der Deutschen Telekom nannte Bötsch "Phantasiepreise". Er hatte bislang auf eine reine Marktlösung durch direkte Verhandlungen zwischen der Telekom und den Wettbewerbern gesetzt. Nachdem diese Verhandlungen gescheitert waren, hatten sich Arcor und Otelo beim Postminister beschwert und eine schnelle Entscheidung des Regulierers angemahnt. [mehr]
28.5.1997 (khd). Für den Ortsnetzzugang soll die Telekom von den Privaten sechs Pfennig pro Minute verlangen, diese wollen aber nur zwei Pfennig bezahlen. Und auch das könnte noch viel zuviel sein. Vermutlich würde in Deutschland ein gerechter Preis eher bei 1 Pfennig pro Minute liegen.
BONN 24.5.1997 (zen/t-off). T-Online, der Online- Dienst der Deutschen Telekom, senkt die Preise für die Benutzung des Internets. Künftig entfällt der Preiszuschlag beim Wechsel von T-Online (Btx) ins Internet. Die neuen Preise ohne Telefonkosten: Montags bis freitags von 818 Uhr 8 Pfennig pro Minute (4,80 DM/h), zu allen anderen Zeiten 5 Pfennig pro Minute (3,00 DM/h). Die monatliche Grundgebühr von 8 DM bleibt unverändert. Das günstigere Angebot kann aber nur mit der neuen Zugangs- software genutzt werden, die allen Kunden ab Ende Juni kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll. Das neue Programm enthält neben dem Online-Banking auch die Internet- Browser von Netscape und Microsoft. Und für Kunden, die nur das klassische T-Online (Btx, Homebanking) nutzen, wird es allerdings mit der neuen Preisstruktur und Software um bis zu 1,80 DM pro Stunde teurer. [dazu der SPIEGEL- Kommentar: "Das merkt doch keiner"] [Pressemitteilung der Telekom]
25.5.1997 (khd). Mit den neuen Telekom- Preisen ergeben sich bei 20 Online- Stunden zum Höchsttarif noch immer Providerkosten von 104 DM (rund 63 $) pro Monat. Und auch damit ist T-Online im Vergleich zu den mittleren Providerkosten des Internet- Warenkorbs 1996 der OECD sehr deutlich zu teuer. Für Deutschland hatte die OECD 1996 nur mittlere Providerkosten von rund 17 $ ermittelt.
BERLIN 23.5.1997 (pep/t-off). Auch sechs Monate nach der Einführung des Spezialtarifs City-Weekend hat die Telekom die korrekte Abrechnung noch immer nicht im Griff. So wurden im April nicht alle Wochenenden nach dem günstigeren City- Weekend berechnet [Rat des Ed: Kontrollieren Sie daher Ihren Einzelnachweis zur Mai-Rechnung]. Den betroffenen Kunden wurde damit zu viel Geld abverlangt. Über das Ausmaß und die Ursache dieser neuen Abrechnungspanne ist (noch) nichts bekannt.
In Berlin produzierte die Telekom zudem eine Erklärungspanne bei einer sehr merkwürdigen Nachberechnung für den Monat März. Betroffen waren davon Tausende von Kunden. Nach Angaben der Telekom wurde die "Nacherhebung" wegen "Unregelmäßigkeiten bei der Datenübermittlung im Zeitraum März/April 1997 von den Vermittlungsknoten zum Fakturierungssystem" notwendig. Die Telekom hat sich inzwischen bei den Kunden entschuldigt. Unterdessen bekamen andere Kunden bereits die Tücken der T-Box zu spüren. Sie erhielten keine Anrufe mehr.
BONN 20.5.1997 (pos/t-off). Beim Bonner "Runden Tisch" zum TV-Kabelnetz will heute die Deutsche Telekom ihre bisherige Blockade- Politik aufgeben. Sie bietet nun befristet bis Ende 1998 zwei zusätzliche (analoge) Kanäle für die Vergabe durch die Landesmedienanstalten an. Dafür will die Telekom dann freie Hand bei der Vermarktung aller weiteren (digitalen) Kabelkanäle haben. Sie will zudem die gesamte technische Ebene, auch die Art der Digital-Decoder, kontrollieren und für das Pay-TV die Abonnentenverwaltung übernehmen. So sollen alle Sender für die Einspeisung ins TV-Kabelnetz deutlich höhere Preise bezahlen. Auch die Endkunden sollen für den Kabelanschluß stärker zur Kasse gebeten werden.
Um allerdings die Telekom-Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen, müßte zunächst das derzeitige Medienrecht geändert werden. Kritik wurde unterdessen von Schleswig- Holstein laut: "Eine doppelte und dreifache Finanzierung der Telekom auf Kosten der Steuerzahler, Kabelgebührenzahler, Rundfunkgebührenzahler, Programmanbieterzahler und Pay-TV- Zahler darf es nicht geben." [mehr Kabel-Politik]
21.5.1997 (khd). Aus der T- solle nun wohl eine TV-Aktie werden, meint dazu die "taz". Und der "Rheinische Merkur" wies jetzt daraufhin, daß es eigentlich nur eines "Machtworts" des Regulierers des Postministers bedarf, um die Telekom endlich zur Vernunft zu bringen. Dieser mochte aber (noch) nicht eingreifen. Und so blieben dann beim Runden Tisch auch die Rahmenbedingungen für das Digital-TV weiterhin ungeklärt. Mit dem Trick, die Anzahl der Analog-Kanäle befristet von 31 auf 33 zu erhöhen, wird zwar nicht der Engpaß überwunden, aber von den Versäumnissen (z. B. Erzeugen des künstlichen Engpasses) der Telekom abgelenkt. Denn es wird nun erst mal Streit um die Nutzung dieser Kanäle geben. Ein wirklich anbieterunabhängiges, flächendeckendes und von keinem Kartell kontrolliertes Digital- Fernsehen mit einer Vielzahl von Kanälen ist aber noch immer nicht in Sicht.
HAMBURG 18.5.1997 (fan/t-off). Damit die Telekom noch vor Beginn des Wettbewerbs ganz genau weiß, was ihre 34 Millionen Privatkunden von ihr wirklich halten, hatte sie von Infratest eine repräsentative Umfrage anfertigen lassen. Und eigentlich sollten die Ergebnisse vertraulich bleiben, aber "Die Woche" veröffentlichte sie am Mittwoch. Danach sind viele Privatkunden (dazu gehören auch die Freiberufler und kleine Firmen) nicht zufrieden mit dem Telefonriesen, und nur ein Drittel können als loyale Anhänger der Telekom gelten. Mehr oder weniger kritisch eingestellt sind 45 % der Privatkunden, und diese sind nicht ohne weiteres bereit, der Telekom bei einem attraktiven Angebot der Konkurrenz die Treue zu halten. Rund 20 % der Privatkunden wollen der Telekom nach dem 1. Januar 1998 den Rücken kehren.
MÜNCHEN 17.5.1997 (t-off). Die große Mehrheit der Deutschen ist nicht bereit, für das Bezahl- Fernsehen Geld auszugeben. Das berichtet der FOCUS in seiner neuesten Ausgabe. Danach lehnen 79 % der Deutschen zusätzliche Pay-TV- Programme ab. Nur 10 % der Befragten würden dafür bis zu 10 DM monatlich ausgeben.
FRANKFURT/MAIN 16.5.1997 (t-off). Auch im Internet lassen sich Telefon- Nummern aus ganz Deutschland nachschlagen. Der Web- Service der Telekom- Tochter Deutsche Telekom Medien GmbH ist weltweit unter der Web-Adresse http://www.teleauskunft1188.de/ erreichbar. Über die Seite "Telefonbuch" kann dort die Nummern- Datenbank gezielt abgesucht werden. Gefunden werden aber nur Kunden, die der elektronischen Verbreitung ihrer Daten bzw. Telefon- Nummer nicht widersprochen haben.
BONN 13.5.1997 (ris/t-off). Die Computer- Panne am Neujahrstag 1996 habe die Telekom rund 1 Mrd. DM Umsatz gekostet, teilte heute Telekom- Chef Ron Sommer bei der Vorlage der Bilanz 1996 in Bonn mit. Im 1. Halbjahr 1996 war das Telefon- Geschäft rückläufig und legte erst im Jahresverlauf um 7,5 % zu. Unter dem Strich sei 1996 für die Telekom "ein gutes Jahr" gewesen. Für den kommenden Wettbewerb stellte Ron Sommer, ohne konkrete Zahlen zu nennen, "weiter sinkende Preise" in Aussicht. Auch werde die Telekom "mit aller Kraft um jeden einzelnen Kunden kämpfen". Unterdessen wurde in Bonn bekannt, daß die Bundesregierung [Ed: zum Stopfen von neuen Haushaltslöchern] den vorzeitigen Verkauf von Telekom- Aktien aus ihrem Besitz plant. Insgesamt besitzt der Bund noch 2 Mrd. T-Aktien. Experten befürchten nun negative Auswirkungen für die Kursentwicklung. [Wirtschaftsdaten der Telekom]
BERLIN 10.5.1997 (t-off). Im Wirtschaftsteil von Zeitungen inseriert heute die Deutsche Telekom AG für Freunde der T-Aktie: "Stärkstes Internet- Backbonenetz außerhalb der USA. Bis 2000 soll sich die Zahl der deutschen Internet- Nutzer verdreifachen. Mit bundesweiten Zugängen zum Citytarif und erhöhter Kapazität unseres Backbonenetzes [Ed: Hochgeschwindigkeitsnetz zum Transport von Datenpaketen nach den Internet- Protokollen] dem leistungsfähigsten außerhalb der USA eröffnen sich uns neue Umsatzperspektiven."
10.5.1997 (khd). Und sollen sich solche Wünsche nach Wachstum erfüllen, dann reicht es nicht aus, bundesweit Internet- Zugang zum Ortstarif anbieten zu können. Zu allererst müssen die Ortstarife sehr deutlich abgesenkt werden. Denn derzeit kosten 20 Online- Stunden zum Tagestarif ohne die Provider- Kosten 96 DM pro Monat (mit "City-Plus" im günstigsten Fall 71,99 DM). Nach dem aktuellen Internet-Warenkorb der OECD sind es hingegen in den USA umgerechnet rund 23 DM, also nur ein Viertel der deutschen Kosten. Und das ist eben der 'kleine' Unterschied zu den USA. Dort boomt das Internet in der Tat.
DÜSSELDORF 7.5.1997 (am/tsp/t-off). Die Experten sind sich völlig einig: In Deutschland wird die Entwicklung neuer Telekommunikations- Technologien massiv behindert. Und so entstehen viele neue Arbeitsplätze in Ländern, wo sehr früh verstanden wurde, welche großartigen Chancen die einheitliche Internet- Technik im internationalen Wettbewerb bietet. Das ist ein erstes Ergebnis des am Dienstag in Düsseldorf eröffneten 2. Deutschen Internet Kongresses. Als Ursachen für die starke Behinderung des Internets wurden die gesetzliche Regulierungswut von Politik in Bund und Ländern sowie die viel zu hohen Preise der Deutschen Telekom ausgemacht.
"In Deutschland wurde die Internet- Entwicklung nicht verschlafen, sondern sehenden Auges ignoriert, unterschätzt, für unmöglich gehalten, bekämpft, behindert und verteufelt", stellt dazu der Karlsruher Informatiker Prof. Werner Zorn fest. Das Hochgeschwindigkeitsnetz sei zudem in Deutschland im Vergleich zu den USA oder auch Finnland viel zu spät aufgebaut worden. Während im Internet Kommunikation und Rundfunk jetzt zusammenwachsen [Beispiel DW-tv], versuche der deutsche Gesetzgeber dieses zu trennen.
Ein Resultat der deutschen Versäumnisse läßt sich bereits am internationalen Kostenvergleich für den Internet- Zugang der OECD ablesen, den diese erst im April im "Communications Outlook 1997" veröffentlicht hat. Die Daten der Grafik basieren auf dem Internet- Warenkorb 1996 der OECD, der u. a. eine monatliche Internet- Nutzung von 20 Stunden beinhaltet. Die USA und auch Finnland haben bei den Kosten mit Rang 3 bzw. 5 die Nase vorn. Deutschland liegt mit hohen 75 $ deutlich abgeschlagen nur auf Platz 20. Und es sind vor allem die hohen Telefonpreise der Telekom im Ortsbereich, die in Deutschland ein Wachstum der Internet- Nutzung behindern, zum Schaden der Wirtschaft. Denn die mittleren Provider- Kosten liegen durchaus im internationalen Rahmen.
BONN/BERLIN 2.5.1997 (t-off). In großformatigen Zeitungsinseraten verkündet heute die Deutsche Telekom AG im Vorfeld ihrer Bilanz- Pressekonferenz (13. Mai), daß sie jetzt "international zu den preiswerteren Anbietern" gehöre. Das sei das Ergebnis einer neuen Tarifstudie der OECD von 1997, in der die Telekommunikationskosten in den zehn größten Industrieländern nach der Warenkorb-Methode aufgrund der Kaufkraftparitäten verglichen wurden. Danach liegt bei Geschäftskunden Deutschland auf Platz 4 hinter den Niederlanden (Platz 1), Frankreich (2) und Großbritannien (3). Und die USA belegen nur Platz 7. "Damit wird belegt, daß die Telekommunkationskosten bei uns im Vergleich mit unseren wichtigsten Wettbewerbern nicht wie oft angenommen viel zu hoch sind", heißt es bei der Telekom. Über den Tarifvergleich für Privatkunden informiert die Telekom in dem Inserat nicht. Unter 01301000 können kostenlos Einzelheiten der OECD-Studie erfragt werden.
3.5.1997 (khd). Die Tarifstudie ist in dem umfangreichen OECD-Report "Communications Outlook 1997" vom 4. April 1997 enthalten. In diesem Report sind sehr viele Fakten zusammengestellt worden. Und da die Telekom nun Image- Werbung machen wollte, suchte sie sich natürlich die Rosine heraus. Aus dem Report geht aber z. B. auch hervor, daß Deutschland 1996 kein guter Standort für den Zugang zum Internet war [Grafik]. Hier belegt Deutschland mit monatlichen Kosten von rund 75 Dollar den 20. Platz von 25 möglichen Plätzen. Spitzenreiter sind Kanada, Australien und die USA mit 2030 Dollar pro Monat.Auch die wichtigsten Wettbewerber liegen alle vor Deutschland. Und die Ursache dafür: In Deutschland sind die Ortstarife ("local telephone charges") zu hoch. Im Internet- Warenkorb schlagen diese Kosten mit rund 58 Dollar pro Monat (20 Online- Stunden) zu Buche. Bei den Spitzenreitern sind es hingegen nur rund 12 Dollar. Und das ist ein eklatanter Wettbewerbsnachteil, den letztendlich die Deutsche Telekom zu verantworten hat. Auch das sind "Fakten für ein faires Urteil". Für die OECD gilt jedenfalls das Internet als der Wachstumsmotor der Zukunft ("next driver").
MÜNCHEN 1.5.1997 (oby/t-off). "Die Deutsche Telekom bietet Ihnen wirklich alles, was moderne Kommunikation ausmacht", heißt es in dieser Woche in der Werbung der Telekom. Aber dazu gehören ganz offensichtlich auch viele Sicherheitslücken, die es versierten Hackern erlauben, noch immer auf Kosten anderer zu telefonieren. Erst am Dienstag wurden aufgrund einer Anzeige der Telekom bei einer bundesweiten Razzia gleich zwölf verdächtige Hacker festgenommen und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Einzelnen Telekom- Kunden sollen durch diese Betrügereien mehr als 10.000 DM Schaden entstanden sein. [mehr]
1.5.1997 (t-off). Es verblüfft schon, daß solche Telefon- Betrügereien noch immer möglich sind. Denn die Problematik ist bereits seit 1994 (!) durch die FOCUS- Berichte ("Telekom-Skandal") bekannt. Und die Telekom hat im Februar 1997 versprochen, ihre Produkte gegen unbefugte Nutzung Dritter besser zu schützen. Es wird höchste Zeit, daß sie das nun auch tut. Die Kunden mit überhöhten Telefon- Rechnungen haben wenig Verständnis dafür, daß sie für klare Versäumnisse des Telefon-Riesen bezahlen sollen.
BONN 1.5.1997 (wop/t-off). Der Preis für die Telefonauskunft der Telekom soll demnächst erhöht werden. Eine Standardauskunft wird dann 1,35 DM kosten. Zur Zeit kostet der Service noch 0,60 DM, womit sich eine Preissteigerung von 125 % ergibt. Postminister Wolfgang Bötsch hat die Telekom jetzt angewiesen, spätestens ab Anfang 1998 einen kostendeckenden Preis zu verlangen. Beschwert hatte sich wegen der "Quersubventionierung" des Telekom- Services der Konkurrent TeleGate. Auch der Betrieb des TV-Kabelnetzes ist nicht kostendeckend. Hier soll die Telekom jährlich einen Verlust von rund einer Milliarde Mark haben. Erwartet wird deshalb, daß auch die Preise für das Kabelfernsehen massiv steigen werden.
HAMBURG 28.4.1997 (t-off). Als im letzten Herbst USA Global Link ankündigte, demnächst Ferngespräche via Internet für jedermann zu Dumping-Preisen anzubieten, müssen bei der Deutschen Telekom die Alarmglocken geschrillt haben. Nach außen gab man sich dort zwar gelassen ("utopisch"). Aber heute berichtet der SPIEGEL (18/1997, Seite 116119) über eine interne Strategiestudie der Telekom. Danach bedrohe die Internet-Telefonie durch die neuen Anbieter die Grundlage ihres Geschäfts (Telefonnetz und digitale Vermittlungsstellen). Spätestens in zehn Jahren werde der ganze Telekommunikationsmarkt ein Markt im Internet sein, prognostiziert diese Studie. [mehr]
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NAUEN 26.4.1997 (tsp/t-off). Die Telekom nahm gestern in Nauen bei Berlin vier moderne Kurzwellen-Sender von Telefunken in Betrieb. Dieser Standort hat Tradition. Denn von Nauen ging ab 1908 die Entwicklung des globalen Funkwesens aus. Über vier 81 Meter hohe und 76 Meter breite Drehantennen werden die Programme der Deutschen Welle in analoger sowie in digitaler Technik in alle Welt gefunkt. Mit den Nauener Sendern kann das Zielgebiet ganz genau angepeilt werden. Die Sende- leistung beträgt jeweils 500 Kilowatt. Der Betreiber-Vertrag zwischen Deutscher Telekom und Deutscher Welle läuft bis zum Jahr 2016.
DÜSSELDORF 25.4.1997 (am). Telekom- Chef Ron Sommer mag kein "öffentliches Getöse" [von Otelo] beim Streit um die gemeinsame Nutzung der Telekom- Kundenanschlüsse. Auf der Jahreshauptversammlung der Amerikanischen Handelskammer in Düsseldorf wies heute Ron Sommer die Kritik der neuen Konkurrenten als unberechtigt zurück. Er stellte fest: "Wir haben allerdings nicht vor, bestimmte Wettbewerber zu subventionieren." Man könne sich aber darauf verlassen, daß die Telekom ihre Pflichten einhalten werde. Otelo hatte sich Anfang der Woche beim Bundespostminister über das Scheitern der Interconnection- Verhandlungen mit der Deutschen Telekom beschwert.
BONN 21.4.1997 (ard/t-off). Die neue Telefon- Gesellschaft Otelo (RWE + Veba) will jetzt das Bundespostministerium einschalten, um so den Zugang zum Telekom-Netz (Ortsnetze) zu erzwingen. Die bisherigen Verhandlungen mit der Deutschen Telekom seien gescheitert, erklärte heute Otelo. Die Telekom verweigert den entbündelten Zugang [Ed: siehe VTM-Studie] zu den Anschlüssen der Kunden. Die Telekom wolle keinen offenen Ortsnetzwettbewerb.
Auch von ganz unerwarteter Seite kommt jetzt zusätzlicher Druck. Die US-Regierung erwägt wegen dieser Markthemmnisse gegen die Bundesregierung bei der WTO zu klagen. Denn erst im Februar hatte Deutschland in Genf der weltweiten Öffnung der Telekom- Märkte ab Januar 1998 zugestimmt, sich dann aber um den Zugang der Wettbewerber zum Telekom- Netz wenig gekümmert. Nach dem WTO- Abkommen gehört aber auch der entbündelte Netzzugang zu den unabdingbaren Voraussetzungen eines freien Telekom- Marktes. [mehr]
24.4.1997 (khd). Für Beobachter der T-Szene kommt das Scheitern dieser Verhandlungen mit der Telekom nicht überraschend. Das war schon 1996 abzusehen (siehe Links am Ende). Die FAZ weiß dazu noch zu berichten, daß die Telekom die private Konkurrenz dazu verpflichten wolle, auf dem Wege zum Kunden größere Teile ihres Netzes mitzubenutzen. Dadurch würden höhere Mietpreise zugunsten der Telekom anfallen. Aber das wäre dann kein entbündelter Ortsnetz- Zugang zu den bei der Telekom angeschlossenen Kunden. Sollte sich die Deutsche Telekom mit dieser Forderung durchsetzen, dann wird es 1998 kaum zu dem erwarteten Preisrutsch beim Telefonieren kommen. Insbesondere dürften sich die Preise für die Ortsgespräche nur unwesentlich verringern. Der Postminister muß jetzt als Regulierer eingreifen. Zumal er doch 1994 dazu selbst maßgeblich beigetragen hatte, daß ab 1996 die Preise im Ortsnetz auf ein (zu) hohes Niveau klettern durften.
Siehe auch:
[23.03.1996: Faire Preise
für lange Leitungen]
[06.05.1996: Kosten des
Ortsnetzes]
[03.06.1996: Telekom-Versuch, den
Wettbewerb zu verhindern]
[06.07.1996: Die letzte
Meile]
[13.10.1996: Telekom droht
Ärger]
LONDON 18.4.1997 (irk/t-off). Der Global- Player "Global One", das Welt- Unternehmen von Deutscher Telekom, France Télécom und Sprint (USA), wird nach einer Gerichtsentscheidung vermutlich erheblichen Schadenersatz wegen unfairer Wettbewerbs- methoden zu leisten haben. Geklagt hatte British Telecom (BT) und die mit ihr verbündete Viag. Unterdessen ist jetzt BT auch mit der spanischen Telefónica eine strategische Allianz eingegangen. Damit dürften die Teilhabewünsche von "Global One" an der spanischen Telekom- Privatisierung geplatzt sein. Bereits im November hatte BT sich mit dem US- Konzern MCI (mit dem Ziel einer Fusion) verbündet. Der neue Telekom- Gigant hat nun Zugriff auf alle wichtigen Märkte. Sein Jahresumsatz wird auf umgerechnet knapp 100 Mrd. DM geschätzt.
BONN 17.4.1997 (mo/t-off). Im neuesten Bericht des Bonner Datenschutzbeauftragten nehmen die Probleme mit dem Datenschutz bei der Telekommunikation einen breiten Raum ein. Danach produzieren die neuen "Komfortleistungen" der Telekom nicht nur Netzabstürze sondern auch viel Ärger mit dem Datenschutz.
So geschah es mindestens in einem Fall bei einer ungewollt geschalteten
"Dreierkonferenz", daß eine Frau mit ihrer Freundin
über die Qualitäten ihres Liebhabers diskutierte und das
Gespräch gleichzeitig auf dem Anrufbeantworter des Freunds
aufgezeichnet wurde. In einem anderen Fall versteckte sich die Telekom
hinter dem Datenschutz. Sie teilte Kunden nicht den Betreiber eines
unseriösen 0190-Dienstes mit, obwohl diese ein berechtigtes Interesse
an dem Firmennamen nachweisen konnten.
[siehe auch:
Telekom ließ R-Gespräche mithören +
Datenschutz und neue Dienste]
[mehr]
KÖLN 15.4.1997 (t-off). Von den deutschen Städten interessieren sich bisher nur wenige für die Entfaltungs- und Verdienstmöglichkeiten im freien Telekommunikations- markt ab 1998. Das ergab jetzt eine Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Einige Städte wie Köln, Düsseldorf, Essen, Hamburg und München sind sehr aktiv. Sie haben bereits eigene Unternehmen gegründet, die damit begonnen haben City- Netze aufzubauen. Spitzenreiter sind Düsseldorf mit der ISIS Multimedia Net GmbH und Köln mit der NetCologne GmbH. [mehr]
MAINZ 14.4.1997 (zdf/t-off). Nach einem Bericht des ZDF-Magazins "WISO" sollen ISDN- Anschlüsse demnächst deutlich billiger werden. So plane die Telekom, die Monatsgebühr für den digitalen Standardanschluß von 46 auf 30 Mark zu senken. Ein normaler (analoger) Telefonanschluß kostet derzeit 24,60 DM pro Monat. Die Deutsche Telekom wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
16.4.1997 (khd). Inzwischen dementierte die Deutsche Telekom AG den Bericht des ZDF. Sie wolle die Monatsgebühr für den digitalen Telefonanschluß ISDN nicht senken. Schade!
KÖLN 10.4.1997 (dsm/t-off). Während sich Politiker noch über den digitalen Rundfunk via Internet streiten, schaffte jetzt das deutsche Auslandsfernsehen der Deutschen Welle (DW) Fakten. Als erster europäischer Rundfunksender verbreitet die Deutsche Welle seit Anfang April ihr aktuelles Fernsehprogramm "DW-tv" live und digital im Internet. Das in Berlin produzierte TV- Programm wird derzeit von MediaCube im VDO-Format ins weltweite Internet eingespeist. Zum Empfang auf dem Computer ist die Zusatzsoftware "VDO-Live Player" erforderlich, die von VDOnet (Palo Alto, USA) kostenlos für diverse Computer- Plattformen bezogen werden kann. Für die Verbindung zum Internet wird ein Modem mit mindestens 14,4 kBit/s empfohlen. [mehr]
Hinweis: Bevor Sie oben auf "DW-tv" klicken, sollten Sie bereits den "VDO-Live Player" auf Ihrem PC oder PowerMac installiert haben.
MÜNCHEN 8.4.1997 (gre/ard-157/t-off). Gleich zu mehreren Pannen kam es am Montag und Dienstag im Telefonnetz der Telekom. In München verursachte heute eine Computerpanne eine Blockade von mehreren zehntausend Telefon- Anschlüssen. Auch in Stuttgart legte eine neue Software zur Verbesserung von Service- Leistungen der Telekom ("Komfort") über 25.000 Anschlüsse lahm. Der T-eufel in der Digitaltechnik ließ sich erst wieder besänftigen nachdem die alte Software in die Vermittlungscomputer eingespielt worden war. [mehr] [noch mehr zu München]
BONN 8.4.1997 (ma/t-off). Nur knapp 3 % der deutschen mittelständischen Unternehmen haben bisher einen Internet- Anschluß. Die Bundesregierung will deshalb mit einer bundesweiten Initiative den elektronischen Geschäftsverkehr über das Internet fördern. Das kündigte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) zum Auftakt der G7-Konferenz "Electronic Commerce" in Bonn an. Auf dieser Konferenz der sieben wichtigsten Industriestaaten werden die Chancen und Risiken des Internets als globaler Marktplatz, der rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr geöffnet ist, für kleinere und mittlere Betriebe diskutiert. Die Zahl der potentiellen Kunden im Internet werde von heute 86 Millionen auf 250 Millionen im Jahr 2000 anwachsen, erwartet EU-Kommissar Mario Monti. Nach dem Willen der US-Regierung soll zudem der Handel im Internet nirgends mit Zollabgaben oder zusätzlichen Steuern belegt werden. Das Internet solle zu einer "Duty free"- Zone werden.
BERLIN 7.4.1997 (bz/t-off). Viele Telekom- Kunden haben erst anhand ihres Einzelnachweises bemerkt, daß die Telekom manchmal auch Gebühren berechnet, wenn der angewählte Anschluß besetzt war. Auch die Berliner "BZ" hatte im Dezember darüber berichtet. Sie hat jetzt dafür von der Telekom die Erklärung erhalten. Es liegt an der modernen Technik, die eben sehr sehr schnell reagiert. Zum Nachteil des Kunden. [mehr]
PARIS 5.4.1997 (fen/t-off). Anders als die Deutsche Telekom kündigte jetzt die France Télécom vor ihrem Börsengang (9. Juni) massive Preissenkungen beim Telefonieren an. Auch die British Telecom mußte erst im Februar ihre Preise nach unten korrigieren. Noch in diesem Jahr werden in Frankreich die Tarife bei Fern- und Auslandsgesprächen um insgesamt 40 % gesenkt. Die Preise für Orts- und Regionalgespräche werden in diesem und im kommenden Jahr um je 9 % sinken. In den Jahren 1999 und 2000 soll das Telefonieren dann noch einmal um mindestens 4,5 % billiger werden. Die staatlichen Vorgaben sahen ähnlich wie in Deutschland lediglich für 1997 und 1998 Tarif- senkungen von 5,5 bzw. 6 % vor. Anleger können vom 6. Mai an Kaufangebote für die französische T-Aktie abgeben.
6.4.1997 (khd). Und die Deutsche Telekom? Diese versteckt sich noch immer hinter der staatlichen Vorgabe einer lächerlichen Tarifsenkung von lediglich 4,5 % für 1998, die bereits 1994 (!) geplant worden war zusammen mit den massiven Preiserhöhungen von 1996 bei den Ortsgesprächen. Zu einer eigenen konkreten Preisinnovation war die Telekom bisher unfähig. Aber dafür spielt sie Preiskrieg an der Ortsnetzzugangsfront, und sie will nun sogar noch die Preise beim Kabel-TV kräftig erhöhen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland 1997 live!
HAMBURG 4.4.1997 (t-off). Einige Dritte Fernsehprogramme (z. B. das N 3) wiederholen tagtäglich nach Mitternacht die volle "Tagesschau" der ARD von vor genau 20 Jahren, was immer wieder aufschlußreich ist. 1977, das war auch die Zeit, als die Deutsche Bundespost unter dem Postminister und Ex-Postgewerkschaftler Kurt Gscheidle (SPD) ihre Pläne zur Einführung eines Zeittaktes (von 8 Minuten) bei den Ortsgesprächen vorbereitete. Und aus der Tageschau vom 4. April 1977 erfuhr heute der erstaunte Zuschauer, was er natürlich längst vergessen hatte: Die Bonner CDU/CSU- Fraktion damals Oppositionsfraktion unter dem Vorsitz von Dr. Helmut Kohl lehnte energisch einen Zeittakt für Ortsgespräche ab. Später änderte sich das! Und so beträgt nun seit dem 1. Januar 1996 der Tagestakt im Ortsnetz nur noch 90 Sekunden.
DÜSSELDORF 3.4.1997 (peg/t-off). Die amerikanische Telefongesellschaft USA Global Link will der Deutschen Telekom das Fürchten lehren. Sie will wie bereits im Oktober 1996 angekündigt auch in Deutschland billiges Telefonieren über das Internet anbieten. Die Preise dafür sollen 20 bis 80 % unter denen der Telekom liegen. Dazu werden demnächst 66 eigene Vermittlungsstellen installiert. Global Link hofft so, der Telekom bis 1999 ein Viertel der Kunden abjagen zu können. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Big-T nimmt's eher gelassen: "Das Internet ist nicht die eierlegende Wollmilchsau." [mehr]
6.4.1997 (khd). Ja, und warum soll das eigentlich nicht funktionieren? Denn bei dieser sehr ausgeklügelten Profi- Telefonie via Internet brauchen die Kunden an beiden Enden keine Computer. Die Ferngespräche werden über ganz normale Telefone abgewickelt. Nur die Vermittlung (routing) erfolgt über das weltweite Internet. Und dazu benötigt Global Link in Deutschland die besonderen Vermittlungsstellen, die die Verbindung zu ihren Internet- Computern in New York herstellen. Global Link hat in diese innovative Technik bereits rund 1/2 Mrd. Dollar investiert. Schon in sechs Wochen soll es losgehen, weiß der SPIEGEL (15/1997, Seite 104). Und die Deutsche Telekom muß staunend zusehen, denn übers Internet vermittelte Gespräche sind bereits heute vom Monopol ausgenommen. So könnte sich USA Global Link in der Tat einen deutlichen Vorsprung auch vor der übrigen Konkurrenz (Arco, Otelo) sichern, die mit 'klassischer' Technik erst am 1. Januar 1998 starten kann.
BERLIN 2.4.1997 (tsp/t-off). Die Deutsche Telekom durfte
zwar 1996 im Vorfeld der Börsen- Kampagne den
"Deutschen Kommunikationspreis" erhalten,
wegen ihres steten "offenen Dialogs". Dennoch beurteilten Kunden die
Leistungen des Telefonriesen völlig anders. Seit 1992 ermittelt
jährlich das private Marktforschungsinstitut Academic Research durch
Befragung von 32.000 Konsumenten das deutsche Kundenbarometer, einen
Gradmesser für die Kundenzufriedenheit. Am unteren Ende der Bewertung
befinden sich 1996 die Telekom, Online- Dienste sowie die Kaufhäuser.
Auch die Banken schnitten schlecht ab. Nach der Umfrage legen die
deutschen Kunden besonderen Wert auf Zuverlässigkeit (99 %),
Schnelligkeit (94 %) und eine einwandfreie Beschwerdebearbeitung (94 %). Und
daran mangelt es eben bei der Telekom noch immer.
[siehe auch: "Kunden sehr unzufrieden" von
1996]
HAMBURG 29.3.1997 (re/t-off). Um Kirchs Digital-Fernsehen DF-1 vor dem völligen Absturz zu bewahren, muß Postminister Wolfgang Bötsch (CSU) jetzt die "Moderatoren- rolle" zwischen Telekom- Chef Ron Sommer und Medien- Tycoon Leo Kirch spielen. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe (14/1997, Seite 95). Sein Parteifreund Otto Wiesheu, Bayerns Wirtschaftsminister, hatte ihn aufgefordert, endlich das DF-1 ins TV- Kabelnetz zu lassen. Denn Kirch will nun schnell und zu attraktiven Konditionen sein via Satellit floppendes Programm DF-1 (bis Ende 1996 nur 12.000 zahlende Abonnenten) auch über die Telekom- Netze anbieten. Außerdem wünscht Kirch, daß die Empfangsdecoder ("d-box") von der Telekom in ihren T-Punkt- Läden verkauft werden sollen. Ob nun noch vor dem für Mai angekündigten "Runden Tisch" hinter den Bonner Kulissen eine Entscheidung zugunsten von Kirch fällt, bleibt abzuwarten [Ed: Aber nach dem gestern geplatzten Milliarden- "Aufbau"-Kredit wird der Entscheidungsdruck sehr groß sein].
BERLIN 28.3.1997 (lw/azs/fw/t-off). Die Telekom AG hat mit der korrekten Abrechnung des erst zum Jahresanfang eingeführten Optionstarifs »City-Plus« nun doch erhebliche Schwierigkeiten. Das HighTech- Unternehmen kämpft wieder einmal mit einem Software- Problem. Kritiker dieser Sondertarife hatten das schon vor einem Jahr kommen sehen. Denn bei der Abrechnung müssen die Verbindungsdaten aller geführten Gespräche sorgfältig gesondert ausgewertet werden. Und dabei hatte die Telekom das Ganze schon mal im vorigen Sommer in einem Feldversuch geübt. Dennoch häufen sich jetzt in den UseNet- Diskussionsforen des Internets (z. B. de.comm.service+tarife und de.comm.misc) Berichte und Klagen unzufriedener Kunden, die bereits mehrfach falsche Telefon- Rechnungen erhalten haben. [mehr]
HAMBURG 26.3.1997 (t-off). Im Hamburger Musterprozeß um die "Tarifreform 96" ist vom Amtsgericht im März obwohl angekündigt noch keine Entscheidung gefällt worden. Das Gericht hat jetzt von der Deutschen Telekom eine weitere Stellungnahme angefordert. In dem Zivilprozeß geht es um die enorme Preissteigerung bei den Ortsgesprächen seit dem 1. Januar 1996. Wann es nun zu einem Urteil kommt, ist ungewiß.
FRANKFURT/MAIN 26.3.1997 (wen/t-off). Die Deutsche Telekom will für die Einspeisung von Programmen in ihr TV-Kabelnetz mehr Geld kassieren. Das kündigte jetzt Telekom- Chef Ron Sommer in Frankfurt an. Die derzeitige Gebühr von einer Million DM pro Jahr und Kanal sei "entschieden zuwenig". Sommer wies daraufhin, daß für einen Satelliten-Kanal heute zwölf Millionen Mark pro Jahr zu zahlen seien. Und dabei würden über das Kabelnetz mit 17 Millionen Kunden erheblich mehr Zuschauer erreicht als via Satellit. Die Telekom verdiene mit dem Kabelfernsehen kein Geld, und dies müsse sich nun endlich ändern. Auch eine Erhöhung der von den Kabelkunden zu zahlenden Preise schloß Sommer nicht mehr aus [Ed: Na, sollte das nun einen Run auf die Schüsseln auslösen?]. [mehr Kabel-TV]
HAMBURG 23.3.1997 (t-off). Geregelt ist in Bonn nun hinter den Kulissen, wer Chef der Regulierungsbehörde werden soll. Der SPIEGEL berichtet in seiner morgigen Ausgabe, daß die CDU dafür Klaus-Dieter Scheurle auserkoren hat. Scheurle ist bisher Leiter der Grundsatzabteilung im Postministerium. Damit würde sich der SPD- Wunsch, ihren T-Experten Arne Börnsen zum Chef der Wettbewerbshüter zu machen, nicht erfüllen. Börnsen soll nur stellvertretender Präsident werden.
WIEN 23.3.1997 (zwi). Österreich ist am kommenden Dienstag zwischen 16 und 18 Uhr per Internet weltweit unerreichbar. 55 österreichische Internet-Service-Provider wollen damit aufzeigen, wie ein der herrschenden Rechtsauffassung konformer Internet-Betrieb in der Praxis aussehen würde. Auslöser für diese bislang einmalige Protestaktion ist eine Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme sämtlicher Hardware beim Wiener Provider ViP durch die Wirtschaftspolizei am letzten Donnerstag. Diese war jetzt aufgrund einer Anzeige bei der Münchener Staatsanwaltschaft von vor einem Jahr tätig geworden. Ein Kunde des Wiener Providers soll damals Kinderpornographie ins Internet gestellt haben. [mehr]
BONN 20.3.1997 (pos). Beim Streit ums TV-Kabelnetz will Telekom- Chef Ron Sommer jetzt einen Kompromiß suchen. Er hat deshalb für Mai alle Beteiligten zu einem "Runden Tisch" eingeladen. Teilnehmen sollen die Kabelbetreiber, Programmanbieter sowie die Landesmedienanstalten. Ob es zu dem Gespräch kommt, bleibt abzuwarten. Denn bei der EU-Kommission in Brüssel ist zur Zeit ein Bericht in Arbeit, wonach sich die Deutsche Telekom wegen ihrer "deutlich marktbeherrschenden" Position vom TV- Kabelnetz trennen müßte. Die Bundesregierung hat unlängst eine gleiche Forderung der deutschen Monopolkommission zurückgewiesen.
BONN 17.3.1997 (wop/t-off). Heute wollte der Bonner Regulierungsrat die Ausgestaltung der künftigen Regulierungsbehörde für den Telekommunikationsmarkt beraten. Dazu kam es aber nicht, denn Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) sagte die Sitzung kurzfristig ab. Auch schon im Januar konnte der Postminister dem Regulierungsrat kein schlüssiges Konzept für das deutsche FCC (US-Regulierungsbehörde) vorlegen. Damit bleibt diese Bundesbehörde (ohne Namen) weiterhin im Dunkeln. Ab 1998 soll aber diese neue Behörde im offenen Wettbewerb als neutraler Schiedsrichter den freien Marktzugang schaffen und überwachen. Bereits im Oktober 1996 hatte Deutschlands renommiertester Wettbewerbsrechtler Ulrich Immenga (auch) das intransparente Vorgehen des Postministers kritisiert. [mehr]
BONN 17.3.1997 (pos). Die Bundesregierung wollte von den neuen Telefon- gesellschaften für jede Netzlizenz bis zu 40 Mill. DM Gebühren kassieren. Diese Lizenz- gebühren drohen nun an der EU zu scheitern. Denn das EU-Recht erlaubt ausschließlich Gebühren in Höhe des tatsächlichen staatlichen Verwaltungsaufwandes. Um der leeren Staatskasse wenigstens einen Teil der bereits im Haushalt eingeplanten 1,5 Mrd. DM zu sichern, versucht es nun Postminister Bötsch (CSU) in einem neuen Anlauf mit reduzierten Gebühren.
BERLIN 16.3.1997 (t-off). In den letzten Tagen hat es allerorten sehr massive Kritik an der Deutschen Telekom gegeben. Der Noch- Monopolist verzögere und behindere die Verhandlungen über die Interconnect- Tarife, so die Konkurrenten. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet heute, daß die Telekom solche Vorwürfe nicht gelten lasse. Telekom- Sprecher Stephan Althoff: "Wir können faire Preise nur dann festsetzen, wenn wir die Netzstrukturen unserer Wettbewerber kennen." Die aber würden sich um konkrete Aussagen herumdrücken, es fehle an grundsätzlicher Verhandlungsbereitschaft.
16.3.1997 (khd). So, nun haben also die Telekom- Herausforderer wieder den Schwarzen Peter. Aber die Telekom selbst befindet sich in guter Gesellschaft, wenn es ums Herumdrücken von "konkreten Aussagen" geht. Erinnert sei nur daran, daß die Telekom bis zum heutigen Tage weder dem Parlament noch den Kunden geschweige den künftigen Konkurrenten die tatsächliche Struktur ihrer Ortsnetzkosten mit konkreten Zahlen belegt hat. Und allein diese Zahlen sind entscheidend und müssen endlich auf den Tisch der Öffentlichkeit, um die Dinge rational und objektiv beurteilen zu können.Ein Verstecken dieser Zahlen als Geschäftsgeheimnis hilft bei diesem Ausnahmefall nicht weiter. Denn es geht um viel mehr. Nur mit den niedrigst möglichen Preisen für den Ortsnetz- Zugang wird die Telekommunikation in Deutschland den innovativen Impuls auslösen, der auch neue Arbeitsplätze nicht nur bei den neuen Telefongesellschaften schaffen kann. Oder will die Deutsche Telekom das aus purem Eigennutz oder "Shareholder- Value" verhindern? Angesichts von nun fast 5 Millionen Arbeitslosen ist es allerhöchste Zeit, daß der Bund als Hauptaktionär ein sehr ernstes Wort mit der Telekom spricht. Sonst könnte wieder einmal ein Wachstumsfeld für Deutschland (durch Ignoranz) endgültig verloren sein. Es ist wirklich nicht die Zeit, Schwarzer Peter zu spielen.
Siehe auch:
[03.06.1996: Kommentar zum TKG]
[14.07.1996: Zu viel Planwirtschaft]
[31.08.1996: Qualitätskontrolle in der Politik]
[27.09.1996: Fesseln für die Telekom]
BONN 14.3.1997 (t-off). Den Prozeß um den Telefon-Sex, bei dem es um die Hand- vermittlung von Sexangeboten aus der Karibik ging, hat die Deutsche Telekom verloren. Das Bonner Landgericht verurteilte heute die Telekom, die 1995 von ihr wegen der vielen Manipulationen eingeführte Handvermittlung wieder auf den Selbstwähldienst umzustellen. Über die acht Millionen Mark Schadenersatz für entgangene Einnahmen, den die klagende Telefongesellschaft Antelecom (Curacao) fordert, hat das Gericht noch nicht entschieden. [mehr]
HANNOVER 13.3.1997 (im/t-off). Die neue Telefongesellschaft "o.tel.o
Unterdessen kündigte o.tel.o- Chef Ulf Bohla an, daß die Kunden, die ab Januar 1998 von der Telekom zu o.tel.o wechseln wollen, nur eine Ummeldung abzugeben brauchten: "Man braucht keine neue Telefonnummer, keine neuen Leitungen und keine neuen Telefon- Apparate." Bohla versprach "leicht verständliche Tarife, attraktive Preise unter Telekom- Niveau und guten Service". Genaue Preise wurden noch nicht genannt. [mehr Kritik]
HANNOVER 13.3.1997 (t-off). Kunden des Telekom- Konkurrenten Arcor können ab 1998 in Deutschland für 20 Pfennige pro Minute telefonieren. Und abgerechnet wird auf die Sekunde genau. Auf der CeBIT kann man das jetzt schon mal auspro- bieren. Gegenüber den aktuellen Tagesferntarifen (Regio50, Regio200 und Fern) der Deutschen Telekom bringt dieser Preis werktags eine Ersparnis zwischen 16,7 % (Regio50 am Vormittag) und 66,7 % (Fern am Vormittag). Ob Mannesmann- Arcor neben dem einheitlichen Ferntarif auch noch einen günstigen Tarif für Ortsgespräche anbieten wird, muß abgewartet werden. Und das wird vor allem vom Ausgang des aktuellen Streits mit der Telekom um den Zugang zu den Ortsnetzen abhängen. [mehr]
FRANKFURT/M 12.3.1997 (lem/t-off). Die Telekom- Aktie erreichte am Dienstag in Frankfurt am Main mit 35,12 DM einen neuen Höchstkurs. Telekom- Chef Ron Sommer hatte zuvor mit Optimismus in Hannover (CeBIT) etwas Kurspflege betrieben. Dennoch hinkt der Kurs der "Volksaktie" noch immer der DAX-Entwicklung um gut 6 Mark hinterher. Am 18. November 1996, dem ersten Handelstag der T-Aktie, betrug der Schluß- DAX 2763,84 (T-Aktie 33,03 DM). Und gestern schloß der DAX bei 3460,59, was einer Steigerung um 25,21 % entspricht. Wäre aber der Kurs der T-Aktie entsprechend gestiegen, dann würde diese jetzt bereits bei 41,36 DM liegen. Finanzexperten vermuten, daß sich diese "unterdurchschnittliche" Tendenz in den nächsten Wochen eher fortsetzen wird. [siehe auch: "Wenig Glanz und wenig Gloria"]
21.3.1997 (khd). Die Experten irrten. Die T-Aktie erreichte heute in Frankfurt am Main mit 38,25 DM einen neuen Höchstkurs (Schlußkurs 37,85 DM). Und damit hat sie nach nun vier Monaten den Anschluß an den DAX-Durchschnitt geschafft. Aber beim CAPITAL munkelt man, daß der Kurssprung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll.
BONN 9.3.1997 (rog/t-off). Immer wenn der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags Auskünfte vom Postminister Bötsch (CSU) zu Bürger- Petitionen verlangt, antwortet dieser nur lapidar: "Die Zuständigkeit und Einwirkungsmöglichkeit sind nicht gegeben." Es geht dabei meistens um begründete Beschwerden von Bürgern über die Deutsche Telekom wegen mangelhafter Versorgung mit Telefonanschlüssen, überhöhter Telefonrechnungen oder anderer Telekom- Ungereimtheiten. So sind die Volksvertreter nicht in der Lage, sich ein umfassendes Bild über die Anliegen der Bürger zu machen. Und dabei steht dem Parlament ein verfassungsrechtlich im Grundgesetz verankerter Anspruch auf Auskunft durch die Regierung zu.
Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat jetzt Klage beim Bundesverfassungsgericht erhoben. Karlsruhe muß nun klären, ob die Bundesregierung zu Recht Informationen zur Telekom verweigern kann. Dabei gehe es den Grünen nicht allein um die Informationsrechte des Parlaments, sondern auch um den Kundenschutz und um Transparenz bei der Telekommunikation, heißt es in einer Pressemitteilung vom Donnerstag.
BONN 6.3.1997 (afp/t-off). Die Deutsche Telekom AG will ihre Kooperation mit dem PC-Software- Monopolisten Microsoft ausweiten. Einzelheiten dazu sollen auf der am 13. März beginnenden CeBIT in Hannover vorgestellt werden. Als "Quatsch" bezeichnete Telekom- Sprecher Stephan Althoff einen Bericht der "Wirtschaftswoche", die Telekom- Tochter T-Online habe sich bereits bei der Partnersuche gegen ein Gemeinschafts- unternehmen mit Bertelsmanns America Online (AOL) und für eine Allianz mit Microsoft (MSN) entschieden. Die Gespräche mit Bertelsmann und AOL würden weiter laufen. T-Online hat jetzt rund 1,4 Mill. Kunden. Microsoft konnte bislang in Deutschland mit seinem Online- Dienst MSN noch nicht so recht reüssieren. Ein gewichtiges Wort bei den Online- Allianzen könnte aber noch das Berliner Bundeskartellamt haben.
BONN 3.3.1997 (ard/t-off). Die Deutsche Telekom AG darf ihr Breitband-Kabelnetz nach dem Willen der Bundesregierung behalten und weiterhin selbst betreiben. Forderungen der Monopol- Kommission, die Telekom zum Verkauf des TV-Kabelnetzes zu zwingen, lehnte jetzt die Regierung ab. Ein Zwangsverkauf würde gegen das Grundgesetz und das Aktienrecht verstoßen. Das letzte Wort werden nun die Brüsseler Wettbewerbshüter haben. Und diese wollen noch in diesem Monat die vielen Beschwerden über die Telekom entscheiden.
DÜSSELDORF 1.3.1997 (wg/t-off). Die Herausforderer der Deutschen Telekom müssen jetzt klären, wie sie ihre künftigen Telefon- Kunden an die eigenen Netze anschließen wollen. Und dabei führt kein Weg an der Telekom vorbei. Denn nur diese besitzt die dafür notwendige Infrastruktur, die Ortsnetze. Die elegante Alternative, die Kunden per Funk an die privaten Netze anzuschließen, ist jetzt geplatzt. In einem Feldversuch hat die Thyssen- Telecom AG bereits geklärt, daß dieses keine Lösung ist. Denn die dafür benötigte sehr große Anzahl von Richtfunkantennen macht diese Anschlußtechnik absolut unwirtschaftlich. Thyssen hat deshalb den Versuch vor einigen Wochen vorzeitig abgebrochen.
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