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BERLIN 18.8.1998 (of/t-off). Kartellamtschef Dieter Wolf übte gestern in der "WELT" erneut Kritik an der Bonner Regulierungsbehörde. Bereits im Februar hatte Wolf deutlich gemacht, daß die Telekom die Ortstarife "als Geldmaschine" im Wettbewerb nutze. Die Regulier- Entscheidung, die Gebühren im Ortsnetz bis Ende 1999 festzuschreiben, sichere die Telekom für mindestens zwei Jahre im Ortsbereich ab. Zudem sei diese Festschreibung "ohne Prüfung in der Sache" erfolgt. [mehr]
21.8.1998 (t-off). Diese Überprüfung der Ortstarife wäre aber
dringend geboten. Denn bislang wurde u. a. nicht berücksichtigt, daß
für die Nutzung des Ortsnetzes für die Datentelefonie (z. B. Internet-
Zugang via Modem) wegen der längeren Verbindungsdauer eine völlig
andere Kostenkalkulation als für die reine Sprachtelefonie zugrundegelegt
werden muß.
Für diesen wirtschaftshemmenden Kardinalfehler der
Postreform trägt die Bundesregierung die
volle Verantwortung, insbesondere ihr letzter Postminister Bötsch (CSU).
Die Koalition hätte hier handeln müssen. Immerhin ging es um die
internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie tat es nicht. Aber
auch der neue SPD- Wirtschaftsberater Jost Stollmann, immerhin Gründer eines
Computer-Unternehmens (CompuNet) und vielleicht
"Minister
for Tomorrow" (SPIEGEL- Online), scheint hier nicht den rechten Durchblick zu
haben. Zwar kündigte er dieser Woche in Berlin Deutschlands "pragmatischen
Weg" in die Wissensgesellschaft an, aber zur Überwindung der Wirtschaftshemmnisse
(Tarifstruktur) sagte er kein Wort. Warum?
[Darum!]
[Bundeskartellamt mahnt erneut
Ortstarif-Prüfung an]
[Der Nebel lichtet sich Trickreiche
Regelungen]
[Regulierer-Statement zum Stand der
Ortstarife]
BONN 15.8.1998 (sf/t-off). Prof. Doeblin wies Anfang Juli in der "Welt am Sonntag" daraufhin, daß der Regulierer die überhöhten Ortstarife im Zusammenhang mit dem Zugang zum Internet schon heute überprüfen müsse, wenn ihm entsprechende Beschwerden von Online- Nutzern vorliegen würden [t-off berichtete]. Deshalb wurde von Soeren Frey im Rahmen der Online- Aktion für einen günstigeren Internet-Telefontarif eine Muster- Beschwerde formuliert, die von vielen Internet- Nutzern an die Bonner Regulierungs- behörde (per E-Mail) geschickt wurde.
Diese Protest-Aktion hat ein erstes Ergebnis: Der Regulierer will jetzt die Ortstarife der Telekom überprüfen. In einer Erklärung des Regulierers heißt es: "In den vergangenen Tagen erreichten die Regulierungsbehörde zahlreiche Beschwerden zum Entgelt für Ortsgespräche der Deutschen Telekom AG (DTAG) unter dem Gesichtspunkt des Zugangs zum Internet und für die Nutzung von Online- Diensten. Dabei wurde die Regulierungs- behörde gebeten, diesen Sachverhalt zu prüfen. Im Rahmen der uns übertragenen Aufgaben gehen wir diesen Beschwerden nach. Die Überprüfung wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen. Sobald eine abschließende Stellungnahme vorliegt, wird diese auch im Internet veröffentlicht."
[Regulierer-Statement zum Stand der Ortstarife] [Bundeskartellamt mahnt erneut Ortstarif-Prüfung an]
BONN 11.8.1998 (wop/t-off). Die 1996 vom Bundestag eingesetzte Enquête- Kommission "Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft" kommt in ihrem Abschlußbericht zum Ergebnis, daß Deutschland immer noch ein technologisches Entwicklungsland ist, wenn es darum geht, das Wachstums- und Beschäftigungs- potential der neuen Informationstechnologien auszuschöpfen [Ed: Jobmaschine Internet]. Zu den wichtigsten Aufgaben der nahen Zukunft werde es gehören, die Zahl der Telearbeitsplätze zu vervielfachen. [mehr]
Die Informationsgesellschaft beinhalte eine "enorme Chance für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Deutschland", stellte der Kommissionsvorsitzende Mosdorf (SPD) heute in Bonn fest. Um die informationstechnische Aufholjagd bewältigen zu können, müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden. So sollen bis zum Jahr 2000 alle Schulen in Deutschland an das Internet angeschlossen werden und zugleich "ein preiswerter Schultarif für Online- Verbindungen" eingeführt werden. Für unverzichtbar hält Mosdorf außerdem eine "weitere Senkung der Gebühren für Telekommunikations- dienstleistungen". Die Telefontarife müssen sich am Vorbild anderer liberalisierter Märkte orientieren, auf denen es zum Teil erheblich niedrigere Tarife gebe. [Kommentar vom 25.2.1998]
[Internet-Kosten entscheiden über
Telearbeit]
[Jede vernetzte Schule braucht 7500 Mark pro
Jahr extra]
BONN 9.8.1998 (sip/t-off). Viele Telekom- Kunden mußten es dieser Tage leidvoll erfahren: Zum Telefonieren in der digitalen Welt gehört wohl eben auch, daß das Telefon manchmal stumm bleibt und immer häufiger gar nichts mehr geht. So kam es allein in den beiden letzten Wochen im Kölner Umland, im Kieler Umland, in Reutlingen, in Sinsheim und im Bamberger Umland zu massiven Störungen im T-Net der Deutschen Telekom. Waren es bislang meistens Schwierigkeiten mit noch unfertiger Software für die Vermittlungs- computer, kommt jetzt eine neue Fehlerqualität ins Spiel: Vermittlungsstellen rauchen ab. Bei den Black-outs von Reutlingen und Bamberg soll es "Überhitzungen" gegeben haben, hieß es bei der Telekom. Brandschutz- Experten wundern sich nun, wie es denn sein kann, daß das in einem HighTech- Unternehmen nicht rechtzeitig bemerkt worden ist.
[1996: Black-out bei der Telekom in Cottbus]
[14.8.1998: Reutlingen wieder am Netz]
ST. LOUIS 5.8.1998 (ws/t-off). Mit der Investition von 1 Milliarde Dollar in den US- Kabelnetzbetreiber Comcast hatte Microsoft vor mehr als einem Jahr die Entwicklung losgetreten. Nun häufen sich in den USA die Übernahmen der verbleibenden Kabelnetzbetreiber. Nach der unlängst erfolgten Akquisition von TCI durch AT&T gibt es jetzt erneut Schlagzeilen, diesmal von Microsoft- Mitgründer Paul Allen. Für umgerechnet rund 8 Milliarden DM kauft der mit Microsoft- Aktien zum Multi- Milliardär gewordene Allen den privaten Kabelnetzbetreiber Charter Communications.
Bereits im April kaufte Allen für umgerechnet rund 5 Milliarden DM den Kabelnetz- betreiber Marcus Cable. Durch Integration dieser Investitionen entsteht so der siebentgrößte Cable Operator in den USA. Damit jedoch via Kabelnetz wie beabsichtigt preiswertes Always-on Internet und andere interaktive Dienste angeboten werden können, muß vorher erst eine Nachrüstung des Rückkanals erfolgen. Bis Ende des Jahres sollen bereits 65 % des Charter TV-Kabelnetzes rückkanalfähig sein, innerhalb von 30 Monaten soll die Nachrüstung von rund 86 % des Netzes abgeschlossen werden können [Ed: und wann wird die Deutsche Telekom wohl soweit sein?].
[Allen's wired world gets bigger with new acquisition]
[Allen
buys Charter Communications]
[Links zum Internet via TV-Kabel]
SEOUL 3.8.1998 (ws/t-off). Nachdem in Nordamerika das Always-on Internet per DSL- Technologie oder via TV-Kabel zu attraktiven (Pauschal-) Tarifen jetzt zunehmend Realität wird, versucht Microsoft nun verstärkt, die Entwicklung auch auf anderen Weltmärkten voranzutreiben. Bereits im September letzten Jahres vereinbarte Microsoft mit den südkoreanischen Partnern ThruNet und Korea Electric Power (KEPCO) das Angebot eines landesweiten High- Speed Datenservice.
Über das rückkanalfähige TV-Kabelnetz von KEPCOs Tochterunternehmen KDN (Korea Electric Power Data Network) will ThruNet eine Palette von Telekommunikationsdiensten sowohl Privat- als auch Geschäftskunden offerieren, einschließlich schnellem Zugang zum Internet. Mit dem landesweiten und mit einer Bandbreite von 750 MHz ausgebautem HFC- Kabelnetz (hybrid fiber- coaxial network) sind mehr als 5 Millionen Wohneinheiten bzw. rund 50 % aller Haushalte erreichbar. Schon im Herbst 1996 wurden entsprechende Planungen für den Internet- Zugang via TV-Kabel bekannt. Für den noch in diesem Sommer beabsichtigten kommerziellen Start wurde Anfang Juni weiterhin Motorola mit der Lieferung der Kabelmodems beauftragt.
[Bill Gates will nun richtiges Internet unter
die Leute bringen]
[Motorola Signs
Contract with ThruNet for CyberSURFR Cable Modems]
[Microsoft auch in Australien aktiv]
BERLIN 1.8.1998 (t-off). Mit einem Welt- Handy ist jede(r) ab Ende September wirklich überall erreichbar. Denn beim Iridium-Satellitennetz soll es keine Funklöcher mehr geben. Für jede Gesprächsminute werden allerdings zwischen 3 und 13 Mark fällig. Und das 500 Gramm schwere Satelliten- Telefon von Motorola kostet stolze 3000 US-Dollar (rund 5400 DM). Das Iridium- Netz ist unter den Vorwahlen 008816 bzw. 008817 erreichbar. [mehr]
Nach NetCologne (Köln) bieten nun auch die lokalen Telcos ISIS Multimedia in Düsseldorf und Umgebung sowie HanseNet in Hamburg und Umgebung für ihre Pre-selection- Kunden den Zugang zum Internet an. [mehr]
Auch im Sommerloch sind bislang die Internet- Versäumnisse der Bundesregierung zu keinem Wahlkampfthema geworden, obwohl diese mit dem Nichtentstehen von Arbeitsplätzen zu tun haben. Ganz offensichtlich will die Opposition hier keine Punkte machen. Allerdings verlautbarte die SPD jetzt, daß sie bei der Telekom und beim Regulierer künftig "Spitzenleistungen" sehen möchte. [mehr]
BERLIN 30.7.1998 (jn/t-off). Während anderenorts beispielsweise in Paris schon übers Fernsehkabel telefoniert und gesurft wird, will es der Berlin- Augsburger Kabelnetzbetreiber TSS GmbH in Berlin- Mitte erst selbst erproben. Im Herbst startet TSS zusammen mit Nortel-Dasa ein eigenes Kabel- Pilotprojekt zur Einführung der digitalen Sprachtelefonie über TV-Kabel. 1000 Mieter der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) sollen die Möglichkeit erhalten, über das TV- Kabelnetz kostengünstig telefonieren zu können. Später soll auch "Fast- Internet" zum Pauschalpreis angeboten werden. [mehr]
BERLIN 24.7.1998 (t-off). Nachdem Deutschlands "Global Player" beim Entwickeln von Alternativen zur Datenübertragung versagt hat Stichwort TV-Kabelnetz, könnten nun die Power Player zum Zuge kommen, wenn sie sich sputen. Am Mittwoch teilte der Berliner Energieversorger BEWAG mit, daß sie ein Patent für ein neues Verfahren zur digitalen Übertragung von Informationen aller Art über die jeden Haushalt erreichenden 220-Volt- Stromnetze erhalten haben. Experten hoffen dabei auf Übertragungsraten "bis in den zweistelligen Megabitbereich". Mit dem ISDN der Telekom werden nur 0,064 Megabit pro Sekunde erreicht. Die EU hatte im März grünes Licht für die Internet- Nutzung von Stromnetzen gegeben. [mehr] [Kommentar]
[Links zum Internet via Stromnetz]
BONN 20.7.1998 (wop/t-off). Der Entscheid des Regulierers (RegTP) über die Höhe der Mietpreise für den entbündelten Endkundenzugang wird bis nach der Bundestagswahl vertagt. Nach Informationen des "Handelsblatts" haben sich "die Regulierungsinstanzen" und die Telekom darauf geeinigt, diese Entscheidung auf den 30. November 1998 zu verschieben. [mehr]
Die Preisfestsetzung sollte ursprünglich bis zum 17. August erfolgen. Sie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, ob in Deutschland überhaupt echter Ortsnetz- wettbewerb entstehen kann. Ex- Postminister Bötsch (CSU) habe es versäumt, diese essentiellen Wettbewerbsfragen rechtzeitig vor dem Start des Telekom- Freimarkts durch die Entwicklung eines eigenen Kosten- Modells zu klären, wissen Bonner Politik- Beobachter. [mehr]
[SPD setzt Regulierer weiter unter Druck] [Endlich Ortsnetz-Wettbewerb herstellen] [Was ein Telefonanschluß kostet]
22.7.1998 (khd). Die weitere Vertagung des Ortsnetzwettbewerbs ist natürlich für die Deutsche Telekom eine gute Nachricht. Aber nicht für die vielen unzufriedenen Telekom- Kunden, die seit 1996 in den Startlöchern stecken, um zu einem günstigeren Vollanbieter zu wechseln. Zumal diese offensichtlich sehr zufrieden mit dem Status quo sind. So sehen die derzeitigen Planungen von Viag Interkom gar kein Komplettangebot inklusive Anschluß mehr vor. Und ein Aufschrei von Mannesmann Arcor oder Otelo angesichts des Verschiebens von Wettbewerb auf die lange Bank wurde auch nicht vernommen. So entwickelt sich der deutsche Kernmarkt der Telekommunikation wohl immer mehr hin zu einem Oligopol, vor dem 1996 die Monopolkommission gewarnt hatte.
BONN 18.7.1998 (pep/t-off). Im Wettbewerb der Telcos wurde gestern eine neue Runde eingeläutet. Die Deutsche Telekom sperrte u. a. die bundesweite Einwahlnummer 0800 - 800 9201 zu First Telecoms Privatkunden- freundlichem Billigangebot für Handy- Besitzer. Diese konnten seit dem 7. Juli gegen Vorkasse für nur 38 Pfennig pro Minute ins deutsche Festnetz telefonieren (Nebenzeit 20 Pfennig/Minute). Die Telekom wirft First Telecom Vertragsverletzung vor. Denn sie verliere bei jeder Gesprächsminute 50 Pfennige. Gerichte müssen nun klären, wer recht hat. [mehr]
21.7.1998 (irbb). Das Landgericht Hamburg entschied heute im Eilverfahren, daß die Deutsche Telekom die am Freitag gesperrten 0800- Nummern ihres Konkurrenten First Telecom sofort wieder freischalten muß. Die Telekom will dagegen Beschwerde einlegen. [mehr]
[First Telecom führt billige
Handy-Telefonate ein]
[First Telecom kämpft um
0800-Nummern]
[Sperre deckt Telekom-Versäumnis
auf]
[Ein fataler Kalkulationsfehler]
BERLIN 15.7.1998 (jo/t-off). Im Rahmen der Initiative "Fit fürs Informationszeitalter" von Unternehmern, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, hat jetzt die Veba/RWE- Tochter Otelo versprochen, 5.000 Ostberliner Privathaushalte, mit "High Speed Cable Internet" zu "sozialverträglichen" Preisen zu versorgen. Otelo wird zusammen mit ihrer Tochter Urbana das in Berlin- Friedrichshain vorhandene Kabelfernsehnetz rückkanalfähig aufrüsten und mit dem Internet verbinden. [mehr]
Die künftigen Nutzer können dann mit einem Kabelmodem ihren PC oder mit einer Set-top- Box ihr Fernsehgerät an das Internet anschließen. Sie können auch über das TV-Kabelnetz telefonieren. Bereits im Spätsommer 1998 soll alles fertig sein. Wann aber Otelo anderenorts die von Veba aufgekauften Kabelnetze für die Mehrfachnutzung durch Fernsehen, Internet und Telefon öffnet, ist noch immer unbekannt. Auch hat sich Otelo zu den Nutzungspreisen bislang nicht geäußert.
[Der Ruck aus dem Internet] [Links zum Internet via TV-Kabelnetz]
BERLIN 11.7.1998 (t-off). Angesichts des 100fach-Flops der Telekom wird nun gemutmaßt, daß die Telekom- Forderung von 47,26 DM für die Monatsnettomiete des Endkundenzugangs auch auf einem Kommafehler in der Software beruht. Nur noch bis zum 17. August hat der Regulierer Zeit, um diese T-Kostenrechnung zu prüfen und einen wirklich Ortsnetzwettbewerbs- fähigen Mietpreis festzulegen, was die Aufgeregtheiten der Lobbyisten erklären mag. [mehr]
Um die "wahren" Kosten geht es derzeit auch bei Australiens Telekom der Telstra. Deren Konkurrenten Optus und AAPT haben sogar eine politische Kampagne gestartet. Denn auch die Australier sind fest davon überzeugt, daß bei ihnen die Ortstarife viel zu hoch sind. Unlängst wurde dort festgestellt, daß die nackten Kosten einer Ortsverbindung umgerechnet nur 8,1 Pfennig betragen, unabhängig von der Dauer! Für Endverbraucher beträgt Telstras Ortstarif 25 Cent pro Verbindung (rund 26,5 Pfennig), ebenfalls unabhängig von der Verbindungsdauer. [mehr]
Proteste gegen die Tarifrelikte aus Monopolzeiten gibt es auch bei unseren Nachbarn. So bündelt in Frankreich NetExit die Unzufriedenheit mit der France Télécom. In Großbritannien wird von der "Campaign for Unmetered Telecommunications" (CUT) klar und deutlich die Abkehr von den zeitabhängigen Hochtarifen gefordert.
12.7.1998 (khd). Und die CUT-Leute erinnern auf ihrer Homepage daran: "Would television or radio have passed their experimental stages if access to them had been metered?" Also, was wäre wohl mit dem Rundfunk passiert, wenn dessen Nutzung in seiner Entstehungphase nach Hördauer abgerechnet worden wäre? Aber genau das hat in den letzten Jahren die Bonner Multimedia- Politik dem Internet mit der Postreform eingebrockt (Ortstarife 96).
BONN 9.7.1998 (rag/t-off). Internet- Nutzer reagierten schockiert, als Vize- Regulierer Arne Börnsen (SPD) sich öffentlich zum Interessenvertreter der Deutschen Telekom erklärte. Offenbar war das aber nur der Anfang. Denn auf Vorschlag des NRW- Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) soll nun verstärkt auch der Einfluß der Ministerpräsidentenkonferenz genutzt werden, um massiv gegen die bisherige verbraucherfreundliche Praxis der Regulierungsbehörde (RegTP) und deren Präsidenten Klaus-Dieter Scheurle (CSU) Stellung zu beziehen. Auch Niedersachsens Wirtschafts- minister Peter Fischer (SPD), gleichzeitig Vorsitzender des (politisch besetzten!) Beirats der Regulierungsbehörde, hat bereits mehrfach Kritik an der "Berechenbarkeit" der Behörde geäußert, um so Telekom- freundliche Entscheidungen herbeizuführen. [mehr] [noch mehr].
Hintergrund für den erneuten Druck auf die Regulierungsbehörde sei die noch ausstehende Reguliererentscheidung über die Höhe der Mietentgelte für den entbündelten Endkunden- Zugang auf der letzten Meile. Vom Ausgang dieser Entscheidung hänge es wesentlich ab, inwieweit auch im Ortsbereich der Markt für Wettbewerb geöffnet werden könne. Wenn hier von Lobbyisten ein an Eigentümerinteressen orientierter Mietpreis durchgesetzt werde, hätte dies katastrophale Auswirkungen für die Entwicklung des Internets in Deutschland, warnen Marktbeobachter. Die politischen Parteien seien zu sehr auf die klassische Sprachtelefonie fokussiert. Allen Beteiligten müsse klar sein, daß die Förderung von Infrastruktur- wettbewerb (z. B. Investitionen in Internet Backbone- Netze) nur dann wirksam erfolge, wenn die Bevölkerung nicht weiterhin durch auf der letzten Meile berechnete Mondpreise von der intensiven Internet- Nutzung abgehalten werde.
[Politik mißtraut Wettbewerb]
[Private Telekom-Anbieter erreichen 7
% Marktanteil]
Telekom-Lobbyisten in anderen Parteien:
[Monopolkommission: Telekom weiter im
Wettbewerb begünstigt]
[CSU: Waigels Staatssekretär mahnt ab]
[FDP-Bangemann: Verteuerung im Ortsbereich sei normal]
BONN 7.7.1998 (pep/t-off). Die Deutsche Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, kritisiert in ihrem 12. Hauptgutachten, daß die jüngste Novelle des Kartellgesetzes (GWB) den Wettbewerb nachhaltig schwäche. So lehnt die Kommission u. a. das Verbot ab, unter Einstandspreis zu verkaufen. Dabei handele es sich um den "Einstieg in eine staatliche Preisreglementierung" zum Nachteil der Verbraucher.
Von der Marktöffnung für Telekommunikation, Post und Energie erwartet die Kommission "keine schnellen Verbessserungen" für den Verbraucher. Insbesondere sei die Öffnung des Telefon- Marktes bei den Ortsgesprächen [Ed: und damit beim Zugang zum Internet] nicht geglückt. Hier könnte aber die Entwicklung zu einem funktionierenden Preiswettbewerb durch den Verkauf des Telekom- Kabelnetzes beschleunigt werden. Bei der Postreform wurde diese wesentliche Wettbewerbs- Voraussetzung von der Bundesregierung plus SPD ignoriert. [mehr]
HAMBURG 5.7.1998 (fi/t-off). In Deutschland ist der Zugang zum Internet viel zu teuer. Und das verhindere einen Innovationsschub. Nur eine Tarifsenkung beim Zugang zum Datennetz könne den Rückstand zu den USA verringern. Zu diesem Ergebnis kommt der Nürnberger Professor Jürgen Doeblin in einem Artikel der heutigen "Welt am Sonntag". Prof. Doeblin gehört zum wissenschaftlichen Beraterkreis der Bonner Regulierungsbehörde, der im Juni Leitlinien für die Regulierungspolitik vorgestellt hat.
Mit den hohen und ganz auf kurze Gespräche zugeschnittenen Telekom- Ortstarifen, nach denen aber auch die Verbindungen zum Internet berechnet werden, wird von der markt- beherrschenden Deutschen Telekom eine überproportionale Kostendeckung erwirtschaftet. Daß aber unterliege nach dem TKG schon heute der nachträglichen Kontrolle durch den Regulierer, da Daten- Verbindungen via Telefon eben kein Sprachtelefondienst sind, für den die Ortstarife bis 2002 durch die Bundesregierung vor der Liberalisierung quasi festgeschrieben worden seien. [mehr]
6.7.1998 (t-off). Im Rahmen der Online-Aktion für einen günstigen Internet- Telefontarif hat Soeren Frey eine Muster- Beschwerde ins Netz gestellt, die per E-Mail an die Bonner Regulierungsbehörde geschickt werden kann.
HAMBURG 5.7.1998 (sp/t-off). Zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der an sich unabhängigen Regulierungsbehörde für Telekommunikation gibt es Krach. Der SPIEGEL (28/1998) berichtet: BMWi- Staatssekretär Klaus Bünger habe den Chef- Regulierer Klaus Scheurle schriftlich angewiesen, von der Veröffentlichung einer Verfügung abzusehen. Darin wolle der Regulierer den Mobilfunk- Betreibern von D1, D2, E+ (E1) und E2 weiterhin Schutz vor Mitbewerbern durch das Nichtzulassen von Call-by-call garantieren. [mehr]
KARLSRUHE 2.7.1998 (irbb/t-off). Die umstrittene Tarifstrukturreform der Deutschen Telekom von 1996 war rechtmäßig. Das hat heute der Bundesgerichtshof (BGH) im Revisionsverfahren des Münchner Musterprozesses entschieden. Die Deutsche Telekom durfte zum 1. Januar 1996 ihre Ortstarife erhöhen. Sie hatte damals längere Ortsgespräche verteuert und Ferngespräche verbilligt. Der III. Zivilsenat wies die Klage von RA Prof. Thieler in allen Punkten ab. Die Preise könnten nicht als überhöht angesehen werden. Die Billigkeitsprüfung der Telekom- Preise nach § 315 BGB konnte vom Zivilsenat des BGH nicht vorgenommen werden, da die Reform vom Bundesministerium für Post und Telekommunikation genehmigt worden sei. [mehr] [zu den Gründen]
Die Telekom begrüßte die BGH-Entscheidung. Die Klage sei "halt- und grundlos" gewesen. Prof. Thieler erwägt nun eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Denn die Diskrepanz zwischen deutschem und übergeordnetem europäischen Wettbewerbsrecht sei durch das BGH-Urteil offensichtlich. Zudem sei bei der Liberalisierung das Ortsnetzmonopol der Deutschen Telekom de-facto bis Ende 2002 trickreich verlängert worden [t-off berichtete]. [Balance verloren]
HAMBURG/BONN 26.6.1998 (ju/t-off). In seiner nächsten Ausgabe berichtet der SPIEGEL (27/1998) im Artikel "Aachen im Sekundentakt" über äußerst bizarre Fehler in Telefonrechnungen der Deutschen Telekom AG [t-off berichtete]. Nach Erkenntnissen einer hessischen Verbraucher- Initiative sind bislang solche Fälle aus 27 Ortsnetzen bekannt. In Hamburg hatte ein Telekom- Kunde bereits im Oktober 1997 Strafanzeige wegen Betruges gegen die Telekom AG erstattet. Das Ermittlungsverfahren wurde im Dezember 1997 von der zunächst zuständigen Staatsanwaltschaft Lübeck unter dem Aktenzeichen 780 Js 43908/97 an die Staatsanwaltschaft in Bonn abgegeben, weil dort weitere "gleichgelagerte" Fälle vorlagen. Diese ermittelt seitdem in mindestens 6 Fällen. Ein Ergebnis ist derzeit nicht bekannt. Eine Stellungnahme der Telekom wird nun in der kommenden Woche erwartet. Weitere Geschädigte können sich an die Staatsanwaltschaft Bonn, 53222 Bonn (Telefon: 02289752-0) wenden. [Fortsetzung]
Von t-off in diesem Zusammenhang dokumentierte
Abrechnungsungereimtheiten:
NEW YORK 25.6.1998 (cyf/t-off). Beim Wettbewerb um den Zugang
zum Internet wird jetzt in den USA ein Meilenstein gesetzt. Denn "Ma Bell"
AT&T will die größte TV-
Kabelgesellschaft Tele- Communications Inc. (TCI)
kaufen.
Über die TCI- Breitbandkabel kann AT&T dann jeden dritten US-Haushalt
mit Telefon und mit preisgünstigem HighSpeed- Internet versorgen.
AT&T nimmt damit den Kampf um die Kunden vor allem mit den lokalen
Telcos, den "Baby Bells" auf. Diese hatten unlängst schnelles
Always-on-
Internet per ADSL über einfache Telefonleitungen für die
kommenden Monate angekündigt.
[Links zum ADSL]
Und diese Konkurrenzsituation wird dafür sorgen, daß das
schnelle Internet für jedermann auch in Zukunft zum monatlichen
Pauschaltarif
(Flat-rate) verkauft werden wird. So wird
es in den USA keine zeitabhängige Abrechnung der Internet- Nutzung
geben. Das gibt Planungssicherheit für viele Investitionen in
neuartige Dienstleistungen, die künftig im Internet angeboten werden.
In Europa und vor allem in
Deutschland und Großbritannien wird von Telefongesellschaften,
Politik und Regulierern aber beim Internet noch immer auf die
zeitabhängige Abrechnung gesetzt. Es sei aber schlichtweg
töricht, das verbindungs- lose IP [Ed: digitale Datenpakete nach den
Internet- Normen] in ein Zeittakt- Korsett zu zwängen, bei dem die
Kunden dann auch noch die Zeitlücken zwischen den Datenpaketen
bezahlen müssen, wissen nicht nur amerikanische Experten.
[mehr]
[Stoiber fordert billigeren
Internet-Zugang]
[Internet-Preisfakten]
[Zeittakt = Kein Erfolg!]
27.6.1998 (khd). Noch im Februar 1997 setzte AT&T zur
Überwindung der "letzten Meile" zum Kunden
auf den digitalen Richtfunk. Und der
Stimmungswandel von AT&T sollte sowohl den deutschen Regulierer als auch
die Politik sehr nachdenklich machen, wurde hierzulande doch noch in den
letzten Tagen
Ortsnetzwettbewerb per Richtfunk
erhofft. Selbst wenn die Telekom mit ihrer
Strategie der Regionalisierung beim
TV-Kabelnetz nicht "schummeln" sollte, wird es 2000 zu spät sein, um
mit der Nachrüstung des Rückkanals zu beginnen. Aber anderseits
scheint das ja wohl politisch so gewollt zu sein. Denn sonst macht die auf
eine Monopolsituation ausgerichtete
Price-Cap Regelung sowieso keinen
Sinn. Steht die deutsche Telekom- Politik vor einem Scherbenhaufen?
[Europa hinkt mindestens 3 Jahre
hinterher]
[SPIEGEL: Zum Stand des
Telefon-Wettbewerbs]
BERLIN 20.6.1998 (t-off). Wer A sagt, muß auch B sagen.
Deshalb haben jetzt die Berater der
Regulierungsbehörde für
Telekommunikation den Bund in seiner Eigenschaft als Fiskus aufgefordert,
seine Mehrheit von rund 74 % an der Telekom
AG möglichst rasch zu verkaufen. Damit Eigentümerinteressen
nicht länger einen Einfluß
auf die Öffnung des Telefonmarktes haben.
[mehr]
Zwar mag auch bei uns die Lust auf Online-
Shopping steigen. Aber Tatsache ist nun einmal, daß in
Deutschland das Internet- Surfen für Otto Normal wegen der
zeitabhängigen Abrechnung
exorbitant teuer ist,
was letztendlich an dem oben zitierten negativen Markt- Einfluß liegt.
Und so bleibt wohl dem elektronischen
Handel der richtige Durchbruch weiter versagt.
Massive Telekom-Abrechnungsungereimtheiten
(auch mit
"Selbstgesprächen") gibt es offenbar
in ganz Deutschland. Allein der
hessischen Initiative sind inzwischen
27 Ortsnetze bekannt, in denen völlig
falsche Telefon- Rechnungen aufgetaucht sind
[mehr]. Bei der Bonner
Staatsanwaltschaft soll bereits ein bundesweites Ermittlungsverfahren gegen
die Deutsche Telekom im Gange sein.
[mehr]
HAMBURG/BERLIN 18.6.1998 (lgm/t-off). Während die
Deutsche Telekom derzeit in Berlin mit einem millionenschweren
Werbegroßeinsatz versucht, ihr angekratztes Image zu polieren [t-off
berichtete], zeigt sie in Hamburg ihr wahres
Gesicht bei der Orientierung hin zum Kunden. Das
"Hamburger Abendblatt" berichtete
am Dienstag (16.6.1998) von einem typischen Fall, wie der Telefonriese noch
immer mit den Wünschen der Kunden umgeht. Das Kontrastprogramm: Ein
Hamburger kämpft nun seit drei Monaten um sein neues Telefon. 1998! Im
Freimarkt.
[mehr]
Und am gleichen Tag inseriert die Telekom auf Seite 8
der Berliner "B.Z.": "Unser
wichtigstes Ziel:... Daß Sie zufrieden sind. ... Daran arbeiten wir
jeden Tag. Wir wollen das kunden- freundlichste Telekommunikationsunternehmen
sein. Dazu gehört auch Schnelligkeit, z. B. bei der Einrichtung von
Telefonanschlüssen."
[Die Seite
8 der B.Z.]
NEW YORK/SYDNEY/BONN 16.6.1998 (sw/pho/t-off). Bill Gates setzt
nun allerorten auf den schnell wachsenden Markt für breitbandiges
"Always-on"-
Internet zu günstigen Tarifen. Erst damit sei eine "richtige Netznutzung"
möglich, heißt es. Microsoft hat jetzt zusammen mit Compaq (mit
DEC an Bord) insgesamt 20 % von
Time-Warners Internet- Service
"Road Runner"
übernommen, der in den USA
High-Speed Internet via TV-Kabel
anbietet. Bei Road Runner
kostet die
Internet- Standleitung umgerechnet monatlich rund 72 DM (für
TV-Abonnenten nur rund 65 DM), was u. a. E-Mailbox und Homepage (bis 10 MByte)
beinhaltet.
[mehr]
Auch in Australien
strebt Microsoft eine Vorreiterrolle beim Anbieten von richtigem Internet an. Heute
wurde bekannt, daß Bill Gates mit dem Ex-Monopolisten
Telstra über ein
entsprechendes Joint-venture verhandelt
[mehr].
In Deutschland verweist Microsoft
derzeit ihre MSN-Kunden (noch) an T-Online. Aber in der Bonner
Gerüchteküche weiß man, daß auch hier Bill Gates ante
portas steht. Microsoft soll einer der 22 Bewerber ums deutsche
TV-Kabelnetz sein, mit denen die Deutsche Telekom derzeit redet.
BERLIN 14.6.1998 (khd/t-off). Die Ortsnetze der heutigen
Telekom sind bereits von den Teilnehmern (Kunden) seit 1945 über hohe
Telefongebühren mehrfach bezahlt worden. Dennoch möchte jetzt
die Deutsche Telekom AG einen monatlichen Mietpreis von 47,26 DM netto
für die anderen Telcos beim entbündelten Endkundenzugang
der "letzten Meile"
durchsetzen. Das hat sie beim Regulierer beantragt und auf 1000 Seiten
begründet.
[mehr]
Von ihren eigenen Kunden verlangt die Telekom hingegen derzeit 24,82 DM
brutto Grundgebühr je Telefon- Anschluß. Im Rahmen der
"Tarifstruktur- reform 1996" wurde diese
Grundgebühr indirekt um 2,30 DM dadurch angehoben, daß
seit dem 1.1.1996 die 10 Freieinheiten entfallen sind. Das "Rebalancing"
der Telekom- Tarife erfolgte 1996 somit zwischen Orts- und
Ferngesprächspreisen. Und das führte dazu, daß bei der
Telekom heute die Ferngespräche sowie insbesondere ihre mannigfaltigen
Auslandsaktivitäten und
ganz offensichtlich auch die Grundgebühr durch die drastisch
(bis zu 161 %)
erhöhten Ortsgespräche
quersubventioniert werden.
[mehr]
Die wirtschaftskompetente OECD hatte
jedoch u. a. für die Markt- Liberalisierungen verlangt, daß bei
den Monopolen das "Rebalancing" (Preisausgleich) ökonomisch
korrekt zwischen den zeitabhängigen Kosten (usage charges) und
den festen Kosten (fixed charges) erfolgen soll. [t-off
berichtete]. Deutschlands Politik entschied
sich dagegen und setzte damit weiterhin auf das klassische Tarifmodell, das
einmal für das Nutzungsverhalten bei der Sprachtelefonie konzipiert
wurde, um so auch bei kurzen (3 Minuten) Gesprächen die notwendigen
Deckungsbeiträge zu erwirtschaften.
17.6.1998 (t-off). Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es
schlichtweg ökonomisches Gift, daß das Rebalancing nicht
zwischen festen und zeitabhängigen Kosten und damit eine
deutliche Senkung der nutzungsabhängigen Entgelte im
Ortsbereich erfolgte. Nach dem 47-Mark- Vorstoß der Telekom dürfen nun
auch Pauschaltarife (Flat-rates) kein
Tabu- Thema mehr sein. Auch wenn das heute Telekom- Chef Ron Sommer
in der WELT mit falschen Argumenten
wegwischt. Da aber die Internet-Nutzung ein völlig anderes
Nutzungsverhalten beinhaltet, können von einem
De-facto- Monopolisten
nicht länger Tarif- modelle angewendet werden, die einmal
ausschließlich für die Sprachtelefonie entwickelt wurden. Das
muß auch der Regulierer zur Kenntnis nehmen. Denn alles andere als
Schritte hin zu den Tarifmodellen der USA verdeutlichen nur den eklatanten
Monopolmißbrauch der Deutschen Telekom.
Sie muß sich diesen Vorwurf auch deshalb gefallen lassen,
solange nicht ihr TV-Kabelnetz in eine rechtlich unabhängige und nicht
mit ihr verflochtene Gesellschaft ausgegliedert ist. Und vielleicht hat ja
Microsoft nicht nur am
australischen Kabelnetz Gefallen?
BONN 12.6.1998 (pep/t-off). Fünf Monate nach dem Start
des Telefon- Freimarkts kämpfen bereits über 100 neue
Telefongesellschaften (Telcos) um das Geld der
Kunden. Bei der Bonner Regulierungsbehörde sind 108 Telcos mit
eigener Netzkennzahl registriert und weitere sind beantragt. Die 5stelligen
Nummern 010xy sind bereits alle vergeben, so daß inzwischen auf den
Notvorrat an 6stelligen Vorwahlen 0100xy zurückgegriffen werden
mußte.
[Liste der Telcos]
15.6.1998 (t-off). Der Regulierer hat heute den Preis fürs permanente
Wechseln bei Ferngesprächen (Pre-selection) für 1998 auf
netto 27 DM (31,32 DM inkl. MwSt) festgesetzt. Und erst im Jahr 2000 soll
das netto 10 DM kosten. [mehr]
Ein kompletter Wechsel zu einem anderen Vollanbieter (Orts- und
Ferngespräche) kostet allerdings nichts, auch wenn die Rufnummer
mitgenommen wird. Nur, wo sind sie denn, die bundesweiten Anbieter, die
Privatkunden einen richtigen (und preiswerten)
Vollanschluß liefern?
BRÜSSEL/BERLIN 7.6.1998 (tsp/t-off). Die EU-Kommission
weist der Tele-Arbeit (Teleworking) und dem elektronischen Handel
(E-Commerce) eine Schlüsselrolle bei der Suche nach dem Mittelweg
zwischen einem sorglosen (Turbo-) Kapitalismus und dem kostenintensiven
Wohlfahrtstaat zu. Mit Fördermitteln will deshalb die EU-Kommission
jetzt die neuen, vernetzten Arbeitsformen mit dem elektronischen Handel
zusammenbringen. Den Firmen soll dabei geholfen werden, effektiver arbeiten
und noch effizienter Waren und Dienstleistungen anbieten zu können.
Denn was nutzt eine schnelle Bestellmöglichkeit im Web, wenn man dann
als Kunde noch eine Woche auf die Lieferung der Ware warten muß.
[Infos zur Tele-Arbeit]
Über Nutzen und Chancen des vernetzten Wirtschaftslebens wollen ab
Dienstag in Berlin Fachleute auf der "Online Collaboration", der
"Internationalen Konferenz für Tele-Arbeit, Knowledge Management und
Electronic Commerce", EU-gefördert beraten. Denn der Durchbruch der
Telearbeit in Form breiter gewerblicher Anwendungen mit verteiltem Arbeiten
via Internet steht erst noch bevor. Experten wissen aber,
daß dieser Durchbruch nur gelingen kann, wenn sich das verteilte
Online- Arbeiten auch "rechnet". Und es sei somit vordringliche Aufgabe der
Politik, die deutsche
Fehlentwicklung bei den Zugangskosten endlich zu korrigieren. Es sind
die USA, die in diesen Tagen mit der breiten Einführung von
preiswertem
"Always-on"- Internet auf ADSL- Basis
zeigen, welch entscheidenden Beitrag Telcos dazu leisten, daß
Tele-Arbeitsplätze überhaupt erst entstehen können. Allein in
Kalifornien werden 640.000 neue Jobs bis 2001 erwartet.
Preiswertes Internet per ADSL in den USA:
[Bell Atlantic]
[Bell South]
[US West]
[SBC/Pacific Bell]
BRÜSSEL 5.6.1998 (bte/t-off). In Brüssel trafen
sich jetzt Internet- Provider (ISP) aus ganz Europa, um auf einer Konferenz der
EuroISPA die Auswirkungen der
Hochpreispolitik vieler europäischer Telefongesellschaften (Telcos)
auf die Entwicklung des Internets zu beraten. So müssen
europäische ISPs mehr als das 20fache für Intercity- Verbindungen
bezahlen als Provider in den USA. Als Ursache für die hohen Preise
wurden die noch immer ineffizient in monopolartigen Strukturen arbeitenden
Telcos ausgemacht. Man setze nun auf den Einfluß der EU-Kommission,
die Dinge zu ändern. Sponsoren der Konferenz waren Cisco Systems,
Nortel und Silicon Graphics.
[mehr]
[noch mehr]
[Ist
Europa Zahlmeister des Netzes?]
NEW YORK 4.6.1998 (cyf/t-off). Die US- Telefongesellschaft Sprint hat am Dienstag angekündigt,
daß sie in den letzten fünf Jahren für 2,5 Mrd. Dollar [4,5
Mrd. DM] ein völlig neuartiges Breitband- Kommunikationsnetz
entwickelt hat. Dieses "Integrated On-demand Network" (ION) funktioniert
nach den Internet- Prinzipien mit digitalen Datenpaketen (ATM). Und es soll
einmal die Telefon- Netzwerke mit klassischer Digital- Vermittlungstechnik
(PSTN) ablösen. Das neue Netz soll 1999 in Betrieb gehen. Mit ION
könnte Sprint, die Nr. 3 unter den Long-distance Carriern der USA, den
"nuklearen Sprengstoff" der Telekom-
Branche gezündet haben. Denn es ist ein "All-in-one"- Netzwerk, mit
dem vom Telefonat oder Fax bis zum Internet oder Fernsehprogramm alle
Kommunikationsangebote gleichzeitig digital transportiert und vermittelt
werden können.
[mehr]
[CNN]
Kritiker weisen daraufhin, daß ein solches integratives Netz erst
noch seine Bewährungs- probe im Massenbetrieb bestehen müsse. Ein
solches kostensparendes Breitbandnetz mache auch eine völlig andere
Art der Abrechnung der Angebote notwendig. So plant Sprint eine Abrechnung
nach Datenmenge, denn eine zeitabhängige Berechnung hat hier keinen
Sinn mehr. Dazu erhält der Kunde einen [Ed: wie von t-off 1995
gefordert!] fernabfragbaren
Monitor (Preis 200 $), mit dem die transportierten Daten beim Kunden
erfaßt werden. Sprint hat sich aber noch nicht dazu
geäußert, was denn z. B. ein Telefonat von einem Megabyte ab
1999 via ION kosten wird. Es soll aber 70 % billiger als heute sein.
[mehr]
[Hinweis auf einen c't-Artikel]
BRÜSSEL 3.6.1998 (ws/t-off). Während in Deutschland
noch über die von der Telekom geplante Regionalisierung ihres
TV-Kabelnetzes diskutiert wird,
wird der Wettbewerb zwischen Telefon-
und TV-Kabelnetz in anderen europäischen Ländern zunehmend
Realität. Bereits in Frankreich,
Schweden,
Österreich und der
Schweiz werden Internet- Zugänge
über rückkanalfähige Kabelnetze angeboten, Tendenz steigend.
Der amerikanische Provider @Home will in
Zusammenarbeit mit europäischen Kabelnetz- betreibern den schnellen
Internet-Zugang jetzt neben Großbritannien auch in den Niederlanden
und Belgien einführen. Damit werden in den Niederlanden über 1,4
Millionen Haushalte bzw. rund 20 % der Bevölkerung das Internet ohne
zeitabhängige Gebühren nutzen können
[mehr].
In Großbritannien möchte der Kabelnetzbetreiber ComTel
ca. 1 Million Kabelhaushalte mit dem Internet- Zugang per
Fernsehkabel versorgen [mehr].
Andere britische Kabelnetzbetreiber dürften folgen.
[mehr]
[Infos zum Internet via
TV-Kabelnetz]
[Infos zum schnellen Internet via
Telefonleitung]
SAN FRANCISCO 1.6.1998 (rw/t-off). Während Deutschland
(genauer: Kanther und Bayern) noch
"Weltpolizist im Internet" spielen
möchte, gleichzeitig aber die phantastischen Möglichkeiten des
Weltnetzes durch
abzockerisch hohe Zugangskosten
für die Wirtschaft vollends zunichte macht, läuft das in Kalifornien
völlig anders. Am aktuellen Beispiel der flächendeckenden
Einführung des ADSL dem schnellen Internet- Zugang via Telefon-
Anschlußleitung kann das jetzt taufrisch studiert werden. Allein
der Vergleich der Pressemitteilung der
SBC Communications vom Mittwoch
mit der von der
Deutschen
Telekom sagt alles.
So will die kalifornische SBC-Tochter
Pacific
Bell schon bis zum Spätsommer mehr als 5 Millionen Kunden mit
preiswertem ADSL versorgen können. Im Gegensatz zu Telekoms
T-DSL werden diese Internet- Zugänge
immer "always- on" sein, so daß sich jegliche Einwahl erübrigt.
Eine solche Internet- Standleitung kostet umgerechnet monatlich pauschal
106 DM zuzüglich 54 DM für den Internet- Service, insgesamt also
160 DM (Home Pack DSL). Und dieser Preis muß angesichts der
Kabelkonkurrenz [Ed: die in
Deutschland politisch verhindert wurde] noch
nicht das letzte Wort sein. Bei diesem SBC- Angebot ist die
Übertragungsrate mit 384 Kilobit pro Sekunde (kBit/s Download) 6-mal
so schnell wie beim ISDN. In der
Gegenrichtung (Upload) werden bis zu 128 kBit/s übertragen. Die
Telekom hingegen rechnet bereits beim ihrem
ADSL- Pilotprojekt zeitabhängig ab, so
daß z. B. 100 Stunden Internet 888 DM im Monat kosten.
1.6.1998 (khd). Erst mit den ständigen Internet- Verbindungen wird die
Jobmaschine Internet so richtig anspringen.
Denn nur mit preiswertem "Always-on" werden bestimmte externe
Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich sinnvoll, d. h. sie rechnen
sich. Und so erwartet man dann auch in Kalifornien durch diese wegweisende
Technik (zu angemessenem Preis) 640.000 neue Jobs bis 2001. Warum sollte
Deutschland angesichts von 45 Millionen Arbeitslosen auf diese Option
verzichten? So ignorant und einfältig kann doch einfach keine Politik
sein. Nur, wer erteilt der Telekom nun Nachhilfeunterricht? Kohl oder
Schröder? Wenn beim Telekom- ADSL dann
2018 die Tarife das
jetzige US-Niveau
erreichen, dürfte es zu spät sein! Aber 2018 regiert weder Kohl
noch Schröder. Das ist sicher.
MÜNCHEN 30.5.1998 (sky/t-off). Nach deutschen Politikern
[Ed: die wegen Nicht- Verstehens noch immer nicht die
"Jobmaschine Internet" angeworfen haben]
zeigte jetzt auch ein kleiner
bayerischer Amtsrichter, daß
er offenbar intellektuell unfähig ist, das Internet sowie die
zugrundeliegenden besonderen (!) digitalen Konzepte zu verstehen. Denn nur
eine solche Ignoranz konnte wohl dazu führen, daß es am
Donnerstag in München zur weltweit ersten Straf- Verurteilung eines
Managers eines Internet- Anbieters (CompuServe) wegen der
Verbreitung von Net-News (Newsgroups) mit strafbaren Inhalten kam.
Richter Hubbert machte damit ein Opfer zum Täter. Der Staatsanwalt
hatte hingegen Freispruch verlangt.
[mehr]
Und dieses Internet- behindernde Urteil macht nun weltweit Schlagzeilen,
nicht nur bei CNN. So erschien am Donnerstag (28. Mai) nur 2 Stunden nach
den ersten Urteilsberichten deutscher Agenturen im fernen Kalifornien im
"San José Mercury", dem
Leib- und Magenblatt US- amerikanischer Computer- Intelligenz, ein
erster Bericht.
Amtsrichter Hubbert hätte natürlich die eigentlichen Täter
verurteilen müssen, weiß man nicht nur in Kalifornien. Nur hatte
der bayerische Staatsanwalt von Hunoltstein diese dem Gericht nicht
präsentiert. Für Straftaten im Internet müssen aber immer
die Urheber zur Rechenschaft gezogen werden, stellt der Internet-
kompetente Marburger Strafrechts- Professor Dieter Meurer fest.
Kommentare:
[SZ]
[WELT]
[SPIEGEL]
BONN 29.5.1998 (sfr/t-off). In einer E-Mail nahm die
Regulierungsbehörde jetzt noch einmal Stellung zu den hohen
Ortstarifen der Telekom. Danach hat "allein die Deutsche Telekom AG die
Initiative für die Preis- und Produktgestaltung". Daher bestehe
seitens des Regulierers "keine rechtliche Möglichkeit", auf die
Telekom bei der Tarifgestaltung einzuwirken, heißt es in dem
Schreiben, das im UseNet publiziert wurde.
[mehr]
[Der Nebel lichtet sich]
BRÜSSEL 27.5.1998 (sa/t-off). Als EU- Wettbewerbs-
Kommissar
Karel van
Miert heute in Brüssel vor die Presse trat, hatte er sehr gute
Nachrichten für den Wettbewerb am Wirtschafts- standort Deutschland zu
vermelden. Die EU-Kommission hat heute durch einstimmigen Beschluß
die Pay-TV- Fusion zwischen Bertelsmann (Premiere) und der KirchGruppe
(DF1) sowie die Digital- Allianz zwischen diesen und der Deutschen Telekom
(Beta Research) verboten. Diese hätten sonst eine derart
marktbeherrschende Stellung erhalten, daß ein Markteintritt anderer
unmöglich geworden wäre. Für die gesunde Entwicklung des
Digital- TV müsse aber der Markt offen bleiben.
[mehr].
"Bertelsmann und Kirch sind nicht primär an der Einführung des
digitalen Fernsehens, sondern in erster Linie daran interessiert, ihre
künftige Monopolstellung gewinnbringend auszubauen und abzusichern."
Das hatte bereits im Dezember das Bundeskartellamt festgestellt. Und es war
letztendlich die reine Wahrheit, woran dann auch die vielen
Fürsprecher wie Kohl, Genscher, Bangemann, Clement, Stoiber u. a.
nichts beschönigen konnten. Niemand, das hat die EU- Kommission nun
festgelegt, soll dem Publikum überteuertes Digital- TV diktieren
dürfen. Zumal sich Leo Kirch bis zuletzt weigerte, die Software der
d-Box wirklich offenzulegen.
[mehr].
[Van Miert knickte auch bei
BerTelKirch nicht ein]
[EU-Kommissar van Miert kämpfte bis
zum Schluß um einen Kompromiß]
BONN 26.5.1998 (pos/t-off). Im Telekom- Vorstand ist heute
die Entscheidung über die Zukunft des
hochdefizitären TV- Kabelnetzes
gefallen. Danach wird der Breitbandkabel- Geschäftsbereich zum 1.
Januar 1999 in eine 100 %ige Tochter-GmbH verlagert. Aus dieser sollen dann
bis 2000 mindestens 6 regionale Kabelgesellschaften entstehen, die auch
Partner aus der Multimedia- Branche aufnehmen dürfen. Diese Baby-
T'koms sollen über ihr künftiges Angebot im Kabel selbst
bestimmen können. Dennoch vermuten Branchenkenner dahinter nur eine
Scheinlösung zur Ruhigstellung der EU- Kommission. Denn offensichtlich
ist mit dem neuen Plan nicht sichergestellt, daß die Babys die
Kabelnetze mehrfach nutzen dürfen, d. h. neben dem Fernsehen auch
Telefonie und Internet anbieten können.
Beim Bemühen, schon jetzt Käufer zu finden, hat die Deutsche
Telekom inzwischen sogar mit Otelo als möglichem Gesellschafter
gesprochen. Otelos Mutter Veba hatte bereits 1997 in Serie
TV- Kabelnetze aufgekauft. Angesichts
des erhobenen Vorwurfs, die Aufteilung des Kabelnetzes erfolge nur zum
Schein, ist die Telekom offenbar auch bereit, sich total aus dem TV-
Kabelgeschäft zurückzuziehen. Der FOCUS zitiert gestern eine
entsprechende Aussage von Telekom- Vorstand Tenzer.
26.5.1998 (t-off). Aber stimmen muß das ja nicht. Die eigentliche
Nagelprobe, ob künftig Wettbewerb möglich sein wird, ist nun
einmal die intelligente Nutzung aller
Breitbandkabel für Telefonie, Internet und
Fernsehen.
BERLIN 24.5.1998 (t-off). Vize-Regulierer
Arne Börnsen (SPD) kommt immer
mehr von der Rolle. In einem Brief an
Telekom-Chef Ron Sommer hat er sich jetzt quasi für die
Kabel- Entscheidung seiner
eigenen Behörde entschuldigt. Börnsen hatte bereits
vor 1996 dazu beigetragen, daß heute
die 5-Mark-pro-Stunde die Entfaltung der
Jobmaschine Internet
(geschätztes Potential von 45 Millionen neuer
Arbeitsplätze) massiv behindern kann.
Unter den Beschäftigten der Deutschen Telekom AG gärt es. Um ihre
Kosten in den Griff zu kriegen, bereitet der Vorstand
Massenentlassungen vor. Nur mit
Rücksicht auf die Bundesregierung (wegen der Bundestagswahl) wurde das
bislang nicht publik. Nicht gespart werden soll hingegen beim
sinnlosen Prozessieren.
Aus Sicht von Verbrauchern und Informations- Wirtschaft haben
Die
Grünen in Bonn seit 1994 gute und kompetente Telekommunikations-
und Internet- Politik gemacht. Das könnte
sich nach der Bundestagswahl ändern, denn sie haben auf ihren
aussichtsreichen Listenplätzen keinen Internet- kompetenten
PolitikerIn plaziert.
[mehr]
WASHINGTON 21.5.1998 (cyf/t-off). Feinde unserer Gesellschaft
könnten heute versuchen, Cyber- Angriffe gegen wichtige Militär-
und Wirtschafts- Computersysteme in der Telekommunikation sowie bei
Banken, Börsen, Energieversorgern oder Flugleitstellen zu
führen. Darauf wies am Dienstag Peter G. Neumann, der US-
Spezialist für Computer- Sicherheit, bei einer Anhörung durch den
Ausschuß für "Governmental Affairs" des US- Senats hin.
Insbesondere gehe die Bedrohung von den erheblichen Risiken unsicherer
Computer- Betriebssysteme aus. Konkret wies Neumann auf die Systeme von
Microsoft hin [Ed: alle Windows- Systeme, die im Internet meist daran zu
erkennen sind, daß die Dateinamen von Web- Seiten statt mit ".html"
nur mit ".htm" enden].
Peter G. Neumann ist im Internet als Herausgeber des Forums "Risks to the
public in computers and related systems"
(comp.risks) bekannt. Neumanns aktuelle Sicht
computerbezogener Risiken ist jetzt im Internet nachzulesen unter
"Computer- Related
Infrastructure Risks for Federal Agencies". Dieses Papier gehört
zur Pflichtlektüre aller, die sich ernsthaft mit Kommunikations-
Sicherheitsrisiken in unserer vernetzten Computerwelt beschäftigen.
[Warten auf Sicherheit]
HAMBURG/BERLIN 20.5.1998 (abt/t-off). Alte Menschen werden in
unserer vom Zeitgeist der Unsolidarität geprägten Gesellschaft
immer mehr aufs Abstellgleis geschoben. Ganz offensichtlich regiert nur
noch unmenschlicher Turbo- Kapitalismus. Auch bei der (Tele-)
Kommunikation. Für die 'Pfleger' des Shareholder- values sind unsere
Alten da nur noch ein Kostenfaktor. So zeigte heute ein Beitrag des
TV- Magazins "DAS!" des Norddeutschen Fernsehens N3 auf, was das
(rechtlich geschützte) globale
Kauderwelsch der Deutschen Telekom wie CityCall fürs
Ortsgespräch oder GermanCall fürs Ferngespräch
für alte Menschen, die nie Englisch lernten, aber dennoch die
Bundesrepublik nach 1945 aufbauen konnten, tatsächlich bedeutet. Sie
können ihre Telefon-Rechnung nicht mehr verstehen. Auch wenn der
alerte Telekom- Sprecher 1000 schlechte
Gründe für die Sprachver(w)irrung
abspulte ("Dummschwatz" nach dem Urteil Berliner Werbeexperten), ist
die Wirkung fatal: Alte Menschen fühlen sich überflüssig,
von der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie werden depressiv.
Und das sieht nach gedankenloser Absicht aus. Denn schon im Rahmen des
großen Protests gegen das Gebühren- System im Ortsbereich
schrieben 1996 vor allem alte Menschen an die
"Aktion billiges Telefon":
26.5.1998 (khd). Vielleicht sollte ja mal der (75 %ige-)
Haupteigentümer der Telekom, der Bund, dieser ernsthaft ins Gewissen
reden, so daß alte Menschen nicht länger durch dieses
völlig überflüssige "pubertäre Globalgetue" (Berliner
Werbeexperten) diskriminiert werden. Und wäre das nicht eine sinnvolle
Aufgabe für den Bundesvertreter im Aufsichtsrat, den mit so
reichlich psychologischem Telekom- Einfühlungsvermögen
ausgestatteten und auch bereits im
Briefeschreiben erprobten
Finanzstaatssekretär Jürgen Stark?
4.6.1998 (t-off). In einem Zeitungsinserat im Berliner "Tagesspiegel"
(Seite 20) verspricht heute die Deutsche Telekom: "Klartext statt
Kauderwelsch." Nun, wir werden ja sehen, was demnächst auf den
Telefon- Rechnungen steht.
BONN 19.5.1998 (pos/t-off). Seit dem Start des Telefon-
Freimarkts können Kunden nicht immer während eines Telefonats die
laufenden Kosten feststellen, da die Deutsche Telekom die
Gebührensignale der Wettbewerber nicht zum Kunden durchschaltet [t-off
berichtete]. Außerdem liefert aber
auch die Telekom bei ihren eigenen Tarifen wie City-Weekend, City-Plus und
10-Plus völlig falsche Gebühreninformationen, kassiert dennoch
für den Impuls. Daß dieses Ignorieren von wesentlichen
Verbraucherinteressen in dieser vom Computer abhängigen HighTech-
Branche überhaupt passieren konnte, gilt als symptomatisch für
das Nichtbeherrschen moderner Digital-
Techniken.
Da das soo peinlich für alle beteiligten Telcos war, haben sie sich
jetzt eine Übergangslösung einfallen lassen. Zudem hat sich
die Telekom doch noch bereit erklärt, in Kooperation mit den
Herstellern ihrer Vermittlungscomputer (Siemens und Alcatel) einen
"standardisierten Impuls" in die Netze der anderen Betreiber einzuspeisen.
Dazu müssen bis zum Herbst alle Ortsvermittlungsanlagen der Telekom
für insgesamt 1 bis 2,5 Mill. DM nachgerüstet werden. Im Jahr
2000 soll dann das einheitliche Euro- Gebührensignal, das eine sehr
genaue Abrechnung und Kontrollen erlaubt, eingeführt werden.
[mehr]
[WIK-Newsletter März 1998:
Entgeltanzeige in einem
Multicarrierumfeld]
DÜSSELDORF 18.5.1998 (ro/t-off). Klammheimlich hat jetzt
Otelo mit 4 1/2 Monaten Verspätung doch noch
Echtes Call-by-call
eingeführt. Damit können alle Telefon- Kunden ganz spontan
ohne Voranmeldung durch Vorwahl von 01011 über die Netze der
RWE/Veba- Tochter telefonieren, so es sich
21.5.1998 (t-off). Otelos ursprüngliches Konzept, Privatkunden nur per
Pre-selection zu gewinnen, ist
nicht aufgegangen. Veba- Konzernchef Ulrich Hartmann sprach jetzt davon,
daß der Markteinstieg "kein
Honigschlecken" gewesen sei. Der erhoffte Ansturm unzufriedener
Telekom- Kunden blieb bisher aus. Als Hauptursache dafür gilt
allerdings unter Branchenkennern die Tatsache, daß auch Otelo noch
immer keine Ortsgespräche sowie keinen
attraktiven Zugang zum
Internet anbietet. Auch hätte Otelo wissen müssen, daß
letztendlich alle Telcos bis zum Jahr 2000 Echtes
Call-by-call anbieten müssen, weil das eine kundenfreundliche
EU- Regelung so vorsieht.
Und nur ein Blick in die
Pressemitteilung
ihres neuen US-Partners BellSouth von gestern sollte nun den Otelo- Managern
aber auch Telekoms Managern die Augen öffnen. Es
gibt keinen Grund mehr, deutschen Kunden ähnlich kostengünstiges
Always-on- Internet vorzuenthalten,
for a better understanding. And for a much better business!
[Kunden sollen bei jedem Anruf die Wahl
der Telefongesellschaft haben]
29.5.1998 (t-off). Erst heute teilt Otelo mit sehr reichlich
Druckerschwärze in Zeitungsinseraten mit, daß es nun auch bei
ihnen Call-by-call gibt. Aber der Sonderpreis von 12 Pfennig pro Minute
plus 6 Pfennig pro Verbindung gilt nur Pfingsten, also nur am 31. Mai und
am 1.Juni innerhalb Deutschlands. Insofern ist der Spruch "An Pfingsten und
dann immer 01011 wählen und mit o.tel.o sparen" vorschnell irreführend.
Erst müßten sie wohl noch
die Tarife senken.
BONN/BOSTON 17.5.1998 (max/t-off). Bundeswirtschaftsminister
Günter Rexrodt
FRANKFURT/MAIN 16.5.1998 (pir/t-off).
Otelo, die Telefongesellschaft von RWE
und Veba, drängt es jetzt auch ins Fernsehgeschäft. Nein, Otelo
will nicht mit der Einführung des ultraschnellen
VDSL über verdrillte
Telefondrähte glänzen, um so den anderen die Show zu stehlen.
Auch will Otelo den angestammten TV-Kabelnetz- betreibern keine Konkurrenz
machen. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von heute,
will Otelo nun auch Treuhänder für digitale Programmpakete anderer werden.
So solle dann ein Wettbewerb zwischen den verschiedenen Netzbetreibern
einschließlich der Telekom organisiert werden. Als Decoder soll
Kirchs d-Box verwendet werden. Otelo hat
jetzt dieses Marketing- Konzept in Brüssel zur Prüfung vorgelegt.
[mehr]
BERLIN 13.5.1998 (t-off). Bundeskanzler Helmut Kohl forderte
heute beim Festakt zum 50jährigen Luftbrücken- Gedenken im
Beisein von US-Präsident Bill Clinton im Berliner Schauspielhaus am
Gendarmenmarkt dazu auf, daß Deutschland sich "die Vereinigten
Staaten zum Vorbild" für wirtschaftliche Reformen nehmen solle. Das
läßt nun hoffen, daß auch bei den Kommunikationstechniken
in Deutschland endlich wie in den USA
Nägel mit Köpfen gemacht
werden. So hat BGA- Präsident Michael Fuchs gestern die Internet-
Technik als die "Jobmaschine"
für Deutschland ausgemacht. Wer also in der Zukunft reichlich neue
Arbeitsplätze haben will, der muß jetzt einen
Internet- Boom auslösen.
Zudem seien die Deutschen
nicht technikfeindlich, wie das
immer wieder unterstellt werde. Und um diesen Boom zu starten, müssen
lediglich die Internet- Zugangskosten auf das
amerikanische Niveau
abgesenkt werden. Mehr sei gar nicht notwendig. Den Rest erledige die
Innovation und der Markt dann von alleine, wissen die Betroffenen schon
seit Jahren. Nun müsse den Worten die Taten folgen.
[USA + Japan: Freie Fahrt auf dem
Datenhighway]
NEW-YORK 12.5.1998 (t-off). Zeitabhängige Gebühren
bescheren kommerziellen Online- Angeboten keinen Erfolg. Zu diesem Ergebnis
kamen die Marktforscher des US-Unternehmens
Jupiter Communications. Wolle
man insbesondere junge Menschen ansprechen, so seien zeitabhängige
Gebühren ein Auslaufmodell. Akzeptanz bei den Kunden fänden
entweder werbefinanzierte Angebote oder Tarifmodelle mit fixen, etwa
monatlichen, Abo-Gebühren
[mehr].
Bereits ähnliche Erfahrungen
mußte auch Microsoft im August letzten Jahres machen. Bei den Nutzern
dürfe nicht der Eindruck entstehen, daß bei Online- Angeboten
ständig der Gebühren- Zähler ticke ("the clock is
ticking").
13.5.1998 (ws). Um Mißverständissen vorzubeugen: In den USA
geht es den Marktforschern natürlich nicht um die Telefonkosten oder
Gebühren der Internet- Provider, sondern um Tarifmodelle für die
Nutzung kommerzieller Online- Angebote. In Deutschland erübrigt sich
diese Fragestellung weitgehend. Denn schon die hohen zeitabhängigen
Telefon- Gebühren und nicht nur bei T-Online noch hinzukommenden
zeitabhängigen Provider- Kosten sorgen hierzulande dafür,
daß der Internet-Boom an der
Masse vorbei geht. Auch daß T-Online mittlerweile mehr als 2
Millionen Kunden vorweist, kann nicht darüber hinwegtäuschen. Was
zählt, ist das wahre
Nutzerverhalten. Solange aber in
Deutschland bereits die Kosten für wenige Stunden Internet
astronomische Ausmaße
annehmen, dürften nur die wenigsten Privatkunden bereit sein, noch
zusätzlich Geld an die Betreiber kommerzieller Web-Sites zu bezahlen.
BONN 11.5.1998 (pos/t-off). Erst heute ist die Deutsche
Telekom AG der bereits Ende Januar in Washington gegründeten
"Universal ADSL Working Group" (UAWG) [t-off
berichtete] beigetreten. In
der UAWG haben sich große
Computer- Unternehmen wie Intel, Microsoft und 3Com sowie viele Telcos
zusammengeschlossen, um allerorten eine schnelle Markt- einführung der
vielversprechenden ADSL- Technik zu
erreichen. Hauptaufgabe ist deshalb die internationale Normung sowie die
Entwicklung einer preiswerten Version dem ADSL-Lite, das sich mit
einer maximalen Übertragungs- geschwindigkeit von 1,2 Megabit pro
Sekunde (MBit/s) begnügt.
ISDN leistet hingegen nur 0,064
MBit/s, ausgewachsenes ADSL über 10 MBit/s.
Von Telekoms Hauptkonkurrenten Arcor, Otelo und Viag Interkom ist bisher
nicht bekannt, daß sie bei der UAWG- Allianz zur Verbreitung der
ADSL- Technik teilnehmen. Die Deutsche Telekom will ADSL- Lite für
Privatkunden als T-DSL noch im
Spätherbst in deutschen Ballungszentren einführen.
[ADSL ermöglicht schnellen
Internet-Zugang]
[Techs and telcos agree on
faster Net access]
17.10.1997: [Herrenlose Gesprächsdaten]
16.01.1998: [Auch Lauschangriff nützte nichts]
22.01.1998: [Unberechtigte Gebührenforderungen]
22.02.1998: [Doppelte Ferngesprächsabrechnung]
02.03.1998: [Langes Telefonat nach Malta]
07.03.1998: [Selbstgespräche] Wehretal 1
15.04.1998: [Telekom So nicht!] Wehretal 2
12.05.1998: [Rechnung falsch wie falscher Fuffziger]
31.05.1998: [Rund um Kassel ist "Wehretal"] Wehretal 3
03.06.1998: [Massive Abrechnungsprobleme?]
[mehr]
[Hintergrund: Total digital]
Das Publikum reagiert angesichts dieser Vielzahl an Telcos und Tarifen
verwirrt. Nach einer Emnid- Umfrage, die heute von der Zeitschrift
"Connect" publiziert wurde,
haben 55 % der Befragten "mangelndes Vertrauen in die Seriösität"
der neuen Telcos. Das halte sie vor allem davon ab, auf das
Pre-selection- Verfahren zu
wechseln, zumal es bundesweit außer der Telekom noch immer keinen
Anbieter von Ortsgesprächen gebe. Lediglich 5,4 % der Befragten machen
bislang von dieser Möglichkeit Gebrauch. Das kundenfreundliche
Echte Call- by- call wird hingegen
derzeit nur von 4 % aller Telcos angeboten:
Arcor,
MobilCom (nur Inlandsferngespräche),
Otelo,
TelDaFax und
Viatel.
Teures ADSL in Deutschland:
[Deutsche Telekom]
Fehlanzeige bei den Newcomern:
[Arcor]
[Otelo]
[Viag]
Nichts gelernt?
26.5.1998 (t-off). Seit Sonntag demonstriert in Berlin das Unternehmen
Zukunft die Deutsche Bahn AG, was
es tatsächlich in der Praxis bedeutet, wenn öffentliches Leben
total von nicht ausreichend getesteten Computersystemen und nur
mittelmäßigen Managern abhängig ist. Zwar liegen die wahren
Ursachen für das erneute Bahnchaos mit
Siemens- Computern noch im Dunkeln, zumal den Bahnmitarbeitern ein Maulkorb
verpaßt wurde. Aber zum
Altonaer Stellwerk- Absturz von 1995 gibt es bis heute keine offizielle
Erklärung der Bahn, warum damals der gesamte Bahnverkehr in Deutschland
durcheinanderkam. Hingegen hat die
ESA
ganz genau erklärt, warum die erste Ariane-5 1996 beim Start
versagte.
[mehr zu den Berliner
Chaostagen]
Dem Management der Telekom ist diese Kritik seit 1996 durch einen
Brief der Bürgerinitiative
bekannt gewesen.
denn lohnt. Denn die Otelo- Tarife
gehören aus Kundensicht nicht zu den optimalen Telefon- Tarifen der
Republik. Verblüffend an diesem Meinungswandel ist, daß diese
Gesellschaft "for a better understanding" nicht rechtzeitig die
Verständigung mit dem Publikum suchte. Denn in der aktuellsten
Pressemitteilung
vom 15. Mai teilt Otelo nur die Preissenkung für Telefonate in die
Mobilnetze mit. Ab heute sind hier bei sekundengenauer Abrechnung in der
Hauptzeit (wochentags 918 Uhr) nur noch 89 Pfennig pro Minute, sonst
49 Pfennig zuzüglich 6 Pfennig für jede Verbindung zu bezahlen.
[mehr]
[Telcos unite to attack residential
high-speed data market]
| Weitere Services im Rahmen des Archivs "t-off" von khd | ||
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| Hier gibt es keine gekauften Links! | ||
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