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BONN 17.12.1997 (wop/t-off). Nun wissen wir es ganz genau: 1998 gibt es in Deutschland trotz Liberalisierung keinen Wettbewerb im Ortsbereich, obwohl auch das von der Bonner Politik versprochen war. Die bisherige Monopol- Situation bleibt hier de-facto auf noch unbestimmte Zeit bestehen. Das wurde heute in Bonn aufgrund der Vorstellung der Tarifplanungen durch die Deutsche Telekom endgültig klar. Denn diese hat ab 1. März nur für ausgesprochene Lang- und Vieltelefonierer im Fernbereich ein günstigeres Angebot im Köcher, aber absolut nichts für die überwiegende Zahl der Normal-Telefonierer und Internet- Anwender im Ortsbereich. So bleiben die Anschlußgebühr, Grundgebühr und der teure Ortstarif (tagsüber 4,80 DM pro Stunde) unverändert. Die Telekom entwickelte keine über die staatlichen Vorgabe von 4,5 % hinausgehende eigene Preissenkungs- Phantasie, so daß sich nach Telekom- Angabe insgesamt nur eine Entlastung aller Telekom- Kunden von rund 2 Mrd. Mark ergibt. Diese werde zudem völlig asymmetrisch über den Privatkundenkreis mittels eines immer komplizierter werdenden Tarifwerks umverteilt, äußerten Bonner Telekom- Kritiker. Und die "c't" kommentierte das heute im Internet mit: "Telekom erweitert Tarifblendwerk". [mehr] [vwd-Kommentar] [Telekom- Pressemittteilung]
19.12.1997 (pep/t-off). Angesichts der nunmehr vollständigen Digitalisierung des Telekom- Netzes bleibt es völlig unverständlich, warum die Deutsche Telekom weiterhin am Anachronismus der Zeittaktabrechnung festhält. Denn Telefongesellschaften, die wirklich auf der Höhe der Zeit sind, verwenden heute die kundenfreundliche, sekundengenaue Abrechnung aller Telefonate, ohne dafür Aufschläge wie Arcor zu verlangen. Und so wurde dies im UseNet bereits als pure Absicht ausgemacht, um so die Kunden zu verwirren, so daß diese den Durchblick verlieren.
20.12.1997 (ky/t-off). Aber alle Telekom-Tarifwünsche müssen noch von der Bonner Regulierungs- behörde genehmigt werden, eine Sonderregelung für den Marktbeherrscher zur Sicherstellung von Wettbewerb. Dabei muß diese die Tarif- Vorschläge auch auf versteckte Quersubventionen untersuchen. Und da die Telekom noch immer kein solides Kostenrechnungs- System hat, erwarten Kostenexperten erneut Überraschungen (beispielsweise beim "Fördern" von ISDN- Telefonaten). Auch ist dem Regulierer nicht verborgen geblieben, daß die hohen Ortstarife die Entwicklung der Internet-Nutzung massiv stören, und es hier wegen dieser Wettbewerbs- behinderung nachzuholenden Handlungsbedarf gibt, zumal Post- und Wirtschafts- Ministerium im März 1994 bei der Genehmigung der "Tarifreform 96" das nicht erkannten. Ob der staatliche Regulierer das nun korrigieren wird, muß abgewartet werden. Jedenfalls gibt die Brüsseler EU-Kommission gerade ein Beispiel für die Kontrolle zu teurer Telefongespräche. Die Preiskontrolle der überteuerten Ortsgespräche ist aber die originäre Aufgabe des deutschen Regulierers in Bonn. [Kommentar: Wann beginnt Deutschland mit der Aufholjagd?]
KÖLN 16.12.1997 (ml/t-off). Der Kölner City-Carrier NetCologne prescht mit dem vor, was sich jeder Internet-Nutzer in Deutschland schon lange wünscht. Für Kölner Nutzer des eigenen Internet-Dienstes "InterNetCologne" bietet NetCologne ab Januar 1998 einen monatlichen Telefon-Pauschaltarif von 35 Mark. Weitere Telefonkosten fallen nicht an. Für 60 Stunden Internet-Nutzung sind außerdem 39 Mark zu zahlen, danach 5 Pfennig pro Minute (3 DM/h). Somit kosten 100 Online-Stunden (ohne die Grundgebühr für den Telefon-Anschluß von 24 DM) 194 Mark im Monat [Ed: das ist immerhin ein Anfang auf dem Weg zur Flat-rate].
Aber auch für Nutzer anderer Internet-Dienste hat NetCologne einen speziellen Telefontarif "Interfonieren" im Angebot. Dieser kostet 4 Pf/Min (2,40 DM/h) in der Hauptzeit und 2 Pf/Min (1,20 DM/h) in der Nebenzeit. Hauptzeit: MoFr, 818 Uhr, Nebenzeit: MoFr, 188 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr. Ortsgespräche kosten in der Hauptzeit 6 Pf/Min (25 % billiger als bei der Telekom) und in der Nebenzeit 3,5 Pf/Min. NetCologne rechnet ab der 6. Sekunde sekundengenau ohne Aufpreis ab. [NetCologne-Tarife]
BONN 15.12.1997 (t-off). In der neuen Telekommunikations- Kundenschutz- verordnung (TKV) hat die Bundesregierung die Rechte der Kunden gegenüber den (neuen) Telefon- Gesellschaften (Telcos) deutlich gestärkt. So stellt beispielsweise der Paragraph 15 sicher, daß immer der Primär-Anbieter des Telefon-Anschlusses eine Gesamtrechnung mit allen Gesprächen auch jene, die über andere Netze geführt worden sind liefern muß. Es sei denn der Kunde mag Papierkrieg, und er vereinbart von sich aus mit verschiedenen Telcos viele Rechnungen. Die Verordnung tritt zum 1. Januar 1998 in Kraft. Der vollständige Text der TKV steht jetzt auch im Internet zur Verfügung (70 kByte). [mehr]
BERLIN 13.12.1997 (t-off). Der Karlsruher Informatik- Professor Werner Zorn ("In Deutschland wurde die Internet- Entwicklung nicht verschlafen, sondern sehenden Auges ignoriert, unterschätzt, für unmöglich gehalten, bekämpft, behindert und verteufelt.") rechnet in einem aktuellen Buch-Beitrag "Über die verfehlte deutsche Internet-Entwicklung" schonungslos ab mit der seit den 80er-Jahren durch die Bonner Politik und durch die inkompetente Wissenschaftsbürokratie eingeleiteten und zu verantwortenden Fehlentwicklung. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ("Durchs Netz gefallen") benennt Prof. Zorn am Donnerstag als Deutschlands wichtigste Erfindung im Internet: Die Strafverfolgung der Internet-Anbieter.
Um aber die fatale Internet- Fehlentwicklung endlich zu stoppen, müßte in der Bonner Politik zunächst einmal ein völlig anderes Denken einziehen ("digitally literate") und sachgerechte Bewertungsmaßstäbe verwendet werden. Ob nun beispielsweise der gerade von der SPD in Hannover beschlossene "Aufbruch in die Informationsgesellschaft" das leisten wird, muß abgewartet werden. Immerhin verspricht die SPD darin, die reichlich aufgetürmten "Modernisierungshemmnisse" zu beseitigen.
Daß das Internet den Umgang mit dem menschlichen Wissen revolutioniert, das weiß jeder, der regelmäßig die enormen Ressourcen des Weltnetzes ernsthaft nutzt. Insofern lag es nahe, daß im Netz über kurz oder lang auch die Sprach- Barriere fallen mußte, wie am Dienstag geschehen. Und auf weitere innovative Überraschungen aus Frankreich und den USA dürfen wir gespannt sein.
21.12.1997 (hz/t-off). Das Versprechen der (modernen) SPD, die Hemmnisse
auf dem Weg in die Informationsgesellschaft zügig zu beseitigen, sei
allerdings nicht so recht glaubwürdig, meinen Kritiker. Denn in
Nordrhein-Westfalen (NRW) setzen die (alte) SPD + RWE auch 1997/98 noch
immer auf das anachronistische und zudem ökologisch äußerst
fragwürdige Großprojekt "Garzweiler", um damit wenig
zukunftsträchtige Arbeitsplätze des Braunkohleabbaus und dessen
Umfeld für nur noch eine Generation zu erhalten. Und das alles, weil
es der wenig Bit-und-Byte-erfahrene Strom-Monopolist RWE so will. Ganz
offensichtlich vertrauen hier weder die SPD noch die RWE auf die
wirtschaftliche Schubkraft, die eine zukunftsorientierte
Informationsgesellschaft entfalten könnte, auch für NRW. Zwar
ist RWE sogar im Bereich der Telekommunikation durch die Beteiligung an
Otelo engagiert, aber so ganz mit Nachdruck wie bei Garzweiler
wird das wohl nicht betrieben. Wie sonst konnte es passieren,
daß Otelo trotz ausreichender Vorbereitungszeit ab dem 1. Januar
1998 beim Telefon- Massengeschäft passen muß?
24.5.1999 (t-off). Inzwischen hat RWE/Veba Otelo an Mannesmann
verkauft. Auch von der zukunftsweisenden Kabelgesellschaft TeleColumbus
wird man sich trennen. Aber Garzweiler II, das bleibt in NRW.
HAMBURG 12.12.1997 (tw/t-off). Anfang November machte
Emnid noch ein Zweidrittel-
Wechselpotential bei den Bundesbürgern aus, die von der Telekom weg
wollten. Nun hat das Forsa- Institut neue Zahlen vorgelegt. Danach wollen
immerhin 52 % der Bundesbürger auch nach der Liberalisierung des
Telefon-Marktes bei der Deutschen Telekom bleiben, berichtet "Die Woche".
Nur noch 33 % von 1005 Befragten wollen zu einem anderen Anbieter wechseln.
Die übrigen 15 % sind noch nicht entschieden. Somit ist das
Wechselpotential von 64 % um 31 % gesunken. Analysten werten das auch als
ein Ergebnis der "Wir-wollen-nur-Geld-verdienen-aber-wenig-
für-die-wahren-Kundenbedürfnisse-tun-
(obwohl-wir-anderes-versprochen-hatten)"- Politik vieler
neuer Telefongesellschaften. Was aber machen die
Neuen falsch?
Ein Blick auf den Problem-Katalog zu den falschen Privatkunden- Konzepten,
den Leser der "t-off" herausgefunden haben, gibt erste Antworten:
Keine Ortsgespräche, obwohl das
möglich wäre
viele Fallstricke in den Tarifen und AGBs
Regeln der Kundenschutzverordnung
(TKV) werden ignoriert
Verlangen der Anmeldung bei Nutzung von
Call-by-call
keine öffentliche Aufklärung über alle Vor- und Nachteile
Ortsgespräche in der Nahzone werden so
zu teureren Regio50- Gesprächen
trotzdem schon jetzt Propagieren der Pre-selection
auf das eigene Netz
Strafgebühr bei Nichterreichen eines Mindestumsatzes
Abschreckgebühr bei sekundengenauer Abrechnung
es ist nicht sicher, ob es immer einen (korrekten) Gebührenimpuls gibt
eine laufende Kontrolle der Gebühren durch die Kunden wird so unmöglich
keine Komfort- Merkmale wie Anklopfen, Makeln oder Rufnummernübertragung
kein Internet- Telefontarif zur Förderung des
"Wirtschafts- motors" (OECD).
MAYNARD/USA 9.12.1997 (khd/t-off). Der heutige Tag wird
einmal später in Büchern der Kulturgeschichte als der Tag benannt
werden, an dem die Menschen ernsthaft begannen, ihre Sprachbarrieren mit
intelligenten technischen Mitteln zu überwinden. Denn um die enormen
Ressourcen im World-Wide-Web des Internets zu nutzen, muß man nun
nicht mehr unbedingt Englisch beherrschen. Den Abbau des "Turms zu
Babel" ermöglicht der neue Echtzeit- Übersetzungsservice der
US-Firma Digital Equipment Corporation (DEC), Erfinder des Mini- und des Alpha-
Computers. Dieser innovative Service hatte heute um 16 Uhr MEZ bei DECs
AltaVista Premiere. Und
dieser Service zeigt einmal mehr, was das Internet mit dem "Wissen der Welt"
wirklich leisten kann.
Damit lassen sich englischsprachige Webseiten (on-the-fly) derzeit ins
Deutsche, Französische, Italienische, Portugiesische oder Spanische
und umgekehrt übersetzen. Die Formatierung der Webseiten bleibt dabei
erhalten. Auch lassen sich eigene Texte, die nicht im Web stehen, per
"Cut&Paste" eingeben und durch einen Mausklick übersetzen. Das
kostenlos zu nutzende
BabelFish- System
befindet sich zwar noch in der Beta- Testphase und mag umfangreiche
Webseiten noch nicht vollständig verarbeiten, umso erstaunlicher ist
aber, welch brauchbaren Resultate die Computer- Übersetzung bereits
liefert. An der wegweisenden Entwicklung war kein deutsches Unternehmen
beteiligt, aber die französische
Systran
(Paris), die sich bereits seit 1968 um eine solide maschinelle
Sprachübersetzung kümmert.
[Nützliches Eingabe-Formular zum
Ausprobieren]
FRANKFURT/MAIN 8.12.1997 (wib/t-off). Erst sieben Wochen
nach Talkline und
TelePassport trauten sich die
Rot-Blauen, die "Telephone People" von
Mannesmann Arcor mit ihrem Tarifzahlenwerk an die Öffentlichkeit. In
Frankfurt stellten sie heute ihre
Telefontarife für
Privatkunden vor, die ab 1. Januar im Freimarkt genutzt werden
können. Verglichen mit den derzeitigen Telekom-Preisen werden zwar
alle Ferngespräche billiger, aber noch lange nicht so billig
wie in Frankreich. Ortsgespräche gibt es
noch nicht und Ortsgespräche in der
Nahzone werden zum viel teureren Regio50-Tarif abgerechnet, der deshalb
bei Arcor nun "Regio-Plus" heißt. Arcor hat reichlich
Fußangeln in ihr Tarifwerk eingebaut. So wird bei einem Umsatz von
monatlich unter 50 Mark eine Strafgebühr von 9,90 DM fällig.
Einen Internet- tauglichen Telefontarif haben die Telefonleute hingegen nicht
zustande gebracht. Und für die sekundengenaue Abrechnung, für
die Arcor so viel Reklame machte, muß der Kunde bei jeder Verbindung
6 Pfennig extra bezahlen.
[mehr]
Und so könnte ein Wechsel zu Arcor sich nur für ausgesprochene
Vieltelefonierer im Fernbereich (z. B. für kleine Gewerbebetriebe) lohnen,
die die Mengenrabatte von 5 % ab 75 DM, 10 % ab 150 DM oder 15 % ab 300 DM
Monatsumsatz nutzen können. Für ganz normale Privatkunden, die
vorwiegend Ortsgespräche führen und nur manchmal in die Ferne
telefonieren, bietet Arcor den Tarif
"Call-by-Call", den jeder ohne
Anmeldung, Vertrag und Grundgebühr per
Vor-Vorwahl von 01070 verwenden
kann und deren Abrechnung mit der Telekom-Rechnung erfolgt. Arcor nennt
allerdings diesen Tarif ein "Schnupperangebot", was durchaus bedeuten
könnte, daß sie dieses Angebot nur für eine begrenzte Zeit
machen wollen. Aber ein erster Vergleich mit den bisher bekannten
Inlandsferntarifen (Regio200 + Fern) anderer
Telcos zeigt, daß Arcor hier nicht die
Nase vorne hat. Spitzenreiter bei diesen Ferngesprächen ist derzeit
TelePassport und zu manchen Zeiten
gleichauf mit Talkline, die aber
merkwürdige AGBs hat.
Am kommenden Montag (15.12.1997) will nun die Telekom ihre
Preise für 1998 nennen.
14.12.1997 (t-off). Die Gültigkeit von Tarif- Vergleichen hat
zur Zeit nur eine ganz kurze Lebensdauer. So hat heute beim Regio200/Fern-
Tarif Interoute die Nase
plötzlich vorn. In der aktuellen
Übersicht der Spitzenreiter kommen
Talkline und TelePassport nun gar nicht mehr vor. Sie werden wohl
preislich nachlegen müssen, wollen sie im Geschäft bleiben.
Arcor hat beim Regio50- Tarif (aber ohne die Nahzone, die fest in Telekoms
Hand ist) derzeit die Nase etwas vorn.
15.12.1997 (khd). Bereits heute ist Interoute schon wieder aus dem Rennen, da
sie nur Geschäftskunden bedienen wollen. Und so liegen nun bei den
Inlandsferntarifen wieder Talkline und TelePassport vorne.
[mehr]
BONN 6.12.1997 (wop). "Ich möchte nicht vier
Telefon-Rechnungen bekommen, wenn ich im Monat 7-mal über Arcor,
23-mal über Talkline, 3-mal über TelePassport und sonst über
die Telekom telefoniere", schrieb dieser Tage Klaus W. in einem Online-
Forum. In vier Wochen könnte dieser Alptraum Wirklichkeit werden,
denn dann beginnt der Kampf um die
Telekom-Kunden. Und dabei kommt es nicht nur auf die Preise an,
sondern auch auf den Service. Die Kundenfreundlichkeit der neuen Telefon-
Gesellschaften (Telcos) kann schon jetzt daran
abgelesen werden, wie
sie es mit der Abrechnung von Ferngesprächen halten, die mit der
"Call-by-call"- Technik, also durch Vor-Vorwahl
der Netzkennzahl (Netzvorwahl) geführt werden. Denn die Intention der neuen
Kundenschutzverordnung für Telekommunikations- Dienstleistungen
(TKV)
vom Juli 1997 ist: Egal in wievielen Netzen ein Telefonanschluß
genutzt wird, es gibt immer nur
eine Rechnung von der Gesellschaft, bei der der
Anschluß besteht. Da ja aber keine der neuen Gesellschaften meinte, auch
Privatkunden einen Vollanschluß mit Orts- und Ferngesprächen
verkaufen zu wollen, verbleiben zunächst alle Anschlüsse bei der
Deutschen Telekom. Und diese ist auch bereit, eine solche
kundenfreundliche Gesamtrechnung zu liefern.
Dennoch verlangen bereits
Otelo, Talkline und andere,
daß man sich bei der Nutzung ihrer Netze von Fall zu Fall
(Call-by-call) vorher bei ihnen anmeldet, so daß sie dem Kunden eine
eigene Rechnung präsentieren können, die womöglich noch im
Lastschriftverfahren beglichen werden muß. Nutzt also ein Kunde viele
verschiedene Netze, weil das für ihn günstiger ist, erhält
er ab 1998 viele Telefon- Rechnungen. Da wird jeder leicht die
Übersicht verlieren. In der digitalen (Abrechnungs-) Welt, wo
Computer sich beliebig vernetzen lassen, sei das die absolute
Schildbürgerei, meinen kritische Kunden, die auch etwas von
Kundenrechten und der TKV verstehen. Bleibt zu hoffen, daß der
Regulierer diesem Spuk sehr schnell ein Ende bereitet. Auch sollte er sich
darum kümmern, daß alle Anbieter ihre Preise als Endpreise und
inklusive Mehrwertsteuer angeben, was beispielsweise
Communications Network
(Dresden) und
TelDaFax
(Wetter/Hessen) derzeit gesetzeswidrig nicht tun.
BONN 3.12.1997 (wop/t-off). Am 10. Dezember hat die Deutsche
Telekom einen gewichtigen Anlaß zum Feiern. Mit einem Festakt in
der Hauptvermittlungsstelle Tannenkrug in Neubrandenburg (Mecklenburg-
Vorpommern) wird der Abschluß des Netzausbaus in der ex- DDR begangen.
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl wird zusammen mit Telekom-Chef Dr. Ron
Sommer das Telekommunikations- Netz offiziell übergeben. Die Deutsche
Telekom investierte in den vergangenen sieben Jahren knapp 50 Mrd. DM in
den "Ausbau Ost". Mit der vollständigen Digitalisierung sei in
Ostdeutschland das modernste Telekommunikations- Netz der Welt fertig
geworden, so die Telekom. Ob der deutsche Regierungschef
("Daten-Autobahn"!) diesen Anlaß zu nutzen weiß, um
öffentlich einen Aktionsplan "Internet 2000" mit Weitblick und der
Digitalisierung des deutschen Kulturerbes anzukündigen, um so endlich
auch die Aufholjagd bei den deutschen Versäumnissen zu beginnen
wie es im November sein Kollege Jospin
in Frankreich tat, wird von Bonner Informations- Politikern
bezweifelt. Aber Ron Sommer wird erneut betonen: "Es ist im Moment noch
schicker, uns zu kritisieren, als anzuerkennen, was wir geleistet haben."
Siehe auch:
[Internet revolutioniert den Umgang mit
dem Wissen]
DÜSSELDORF 2.12.1997 (pep/t-off). Erneut mußte
die Telekom vor Gericht eine Niederlage einstecken. Nach einem Urteil des
Landgerichts Düsseldorf dürfen die neuen Telefongesellschaften
(Telcos) in ihren Angeboten ihre Preise mit den
Tarifen der Telekom direkt vergleichen. Die Deutsche Telekom AG wollte
solche Vergleiche verhindern. Sie hatte gegen die
First Telecom einen
Unterlassungsantrag gestellt.
[mehr]
BERLIN 2.12.1997 (t-off). Mit einer Mini- Beilage zur
Dezember- Telefonrechnung informiert die Telekom unter dem Motto "Deutsche
Telekom die sichere Seite." über Änderungen, die sich ab dem
1.1.1998 beim "uneingeschränkten Wettbewerb" in der Telekommunikation
ergeben. Und das liest sich so: "Neben der Deutschen Telekom können
Ihnen auch andere Unternehmen Telefonanschlüsse und Verbindungen
anbieten. Wir möchten weiterhin Ihr Partner in allen Bereichen der
Telekommunikation bleiben. Für Sie ist das ganz einfach: Als Kunde
der Deutschen Telekom müssen Sie am 1. Januar 1998 nichts
unternehmen."
Die Telekom bietet dann noch viele Leistungen an wie eine Gesamtrechnung
(Telekom + Fern- gespräche, die über die Netze der
Neuen laufen), eine kostenlose
Informations- Broschüre zu vielen offenen Fragen, die neuen
Geschäftsbedingungen (AGB). Aber all das muß erst bestellt
werden unter 01303000 (Fax: 01303002). Eine kunden-
freundliche Bestellkarte zum Ankreuzen, die man zeitsparend in den
nächsten Briefkasten werfen könnte, hat man aber vergessen. Und
Infos zum nunmehr kostenlosen Nachweis der einzelnen Gespräche und zur
neuen Möglichkeit auf diesem alle Rufnummern
unverkürzt erscheinen zu lassen, sucht
man vergebens. Vielleicht sollen ja Telekom- Kunden nicht zu schlau
werden. Für das Frühjahr 1998 plant die Telekom "deutliche
Tarifsenkungen".
5.12.1997 (t-off). Hinweis: Nur die Telekom-Kunden, die bereits einen
Nachweis über die einzelnen Gespräche erhalten und das ist
die Minderheit, haben (wie berichtet) mit der
November- Rechnung eine (zu kurze) Mitteilung über die Möglichkeit
der unverkürzten Angabe aller Rufnummern erhalten.
ATLANTA 29.11.1997 (wsm/t-off). Das Wissenschaftsmagazin
"Science & Technology" des Weltnachrichtensenders
CNN International berichtete am letzten
Wochenende über die Bedeutung des Internets als "Weg zum Weltfrieden".
Das Internet reiße alle nationalen Grenzen weg. Schon in 20 Jahren
werden Kinder, die per einfachem Mausklick gelernt haben, alles über
andere Länder zu erfahren, nicht mehr wissen, was Nationalismus ist.
Und so komme es entscheidend darauf an, Kinder so früh wie
möglich den richtigen Umgang mit dem Computer und dem Internet
beizubringen. Deshalb wurde schwere Kritik an den europäischen
Ländern geübt, die noch immer nicht verstanden hätten, was
die "Kultur- Revolution Internet" für die Menschheit wirklich bedeutet.
Nur in den skandinavischen Ländern und hier an der Spitze das
kleine Finnland sind die Weichen für künftige Generationen
richtig gestellt worden. Das restliche Europa und insbesondere
Deutschland und Frankreich [Ed: hier gibt's aber inzwischen
eine Aufholjagd] stehen bei
der Internet- Ausbildung und -Nutzung auf der Stufe von Dritteweltländern
[Ed: Lateinamerika!]. So bleibe es
absolut unverständlich, warum gerade die Technik- Nation Deutschland
nicht in der Lage sei, auf den (immer schneller) fahrenden Internet-Zug
adäquat aufzuspringen [Ed: zumal hier reichlich Arbeitsplätze
fehlen].
Anlaß für den CNN-Bericht war eine Konferenz zur
Informationstechnologie in Brüssel, die von der EU- Kommission
veranstaltet wurde. Internet- Guru
Nicholas
Negroponte, Autor des Buches
"Being Digital"
und Chef des innovativen Media- Labs
des MIT in Boston, belegte seine Kritik
mit dem weltweit herausragenden Negativ- Beispiel: In Deutschland habe noch
1996 der Telefon-Gigant Deutsche Telekom die Ortstarife massiv erhöht
[Ed: von 2,30 auf 4,80 DM pro Stunde!], ohne dabei an die
gesellschaftlichen Folgen wegen der Hemmung der Internet- Nutzung zu
denken, wie z. B., daß dadurch Kinder vom spielerischen Lernen des
Umgangs mit dem Internet "abgeschreckt" werden [Ed: weil ständig der
Gebührenzähler tickt]. In den USA verfüge bereits heute
fast jedes 14jährige Kind über die zum Umgang mit dem Internet
notwendige Computer- Kompetenz ("digitally literate").
[more]
[Angeklickt]
30.11.1997 (khd). Es ist zu begrüßen, daß CNN dieses
wichtige Thema aufgegriffen sowie die deutliche Kritik an deutscher
Technologie- Politik einer Weltöffentlichkeit präsentiert hat.
Aber nicht nur die Telekom behindert die Nutzung des Internets mit ihrer
irrationalen Tarifpolitik (und eine Alternative ist nicht in Sicht),
insbesondere ist es die konzeptionsarme Bonner
Politik, die dazu geführt hat, und die mit völlig
unzulänglichen Maßnahmen digitale Informations- Technologien
glaubt zu (be)fördern. Die Phönizier haben uns vor fast 3000
Jahren das Alphabet geschenkt, und damit konnte das Wissen der
Menschheit zwar bisher dokumentiert, aber nicht direkt untereinander
verknüpft werden, geschweige denn jedermann schnell zugänglich
gemacht werden.
Erst mit der Erfindung des World- Wide- Web im Internet
(CERN)
haben wir seit Anfang der 90er Jahre diese neue Dimension durch Hyper- Links
(erfunden bei Apple Computer) dazugewonnen. Und das ist die eigentliche
"Kultur- Revolution Internet". Vermutlich haben sich deutsche Politiker nie
klargemacht, was das tatsächlich für die Gesellschaft von morgen
bedeutet, sonst würden sie anders und entschlossener
(wie in Frankreich) handeln. Und
wenn dann noch wie am 25.11.1997 kleinkrämerische,
kommerzielle Internet Service Provider (ISP) in Deutschland meinen, sie
müßten durch Bestreiken der Universitäten Internet- Krieg
aus zu durchsichtigen Gründen spielen, kann man sich angesichts von so
viel Ignoranz nur noch abwenden und sich still denken: "Die kapieren das nie."
[Was wir in Deutschland wirklich
brauchen]
4.12.1997 (t-off). Die 16 aufmüpfigen ISPs, darunter CompuServe,
Internet Services, Nacamar, Seicom, UUnet und XLink, haben sich gestern Abend
mit dem DFN (Verwalter des deutschen Wissenschaftsnetzes WIN) in Bonn geeinigt.
Für eine einmalige Zahlung von 1 Mill. Mark können sie nun 1998
und 1999 reichlich Qualität von den deutschen Universitäten
beziehen. Ein echtes Schnäppchen!
BERLIN 27.11.1997 (t-off). Ein Telefonat von Berlin nach
Potsdam (Vorwahl 0331), Teltow (Vorwahl 03328) oder noch weiteren 16
Vororten im brandenburgischen Umland ist derzeit ein Gespräch in der
"Nahzone" der Telekom, das als Ortsgespräch berechnet wird. Auch in
anderen deutschen Städten gibt es solche kunden- freundlichen
Nahzonen- Regelungen. Aber ab Januar könnte es nun Ärger beim
Telefonieren im Nahbereich geben. Nämlich dann, wenn ein
Telekom-Kunde für seinen Anschluß eine
Voreinstellung (Pre-selection) auf das Netz einer der
neuen Telefongesellschaften (Telcos) hat
vornehmen lassen. Da kann dann aus einem vermeintlichen Ortsgespräch
schnell ein teureres Regional- oder Ferngespräch werden, ohne
daß der Kunde das ahnt. Er wird es erst auf seiner Telefon- Rechnung
erkennen. Denn hat der Nachbarort eine andere Ortskennzahl (Vorwahl), ist
aber über das Telekom- Netz zum Ortstarif erreichbar, dann wird nach
der Voreinstellung eines anderen Netzes auch dieses Gespräch über
dieses Netz geleitet. Und da die neuen Telcos noch keine
Ortsgespräche kennen, wird das Gespräch teurer berechnet werden.
Die Ursache dafür liegt aber in der Vermittlungstechnik der Telekom,
da diese einen solchen Sonderfall offensichtlich nicht erkennen kann. Alle
Gespräche, die mit einer "0" beginnen, werden auf das andere Netz
geleitet. Noch ist Zeit, den drohenden Ärger mit den Kunden
abzuwenden.
[mehr]
BONN 25.11.1997 (wop/t-off). Sollte bereits der Druck der
EU-Kommission ausgereicht haben? Denn was die Telekom noch
im September heftig dementierte, soll nun
schon 1998 Wirklichkeit werden. Die Deutsche Telekom AG will ihr
Kabelfernsehnetz in eine eigene Gesellschaft ausgliedern. Die
Brüsseler Wettbewerbshüter
und die Deutsche
Monopolkommission
hatten immer wieder gefordert, Telefon- und Kabelfernsehnetz dürfen
nicht in einer Hand liegen. Die EU- Kommission kündigte heute an, die
neuen Telekom- Pläne zu prüfen, insbesondere, ob die Telekom
dabei wirklich weit genug gehe, denn eine reine Ausgliederung genüge
nicht. Alles hängt nun von der Konstruktion der neuen Gesellschaft
sowie von der Art der Anteilseigner ab. Der Verband der Privaten
Kabelnetzbetreiber, der der Telekom im TV-Kabelbereich mehrfach
Monopolistengebaren vorgeworfen hatte, wertet die Telekom- Ankündigung
als "überfälligen ersten Schritt in die richtige Richtung".
Berlins Medienkontrolleur Hans Hege ist da schon skeptischer, denn er meint,
am Ernst der Telekom seien "erhebliche Zweifel" erlaubt. Die Telekom habe
kein Interesse an echtem Wettbewerb zwischen Kabel- und Telefonnetz [Ed: wie
er bereits in den USA bei der
Internet-Nutzung entsteht].
[mehr]
[Hintergrund]
[Vorgeschichte]
BONN 24.11.1997 (ct/t-off). Die
Kritik an der Entschädigungspraxis zeigt jetzt Wirkung. T-Online
wird die Telefonkosten von vergeblichen Einwahlversuche erstatten. Seit
der Einführung neuer Software im Juli kam es zunächst zu einem Desaster, und noch immer kommt es zu
häufig zu erfolglosen Verbindungen zu Europas größtem
Online-Dienst. Die Telekom-Tochter T-Online will die Entgelte
rückwirkend ab September mit der Dezember- Rechnung gutschreiben.
Erstattungen für die Folgemonate würden jeweils einen Monat
später vergütet. Diese automatischen Erstattung betrifft alle
kurzen Verbindungen mit nur einer Tarifeinheit zur Rufnummer 0191011, bei
denen der Zugang aus technischen Gründen nicht zustandekam.
[mehr]
[Internet: Auf die Ausbildung der Kinder kommt
es an]
[Kommentar: Was wir in Deutschland wirklich
brauchen]
[Internet revolutioniert den Umgang mit
dem Wissen]
[Zorn:
Über die verfehlte deutsche Internet-Politik]
[Teil 1: Wie entsteht die Telefonrechnung?]
[Teil 2: Sind Telefon-Abrechnungssysteme
kontrollierbar?]
Wer aber (noch) nicht weiß, welche Gesellschaft am günstigsten ist, der kann es auch bei der Pre- selection der Telekom belassen und das ist die flexiblere Lösung. Denn die digitale Welt der Telefonie macht es möglich, daß bei jedem Gespräch durch zusätzliche Vorwahl (sozusagen durch Vor-Vorwahl) der Netzkennzahl ein alternatives (billigeres) Telco-Netz benutzt werden kann (Call-by-call). So wird es möglich, immer den zum jeweiligen Gesprächszeitpunkt günstigsten Anbieter auszuwählen [Tarif-Matrix]. Dazu muß dann aber explizit die Telco- Netzkennzahl (010xy), danach die Landes- und Ortsnetzkennzahl und die Rufnummer wie bisher üblich gewählt werden. Auch diese Gespräche erscheinen auf der Rechnung des Primär-Anbieters, also zunächst in den meisten Fällen auf der Telekom- Rechnung, natürlich mit den günstigeren Preisen der anderen Gesellschaft. Damit das einwandfrei funktioniert, sind an das richtige Zusammenspiel der digitalen Abrechnungssysteme der beteiligten Telcos hohe Anforderungen zu stellen [Ed: und hier ist noch so manches ungeklärt!]. So jedenfalls hat sich das der Gesetz- und Verordnungsgeber bei der Deregulierung gedacht. Da aber (noch) nicht alle Telcos mit der Telekom kundenfreundliche Inkasso- Abkommen abgeschlossen haben, kann es notwendig werden, sich vorher bei den gewünschten anderen Telefongesellschaften gesondert anzumelden. [Fortsetzung]
| Call-by-call | Pre-selection | Vollanschluß |
| Einzelwahlverfahren für Fern- gespräche mit Vor- Vorwahl der Netzkennzahl der Telefon- Gesellschaft (Telco). Unter echtem Call-by-call versteht man, daß keinerlei Vorbedingungen (Vertrag, Voranmeldung usw.) zu erfüllen sind. Man kann also spontan von Fall zu Fall über ein günstiges Netz telefonieren. | Voreinstellungsverfahren für Ferngespräche. Die Netzkennzahl einer anderen Telefon- Gesellschaft (Telco) wird vom Anschluß- Lieferanten (z. B. Telekom) fest auf ein alternatives Netz eingestellt, so daß alle Telefonate, die mit einer Null beginnen, automatisch über dieses Fremdnetz laufen. Man beachte das Nahzonen- Problem! | Direktanschluß bei einer Telefon- Gesellschaft (Telco), die einen Vollservice mit Anschluß, Orts- und Fern- gesprächen bietet (Voll- anbieter). Die Deutsche Telekom ist derzeit bundesweit der einzige Vollanbieter. |
| Wie funktioniert
es? Man sucht sich den jeweils billigsten Ferntarif aus, z. B. mit der Tarif-Matrix. Zunächst ist die 5stellige Netzkennzahl zu wählen. Dann die komplette Rufnummer, bestehend aus Landes- und Ortsnetz- Kennzahl inklusive der führenden Null(en) und die Telefonnummer des Teilnehmers. |
Wie funktioniert
es? Man schließt mit einer (neuen) Telefon- Gesellschaft (Telco) seines Vertrauens einen festen Vertrag ab, wobei auf das Kleingedruckte zu achten ist (z. B. Vertragsdauer, Mindestumsatz, Extra- Gebühren, Bezahlart usw.). Die Wahl von Ferngesprächen erfolgt dann wie bisher, also ohne Vor- Vorwahl einer Netzkennzahl. Andere Netze können aber zusätzlich per Call-by-call genutzt werden. |
Wie funktioniert
es? Man schließ mit einer (neuen) Telefon- Gesellschaft (Telco) einen festen Vertrag, wobei auf das Kleingedruckte zu achten ist (z. B. Vertrags- dauer, Mindestumsatz, Extra- Gebühren, Bezahlart usw.). Sämtliche Telefonate (Orts- und Ferngespräche) laufen über dessen Netz. Aber auch hier ist das Call-by-call möglich. Für Privatkunden kann das bis auf weiteres nur die Telekom sein, da es bundesweit noch keinen weiteren Vollanbieter gibt (Ausnahme: Regionale Vollanbieter wie in Köln). |
| Rechnung: Der Anschluß-Lieferant (Telekom) liefert eine Gesamtrechnung mit den Fremdgebühren. Eine kostenlose Einzelaufstellung aller Gespräche kann verlangt werden. |
Rechnung: Man erhält zwei Rechnungen, eine vom Anschluß-Lieferanten (Telekom für die Ortsgespräche) und eine vom zusätzlichen Vertragspartner für die Ferngespräche. |
Rechnung: Die Gesamtrechnung kommt vom (neuen) Vertragspartner. |
| Hinweise: Bei unechtem Call-by-call ist es notwendig, sich vorher bei allen gewünschten Telefon- Gesellschaften registrieren zu lassen. Die Rechnungen für die Ferngespräche kommen dann von allen Anbietern, über deren Netze telefoniert wurde. |
Hinweise: Die Telekom will dafür eine einmalige Umschaltgebühr von 94,99 DM haben. Diese Gebühr ist umstritten. |
Hinweise: Die Telekom will dafür eine einmalige Wechselgebühr von 53,00 DM haben, falls man seine alte Rufnummer mitnehmen möchte. Diese Gebühr ist umstritten. |
24.11.1997 (t-off). Was passiert aber, wenn ein Telekom- Kunde bei einer Netz-Voreinstellung (Pre-selection) auf beispielsweise Otelo (Netz "11") eine Ortsverbindung durch Mitwahl der Ortskennzahl herstellt, also z. B. in Berlin 030987... wählt? Bislang wurde das wie ein normales Ortsgespräch behandelt. [mehr]
WELLINGTON/BONN 22.11.1997 (t-off). Im oft als Wirtschaftsmusterland angesehenen Neuseeland telefoniert man im Ortsnetz für weniger als 0,1 Pfennig pro Minute. Das ergibt sich, wenn man den dort gültigen monatlichen Pauschalpreis (Flat-rate) von 36,91 NZ $ (rund 40 DM), der unbegrenzt alle Ortsgespräche enthält, auf die 43.200 Minuten eines Monats (30 Tage) umlegt. Der deutsche Telekom-Tagestarif liegt mit 8 Pfennig pro Minute beim über 80fachen (!), und dabei ist noch nicht einmal die in Deutschland fällige Grundgebühr von 24,60 DM berücksichtigt [Ed: Interconnection- Tarif = 1,97 Pf/Min + MwSt].
Aber nach Auffassung der Deutschen Telekom AG (Bonn), im WWW des Internets nachzulesen unter http://www.telekom.de/aktuell/oecd/right.htm, ist es nur ein "geschürtes Vorurteil", daß "die Deutsche Telekom auch international gesehen teurer als andere große Netzbetreiber" sei. Nun sprechen alle knallharten Fakten über die USA und anderswo dafür, daß die Telekom im Ortsbereich extrem teuer ist, wie auch der c't-Spezialreport vom Oktober zeigt. Leider nimmt die Öffentlichkeit das kaum zur Kenntnis, und so darf die Deutsche Telekom noch immer (im Internet) behaupten: "Unser Preis- Leistungs- Angebot ist ausgezeichnet."
Ach, Sie glauben nicht, daß das Telefonieren in Neuseeland so billig ist. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild. Holen Sie sich zunächst den "Online Currency Converter" aus den USA zur bequemen Währungsumrechnung auf den Bildschirm. Dann gehen Sie zur Ortstarifseite (Residential Information) der Telecom New Zealand. Sie werden auch feststellen, daß es neben dem Standardtarif "HomeLine" für umgerechnet 40 Mark noch einen Tarif für Wenigtelefonierer gibt. Dieser beträgt rund 28 DM pro Monat, wobei jedes Ortsgespräch 22 Pfennig kostet, bei einem Zeittakt von 2 Stunden (!). In Neuseeland ist es bei diesen fairen Preisen gängige Praxis, daß sich Kunden zwei Vollanschlüsse zulegen, einen zum Telefonieren und den anderen (quasi) als Standleitung zum Internet. Und was könnte die Deutsche Telekom mit solchen Doppelanschlüssen verdienen, wenn sie auch einen Pauschaltarif mit 40 Mark pro Monat und Anschluß, der bereits alle Ortsgespräche beinhaltet, anbieten würde.
BERLIN 20.11.1997 (khd/t-off). Am letzten Wochenende startete "t-off" eine Artikelserie über die Möglichkeit der zusätzlichen Nutzung des Kabelfernsehnetzes zur Telekommunikation, die in den Medien bisher eher wenig beachtet wurde. Auch dieses Thema wirft ein Schlaglicht auf schwere politische und technische Versäumnisse in Deutschland. Und es muß auch hier die Frage gestellt werden, ob Deutschland außen vor bleibt, weil nicht rechtzeitig im Lande zukunftsweisende Digital- Technik entwickelt wurde [Ed: ISDN ist es nämlich nicht!]. Das aktuelle Jammern der Kommunikations- Industrie ist da wenig hilfreich. Denn mit einer geeigneten Ergänzung des TV- Kabelnetzes ließen sich beispielsweise viele Haushalte und Kleinbetriebe mit einer bezahlbaren Standleitung zum Internet versorgen. Etwas Hoffnung keimt jetzt auf: Am Montag gab Siemens eine Kooperation mit Motorola bekannt. Sie wollen so (wenigstens) das Telefonieren über Kabelfernsehnetze vorantreiben.
In der Serie, deren Artikel in zwangsloser Folge erscheinen sollen, werden
wir erfahren: Wo es bei uns hakt, was beim Vorreiter USA und in anderen
Ländern passiert, daß sich nun auch Microsoft in diesen
lukrativen Markt eingemischt hat, was mit dem Telekom- Netz nicht stimmt,
und daß bisher auch die private Kabelkonkurrenz der Telekom diese
Chance verschlafen hat. Auch erhalten wir eine Antwort auf die Frage,
warum denn nun der T- Wettbewerb im Ortsnetz entschieden werden wird.
Lesen Sie im...
[Teil 1:
Konkurrenz zwischen Telefon- und TV-Kabelnetz]
[Teil 2:
Großbritanniens Kabelnetzbetreiber planen Kooperation mit @Home]
BERLIN 16.11.1997 (t-off). Seit dem die Franzosen eine neue (Links-) Regierung haben, tut sich etwas bei der Zukunftstechnik, dem Internet. Binnen zwei Jahren sollen in Frankreich alle Schulen fest ans Internet angeschlossen werden. Mit einem Kraftakt sollen nun ganz schnell die Versäumnisse der früheren (Rechts-) Regierung überwunden werden, zum Wohle der Grande Nation, auch um Beschäftigung zu schaffen. Und auch die France Télécom beteiligt sich kräftig bei der Aufholjagd. Im Oktober spendierte sie billigere Internet- Telefontarife. Zusammen mit Matra und Alcatel entwickelt sie ein preiswertes Internet- Terminal (NC) für jedermann. [mehr]
Anders die Deutsche Telekom AG: Sie sehe sich in erster Linie nicht mehr länger als ein deutsches Unternehmen an. "Wir sehen uns selbst als ein internationales Unternehmen mit Sitz in Deutschland", sagte doch unlängst Telekom- Chef Dr. Ron Sommer in New York. Und er dachte sich wohl dabei, daß sie deshalb auch das Recht haben, einen so hohen Wegezoll auf deutschen Infobahnen abzukassieren, um so bequem ihre Geschäfte in Übersee finanzieren zu können [Ed: und womöglich gibt es dort im Ortsbereich Pauschaltarife (Flat- rates)]. Und der deutsche "Premierminister" weiß zu alledem nichts zu sagen. Vielleicht sollte er ja seinen französischen Kollegen Jospin um Rat bitten.
Daß in der Wirtschaft auch einmal David den Goliath schlucken kann, verwunderte schon. WorldCom kaufte MCI für 37 Mrd. US-Dollar. Zur Erinnerung: WorldCom bedient den Deutschen Bundestag seit 1996 mit günstigen Telefon- Dienstleistungen, oder macht das inzwischen doch wieder die Telekom?
HAMBURG 16.11.1997 (ws/t-off). Ron Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, beteuert immer wieder, daß die Telefontarife der Telekom denen der USA in nichts nachstehen. Doch es kann leicht über das Internet nachgeprüft werden, daß es in den USA, Kanada, Australien und auch in anderen Ländern monatliche Pauschaltarife (flat rates) für den Ortsbereich oder alternativ fixe Kosten pro Ortsverbindung gibt. Vorbeugend wird aus Telekom-Kreisen gerne das Gerücht gestreut, diese Pauschaltarife wären eine Sackgasse und würden früher oder später abgeschafft werden. "Pauschaltarife sind ein Auslaufmodell", so die Telekom. Aber stimmt das wirklich, wenn es richtige Konkurrenz bei den Endkundenzugängen gibt? Angesichts technologischen Fortschritts wird Bandbreite immer günstiger, nur die Privatkunden der Deutschen Telekom merken bei der Internet- Nutzung davon wenig. [mehr]
DÜSSELDORF 15.11.1997 (am/t-off). Im Internet beantwortet Otelo-Chef Ulf Bohla jetzt viele Fragen zum Telekommunikationsmarkt ab 1998. Eine der am häufigsten gestellten Fragen an die RWE- und Veba- Tochter ist natürlich: "Warum bietet o.tel.o zunächst keine Ortsgespräche an?" Und Ulf Bohla redet sich am 11. November 1997 (!) so heraus: "Im Ortsbereich sind alle neuen Wettbewerber anfangs auf das Netz der Telekom angewiesen. Das heißt, Ortsgespräche laufen nach dem 1. Januar 1998 noch über deren Netz [Ed: auch die Ferngespräche, was die "letzte Meile" zum Kunden angeht!]. Deshalb können wir unseren Kunden hier keinen Preisvorteil bieten. Wir verhandeln jedoch mit der Telekom über die künftige Nutzung ihres Netzes [Ed: Otelo hat aber seit Ende Oktober mit der Telekom einen Vertrag über die Zusammenschaltung ihrer Netze und es gelten dabei die angeordneten Interconnection- Tarife, auch für den Orts-/City- Bereich!]. Davon wird abhängen, wie schnell wir auch Ortsgespräche anbieten werden [Ed: bei wirklicher Kundenorientierung geht das also ab dem 1.1.1998!]. Selbstverständlich können unsere Kunden aber wie gewohnt mit jedem beliebigen Gesprächspartner telefonieren egal, wie weit entfernt er ist." Otelo will genaue Preise erst "kurz vor dem Markeintritt" nennen. [mehr Otelo]

FRANKFURT/MAIN 14.11.1997 (ant/t-off). Bankgeschäfte vom heimischen Computer sollen dank eines neuen technischen Standards sicherer und einfacher werden. Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) stellte gestern in Frankfurt am Main das HBCI-System (Home Banking Computer Interface) vor, das bis zum Jahresende bei allen Banken eingeführt werden soll. Die größten Vorteile sollen sein: Höhere Datensicherheit sowie Verträglichkeit mit dem offenen Internet (kein Abo eines Online-Dienstes ist notwendig, ein Internet-Provider reicht) und allen Computer- Systemen. Das Verfahren soll zudem Bankkunden unabhängig von Telekoms T-Online machen, bei dem bislang alle Transaktionen ungesichert über die Leitungen laufen, also "abgehört" werden können.
Das neue Verfahren basiert auf dem RSA- Kryptierverfahren, funktioniert also mit einer Verschlüsselung aller übertragenen Daten. Mit einem privaten Schlüssel (auf einer Chip-Karte oder Diskette) versieht der Kunde jeden Bankauftrag mit seiner unverwechselbaren elektronischen Signatur. Die PIN- und TAN- Nummern werden abgeschafft. Ob diese deutsche "Norm" aber auch den "Elchtest der Computer- Sicherheit" im Verbund mit beliebten Home- banking- Programmen bestanden hat, teilte der BdB leider nicht mit [Ed: "PC-Praxis" berichtete gestern über Sicherheitsmängel bei den Programmen Quicken und Money sowie bei T-Online]. Insofern könnte es in der Praxis durchaus noch zu Überraschungen kommen. Dafür berichtete der BdB über die Ersparnisse der Banken beim Homebanking gegenüber einer Schalterbedienung (1,50 bis 2,50 DM pro Transaktion), aber nicht darüber, wie diese denn nun an die Kunden weitergegeben werden sollen, um so das Homebanking billig zu machen. Denn laut Stiftung Warentest ist es derzeit noch immer ein (zu) teurer Spaß, auch wegen der hohen Telefon- Ortstarife.
BONN 13.11.1997 (pos/t-off). Die Deutsche Telekom AG strukturiert ab Januar 1998 ihr Unternehmen um. Die Vertriebs- und Service- Aktivitäten für Privat- und Geschäftskunden werden in einem neuen Vorstandsbereich "Vertrieb" zusammengefaßt, der vom Vorstand Deltlev Buchal geleitet werden wird. Der bisherige Geschäftskunden- Bereich wird dann zum Vorstandsbereich "Globales Systemgeschäft". Dieser soll sich verstärkt um das Multimedia- Geschäft kümmern. Der Vorstandsbereich "Netze" wird um die Sparten "Breitbandkabel" und "Diensteanbieter" erweitert [Ed: was die von der EU und der Monopolkommission geforderte sowie marktwirtschaftlich dringend gebotene Über- führung in ein getrenntes Unternehmen erleichtern könnte].
Die Telekom wird Anfang Dezember ihre ab 1998 geltenden neuen Telefontarife vorstellen. Erwartet werden allerdings nur mäßige Preissenkungen, insbesondere für "Viel- und Langtelefonierer" bei Ferngesprächen. Ob es angesichts der totalen Wettbewerbs- Untüchtigkeit der Konkurrenz im Ortsbereich zu einer Preisabsenkung kommen wird, ist fraglich. Denn es besteht dazu aus Sicht der Telekom nunmehr keine Notwendigkeit.
23.11.1997 (t-off). Voilà! Wie das Hamburger "Manager- Magazin" jetzt berichtet, will nun die Deutsche Telekom doch ihr Kabelfernsehgeschäft privatisieren, wie bereits in obiger Ed-Anmerkung vermutet wurde. [mehr]
BERLIN 12.11.1997 (t-off). Der scharfe Wettbewerb ("Globalisierung") produziert nicht nur hohe Gewinne bei einigen sondern auch einen gesellschaftlichen Werteverfall. Durch den skrupellosen Einsatz von Wirtschaftsmacht kommen hohe Werte wie Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit immer häufiger unter die Räder (Beispiel: Telekom bestraft ARD, was inzwischen beigelegt ist). DIE WELT berichtete unlängst über schlimme Zustände in den USA, wo die Manager wohl nur noch den Shareholder- value im Kopf haben. [mehr]
Nun soll auch in Deutschland das Internet aus der Steckdose kommen. In Leverkusen will die TeleLev, eine kleine Tochter der RWE-Telliance, diese Telekommunikation im nächsten Jahr mit ihrem Projekt PowerLine ausprobieren. Ob sie die besonderen Probleme (Bandbreite, Sicherheit) dieser Telekom-Alternative in den Griff bekommt, muß abgewartet werden. Unterdessen spricht die wenig belehrbare Telekom bei den angeordneten Interconnection-Tarifen von "Dumping- Preisen", wogegen das Bundeskartellamt diese Preise als noch zu hoch ansieht.
Beim Digital-TV spielt die digitale Dreierbande BerTelKirch (taz) mit der EU- Kommission Katz und Maus, auch wenn diese mit drastischen Strafen drohte. Immerhin wollten BerTelKirch ihre Pay-TV- Verträge nun am Montag doch noch nach Brüssel schaffen.
Und in Bonn machten sich die Parteien Gedanken über die neue Telekom- Regulierungsbehörde. Denn mit 2.800 Mitarbeitern läßt sich gut regulieren, möchte man meinen. Ob man aber damit auch endlich die Kontrolle der Abrechnungssysteme der Telcos in den Griff bekommen wird, interessierte die Parteien nicht. Auch war es kein Thema, ob nun 1998 Ortsnetz-Wettbewerb stattfindet oder nicht, und was aus dem 1996 versprochenen Internet- Telefontarif wird.
BONN 11.11.1997 (fa/t-off). Nach Infos aus dem Internet haben sich die Großen der neuen Telefongesellschaften (Telcos) wie Arcor und Otelo unlängst in einem "Arbeitskreis" zusammen mit Telco- Ausrüstern darauf geeinigt, den Ortsbereich vorerst konkurrenzlos der Deutschen Telekom zu überlassen. Man wolle sich zunächst nur auf die Vermittlung von Ferngesprächen konzentrieren und erst ab Ende 1998 im Geschäft mit den Ortsverbindungen [Ed: und Internet?] aktiv werden. Grund: Die Interconnection- Tarife seien zu hoch und Investitionen in Alternativen zur Telekom bedürfen erheblicher Mittel, die erst mit den Ferngesprächen der Geschäftskunden verdient werden sollen. Lokale Telcos wie HanseNet und NetCologne wollen diesen Totalausfall von Wettbewerb nun nutzen, um zu versuchen, in ihrer Region schon eher Ortsgespräche preisgünstiger anbieten zu können. Ob allerdings eine solche Marktteilung durch Absprache Rechtens ist, muß jetzt der Postminister als staatlicher Regulierer klären. Oder ist hier doch das Bundeskartellamt zuständig?
12.11.1997 (khd). Es ist schon sehr bezeichnend, daß die Neuen erstmal auf den Ortsnetz- Wettbewerb verzichten wollen und damit die Privatkunden massiv verprellen. Hatten sie doch noch im Herbst 1996 vollmundig für 1998 einen Vollservice für alle versprochen. Und so verdichtet sich der Eindruck, daß sie den Ortsbereich eigentlich gar nicht wollen, sondern ihn nur zur strategischen Sicherung (wg. der Ferngespräche via Internet- Telefonie) besetzen werden. So kommt es ihnen auch sehr gelegen, daß die Ortsgespräche noch immer so teuer sind. Denn so kann sich in Deutschland die Internet- Nutzung, auch mit Telefonie, nur äußerst langsam entwickeln. Am fehlenden Geld kann es auch nicht liegen. Denn die Kriegskassen der "Mütter" (die Stromriesen) sind sehr reichlich gefüllt. US-Telcos wie WorldCom nun mit MCI könnten ihnen aber noch einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Denn wer auf Retardismus und ein Oligopol setzt, hat es noch immer nicht verstanden: Der Wettbewerb wird nur im Ortsnetz entschieden! 14.11.1997 (t-off). Und in der Newsgruppe "de.comm.service+tarife" des Internets schreibt heute EDV-Berater Wolfgang B. zu diesem Thema: "Was hast Du denn erwartet bei der Herkunft der meisten Telekom- Wettbewerber? Das sind durchweg gestandene Monopolisten aus dem Energiebereich, wo sie seit Jahrzehnten alles getan haben, um Wettbewerb zu verhindern."
STUTTGART 9.11.1997 (wt/t-off). Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage des Magazins "connect" sind rund 64 % aller Bundesbürger bereit, bei günstigen Tarifen zu einer der neuen Telefon- Gesellschaften (Telcos) zu wechseln. Schon bei einem bis zu 10 % niedrigeren Preis wollen 30 % von der Telekom weg. Für 28 % müßte die Preissenkung bei den Neuen zwischen 10 und 30 % ausfallen, bei 5 % müßten es schon mehr als 40 % sein. Nur 27 % der repräsentativ Befragten wollen auf jeden Fall bei der Telekom bleiben. Ob die Befragten auch wechseln würden, wenn sich die erhofften Preissenkungen nur auf Ferngespräche beziehen, d. h. sich bei den hohen Ortsgesprächs- Preisen keine wesentlichen Änderungen ergeben sollten, klärte die Umfrage allerdings nicht. [mehr].
Inzwischen hat die Stuttgarter Zeitschrift "connect" ein spezielles Liberalisierungsforum im Internet eingerichtet. Dort können u. a. Tarife der Telefon- Gesellschaften unmittelbar nach ihrer Publikation recherchiert werden. Gebührenvergleiche sowie Kommentierungen sollen dieses Web-Angebot abrunden.
BONN 8.11.1997 (wop/t-off). Mit einem lange währenden Ärgernis ist demnächst Schluß. Alle Telefon-Kunden können endlich einen lesbaren "Kassenbon" für ihre Telefonate erhalten. Denn ab Januar 1998 müssen die Telefon- Gesellschaften auch die Telekom ihren Kunden immer eine vollständige Abrechnung mit einer Liste aller Verbindungen kostenlos liefern. Das hatte die Bundesregierung bereits im Juli in der neuen Verordnung für den Kundenschutz für Telekommunikationsdienstleistungen (TKV) vorgeschrieben [t-off berichtete].
Die Deutsche Telekom führt zum 1. Januar 1998 zudem die Möglichkeit ein, bei diesen Nachweisen auf das Verkürzen der Rufnummern zu verzichten, wenn der Kunde das wünscht. In Bonn halten sich allerdings Gerüchte, daß die Telekom für das Nichtverkürzen von den Kunden eine Extragebühr kassieren möchte. Die TKV gibt das eigentlich nicht her, und so könnte es zu neuem Rechtsstreit mit Kunden kommen. Denn erst ohne die "XXX" wird eine Telefon- Rechnung wirklich kontrollierbar, vor allem in Ortsnetzen mit nur 45ziffrigen Rufnummern. Telekom-Kunden, die ab 1998 solche nachvollziehbaren Rechnungen haben möchten, müssen diese bei der (kostenfreien) Telekom- Hotline 01114 beantragen. Bei Kunden, die das nicht beantragen, werden alle Rufnummern (weiterhin) um drei Ziffern verkürzt. [mehr] [noch mehr]
BRÜSSEL 5.11.1997 (cref/t-off). Nicht nur bei den Renten, dem Stopfen von immer neuen Haushaltslöchern und der Schaffung eines modernen Steuersystems bietet derzeit die Bonner Regierung ein äußerst trauriges Bild. Nun droht auch noch die Liberalisierung des Telekom- Marktes zum Fiasko zu werden. Die Bundesregierung erhielt heute von der Brüsseler EU-Kommission eine schallende Ohrfeige. Denn es fehlen (auch) in Deutschland noch immer technische und gesetzliche Regelungen, die einen fairen und freien Wettbewerb auf diesem Zukunfts-Markt ab 1998 garantieren. Deshalb hat jetzt die Kommission ein Klage- Verfahren eingeleitet. Die Bundesregierung kann das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof nur noch abwenden, wenn sie unverzüglich für Abhilfe sorgt.
So hätte schon bis zum 13. Dezember 1996 (!) für den Monopolisten Deutsche Telekom AG ein transparentes und nachvollziehbares internes Kostenrechnungssystem eingeführt sein müssen. Es existiert aber noch immer nicht, wie es die Festsetzung der Interconnection- Tarife (Telekom: "Dumpingpreise") zeigte, wo die Telekom auch 1997 schlichtweg nicht in der Lage war, prüfungsfähige Kostenunterlagen dem Regulierer Bötsch vorzulegen. Auch könne die Telekom Geheimniskrämerei bei den Netzzusammenschaltungen betreiben. Deren Bedingungen sowie die Preise müssen aber veröffentlicht werden, schreibt die EU- Kommission nach Bonn. Und Bonn habe all dieses nicht gesetzlich geregelt. Ob der amtsmüde Postminister Bötsch (CSU) dieses noch in einem letzten Kraftakt bis zum Jahresende korrigieren kann, wird allerdings in Bonn als eher unwahrscheinlich gehalten. [mehr]
6.11.1997 (khd). Und das wirft nun nochmals ein Schlaglicht auf die "Tarifreform 96", bei der u. a. die Tages-Ortstarife willkürlich auf 4,80 DM pro Stunde angehoben wurden. Dieser Preiserhöhung kann damals aber keine solide Kostenanalyse zugrunde gelegt worden sein. Denn es gab ja bei der Deutschen Telekom gar kein aussagekräftiges Kostenrechnungssystem, das das hätte leisten können. Die Begründung der EU- Klage erhöht so die Chancen der Kläger im Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof beträchtlich. Es wird nun immer wahrscheinlicher, daß Karlsruhe die "Tarifreform 96" kippen dürfte. Die Telekom ist kein "Mischkalkulator", wie noch das OLG München im Juli meinte. Nach EU-Recht müssen sich die Telefon-Preise an den tatsächlich entstehenden und belegbaren Kosten orientieren und nicht an irgendwelchen Kostenbehauptungen. Aber die Telekom meinte ja, das sei alles "viel Lärm um nichts".
BERLIN 4.11.1997 (tsp/t-off). Medienmogul Leo Kirch steht fast am Ziel seiner Träume, den Fernsehsender Sat.1 ganz unter seine Kontrolle zu bringen. Sollte das Bundeskartellamt den Anteils- Verkauf der Holtzbrinck-Gruppe (15 % ) an Kirch genehmigen, würde dieser mit 58 % bei Sat.1 endlich frei schalten und walten können. Für die Berliner Wettbewerbshüter ist das ein "großer Fall", der sehr eingehend geprüft werden müsse, sagte ein Sprecher dem Berliner "Tagesspiegel". Das Bundeskartellamt muß prüfen, ob durch den Erwerb eine marktbeherrschende Stellung von Kirch auf dem TV- Werbemarkt entsteht. Auf diesem gebe es ein "sehr enges Oligopol". Bisher, sei man davon ausgegangen, daß es zwischen den Medienkonzernen Bertelsmann und der Kirch- Gruppe Wettbewerb gibt. Nach dieser Übernahme müsse man nun prüfen, "ob das auch so bleibt". Denn beim Digital- TV sitzen bereits BerTelKirch seit kurzem in einem Boot, und diese haben zudem Kirchs d-Box als deutschen "Standard" zur Digital- Decodierung durchgedrückt. Sie haben damit das Decoder- Monopol. [Kommentar]
BERLIN 3.11.1997 (t-off). Seit dem 1. November gibt es nun Digital-TV im Telekom- Kabel, mit Versuchslizenzen der Bundesländer. Und nach einem Bericht des SPIEGEL (45/1997, Seite 112) ist der Streit um die d-Box mit der ARD beigelegt. Urplötzlich ist nun auch die ARD zufrieden mit der angestaubten Technik der d-Box, was kein gutes Omen fürs Digital-TV ist. [mehr]
In München hat Ministerpräsident Stoiber (CSU) verstanden, worum es beim Internet wirklich geht. Anläßlich der "Systems 97" forderte er jetzt als erster Politiker einen billigen Internet- Telefontarif. Denn für die meisten Internet- Nutzer ist das Surfen durch kommerzielle Web- Angebote viel zu teuer. Deshalb müssen sich 80 % nur mit der Nutzung von E-Mail begnügen. Die Telekom und Otelo haben nun einen Vertrag über die Zusammenschaltung ihrer Netze. Und T-Online will bei den noch immer auftretenden Verbindungsabbrüchen eher verdienen als dienen.
Zur Diskussion über die Einführung des Digital- TV steuerte jetzt RTL-Chef Helmut Thoma eine interessante Erkenntnis bei. So schrieb er im RTL- Businessletter in einem Plädoyer für flexiblere TV- Werberegeln: "In den USA gibt es weder eine Liste noch Ministerpräsidenten, und trotzdem laufen alle großen Sportereignisse im FreeTV."
MAINZ 31.10.1997 (t-off). Nach einem Bericht des ZDF ("Heute") prüft derzeit das Bundespostministerium die Einleitung eines Preismißbrauchsverfahrens gegen die Deutsche Telekom AG wegen der zum 1. November eingeführten Preiserhöhung beim Kabelfernsehen. Schützenhilfe erhält der Regulierer vom Bundeskartellamt, das hierin einen klaren Fall eines Mißbrauchs von Monopolmacht sieht, auch sei die Preiserhöhung unbegründet sowie die Marktabgrenzung völlig unzureichend. Die Verbraucherverbände (AgV + VSV) werden zudem gegen die Telekom Verbandsklage erheben und fordern deshalb alle Kabelkunden nochmals auf, die Kabel- Gebühren nur noch unter Vorbehalt zu bezahlen. Die Verbraucherschützer hatten die Telekom in einem Abmahnschreiben aufgefordert, die Gebührenerhöhung zu stoppen. Die Telekom will aber trotzdem an der Erhöhung festhalten. Sie werde keine Unterlassungs- erklärung unterzeichnen. [mehr] [noch mehr]
Der ARD wurden für eine ähnliche Berichterstattung von der Telekom am 10. Oktober Werbeaufträge in Höhe von 30 Mill. DM fristlos gekündigt. Ob nun auch das ZDF für ihre Informationspflicht in einem demokratischen Gemeinwesen von der Telekom unter Angabe von fadenscheinigen Gründen abgestraft wird, muß abgewartet werden. Die Telekom habe sich dem Verdacht ausgesetzt, Kritik mit wirtschaftlichem Druck mundtot machen zu wollen, erklärte dazu heute der Deutsche Journalisten-Verband. [mehr] [zur Vorgeschichte]
BERLIN 31.10.1997 (t-off). Die Deutsche Telekom verzögert noch immer die Einführung der digitalen ADSL-Technik, mit der ein wirklich schneller Internet- Zugang für jedermann über die vorhandenen Telefon- Leitungen möglich wird [über 100mal schneller als mit analogen Modems]. Denn nach ihren Nürnberger Tests startet die Telekom im Frühjahr 1998 erst noch in Nordrhein- Westfalen ein ADSL- Pilotprojekt [mit bis zu 8 MBit/s zum Kunden und bis zu 0,768 MBit/s in der Gegenrichtung] mit 400 ausgewählten Endkunden. Und erst wenn dieses Projekt erfolgreich verläuft, will man bei der Telekom in der "newly declining nation" Deutschland (New York Times) über die allgemeine Einführung dieser wegweisenden und erprobten Technik aus den USA entscheiden.
Und so könnte nun Konkurrenz von ganz anderer Seite die Nase vorn haben: Internet aus der Steckdose, geliefert von den Stromkonzernen [RWE, Veba und Viag?]. Dabei werden alle Datenpakete über das bis in alle Wohnungen reichende Stromnetz transportiert. Bei dieser Technik soll in Großbritannien ein entscheidender Durchbruch gelungen sein, wie "The Guardian" am 9. Oktober berichtete. Energieexperten meinen, daß sich das deutsche Stromnetz gut für den zusätzlichen Transport von digitalen Daten eignen würde und sich daher diese Technik leicht realisieren lasse. Ein Werbespruch der Stromerzeuger aus den 50er- und 60er- Jahren könnte so eine völlig neue Bedeutung erhalten: "Strom kommt sowieso ins Haus nutz das aus!" [mehr]
LONDON 30.10.1997 (mpb/t-off). Auch digitale Systeme arbeiten nicht fehlerfrei. Ursache für Fehler können defekte elektronische Bauteile (Hardware) sein, aber die häufigere Ursache sind fehlerhafte Programme (Software), die allzuoft nur sehr ungenügend getestet sind [Ed: Neujahrspanne der Telekom!]. Daher sollten solche, auf dem Computer basierende, Systeme regelmäßig kontrolliert werden. Und so steht den Telefon- Gesellschaften (Telcos) für die Kontrolle der von den digitalen Vermittlungsstellen erzeugten CDRs (durchaus) Spezialgerät zur Verfügung. Beispielsweise vertreibt der Telco- Ausrüster Hewlett-Packard Geräte, die unabhängig von den Vermittlungsstellen CDRs aufgrund der im Netz übertragenen Signale rekonstruieren können. Damit ist dann ein direkter Vergleich mit den Daten möglich, die von der Vermittlungsstelle auf normalem Wege kommen. So können sehr schnell Fehler der Gesprächserfassung erkannt werden. Inwieweit solche "Bolt-on"- Technik auch bei der Deutschen Telekom verwendet wird, ist nicht bekannt [Ed: immerhin will Siemens nun zusammen mit Hewlett-Packard bessere Telco-Management-Systeme entwickeln].
Daneben verwenden die meisten Telcos auch einfache Prozeduren zur Plausibilitäts- prüfung. So wird z. B. immer die Anzahl der von den Vermittlungsstellen gelieferten CDRs mit der Anzahl der vom Abrechnungssystem tatsächlich verarbeiteten Datensätze verglichen. Zwar kann damit nicht ein einzelner Fehler erkannt werden, aber dieser Vergleich liefert einen ersten Überblick zur Genauigkeit des Gesamtsystems. In Großbritannien nimmt zudem die staatliche Regulierungsbehörde OFTEL regelmäßig unangekündigte Testanrufe vor und erwartet, daß diese später genau auf den Rechnungen erscheinen und sich die zugehörigen CDRs im gesamten Abrechnungs- system, z. B. von British Telecom, auch noch nachträglich verfolgen lassen. Dieses Verfahren hat sich sehr bewährt. [Fortsetzung]
MÜNCHEN 28.10.1997 (oby/t-off). Die Geschäftskunden der Deutschen Telekom dürfen ab 1998 mit einer Preissenkung von etwa 4,5 % rechnen. Zudem solle dieser Kundenkreis mit weiter sinkenden Preisen, verbesserter Technik und maßgeschneiderten Diensten verstärkt ins Internet gelockt werden. Das teilte Telekom- Vorstand Herbert May anläßlich der Computer- Messe "Systems 97" in München mit. "Wir haben uns vorgenommen, in den nächsten zwei Jahren zum führenden europäischen Internet Service Provider (ISP) für Geschäftskunden zu werden", hofft die Telekom. Sie setzt dabei auf eine Steigerung des E-Kommerzes im Internet. Ob diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. Denn dazu gehören auch genügend Marktpartner, die die kommerziellen Web- Angebote nutzen. Und über die dazu notwendige Voraussetzung, einen attraktiven Internet-Telefontarif für Kleinkunden einzuführen, mit dem diese überhaupt erst zu einer intensiven Internet- Nutzung bewegt werden könnten, wußte die Deutsche Telekom in München aber noch immer nichts zu berichten. Das Computer-Magazin "c't" hatte erst Anfang der Woche über die massive Behinderung der Internet-Nutzung durch die Telekom- Tarife ("Wegezoll auf deutschen Infobahnen") berichtet. [mehr]
BERLIN 28.10.1997 (tsp/t-off). Wenn es nach den deutschen Kartellwächtern gegangen wäre, dann wären die Interconnection-Preise deutlich niedriger als die mittleren 2,7 Pfennig pro Minute [Ed: immerhin das Dreifache des mittleren EU- Wertes!] ausgefallen. Deshalb richtete gestern Bundeswirtschaftsminister Rexrodt auf der 8. Internationalen Kartellkonferenz an die Adresse von Ron Sommer die Frage: "Ist es ratsam, zu klagen, wenn das Bundeskartellamt inzwischen zu dem Schluß gekommen ist, daß sogar noch niedrigere Tarife für die Deutsche Telekom tragbar gewesen wären?" Denn erst am Wochenende hatte Telekom- Chef Sommer erneut Kritik an den Regulierungen geübt. Am Rande der Konferenz war dann auch von internationalen Teilnehmern Verwunderung darüber zu hören, wie es denn der Deutschen Telekom AG immer wieder mit falschen Kostenbehauptungen (Tarifreform von 1996, Interconnection- Tarife, Grundgebühren) gelingen könne, sich massive Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. EU- Kommissar van Miert wies in Berlin nochmals daraufhin, daß künftig die Netz- von der Dienstebene getrennt werden müsse [Ed: ein schweres Versäumnis deutscher Deregulierung]. [mehr Rexrodt] [mehr van Miert] [zum Telekom-Maß beim Internet-Zugang]
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