Achtung! Diese Archiv-Seiten dienen nur noch dokumentarischen Zwecken!Sehr viele Links sind nicht mehr aktiv. Aktuelle News finden Sie über die khd-Page bzw. BSE-Page oder auch t-off. |
KÖLN 26.8.1997 (t-off). In der Kölner Eilentscheidung von letzter Woche machten die Verwaltungsrichter auch klar, daß die Telekom kaum gezwungen werden könne, ihr Netz für die Konkurrenz "nachfragegerecht umzubauen" [Ed: aber wir haben doch einen Sonderfall. Der freie Wettbewerb ist doch gewollt]. Damit ist u. a. ein Umbau gemeint, der es den Konkurrenten ermöglicht, lediglich die Leitungen von den Telekom- Ortsvermittlungsstellen ("Endämter") bis zu den Kunden gegen entsprechende Bezahlung (Interconnection- Tarife) mitbenutzen zu können, was entbündelter Ortsnetz- Zugang genannt wird. Geklärt werden könne diese Frage aber erst in einem Hauptverfahren mit Hilfe von Gutachten. [mehr] [nun Runder Tisch bei Bötsch?]
28.8.1997 (t-off). In Berlin sagte heute Telekom- Chef Ron Sommer, daß die Telekom weiter mit allen juristischen Mitteln gegen die Anordnungen des Bundespostministers vorgehen werde. "Der Regulierer muß aufpassen, daß er die Deutsche Telekom nicht zerstört", warnte er sogar. Die Telekom habe bereits der Konkurrenz ein "weitreichendes" Angebot für den entbündelten Ortsnetzzugang unterbreitet, der es allen Wettbewerbern ermögliche, das Netz zu den gleichen Bedingungen wie die Telekom zu nutzen. Alles andere wäre eine Enteignung der Telekom. Und damit dürfte nun klar sein, daß es ab dem 1.1.1998 nicht zum Wettbewerb kommen kann. Denn erst müssen nun die Gerichte entscheiden. [siehe auch Kommentar vom 14.8.1997]
KARLSRUHE 26.8.1997 (bit/t-off). Nicht nur der Bundesgerichtshof muß sich demnächst mit den Telekom-Tarifen beschäftigen (Revision des Münchner Musterprozesses), auch das Bundesverfassungsgericht (BVG) muß schwere Rechtsfragen klären. Denn in Karlsruhe ist inzwischen eine (neue) Beschwerde eingereicht worden. Der Weg zum höchsten Gericht war frei, nachdem ein Gericht in Süddeutschland eine Klage zur Frage, ob die Telekom zur sekundengenauen Abrechnung von Telefonaten gezwungen werden kann, abgewiesen hatte. Bereits im Januar 1996 hatte das BVG in einer Ablehnung deutlich zu erkennen gegeben, daß es sich nach Ausschöpfen des Rechtswegs mit den Tarifen der Telekom beschäftigen möchte. Die Beschwerdeführer rechnen deshalb mit der Annahme ihrer Verfassungsbeschwerde, zumal die gerechtere sekundengenaue Abrechnung heute zum Stand der Technik gehört und anderenorts längst eingeführt ist.
HAMBURG 25.8.1997 (t-off). Der SPIEGEL berichtet in
seiner heutigen Ausgabe, daß die ARD nun bei der EU-Kommission gegen
die Digital- TV-Pläne von Bertelsmann, Telekom und Kirch interveniert.
Die ARD kritsiert in einem Dossier, daß damit ein "horizontales wie
vertikales Monopol" entstehe, und daß ein "bereits stark veraltetes"
Technikkonzept zur Norm erhoben werden solle. Unterdessen ermittelt
die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Leo Kirch wegen einer
Steuerhinterziehung in Höhe von 400 Millionen Mark.
[siehe auch:
Freier Zugang zum Digital-TV? (9.8.1997),
OpenTV contra closed d-Box. (17.8.1997)]
MÜNCHEN 23.8.1997 (leo/t-off). Mit der angekündigten Gutschrift von zwei Stunden Nutzungszeit (Wert 6,00 9,60 DM) wird die Telekom-Tochter "Online Pro Dienste GmbH & Co KG", Pallaswiesenstraße 182, D-64293 Darmstadt bekannter als "T-Online", den bei ihren 1,6 Millionen Kunden in sechs Wochen entstandenen Rekordpannen- Schaden nicht gerecht. [mehr]
MÜNCHEN 21.8.1997 (biht/t-off). Die Deutsche Telekom hat am 22. Juli im Streit um die "Tarifreform 96" beim Oberlandesgericht München (OLG) wohl nur einen Pyrrhussieg errungen [t-off berichtete]. Aus dem inzwischen vorliegenden Urteilstext geht hervor, daß das OLG der Telekom bei ihrer Tarifgestaltung die Mischkalkulation [Ed: mit möglicher Quersubventionierung] zubilligt. Um dem Vorwurf des Preiswuchers bei den Ortstarifen zu entgehen, hatte die Telekom vor Gericht darauf bestanden, daß ihr "Tarifwerk als Einheit" betrachtet werden müsse. Denn nur in ihrer Gesamtheit seien die Tarife am Wucherparagraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu messen. Dem ist auch das OLG München bei seiner Berufungs- entscheidung gefolgt, und es ersparte sich damit die Überprüfung der Höhe der einzelnen (entbündelten) Tarifkomponenten.
Angesichts der öffentlichen Erkenntnisse aus dem aktuellen Streit um die Interconnection- Tarife insbesondere aus dem KPMG-Gutachten der EU- Kommission zur tatsächlichen Kostenbelastung im Ortsnetz könnte diese Prozeßtaktik der Telekom nun bei der Revision beim Bundesgerichtshof Folgen haben. Auch hatte die Telekom noch im Januar 1996 selbst öffentlich erklärt: "Wir haben unsere Tarifstruktur den Kosten angepaßt, um das Mißverhältnis von hoher Kostenbelastung im Ortsnetz und Spielraum im Fernbereich auszugleichen." (Die Welt 6.1.1996). Und das wurde damals von der Politik als endgültiges Abwenden von der Quersubventionierung bzw. der Mischkalkulation gewertet. Von Wettbewerbs- rechtlern wird nun vermutet, daß die Telekom mit ihrer Art der Mischkalkulation [Ed: siehe auch VTM-Studie] gegen das geltende (übergeordnete) EU- Wettbewerbsrecht verstößt. Zunächst wird aber Karlsruhe zu klären haben, ob die Deutsche Telekom AG nach außen bei jeglicher Leistung und Inanspruchnahme als Mischkalkulator auftreten kann.
KÖLN 20.8.1997 (info-radio/t-off). Vier Monate vor dem Ende des Telefon- Monopols hat die Deutsche Telekom beim Streit um den Zugang zu ihren Ortsnetzen eine schwere juristische Niederlage erlitten. Das Kölner Verwaltungs- gericht entschied heute in einem Eilverfahren zwischen Telekom und dem Bundespostminister gegen die Telekom. Dieses bedeutet, daß die Telekom jetzt ihren Konkurrenten wie Arcor, Otelo und NetCologne unverzüglich ein neues Angebot über den direkten (entbündelten) Ortsnetzzugang vorlegen muß. Der Streit um faire Preise bei den Interconnection- Tarifen ist damit nicht geklärt. In Bonn wird deshalb erwartet, daß nun Postminister Bötsch (CSU) der Telekom die Preise für den Ortsnetzzugang vorschreiben wird. Die Telekom prüft, ob sie gegen die Kölner Entscheidung Beschwerde beim Oberverwaltungs- gericht in Münster einlegen will. [mehr]
22.8.1997 (t-off). Nach Informationen des vwd- Wirtschaftsdiensts hat die Telekom noch nicht entschieden, ob sie Beschwerde beim OVG Münster einlegen wird. Die Telekom wies damit Agentur- Meldungen zurück, wonach sie bereits Beschwerde eingelegt habe. Unterdessen geht EU- Wettbewerbskommissar van Miert davon aus, daß sich in der kommenden Woche eine Einigung bei den Interconnection-Tarifen ergeben sollte.
BERLIN 17.8.1997 (mo/t-off). Deutschland könnte nun auch beim Digital-TV ins Hintertreffen geraten. Denn die Festlegung auf Kirchs d-Box, basierend auf dem proprietären Irdeto- "Standard" der Beta-Research u. a., bedeutet eine Abkopplung von der weltweiten Normung und Entwicklung beim Digital-Fernsehen. Diese Firmen- "Norm" ignoriert z. B. das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet. Mit dem von Thomson Sun Interactive (Palo Alto + Paris) in Kalifornien entwickelten OpenTV- System steht aber bereits heute ein wesentlich optimaleres und vor allem offenes Decoder-Verfahren zur Verfügung. Es eignet sich sowohl für das Free-TV (unverschlüsseltes TV) als auch für das Pay-TV (verschlüsseltes Bezahl-TV). Als Euro-Box ist OpenTV bereits in Europa beim Kabel-TV (France Télécom, Lyonnaise Cable, Casema in den Niederlanden, Telia in Schweden) und beim Satelliten-TV (TPS in Frankreich) praxiserprobt.
Beim OpenTV-System sind alle Schnittstellen offengelegt [Ed: sogar die Beschreibung des API kann im Internet mit einem Mausklick abgerufen werden], so daß jede interessierte Firma TV- Decoder herstellen kann. Alle Produzenten mit Rang und Namen haben inzwischen Lizenzen erworben. So wird u. a. Panasonic diesen wegweisenden Decoder Ende August auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorstellen. Und damit kann dann auch das volle via Astra verbreitete digitale TV-Angebot von ARD, ZDF und ORF [Ed: es ist bereits auf Transponder 73 und 101 aufgeschaltet], den Protagonisten des Free-TV, mit den Online- Infos aus dem Internet und einer guten Benutzerführung durch die vielen unverschlüsselten Programme bewundert werden. Mit der d-Box von Deutscher Telekom, Kirch und Bertelsmann wäre das (so) nicht möglich. [siehe auch: Freier Zugang zum Digital-TV] [Bertelsmann gegen Kirch-Decoder]
BONN 17.8.1997 (t-off). Der Online-Dienst T-Online der Telekom wird im Oktober allen Kunden als Ausgleich für die im Juli bei der (an sich vermeidbaren) Rekordpanne erlittenen "Unannehmlichkeiten" zwei Stunden Nutzungszeit erstatten. Auch hat sich die Telekom inzwischen bei ihren Online- Kunden entschuldigt. Die Probleme seien jetzt [Ed: nach sechs Wochen] vollständig behoben, heißt es bei T-Online. [mehr]
BERLIN 14.8.1997 (khd). Heute in genau zwanzig Wochen soll er beginnen, der liberale Telefon-Markt mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Der bisher so gebeutelte Monopol- Kunde soll dann die große Freiheit der Wahl eines billigen Telefon- Tarifs haben. Auch das haben uns Politiker aller Couleur und voran der Postminister immer wieder versprochen. Aber es sieht so aus, daß aus dem freien Wettbewerb zunächst mal wenig wird. Bereits vor einem Jahr hatte die Monopol- Kommission vor dem Entstehen eines Oligopols von Unternehmen mit gleichgerichteten Interessen gewarnt. Aber es entsteht nun wohl doch. Denn die neuen Telefon- Gesellschaften haben jetzt angekündigt, um wieviel das Telefonieren ab 1998 billiger wird. Arcor sagt und die wollen sich ja nur um Großkunden bemühen so etwa um 1015 %, Otelo hofft auf etwa um 20 % fallende Preise, und bei der Telekom wird mit einer ähnlichen Preissenkung gerechnet. Angesichts des sehr hohen Ausgangspreisniveaus ist das enttäuschend. Wir wissen doch noch alle ganz genau, daß die Bundesregierung erst zum 1. Januar 1996 auf Verlangen der Telekom die Ortsgespräche extrem verteuerte (mit einer falschen Begründung, wie wir heute aus den Gutachten der VTM und der KPMG wissen). Und sie hat damit sehenden Auges massive Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung der Telekommunikation in Deutschland eingeführt.
Entscheidend für den Erfolg der Liberalisierung werden aber die Preise für die Ortsgespräche sein. Denn diese Preise sind ein Schlüssel dafür, ob die Deutschen den großen Rückstand beim Wettlauf um die besten Lösungen der Informations- gesellschaft überhaupt noch aufholen können. Nur mit einer Intensivierung der Internet-Nutzung ist das möglich. Aber hohe Preise verhindern hier eine gesunde Entwicklung und das Entstehen neuer Arbeitsplätze. Nach OECD- Erhebungen liegt Deutschland bei den Zugangskosten zum Internet weit abgeschlagen auf Platz 20. Die weltweite Telekommunikation wird aber künftig über das Internet abgewickelt. Und den Internet- Zugang bezahlt man zum Ortstarif, zumindest in den Ballungszentren. Derzeit kostet dafür der Telefon- Anteil pro Stunde bei der Telekom tagsüber 4,80 DM. Und bei Otelo wären es ab 1998 vielleicht nur noch um die 4,00 DM. Er kostete aber 1995 noch 2,30 DM. Ein gerechter kostendeckender Marktpreis würde heute bei etwa 1,00 DM pro Stunde liegen, was sich aus den Eckdaten des EU-Gutachtens ablesen läßt.
Wo sind sie nun, die vielen neuen Telefon- Gesellschaften, die schon jetzt um die Telefon- groschen der Deutschen mit kreativen Ideen und ebensolchen günstigen Preisen buhlen. Gut, Otelo will die kostenlose (aber für die Internet-Nutzung ungeeignete) Werbetelefonie erproben, aber sonst? In Diskussionsforen des Internets liest man daher immer häufiger davon, daß die Neuen schlichtweg "konzeptionslos" seien. Aber liegt das nicht an der Telekom, die den echten Wettbewerb allzugern verhindern möchte? Ja, die Telekom nutzt alle Tricks und die von Bonn in den Gesetzen so großzügig eingebauten Lücken, um sich die Neuen vom Halse zu halten. Und der letzte Postminister tut jetzt viel zu wenig, um das beim Kampf hinter den Kulissen um die Interconnection-Tarife zu korrigieren. So kann einfach kein freier Wettbewerb entstehen. Es besteht nun sehr dringender (De-)Regulierungs- handlungsbedarf. Deutschland koppelt sich sonst vom Markt des Wirtschaftsmotors "Internet" (OECD: "next driver") ab. Oder ist Bonn auch hier wieder so konzeptionslos wie damals bei der Förderung der Computer- und Chiptechnik? Auch wird es wohl höchste Zeit, daß die Versäumnisse der Bonner Politik endlich auf dem Prüfstand des Bundesverfassungs- gerichts landen. Und die Musterprozesse sollten dies möglich machen.
BERLIN 13.8.1997 (t-off). Die neue Telefon- Gesellschaft Otelo möchte jetzt herausfinden, ob von den Kunden ein komplett werbefinanziertes Telefonieren akzeptiert wird. Dabei werden die ansonsten kostenlosen Telefonate durch kurze Werbe- Einblendungen unterbrochen. In Schweden ist diese Art des Telefonierens sehr erfolgreich. Otelo startet am 1. Oktober in Berlin einen Versuch mit 5.000 Haushalten. Und sollte das Ergebnis dieses Pilotversuchs positiv sein, dann plant Otelo dieses Gratis- Telefonieren ab Januar 1998 in ganz Deutschland als zusätzliches Angebot einzuführen. Otelo sucht für die "Otelo Spotline" noch Test- Teilnehmer. Interessierte Berliner können unter 01802 2080 weitere Infos erhalten.
DARMSTADT 12.8.1997 (ti/t-off). Obwohl bei der Telekom noch immer nicht die Nachwehen der Rekord-Panne beim Online-Dienst von Anfang Juli abgeklungen sind, wagt sich T-Online erneut aufs Test-Glatteis. Man will ab Ende August [zur IFA?] ein neues Verfahren der Gebührenerhebung beim Abruf von Webseiten aus dem Internet einführen. Zunächst nur so "zum Testen", heißt es dazu bei T-Online. Dieses "Micro- Payment" mit bis zu Beträgen von 9,99 Mark pro Seite soll ab 1998 dann "schrittweise eingeführt" werden. Auch hofft man bei T-Online mit dem "Mini-Billing" andere Anbieter von Webseiten ins lukrative Telekom- Abrechnungsboot zu locken. [mehr]
13.8.1997 (khd). Frage: Wie lautet denn nun der HTML-Metatag, mit dem der Preis einer Webseite codiert werden muß? Schließlich muß man das ja wissen, um rechtzeitig eigene Seiten mit 0,00 DM codieren zu können. Sonst kassiert womöglich die Telekom noch 9,99 DM für kostenlose Seiten, weil das ja nur 1 Pfennig von 0,00 DM entfernt liegt. ;)
KÖLN 9.8.1997 (ky/t-off). Am 29. August wollen ARD und ZDF auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin das frei zugängliche Digital-Fernsehen starten. Und noch immer ist unklar, welcher Decoder zum Empfang geeignet ist. Der Intendant des WDR Fritz Pleitgen hat deshalb gestern für ARD und ZDF einen völlig "diskriminierungsfreien technischen Zugang" zum Digital-Fernsehen gefordert. Denn Kirch, Bertelsmann und die Telekom wollen über ihr Gemeinschaftsunternehmen "Beta Research" in Deutschland die von Kirch entwickelte d-Box zum Beistell-Decoder für alle Fernsehsendungen durchdrücken, sagte Pleitgen. Hintergrund: Unter Experten gilt, daß die d-Box nicht dem wirklichen Stand der Technik entspricht, da sie beispielsweise kaum auf offenen Normen beruht, keine neutrale Benutzerführung aufgrund ihres veralteten Betriebssystems erlaubt und auch für eine zusätzliche Internet-Nutzung nicht gerüstet ist. Zudem sei sie eher für das Pay-TV optimiert.
"Vermutlich sind andere Entwicklungen wie das von ARD und ZDF präferierte OpenTV längst weiter. Trotzdem soll die d-Box forciert auf den Markt Fakten zu schaffen. Das Ganze ist weder kunden- noch wettbewerbsfreundlich", sagte Pleitgen. Er drohte jetzt den drei Bündnispartnern mit einem "langwierigen Beschwerdeverfahren in Brüssel" für den Fall, daß sie ihre Technik- Absprachen nicht offenlegten. "Es kann nicht sein, daß sich drei zusammentun und dem Rest die Bedingungen diktieren", erklärte Pleitgen. Bei Bertelsmann und der Telekom stieß der Verstoß Pleitgens auf Unverständnis. Sie verwiesen auf ihre Vereinbarung zum Digital-TV. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte ein Telekom-Sprecher [Ed: Wohl doch, denn im Internet sucht man vergebens nach der genauen Schnittstellen- Beschreibung (API) der d-Box]. [mehr]
BRÜSSEL 8.8.1997 (cref/t-off). Mit Brüssels Hilfe könnte sie nun doch noch entstehen, die "Deutsche (T-)Netz AG", zumindest für das TV- Kabelnetz. Bonner Politiker von CDU, CSU, FDP und auch der SPD [Ed: in der Sache gab es 1995 eine Große Koalition] waren im Zuge der Postreform nicht fähig, eine solche Netzbetreiber- gesellschaft für die Telekommunikation zu schaffen. So eignet sich das TV-Kabelnetz nicht nur zum Transport von Fernsehprogrammen, sondern es ist auch die Basis einer Alternative zu den Ortstelefonnetzen der Deutschen Telekom. Der Telekom gehören aber (nach dem Willen des Bonner Gesetzgebers) sowohl das TV-Kabelnetz, mit dem rund 17 Millionen Haushalte (jeder zweite Haushalt) erreicht werden, als auch die Ortsnetze. Und das ist ein Monopol, das bei der Markt- Liberalisierung so nicht bestehen bleiben kann. [mehr]
In den der EU-Kommission vorliegenden Beschwerden wird auf diesen Umstand besonders hingewiesen. Insofern stelle beispielsweise auch die geplante Verbindung beim Digital-TV der Medienriesen Kirch und Bertelsmann mit dem Kabelnetz- Monopolisten Telekom eine "massive Bedrohung für den Wettbewerb" dar, so der Verband Privater Kabelnetzbetreiber ANGA. Die EU-Kommission ist jetzt aufgerufen, das Netz- Monopol der Telekom zu brechen. Da die EU- Wettbewerbshüter den eigentlich notwendigen Verkauf des TV-Kabelnetzes wegen der Eigentumsgarantie des Grundgesetzes wohl nicht durchsetzen können, gibt es in Brüssel jetzt neue Überlegungen. Danach soll der Deutschen Telekom eine Auslagerung ihres Kabelnetzes in eine getrennte Gesellschaft "empfohlen" werden. Ob das aber nur eine kosmetische Operation sein wird, das muß abgewartet werden. Unterdessen zeigt im Münchner Raum die KSM, daß man das Internet via TV-Kabelnetz optimaler als mit einer ISDN- Verbindung nutzen kann.
SAN FRANCISCO 4.8.1997 (hun/t-off). Weil die Deutsche Telekom ihren neuen Zugang zu "T-Online" vor der Freigabe fürs Publikum nicht unter echten Bedingungen testete, kam es Anfang Juli zur großen Umstellungspleite. Und T-Online muß auch noch nach einem Monat mit den Nachwehen dieser vermeidbaren Panne leben.
Hewlett-Packard und Oracle haben jetzt zusammen mit Portal Information Network einen speziellen Benchmark- Test für Internet-Service- Provider (ISP) vorgestellt, auch um solche Pannen wie bei T-Online von vornherein auszuschließen. Mit dem Test läßt sich schon im Vorfeld die beim ISP installierte Soft- und Hardware mit einer Belastung von mehr als 5 Mill. Kunden untersuchen. Auch mit täglich mehr als 11 Mill. Ein-/ Auslog- Vorgängen und mehr als 5,6 Mill. E-Mailabrufen, also über 16 Mill. Transaktionen pro Tag, sowie gleichzeitigen 40.000 Registrierungen von neuen Kunden kommt der Test klar. Und dazu muß kein einziger Online- Abonnent real existieren. Es liegt auf der Hand, daß solche Werkzeuge für Internet- Anbieter wie T-Online sehr nützlich sein könn(t)en und sich so sehr viel Ärger bei den Kunden vermeiden ließe, meinen die Entwickler aus Kalifornien. Der Online-Dienst der Deutschen Telekom hat zur Zeit schließlich nur 1,6 Millionen Kunden. [more]
25.8.1997 (t-off). Voilà! Die Elektronik-Konzerne Siemens und Hewlett-Packard wollen jetzt auf dem Sektor der Telekommunikation zusammenarbeiten. Entwickelt werden soll eine neue technische Plattform, mit der Betreiber von Telekommunikationsnetzen ihre Mobil- und Festnetze besser managen können. "Die Netze werden immer komplexer. Damit sie einwandfrei funktionieren, sind ausgeklügelte technische Plattformen notwendig", erklärte ein Siemens- Sprecher in München. Der US-Konzern Hewlett-Packard gehört zu den führenden Herstellern von Ausrüstungen für die (digitale) Telekommunikation.
FRANKFURT/ODER 1.8.1997 (sfb/t-off). Hilfe für die vom Hochwasser so arg gebeutelte Oder-Region kam heute auch von unerwarteter Seite. Nach Informationen des Senders Freies Berlin kündigte die Deutsche Telekom an, daß sie allen Kunden im Odergebiet 1000 Freieinheiten im Werte von 120 Mark zur Verfügung stellt sowie bis auf weiteres die Telefon- Grundgebühren erlassen wird. Die Deutsche Bahn hatte bereits gestern mitgeteilt, daß alle Einwohner der vom Hochwasser überfluteten oder gefährdeten Orte in diesem Monat in Deutschland kostenlos mit der Bahn fahren können. [aktuelle Hochwasser-Infos]
3.8.1997 (khd). Eine Spende von einer Million Mark für die Flutopfer übergab heute Jan Ullrich vom Team Telekom, Sieger der Tour de France 1997, im Auftrag (nein, nicht der Telekom, sondern) der Daimler-Benz AG der ARD- Benefizaktion "Das Erste hilft". Auch die Bahn AG gab drei Millionen Mark. Das ist sehr nobel. Denn jede Spende für die Betroffenen ist deshalb so wichtig, da den Bonner Politikern noch immer nicht eingefallen ist, daß bei den großen Natur- Katastrophen wirklich die Allgemeinheit solidarisch für alle Folgen finanziell einstehen sollte. Ohne Wenn und Aber! Und wenn die Steuermittel (heute) nicht reichen, dann eben mit einer befristeten Sonderabgabe aller Steuerzahler. Denn an der Oder werden mit Sicherheit eher zweistellige Milliardenbeträge notwendig sein. Die weitere Existenz von Familien, Bauernhöfen und Betrieben darf bei solchen exorbitanten Katastrophen einfach nicht von irgendwelchen Zufälligkeiten bzw. Ungereimtheiten bei Versicherungsverträgen (nur bei Altverträgen aus der DDR-Zeit gab's Hochwasserschutz) abhängen.
Noch mehr helfen könnte die Deutsche Telekom AG, und das in besonderem Maße. Wir wissen nun, daß sie seit Januar 1996 überproportional viel Geld bei allen Orts- gesprächen verdient hat. Wie wäre es denn, wenn Sie einen erheblichen Teil dieses Geldes für die schnelle Bewältigung der Katastrophenfolgen spenden würde? Die meisten Telekom- Kunden würden das wohl begrüßen. [Spenden-Aufrufe] [Übersichtskarte]
BONN 1.8.1997 (ho/t-off). Das Multimedia- Gesetz (IuKDG) und der Medien- dienste-Staatsvertrag der Bundesländer sind heute in Kraft getreten. Darin wird u. a. die Zugangsfreiheit zu internationalen Kommunikationsnetzen wie dem Internet geregelt. Nach Auffassung der Regierung sichern die Gesetze die wirtschaftliche Freiheit in den neuen Medien. Nach Industrie und Opposition haben inzwischen auch Verleger, Wirtschaft und Verbraucherschützer Nachbesserungen gefordert. Insbesondere die vielen Ungereimtheiten aufgrund der Bund-Länder Doppelgleisigkeit bei den Zuständigkeiten werde die Gerichte beschäftigen.
Bei "konsequenter Umsetzung" können 1,2 Mill. Arbeitsplätze "gesichert" werden, hofft dennoch Bundesbildungsminister Rüttgers. Von der Schaffung neuer Arbeitsplätze ist nun aber nicht mehr die Rede offensichtlich vor dem Hinter- grund der immer deutlicher werdenden totalen Entgleisung der Deregulierung des Telekom- Marktes. Denn hier habe die "Habgier" [Ed: das Ergebnis vom Shareholder-value?] der Deutschen Telekom eine gesunde Marktentwicklung mit einem die Innovation fördernden Preisgefüge bisher verhindert [Ed: Beispiel Internet- Zugang], heißt es dazu bei Bonner Querdenkern.
DARMSTADT 30.7.1997 (emp/t-off). Seit März 1997 besteht für die Nutzer des Online- Dienstes "T-Online" der Deutschen Telekom ein Verbot der Kritik am Anbieter [Ed: t-off berichtete bereits im August 1996]. Denn im Paragraphen 5.4 der AGB ist festgelegt: "Private Homepages dürfen außerdem keine Informationsangebote enthalten oder auf solche verweisen [Ed: durch Links, beispielsweise auf diese Seite], die das Ansehen der Deutschen Telekom AG oder eines ihrer Tochterunternehmen schädigen können." Darauf wies jetzt die "eMailPress die agentur gegen den strich..." im UseNet hin. "Manchmal genügt bereits die Schilderung der Wahrheit, um das Ansehen zu schädigen. Und wenn die Wahrheit das Ansehen schädigt, kann sie verboten werden", kritisiert Herwart "Wau" Holland vom Computer-Chaos-Club (CCC). T-Online beschädige ihr Ansehen nicht durch Kritik, sondern durch den Paragraphen 5.4. Sie beweise damit nur mangelnde Souveränität.
MÜNCHEN 25.7.1997 (piht/t-off). Das Oberlandesgericht München (OLG) hat am Dienstag die Berufungsklage von Rechtsanwalt Volker Thieler wegen der "Tarifreform 96" zurückgewiesen und zwei weitere Prozesse gegen die Telekom vorerst auf Eis gelegt. Nach Auffassung des OLG stellen die seit Januar 1996 geltenden Ortstarife der Deutschen Telekom keinen Preiswucher dar. Wegen der grundsätzlichen "Bedeutung der Sache" hat das Gericht die Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen. [mehr] [vollständiger Urteilstext]
Bei dieser Gerichtsentscheidung haben die neueren Erkenntnisse aus dem KPMG- Gutachten [siehe SPIEGEL 23/1997, Seite 100] der EU-Wettbewerbs- kommission zu den Telekom- Kosten des Ortsnetzes (noch) keine Rolle gespielt. Danach liegen die tatsächlichen Kosten für die Nutzung des Ortsnetzes zwischen 6/13 Pfennig pro Minute (rund 0,28 DM/h) und 6 Pfennig 80 % (0,72 DM/h) [Ed: Die Telekom hatte den Konkurrenten den Ortsnetzzugang mit 6 Pfennig pro Minute angeboten]. Die Telekom berechnet ihren Kunden aber seit 1996 zwischen 1,80 DM/h (nachts) und 4,80 DM/h (am Tag in der Woche). Nun müssen die Bundesrichter in Karlsruhe klären, ob tagsüber kalkulatorische Aufschläge (inkl. MwSt) von 567 bis 1614 % Preiswucher sind.
BRÜSSEL 24.7.1997 (cref/t-off). Bei der Brüsseler EU-Kommission wird das Verhalten der Deutschen Telekom AG jetzt besonders genau beobachtet. Denn die Telekom beachtet nicht die einmal eingegangenen Verpflichtungen, die bis 1998 zur Liberalisierung des Telefon- Marktes führen sollen. Zudem hat Telekom- Chef Ron Sommer beim Streit um die Netzzusammen- schaltung (Ortsnetzzugang durch die Konkurrenz) inzwischen von "Enteignung" der Telekom gesprochen. Der Telekom- Vorstand hat verdrängt, unter welchen Auflagen und Terminen die EU ihr erst im Herbst 1996 die Rabatte für Großkunden genehmigte. Danach muß die Deutsche Telekom den Wettbewerbern "umfassend und fair Zugang zu den Telekom- Netzen" gewähren. Die Bonner Regierung hat das garantiert. In Brüssel herrscht deshalb ziemliches Unverständnis über die völlig überflüssigen Gerichtshändeleien der Telekom. Man bereitet sich unterstützt durch das KPMG- Gutachten auf ein förmliches Verfahren gegen die Deutsche Telekom vor, wegen der Behinderung des freien Wettbewerbs in Europa. [mehr]
25.7.1997 (khd/cref). Sollte der Telekom- Vorstand nicht ganz schnell zu Vernunft kommen und zur marktwirtschaftlichen Einsicht gelangen, daß die europaweite Liberalisierung des T-Marktes eben keine Enteignung des ex-Staatsmonopolisten darstellt, wird es für die Telekom sehr sehr teuer werden. Selbst ein Jan Ullrich vom Team Telekom könnte gar nicht so schnell strampeln, um den Imageverlust wieder wettzumachen.
Es ist schon ein sehr starkes Stück, daß ein promovierter Top-Manager, der ein Staats- unternehmen von der Allgemeinheit ohne eigenes Zutun ererbt hat, hier von "Enteignung" spricht. Eigentlich sollte auch ein Ron Sommer die wirklichen Zusammenhänge besser kennen. Die planwirtschaftlichen Zeiten einer Deutschen Bundespost sind endgültig vorbei. Und 'enteignet' wurden vielleicht die Deutschen, die brav nach 1945 den Wiederaufbau der Post mit (zu) hohen Gebühren schon einmal finanziert hatten. Gratis- T-Aktien haben sie ja wohl nicht erhalten. Dafür wurden sie dann aber seit Januar 1996 mit völlig aus der Luft gegriffenen und unbegründeten Ortstarifen abgezockt. Wir wissen heute auch dank des KPMG-Gutachtens der EU-Kommission, daß die tatsächlichen Kosten des Ortsnetzes bei der Telekom nur bei rund 1 Pfennig pro Minute (0,60 DM/Stunde) liegen. Die Telekom kassiert aber von ihren Kunden am Tage 4,80 DM pro Stunde. Ein kalkulatorischer Aufschlag von 700 %! Und das soll der (letzte) Bundespostminister nicht gewußt haben?
Siehe auch:
[06.05.1996: Kosten des Ortsnetzes]
[16.03.1997: Nichts ist geregelt]
[21.04.1997: Otelo will Druck machen]
[28.05.1997: Telekom mißachtet Marktmacht]
[02.06.1997: Telefonkonzerne: Schwarzes Loch]
BONN 23.7.1997 (tsp/t-off). Die Deutsche Telekom muß auch noch drei Wochen nach der Riesenpanne bei T-Online einräumen, daß ihr Online-Dienst nach der "revolutionären" Software- Umstellung noch immer "nicht hundertprozentig" läuft. Die Telekom hat damit im Internet einen neuen Rekord für die Störungsdauer aufgestellt. Erst am vergangenen Wochenende konnten die Einwahlcomputer mit korrigierter Software ausgestattet werden. Danach habe sich die Situation "zunehmend stabilisiert", sagte gestern Online- Sprecher Jörg Lammers zu DPA. Sobald die noch bestehenden Probleme durch "Feintuning" beseitigt seien, werde T-Online mitteilen, ob und in welcher Form ihre 1,6 Mill. Kunden entschädigt werden. Die Hotline von T-Online: hotline@t-online.de oder 0130 0190.
BONN 23.7.1997 (wop/t-off). Die neue Verordnung für den Kundenschutz bei Telekommunikationsdienstleistungen (TKV) wurde heute von der Bundesregierung verabschiedet. Danach erhalten Kunden die Auflistung ihrer Telefonate künftig kostenlos. Die Deutsche Telekom kassiert zur Zeit für diesen Service des "Kassenbons" noch immer eine Einrichtungsgebühr von 19 Mark. Und erst mit diesen Auflistungen sind Kunden die unzähligen Ungereimtheiten wie die "Geister-Einheiten" und "Bezahlen bei Besetzt" bei ihren Telekom- Abrechnungen aufgefallen. Auch nach einem Wechsel der Telefon-Gesellschaft behält ab 1998 der Kunde seine alte Rufnummer. Inwieweit die Anregungen und Bedenken von Kunden in die TKV eingegangen sind wurde nicht mitgeteilt. [mehr]
DARMSTADT 21.7.1997 (mib/t-off). Noch immer hat die Deutsche Telekom mit den Folgen der von ihr schlecht vorbereiteten Software- Umstellung bei "T-Online" zu kämpfen. Ein besonderes Ärgernis sind aber die vielen Einwahlversuche frustrierter Kunden, die kosten"pflichtig" fehlgeschlagen sind. Dadurch wurde und wird so einiges Geld in die Kassen der Telekom gespült. Und viele Kunden können absolut nicht verstehen, daß die Telekom an einer solchen Riesenpanne noch kräftig verdient. Ein Grund dafür: Die Telekom- AGBs unterscheiden (noch) nicht zwischen den sinnvollen und den wegen grundsätzlicher technischen Mängel völlig sinnlosen Verbindungen [Ed: dazu gehören natürlich auch die "Geister- Einheiten"], für die keine echte Leistung erbracht wurde.
Inzwischen hat "T-Online" in Darmstadt eine Fax-Nummer eingerichtet (06151 86 56 09), unter der sie nun schriftliche Gebührenerstattungsanträge entgegennimmt. Über die Höhe, den Umfang und die Art und Weise der Kulanz-Gutschrift ist noch nichts bekannt.
22.7.1997 (t-off). "Das Wort des Kunden ist Gesetz!" Das schrieb unlängst in Berlin der japanische Manager-Trainer Minoru Tominaga (58) deutschen Managern ins Stammbuch. In Deutschland interessiere sich kaum noch jemand für diejenigen, die das Geld in jede Firmenkasse bringen: Die Kunden. Statt zu fragen, was Kunden sich wünschen, werden sie oft abgewimmelt. Und der Grund: Die Strukturen der Firmen seien völlig falsch, denn sie seien kaum auf die Verbraucher ausgerichtet.
Auch bei der Deutschen Telekom ist das noch immer so. Offensichlich besuchen aber Telekom- Manager keinen solchen Nachhilfeunterricht. Sie fühlen sich zu sehr den Aktionären verpflichtet (shareholder- value). So haben sie wenig Zeit für die versprochene "Kundenorientierung". Von der Telekom wünschen sich Kunden jetzt eine volle Erstattung ihrer Kosten, auch bei den "Geister- Einheiten". Egal, was in den AGBs steht. Mit einem anachronistischen Haftungsausschluß kommt man 1997 nicht weiter. Und warum bei T-Online nun noch bürokratisch ein schriftlicher Antrag notwendig ist, das bleibt das Geheimnis der Telekom. Aufgrund ihrer detaillierten Call- Records können sie leicht selbst feststellen, was wer an Geld zurückerhalten muß. Sie haben die Daten. Sie müssen sie nur kundenfreundlich nutzen. Und im Zeitalter des Computers sollte das ja wohl kein ernstes Problem darstellen, auch bei 1,6 Millionen Kunden.
27.7.1997 (khd). Laut TAGESSPIEGEL von heute hat inzwischen Online-Sprecher Jörg Lammer festgestellt, daß es "so einfach nicht zu ermitteln" sei, in welcher Höhe das Telefon- Gebührenkonto belastet wurde. Mein Rat schlicht und einfach: Programmieren, Prüfen, Prüfen, Programmieren, Prüfen, Prüfen, ... Dann stellt sich auch der gewünschte Erfolg ein, mit dem die Kunden glücklich werden. Und das will man doch, oder?
HAMBURG 19.7.1997 (t-off). Im Hamburger Musterprozeß um die "Tarifreform 96" ist vom Amtsgericht Hamburg obwohl schon mehrfach angekündigt noch immer keine Entscheidung getroffen worden. Ein neuer Verhandlungstermin ist für September angesetzt. Dieser wird aber vermutlich erneut verschoben werden, denn es gab einen Richterwechsel. In dem Zivilprozeß geht es um die enorme Preissteigerung bei den Ortsgesprächen seit dem 1. Januar 1996. Als besonders interessant wird die Bewertung des Gerichts zu der ganz aktuellen Entwicklung bei den Interconnection-Tarifen, den Tarifen für den Ortsnetzzugang durch die Konkurrenz, von den Klägern eingeschätzt [siehe dazu Kommentar vom 18.7.1997].
MAINZ 18.7.1997 (ho/t-off). Als letztes Landesparlament hat heute der Landtag von Rheinland-Pfalz den neuen Mediendienste- Staatsvertrag zwischen den Bundesländern gebilligt. Der Vertrag tritt am 1. August zusammen mit dem Multimedia- Gesetz (IuKDG) des Bundes in Kraft. Geregelt werden darin u. a. ein freier Zugang zum Angebot der neuen Medien-Dienste wie Internet und Teletext, die Belange des Daten- und Jugendschutzes sowie die Sorgfaltspflichten der Anbieter. Unterdessen haben die Grünen nochmals Kritik am IuKDG geäußert. Sie befürchten, daß das Internet zu einer "Rechtsfalle" werden könnte. Auch die Industrie zweifelt am Ergebnis der neuen Medien- Gesetzgebung. Zum 1. August wird eine neue Beschwerdestelle für Multimedia- Angebote eingerichtet. Ansprechpartner dieser Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e. V. (FSM) ist Herr Dr. Müller-Using von der Deutschen Telekom in Bonn.
BERLIN 17.7.1997 (info-radio/t-off). Für den Ortsnetzzugang will die Deutsche Telekom AG noch immer 6 Pfennig pro Minute von den neuen Telefon- Gesellschaften kassieren. Diese sind nur bereit, höchstens 2 Pfennig pro Minute zu bezahlen. Denn in den Vergleichsmärkten werden auch nur 1 bis 2,5 Pfennig pro Minute gezahlt. Die Tarife sollen sich an den (entbündelten) Kosten orientieren. Die Telekom war aber bisher nicht bereit oder in der Lage, ihre Kosten exakt darzulegen [Ed: und das trotz massiver Nachhilfe, auch im Internet]. Bis Mitte September wird nun das Postministerium eine Entscheidung über den Zusammenschaltungspreis treffen. Das sagte jetzt der künftige Chef der Regulierungsbehörde Scheurle der WELT. Er erwartet, daß die "streitbereite" Telekom auch weiterhin die Regulierungsentscheidungen vor Gericht anfechten wird. Dadurch sei dann aber die Rechtswirksamkeit nicht beeinträchtigt. [mehr]
18.7.1997 (khd). Die Telekom steckt nun in einer argen Zwickmühle. Denn würde sie selbst jetzt den Wettbewerbern den Ortsnetzzugang zu einem Preis von 1 bis 2 Pfennig (0,60 bis 1,20 DM pro Stunde) anbieten, müßte sie damit auch zugeben, daß die Erhöhung der Ortstarife zum 1. Januar 1996 (4,80 DM/Stunde am Tag) unbegründet und wesentlich höher als kostendeckend war (Faktor 4 bis 8), was ja bereits von Prof. Vogelsang im Mai 1996 eindrucksvoll in der Studie "Kosten des Ortsnetz" aufgezeigt wurde. Das wäre aber fatal für die noch laufenden Musterprozesse um die "Tarifreform 96". Und es könnte dort letztendlich zum Ergebnis kommen, daß die Telekom riesige Rückzahlungsansprüche ihrer Kunden zu befriedigen hätte. Das will die Telekom klar vermeiden. Also: Die Telekom darf keine eigene Kostenrechnung vorlegen. Sie verlangt deshalb erst einmal den "Phantasiepreis" von 3,60 DM/Stunde, um sich vom Minister zwingen zu lassen. Ja, sie muß sich aus purem Eigennutz die Interconnection- Tarife vom Staat vorschreiben lassen. Bleibt nur zu hoffen, daß die deutschen Gerichte da noch durchblicken und sich kein X für ein U vormachen lassen.
LANDSTUHL 16.7.1997 (t-off). Der in Deutschland lebende Amerikaner Corbin L. kann sich über die Deutsche Telekom nur noch sehr wundern. Bisher bezahlte er seine monatlichen Telefon- Rechnungen bar am Schalter. Im Juni teilte ihm nun die Telekom wie auch vielen anderen Kunden mit, daß er für diese Art der Einzahlung künftig 15 Mark extra bezahlen müsse. Kostengünstiger sei es [Ed: für die Telekom], der Telekom den Zugriff auf sein Girokonto zu erlauben (Einzugsermächtigung). "No way! They are extorting me for the privilege of paying them, in cash!", ärgert sich Corbin L. Er will diesen Angriff der Deutschen Telekom auf elementare Verbraucherrechte (Recht auf Barzahlung und Bargeld) nun öffentlich im Internet diskutieren. Auf seiner Web-Seite "Consumer Rights Page" hat er Infos zum kundenunfreundlichen Abkassieren durch die Deutsche Telekom aus der Sicht eines US-Bürgers zusammengetragen. [mehr]
BONN 14.7.1997 (min/t-off). Für die Deutsche Telekom läuft heute die von Postminister Bötsch (CSU) vor zwei Wochen gesetzte Frist ab, den Wettbewerbern neue Preis-Angebote zur Netz- zusammenschaltung zu unterbreiten. Erst die Vereinbarung fairer Interconnection-Tarife erlaubt es den neuen Telefongesellschaften, zum 1. Januar 1998 wirklich wettbewerbsfähige Telefontarife anzubieten. Die Telekom sieht darin aber eine "Enteignung", und sie hat deshalb inzwischen gegen das Bundespostministerium geklagt. Bötsch will nun obwohl er klar das Recht zu eigener Entscheidung hat das Ergebnis dieses gerichtlichen Eilverfahrens abwarten [Ed: auch eine Folge von "Flickschusterei" bei der Gesetzgebung des TKG]. Damit hat die Telekom erst einmal einen mehrwöchigen Aufschub gewonnen. Und die Konkurrenten stehen jetzt im Regen. Sie können noch immer nicht mit einer konkreten Preisaussage um Kunden werben.
15.7.1997 (khd). Heute wurde bekannt, daß das Bonner Verwaltungsgericht das Postministerium um Aufschub der Ministerentscheidung gebeten hat. Dennoch trägt für die jetzt entstandene unmögliche Situation Minister Bötsch die volle Verantwortung. Denn Fachleute hatten davor noch lange vor der Verabschiedung des TKG gewarnt. Es ist ein Kardinalfehler der Bonner Deregulationspolitik, daß mit der Deutschen Telekom AG eine "Einheitsgesellschaft" entstanden ist. Es wäre volks- und marktwirt- schaftlich besser gewesen, dem fachlichen Rat gefolgt zu sein, den gesamten Netzbereich in ein gesondertes Unternehmen zu überführen. Dann hätte auch die Telekom von diesem den Ortsnetzzugang zu den Kunden kaufen müssen, wie die neuen Telefon- Gesellschaften. Unter diesen Bedingungen wäre die Telekom nie auf die Idee gekommen, zu klagen und von "Enteignung" zu sprechen. Aber die klare und saubere Lösung wollte man in Bonn nicht (T-Aktie!). Auch die SPD wollte davon nichts wissen. Noch im Juni 1996 schrieb "Postexperte" Hans Martin Bury im Auftrag des SPD- Fraktionsvorsitzenden Scharping: "Ihr Vorschlag, aus der Deutschen Telekom AG eine gesonderte Netzgesellschaft auszugliedern, wurde nicht aufgegriffen."
HAMBURG 13.7.1997 (t-off). Mit dem Artikel "Internet-Telefonie für jedermann" hatte im April der SPIEGEL die Telekom aufgeweckt. Denn Telefonate über das digitale Internet können dem Telefonriesen schon in naher Zukunft in sehr ernste Schwierigkeiten bringen. Die Internet- Telefonie gilt als nicht durch das TKG reguliert. Die "medienkompetente" Bonner Politik hatte beim TKG die neuen wegweisenden Möglichkeiten des Internets schlichtweg vergessen. Die Deutsche Telekom will sich nun an die Spitze der Bewegung setzen und ihre Kunden per kostengünstigem "T-NetCall" via Internet telefonieren lassen. [mehr]
18.7.1997 (t-off). Die Telekom hat heute in Bonn ihren Großversuch "Telefon-zu- Telefon-via-Internet" bestätigt. Sie will damit auch herausfinden, ob diese Art der Internet-Telefonie preiswerter ist als die herkömmliche Vermittlung von Telefonaten. Die Gespräche werden über eine 01803-Nummer (30 Sekunden pro Einheit), also für 24 Pfennig pro Minute, automatisch vermittelt.
KÖLN 11.7.1997 (t-off). Die Firma Topware hat kürzlich ihre neueste Telefonbuch- CD-Rom "D-Info 97" auf den Markt gebracht. Woraufhin Telekoms DeTeMedien überall erzählte, daß sie eine "bessere CD habe, die auch vollständig und die aktuell" sei. Auf Antrag von Topware erließ das Kölner Landgericht jetzt dagegen eine einstweilige Verfügung. Die Telekom kündigte dagegen nun weitere gerichtliche Schritte an.
BONN 10.7.1997 (wop/t-off). Noch am letzten Wochenende führte man bei der Telekom die Einwahlprobleme bei T-Online auf harmlose "Verbesserungen am Zugangsnetz" zurück, die man gerade vornehme. Am Dienstag waren es dann doch schon Software-Fehler, die man aber nur noch in 20-Stunden-Schichten "niederzupro- grammieren" brauche. Und heute wird nun davon geredet, daß doch die "Hardware Schuld" sei. Inzwischen beschweren sich immer mehr Unternehmen und Geschäftsleute darüber, daß sie nun seit Anfang der Woche keine elektronischen Geldüberweisungen mehr vornehmen können. Sie kommen über T-Online nicht mehr an ihre Konten. Und wohl deshalb gibt's heute dann in großen bunten Zeitungsinseraten von der Deutschen Telekom Trost, wie schön doch eigentlich alles sein könnte: "T-Online: jetzt lichtschnell in ein neues Universum starten. T-Online stößt in neue Dimensionen der Geschwindigkeit vor. Ein völlig neues Online- Gefühl erleben die mehr als 1,5 Millionen Nutzer von Europas erfolgreichstem Online-Dienst. (...)" [mehr]
12.7.1997 (t-off). Ein Leser der Berliner "BZ" schreibt heute dazu (auf Seite 10): "Tolle neue Technik. Zu hoch für den Standort Deutschland? Oder ist das ein Racheanschlag der gelben Post, zwecks Kundenbindung?" Und ein anderer Leser: "Ob Post, Telekom und T-Online irgendwie bleibt das die gleiche schlampige Firma."
BERLIN 9.7.1997 (ard-581/tsp/t-off). Was weltweit klappt, der Internet-Zugang per Point- to-Point Protokoll PPP über einen Online-Dienst, das funktioniert bei der Deutschen Telekom noch immer nicht einwandfrei. Nach Informationen von ARD- Teletext und des Berliner "Tagesspiegel" sind bei T-Online von den aktuellen Problemen beim Einwählen "nahezu alle deutschen Ballungsräume" betroffen. Ein Software- Update soll nun Abhilfe schaffen. "Wir hoffen, damit im Laufe der Woche fertig zu werden", sagt Jörg Lammers, Sprecher von T-Online. Telekom- Chef Ron Sommer hatte erst am 1. Juli bei der Vorstellung der neuen T-Online-Software versprochen: "Die neue Software kommt einer technischen Revolution gleich." Fragen zur neuen Software beantwortet die Telekom unter software2.0@t-online.de. [mehr] [noch mehr]
BONN 9.7.1997 (pos/t-off). Nur eine Woche hielt die Vereinbarung zum künftigen Decoder für das Digital-TV. Nun will die Deutsche Telekom doch einen eigenen Decoder auf den Markt bringen. Das schreibt die "Wirtschaftswoche". Telekom-Chef Ron Sommer sei die "d-box" der Kirsch-Gruppe zu teuer. Als Hersteller des neuen Decoders, mit dem auch ein direkter Internet- Zugang möglich sein soll, seien Sony, Philips, Grundig und die Sagem-Gruppe im Gespräch.
BONN 8.7.1997 (sam/t-off). Unlängst hatte US-Präsident Bill Clinton vorgeschlagen, das Internet zu einer weltweiten Freihandelszone zu machen. D. h. auf alle via Internet abgewickelten Geschäfte sollen die Staaten keine Zölle, Steuern oder Abgaben erheben. Inzwischen hat nun auch Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) das Internet als Wirtschaftsmotor ausgemacht. Zum Auftakt der Bonner Konferenz "Globale Informationsnetze Die Chancen nutzen" sagte Gastgeber Rexrodt [Ed: und ab 1998 zuständiger Minister für die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunkation], daß "wir die Freiräume der globalen Informationsnetze so weit wie möglich erhalten und nur dort regulierend eingreifen, wo es unbedingt notwendig ist. Die derzeitige Dynamik dürfe nicht blockiert werden."
Noch im Januar 1996 war Rexrodt allerdings ein Befürworter der massiven und unbegründeten Ortstariferhöhung bei der Telekom. Diese Bonner Fehlregulierung hat sich inzwischen als ein erhebliches Hemmnis für die dynamische Entwicklung des Internets in Deutschland herausgestellt, was u. a. durch aktuelle Untersuchungen der OECD eindeutig belegt ist. Die EU- Ministerkonferenz geht heute mit der Verabschiedung einer "Bonner Erklärung" zur gemeinsamen Nutzung und Entwicklung des Internets zu Ende.
BERLIN 7.7.1997 (bz/t-off). Mit dieser deutlichen
Schlagzeile
macht heute die Berliner "BZ" auf,
und sie zieht eine erschreckende Bilanz des großen Ärgers mit
der Post AG, der älteren Schwester
der Telekom:
10.7.1997 (t-off). Und alles ist noch viel viel schlimmer. BZ-Reporter haben inzwischen auf einem Hof eines Berliner Postamts zwei Altpapier- Container randvoll mit Postkarten, Briefen und Zeitungen gefunden. Zur 'Arbeitserleichterung' landete diese Post einfach auf dem Müll. Die Empfänger warten noch heute.
BERLIN 6.7.1997 (tsp/t-off). In vielen Städten gibt es seit Anfang Juli erhebliche Probleme, sich in den Online-Dienst "T-Online" der Deutschen Telekom einzuwählen. Der Grund: Eine banale Software- Umstellung. Die Telekom erklärte inzwischen, man arbeite "mit Hochdruck" an der Beseitigung der Schwierigkeiten. Die neue Software sollte den Internet-Zugang eigentlich beschleunigen. [mehr]
HAMBURG 5.7.1997 (t-off). Nicht nur beim Kabelfernsehen müssen die Telekom- Kunden demnächst tiefer in die Tasche greifen, auch bei der Telefon-Auskunft. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" sollen noch in diesem Jahr die Gebühren für eine normal Auskunft um 30 auf 90 Pfennig steigen. Die Telekom bestätigt die Absicht einer Preiserhöhung. Die Firma TeleGate (private Auskunft für 2,40 DM pro Minute) habe im Frühjahr eine Erhöhung verlangt, da die bisherigen Telekom-Gebühren nicht kostendeckend seien.
BONN/BERLIN 4.7.1997 (pos/t-off). Die Preiserhöhung für den TV-Kabelanschluß um 15 % auf 25,90 DM sei absolut ungerechtfertigt, weil die Telekom das Angebot freier Programme für alle Zuschauer nicht verbessere. Die Kabel- Kunden würden damit nur für die Finanzierung des Digital-TVs zur Kasse gebeten. Daher solle die Telekom erst einmal das analoge Kabelnetz für freie Programme stärker ausbauen. Das fordert der Verband Privater Kabelnetzbetreiber (Anga). Und NDR-Indendant Jobst Plog weist daraufhin, daß die Telekom jetzt für Investitionen abkassieren wolle, für die von der Allgemeinheit schon einmal bezahlt worden sei. [mehr]
Auch Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) und zugleich Sat.1-Chef, kritisiert das schamlose Vorgehen des Netz- Monopolisten. Denn die Telekom möchte künftig gleich vierfach abkassieren: Höhere Monatsgebühr, Monatsmiete für den Digital-Decoder, jedes Pay-TV-Angebot muß extra bezahlt werden und auch die einspeisenden Sender müssen für die Verbreitung im Telekom- Kabel bezahlen. Im Gespräch mit dem Berliner "Tagesspiegel" befürchtet Doetz heute, daß die Telekom schon bald zum nächsten Schlag ausholen werde, indem sie den bereits einspeisenden Sendern die Verträge zwecks kräftiger Preiserhöhung kündigen werde. Auch deswegen haben die Privaten Veranstalter gegen die Kabelpolitik der Telekom Beschwerden bei der EU-Kommission und beim Bundeskartellamt eingereicht.
BONN 2.7.1997 (pos/t-off). Die Deutsche Telekom teilte heute mit, daß sie sich jetzt mit dem Kirch-Konzern und Bertelmanns CLT-Ufa auf einen einheitlichen Decoder für das digitale Fernsehen, die "d-Box" geeinigt habe. Damit würde in Deutschland die Decoder- Technik der Kirch-Gruppe alleiniger Standard. Das Gerät soll rund 10 Mark Miete im Monat kosten. Für das Pay-TV fallen zusätzliche Gebühren an. Für den Herbst kündigte die Telekom außerdem höhere Kabelfernsehgebühren für alle an. Der Preis soll von derzeit 22,50 DM um 3,40 DM auf 25,90 DM pro Monat steigen. Dafür werden ins Kabelnetz zwei weitere analoge TV-Programme eingespeist. Das Digital-TV im Kabelnetz soll nun zur Internationalen Funkausstellung Ende August starten. Die Wettbewerbshüter haben jetzt das letzte Wort. [mehr über die digitale Dreierbande] [zum OpenTV]
4.7.1997 (taz-Seite 18). Kabelaffe (...) Von den hochfliegenden Vermarktungsplänen der Telekom bleibt wenig übrig. Kein Kabelaffe wolle sie sein nun ist sie's und bekommt dafür nur 7,5 Millionen Mark pro Kanal. Die lukrative Vermarktung bleibt Sache von Bertelkirch. Die 13 Kanäle wurden auch schon aufgeteilt: sieben für Bertelkirch, drei für ARD und ZDF, magere drei bleiben für eventuelle andere. Das kam zustande, nachdem die Telekom ihre kundigen Manager ausschaltete und den Vorstand um Ron Sommer entscheiden ließ. Unterdes war auch von weiteren Nebenabreden von Bertelsmann und Kirch zu hören: Sportrechte wollen sie komplett gemeinsam verwerten.
25.7.1997 (t-off). Für die Nutzung des digitalen Kabelfernsehens will die Telekom monatlich noch weitere 4,90 DM kassieren. Damit würde sich der Monatsgrundpreis auf insgesamt 30,80 DM erhöhen. Und das dürfte eine Hochkonjunktur bei den Anbietern von Satelliten-Schüsseln auslösen.
BONN 1.7.1997 (min/t-off). Der Streit um die Preise für den ungebündelten Zugang zu den Telekom-Ortsnetzen (Interconnection- Tarife) eskaliert. Nach Informationen der ARD hat die Deutsche Telekom am Montag gegen eine Anweisung des Bundes- postministers Klage erhoben. Postminister Wolfgang Bötsch hatte die Telekom verpflichtet, den künftigen Konkurrenten bis zum 14. Juli Angebote für den direkten und ungebündelten Kunden- Zugang zu unterbreiten. Die Telekom sei nach dem TKG verpflichtet, ab 1998 ihre Leitungen an die neuen Telefon- Gesellschaften zu vermieten. Sie dürfe dieses nicht mit Leistungen bündeln, die die Konkurrenten gar nicht wünschen. Die Telekom wollte den Ortsnetz- Zugang bisher aber nur preistreibend über eigene Übertragungs- Computer und -Normen anbieten.
AMSTERDAM 30.6.1997 (ven/tsp/t-off). In den Niederlanden beginnt bereits morgen der freie Telefon-Wettbewerb. Die staatliche PTT Telecom verliert am 1. Juli ihr Fernsprech- Monopol. Sie muß sich nun das lukrative Geschäft mit den neuen Telefon- Gesellschaften Telfort (Eisenbahn + British Telecom) und Enertel (diverse Energie- konzerne) teilen. Dennoch wird der holländische Telefonmarkt keineswegs so frei sein, wie es marktwirtschaftlich geboten wäre. So wurde erst in letzter Minute eine Regulierungsbehörde die Opta als Marktaufsicht eingerichtet. Um aber wirklich fairen Wettbewerb zu erreichen, müssen noch vier Bedingungen erfüllt werden: Die Unabhängigkeit der Opta, der gleichberechtigte Netz-Zugang sowie faire Interconnection- Tarife und niedrige Lizenzgebühren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Marktstudie der amerikanischen Yankee-Group (Boston). Und in den Niederlanden gibt es selbst beim Start des Wettbewerbs noch keine Einigung über die Interconnection- Tarife. [mehr]
BONN 29.6.1997 (wop/t-off). France Télécom und die Deutsche Telekom AG, bereits durch die Global-One verbunden, planen eine Überkreuz- beteiligung mit Aktientausch. Damit wollen die ex-Staatsunternehmen "langfristig ihre Partnerschaft festigen", erklärte Telekom- Finanzchef Joachim Kröske. Über den Umfang der gegenseitigen Beteiligung sowie die Quelle des zu tauschenden Aktienpakets [Ed: aus den Staatsreserven oder durch Kapitalerhöhung] wurde noch nichts bekannt. Ein neuer Termin für den Börsengang der France Télécom steht noch nicht fest. Dieser ursprünglich für April vorgesehene Privatisierungsschritt wurde nach dem französischen Regierungswechsel vertagt.
BERLIN 28.6.1997 (tsp/t-off). Beim Streit ums TV-Kabelnetz hat die Telekom jetzt doch eingelenkt. Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) erklärte am Freitag, daß die Deutsche Telekom ihre ursprüngliche Zusage einhalten werde und im überfüllten Kabelnetz zwei neue Analog-Kanäle nun aber ohne Bedingungen freigeben und der DLM das volle Recht zur Belegung erteilen werde. Die neuen Fernseh- Kanäle sollen bis zum Jahresende für 80 % der Kabelkunden zur Verfügung stehen. [Neues zum Bezahl-TV]
FRANKFURT/MAIN 27.6.1997 (wib/t-off). Die Deutsche Telekom hat jetzt mit der Viag Interkom eine Zwischen- vereinbarung über die Zusammenschaltung der Telefon- Netze geschlossen. Allerdings sind darin nicht die Preise geregelt. Das mußte Telekom- Chef Ron Sommer am Donnerstag auf der Hauptversammlung einräumen. Bis zum Jahresende sollen diese aber in einem endgültigen Vertrag "festgeschrieben" werden. Am 1. Januar 1998 beginnt der Wettbewerb. Die Telekom hat bisher lediglich Zusammenschalt- Vereinbarungen mit der WorldCom und Tele Danmark getroffen. Auch hier wurde über die Interconnection- Tarife nichts bekannt. Sollten diese aber überhöht sein, würde der freie Wettbewerb im Keim erstickt werden. Die großen Telekom- Konkurrenten Arcor und Otelo sind deshalb nur zu einem Vertragsabschluß mit "fairen Preisen" bereit.
WASHINGTON 26.6.1997 (cyf/t-off). Der Supreme Court, das oberste Gericht der USA, hat heute das umstrittene Gesetz zur Beschränkung der Publikationsfreiheit im Internet, dem Communication Decency Act (CDA), in wesentlichen Teilen für verfassungswidrig erklärt. Die im Gesetz vorgesehenen Beschränkungen mit Strafandrohungen verstoßen gegen das in der amerikanischen Verfassung garantierte Recht auf Redefreiheit (free-speech rights), urteilte das US-Gericht. Das CDA von 1996 laufe auf eine illegale Regierungszensur (illegal government censorship) hinaus. [Die Entscheidungsgründe]
28.6.1997 (khd). Der US-Gerichtshof hat damit nur das auch sonst geltende Recht auf das Internet übertragen. Und das bedeutet auch, daß das Internet eben nicht "ein rechtsfreier Raum" ist. Das wegweisende Urteil wird weit über die USA hinaus Konsequenzen haben. Denn im globalen Computer-Netz gibt es keine staatlichen Grenzen. Sieht man mal von China ab, die bereits heute den kompletten Internet-Verkehr filtern bzw. zensieren.
FRANKFURT/MAIN 26.6.1997 (ant/t-off). Spätestens ab dem Jahr 2000 will die Deutsche Telekom ein satellitengestütztes Mobiltelefon im D1-Netz anbieten, mit dem der Handy-Besitzer weltweit unter einer Rufnummer erreichbar sein wird. Die Telekom baut dazu ihre Erdfunkstelle Usingen im Taunus aus. Diese steht in Verbindung zum globusumspannenden Satelliten- Netz der ICO (London) mit 12 Satelliten. Mit der ICO hat die Telekom jetzt den Zugang vereinbart. Die Deutsche Telekom ist zudem über ihre Tochter T-Mobil mit 8 % direkt an der ICO beteiligt. Das Telefonieren via Satellit wird deutlich teurer als im D1-Netz sein. Unterdessen bereiten Motorola u. a. erdnahe Satelliten- Netze vor, über die man mit einem Handy direkt telefonieren kann.
BONN 25.6.1997 (pos/t-off). Rechtzeitig zur ersten Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG hat die Bundesregierung entschieden, daß sie auf einen vorzeitigen Verkauf ihrer Telekom- Aktien verzichtet. Sie will nun 25 % ihrer rund 2 Mrd. T-Aktien bis zum späteren Verkauf bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) "parken", d. h. dieser das Aktienpaket übertragen. Darauf haben sich Bundesregierung und der Telekom-Vorstand geeinigt. Eine gemeinsame Erklärung soll am Donnerstag in Frankfurt/Main auf der Hauptversammlung veröffentlicht werden. Die Bundesregierung erwartet von der weiteren Privatisierung der Telekom Einnahmen von bis zu 30 Mrd. Mark. Eine Regulierungsentscheidung zum Ortsnetz- Zugang hat die Bunderegierung noch nicht getroffen.
BONN 23.6.1997 (min/t-off). Peter Landsberg (58), ex-Vorstandschef der Alcatel SEL AG, soll nun auf Vorschlag der SPD erster Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post werden. Das hat heute der Regulierungsrat in Bonn beschlossen. Der vom Bundespostminister Wolfgang Bötsch (CSU) favorisierte Leiter der Abteilung für Grundsatzfragen seines Ministeriums, Klaus-Dieter Scheurle, unterlag in der Abstimmung gegen Landsberg. Vizepräsident soll Arne Börnsen (SPD) werden. Das letzte Wort hat jetzt die Bundesregierung. Es wird aber damit gerechnet, daß die Regierung trotz des Votums für Landsberg an Scheurle festhält. Denn der Regulierungsrat hat lediglich ein Vorschlagsrecht.
Die neue beim Wirtschaftsministerium angesiedelte Behörde soll u. a. verhindern, daß die Deutsche Telekom ihre starke Marktmacht mißbraucht. Sie ist eigentlich nur ein Spezial-Kartellamt, auch zum Auffangen von rund 3000 Beschäftigten des Postministeriums, das zum Jahresende aufgelöst wird.
27.6.1997 (khd). Heute wurde bekannt, daß der Regulierungspräsident 5.000 Mark im Monat mehr als der Präsident des Bundeskartellamts (B8) verdienen wird. Er soll nach B11 monatlich 18.635,46 Mark erhalten, was bereits der empörte Bundes- rechnungshof mit "Wuchergehalt" (BZ) kommentierte. Sogar die beiden Stellvertreter sollen noch nach B9 (monatlich 14.573,65 DM) bezahlt werden. Gestandene Manager sind halt nicht billig zu haben. Aber, zeigt das nicht gerade die besondere Bedeutung, die unsere Regierung dieser unsere "Zukunft" kontrollierenden Postersatzbehörde beimißt? ;)
2.7.1997 (ard-144). Erster Präsident der neuen Regulierungsbehörde wird Klaus-Dieter Scheurle (CSU). Das hat heute die Bundesregierung beschlossen. Vizepräsidenten werden Telekom-Amigo Börnsen (SPD) und Schlegel (FDP).
BERLIN/BONN 21.6.1997 (pos/t-off). Nach Informationen des Nachrichtensenders "n-tv" will die Deutsche Telekom nun doch nicht mehr zwei zusätzliche Kanäle in ihrem TV-Kabelnetz freigeben. Erst am 20. Mai hatte sie sich dazu bereit erklärt, und sie wollte damit ihre bisherige Blockade- Politik aufgeben. Inwieweit der plötzliche Sinneswandel mit dem gegenwärtigen Versuch der Monopolbildung beim Digital-TV (Telekom + Kirch + Bertelsmann + Premiere) zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar zu erkennen. Unterdessen wurde auch bekannt (SPIEGEL 26/1997, Seite 87), daß die Telekom ihr Vorstandsmitglied Herbert May entlassen will. Der Grund: Die gescheiterten Verhandlungen über den Zugang der neuen Telefongesellschaften zu den Telekom- Ortsnetzen. Hier droht jetzt die massive Regulierung durch den Postminister. Außerdem kämen Mays Pläne beim Kabel- fernsehen nicht voran.
Aus Bonner Kreisen war zu erfahren, daß dem Regulierer aber quasi die "Hände gebunden" seien. Denn die Bundesregierung sei auf die erheblichen Einnahmen aus dem Verkauf ihres Telekom- Aktienpakets [Ed: noch rund 2 Mrd. Stück] angesichts der immer größer werdenden Löcher im Bundeshaushalt angewiesen. Jede massive Regulierung und Zurechtweisung der Telekom könne aber den Preis der T-Aktie nach unten drücken und die Erlöse schmälern.
23.6.1997 (khd). Die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern. So wie der Notverkauf des Berliner Energie-Erzeugers Bewag an die Preußen- Elektra, Viag und Southern Company demnächst am Einspruch des Bundeskartellamts scheitern dürfte (weil dabei der Wettbewerb auf der Strecke bleibt), wird es auch einem Kartell beim Digital- TV ergehen. Und man wird dann erneut vor einem marktwirtschaftlichen Scherbenhaufen stehen. Und das alles nur, weil der Regulierer, Minister Bötsch nicht rechtzeitig in der Lage war, das marktwirtschaftlich so gebotene Machtwort zu sprechen. Oder soll/muß etwa der Wettbewerb im Bereich der Telekommunikation auf dem Altar des EURO geopfert werden?
| Weitere Services im Rahmen des Archivs "t-off" von khd | ||
|
|
|
|
| Hier gibt es keine gekauften Links! | ||
|